Cover-Bild Schon schwankte die Welt
(20)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Thema
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Eichborn
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 208
  • Ersterscheinung: 27.04.2026
  • ISBN: 9783847902348
Felicitas Prokopetz

Schon schwankte die Welt

Roman

Viktoria und Helene: seit Kindertagen unzertrennlich. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbunden durch ein unsichtbares Band, das sie schon als Mädchen spüren und sie über Jahrzehnte nicht loslässt. Als Viktoria schwanger wird und ihre Beziehung zerbricht, steht Helene ihr bedingungslos zur Seite, wird zur zweiten Mutter, vielleicht sogar zum besseren Vater für die kleine Lara. Jahre später verwirklicht Viktoria ihren Traum, ihren Master in Kognitionsbiologie nachzuholen, und forscht an der Kommunikation von Raben. Dabei stößt sie auf unerklärliche Phänomene, denen sie gemeinsam mit Helene nachgeht. Eine Kette unglaublicher Ereignisse wird in Gang gesetzt.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein dichtes, hochpolitisches und spannungsvolles Werk

2

Ich mochte schon das Debüt von Felicitas Prokopetz sehr gern und ihr neuer Roman konnte das noch einmal toppen. Eine wirklich runde Erzählung mit hohem Tempo, pointierten Perspektivwechseln, einer scharfzüngigen ...

Ich mochte schon das Debüt von Felicitas Prokopetz sehr gern und ihr neuer Roman konnte das noch einmal toppen. Eine wirklich runde Erzählung mit hohem Tempo, pointierten Perspektivwechseln, einer scharfzüngigen politischen Komponente und einer Prise Raben-Mystik.



Die Figuren sind alle total spannend und ergänzen sich ganz toll. Ich bin besonders beeindruckt davon, wie die Autorin Perspektivwechsel einsetzt, um die Geschichte dichter zu machen. Das Tempo der Wechsel zieht manchmal so stark an, dass wir in einer bestimmten Szene quasi mit dabeisitzen und die verschiedenen Wahrnehmungen und Gedanken gleichzeitig erleben dürfen. Außerdem gelingt es ihr, die Spannung verschiedener Situationen auszuhalten. Die Empfindungen der Figuren in einem bestimmten Moment sind teilweise völlig gegensätzlich und diesen Raum zu halten ist anstrengend, aber eben eine wahre Kunst.



Die Sprache ist teils anspruchsvoll, die Sätze wirken nahezu wie Wort für Wort kuratiert. Das ist nicht immer mein Fall, hier ist es aber wohldosiert eingesetzt und bei einem so schmalen Buch nehme ich auch gern in Kauf, manche Sätze doppelt lesen zu müssen.



Ich finde es großartig, dass hier so politisch geschrieben wird. Feminismus, Veganismus, Klimakrise - alles ganz wichtige Themen und Prokopetz nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Außerdem liebe ich ältere Frauenfiguren, die happily single sind und sich nicht dem gesellschaftlichen Narrativ einer „richtigen" Familie unterordnen wollen. Männer kommen dagegen nicht so gut weg und auch, wenn Polly als etwas klischeehaft eingeordnet werden kann, akzeptiere ich das gern - denn viele cis Männer sind eben genau auf diese Art „feministisch“. Wie subtil sexistisches Denken wirkt, fand ich unglaublich fein herausgearbeitet.

Das Ende greift die mystische Raben-Storyline noch einmal auf und hinterlässt seine Lesenden mit ein paar Fragezeichen. Das passt für mich nicht immer, aber hier war es mit Blick auf die gesamte Interaktion mit dem Raben stimmig. Nicht alles wird geklärt und das ist auch okay so.

Eine wirklich tolle, intensive Erzählung mit starken Figuren, die uns dank vieler Perspektivwechsel keineswegs schonen. Prokopetz jongliert eine schiere Masse an Themen und vermittelt sie auf anspruchsvolle, aber kluge Weise, die mich völlig für sich eingenommen hat. Die Kürze des Romans verhindert an manchen Stellen eine gewisse Tiefe, die mein Urteil insgesamt aber nicht verändert. Bitte mehr davon!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 05.05.2026

Vielschichtige Einblicke..

1

Es geht hier um die sehr langjährige Freundschaft von Veronika und Helene und es tun sich hier sehr viele Perspektiven auf. Der Rabe Toni begleitet uns durch die Erzählungen, geheimnisvoll manchmal etwas ...

Es geht hier um die sehr langjährige Freundschaft von Veronika und Helene und es tun sich hier sehr viele Perspektiven auf. Der Rabe Toni begleitet uns durch die Erzählungen, geheimnisvoll manchmal etwas undurchsichtig.

