Cover-Bild Öl und Blut im Orient

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42,00
inkl. MwSt
  • Verlag: AB - Die Andere Bibliothek
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 350
  • Ersterscheinung: 15.06.2018
  • ISBN: 9783847704027
Essad Bey

Öl und Blut im Orient

Autobiographischer Bericht
Der autobiografische Bericht von einem Mann voller Rätsel – von einem Juden aus Baku am Kaspischen Meer, der zum Muslim wurde. Essad Bey war zu seiner Zeit ein weltbekannter Orientexperte und faszinierend-schillernder Bestsellerautor

Aiserbaidschan und die Region am Kaspischen Meer – seit dem Ölrausch Mitte des 19. Jahrhunderts im Fokus globaler Interessen, strategisches Spielfeld kolonialen Strebens und klandestines Ziel von Hitlers imperialen Plänen im Osten.
Essad Beys »autobiografischer« Bericht führt in die Zeit um den Ersten Weltkrieg und präsentiert die lokalen Akteure, die ersten Ölmillionäre, ethnische, religiöse und politische Konflikte zwischen Aserbaidschanern, Armeniern und Persern, Bolschewisten und Monarchisten, Christen, Juden und Muslimen rund um die erste Rohbenzin-, die »Naphtha«-Industrie. Vor dem Hintergrund einer Weltgeschichte, die sich in den wenigen Straßen, Pfaden, Hütten und Palästen der explosionsartig wachsenden Stadt Baku abspielt, schildert Essad Bey seine eigene Kindheit und Jugend als Sohn eines Ölbarons.
Wurde die Glaubwürdigkeit der autobiografischen Details vielfach angezweifelt, lässt sich an der Eindrücklichkeit des Berichts noch die bis in die Gegenwart aktuelle Gemengelage an einer der erdölreichsten Regionen der Erde verstehen. Essad Beys Bericht verfügt über eine Authentizität, wie sie nur die Literatur auszeichnet.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2018

Geschichten über den Anfang der (Roh-)Ölindustrie im Kaukasus

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Hasardeur könnte die passendste Bezeichnung für Essad Bey sein. Für einen Berichterstatter sind seine Geschichten aus dem Orient zu märchenhaft geschmückt, für einen Aufschneider steckt zu viel Wahrheit ...

Hasardeur könnte die passendste Bezeichnung für Essad Bey sein. Für einen Berichterstatter sind seine Geschichten aus dem Orient zu märchenhaft geschmückt, für einen Aufschneider steckt zu viel Wahrheit in ihnen. Bereits als 1929 sein Buch „Öl und Blut im Orient“ in der Erstauflage erschien, zeigten die Reaktionen deutlich, dass Bey die Provokation liebt. Übertreibungen und Münchhausiaden finden sich massenhaft in seinem Buch. Essad Bey inszeniert sich selbst als Orientale, obwohl er als Ausländer der Vermittler ist, der dem Westen die Welt des Orients erklärt.

Zunächst gibt Bey einen Einblick in die Ölstadt Baku und ihre politisch-wirtschaftliche Gemengelage. Er selbst beschreibt sich als Sohn eines Ölbarons, der vor dem Ersten Weltkrieg durch die beginnende Rohölindustrie reich geworden ist. Spannend sind die Ausführungen, wie die Industrie funktionierte: durch private Wachdienste (die sogenannte Ölgarde), Arbeiter von außerhalb, die in heruntergekommenen Baracken leben. Ausgeschmückt sind diese Ausführungen mit kleinen Geschichten über die (vermeintliche) Weisheit der Herrscher bis hin zu der Geschichte von seiner eigenen Entführung. Dass dabei im Orient Könige, Fürsten und Räuber nicht immer leicht zu unterscheiden sind, macht Bey mehr als einmal deutlich. So schildert Bey auch ausführlich, dass Räuber immer wieder – zur Erhaltung der Ordnung – zu Provinzgouverneuren gemacht werden.

Allerdings muss man manches, was Bey schreibt, mit Vorsicht genießen. So weist das Nachwort bereits darauf hin, dass manches, was beschrieben ist, so nicht stimmen kann. In Blick auf die Jesiden kolportiert Bey zum Beispiel das Vorurteil, es handle sich um Teufelsanbeter. Der goldene Pfau, den sie anbeten, stehe für den Teufel, sagt Bey und verweist auf Jesiden, mit denen er sich unterhalten habe. Freilich war der goldene Pfau schon zu Essad Beys Zeiten das Symbol für den obersten Erzengel.

Fast schon humoristisch wirken Beys Ausführungen zu den Rassen. So vertritt er die These, dass das Klima die Rassen verändere – und zwar im Sauseschritt. Als Beispiel führt er die Kinder blonder Männer an, die plötzlich schwarze Haare hätten. Hier sind doch andere Antworten deutlich plausibler. Aber Bey will den Menschen glauben, die ihm erzählen, dass man niemals nie auf die Idee käme, mit jemandem einer anderen Rasse zu verkehren.

Zu wissen, dass nicht alles, was Bey beschreibt und erzählt, stimmt, mindert ein wenig den Lesegenuss. Trotzdem sind die Beschreibungen von Land und Leuten spannend zu lesen. Dazu gehören etwa die Traditionen der Wüstenbewohner oder auch die Beschreibung von Samarkand, was Bey als Ursitz seiner Familie bezeichnet.

Immer wieder schildert Bey auch die Grausamkeit des Orients. Ein wenig wirkt es bei Bey so, als ob Massaker eben zum Orient dazugehören. Der Schrecken wird am ehesten noch bei den Massakern der Sowjetunion deutlich. Mit der Flucht vor den Russen endet auch das Buch. Als auch das Land Georgien, in das Bey mit seinem Vater geflüchtet ist, russisch wird, geht es zurück nach Europa.

Lesenswert ist das Nachwort von Sebastian Januszewski, der vor allem auf die Ungereimtheiten in der Biografie Beys eingeht, aber auch die Historizität des Textes kritisch hinterfragt.