Ja, es ist ein Roman mit feministischen Zügen, doch nicht unbedingt dort einzuordnen. Mich persönlich machte hin und wieder die moderne Artikulation, wenn ich es Mal so nennen darf, der Protagonisten etwas nachdenklich.

Für mich war es lesenswert, wenn auch noch viele Rätsel offen sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 04.05.2026

Tonis Geheimnis

2

Kognitionsbiologin Viktoria Kroth ist gerade dabei, ihre Promotion nachzuholen. Nachdem ihre Tochter Lara (21) fürs Studium aus der gemeinsamen Wohnung in Wien ausgezogen ist, hat die 44-jährige Doktorandin ...

Kognitionsbiologin Viktoria Kroth ist gerade dabei, ihre Promotion nachzuholen. Nachdem ihre Tochter Lara (21) fürs Studium aus der gemeinsamen Wohnung in Wien ausgezogen ist, hat die 44-jährige Doktorandin endlich Zeit für ihre Forschung. Doch an einem einzigen Tag geschehen gleich zwei ungewöhnliche Dinge: Rabe Toni, den sie von Hand aufgezogen hat, kehrt nach drei Jahren zu ihr zurück. Und Pollux Rusko, genannt Polly, taucht ebenfalls an der Forschungsstation auf. Der 25-jährige Student hat allerdings nicht nur Interesse an den gefiederten Tieren. Dann zeigt Toni plötzlich ein seltsames Verhalten, dem Viktoria mit ihrer besten Freundin Helene nachgehen will…

„Schon schwankte die Welt“ ist ein Roman von Felicitas Prokopetz.

Erzählt wird die Geschichte in 29 Kapiteln aus wechselnder Perspektive: aus der Sicht von Viktoria, Helene, Lara und Polly. Der Roman endet mit einem Epilog, der eine weitere Perspektive erschließt. Die Handlung spielt in Wien und umspannt mehrere Monate.

Der Fokus der Geschichte liegt vor allem auf den weiblichen Figuren. Viktoria, Helene und Lara sind Charaktere mit Ecken und Kanten. Ihre Gedanken sind stimmig. Sie werden mit psychologischer Tiefe dargestellt. Zwar sind nicht all‘ ihre Facetten sympathisch. Das jedoch macht sie authentisch. Nur Polly wird ambivalent und undurchsichtig geschildert, sodass man zu ihm auf Distanz bleibt.

Der Roman setzt verschiedene thematische Schwerpunkte. Da ist zunächst die Wissenschaft, insbesondere die Biologie und Sprachwissenschaft. Zur Erforschung der Raben und ihrer Kommunikation liefert die Geschichte nicht nur interessante Tierfakten, sondern hält auch ein geheimnisvolles Element bereit, das für Spannung auf den rund 200 Seiten sorgt.

Ein weiterer Themenkomplex sind die zwischenmenschlichen Beziehungen. Dazu zählt insbesondere sowohl die Freundinnenschaft zwischen Helene und Viktoria als auch die Mutter-Tochter-Verbindung. Zudem spielen Kindheitstraumata eine wichtige Rolle.

Gut gefällt mir auch, dass der Roman sehr am Puls der Zeit ist. So beinhaltet er unterschiedliche feministische Aspekte und erwähnt Probleme wie den Klimawandel. Auch das macht die Geschichte über ihren Unterhaltungswert hinaus bereichernd und vielschichtig.

Zwar enthält die Handlung durchaus ein paar Szenen, bei denen es offensichtlich ist, dass die Autorin ihrer Fantasie freien Lauf gelassen hat und dies in der Realität kaum vorstellbar ist. Allerdings bleibt der Abschluss des Romans dadurch wunderbar mehrdeutig und lässt Raum für eigene Interpretationen.

Auch in sprachlicher Hinsicht hat mich der Text nicht enttäuscht. Die einzelnen Perspektiven sind stilistisch sehr gut ausgearbeitet. Es wird zudem auf angenehm unaufdringliche und natürlich klingende Art und Weise gegendert. Nur über einige österreichische Wörter, die mir wenig geläufig waren, bin ich beim Lesen gestolpert.

Der beinahe poetisch anmutende Titel ist recht allgemein gehalten, aber passt sehr gut. Das hübsche Covermotiv ist durchdacht und auf die Geschichte perfekt abgestimmt.

Mein Fazit:
Mit „Schon schwankte die Welt“ ist Felicitas Prokopetz erneut meinen Erwartungen gerecht geworden. Ihr neuer Roman ist sogar noch besser gelungen als ihr Debüt. Definitiv lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 28.04.2026

Feinfühlig, klug, gesellschaftskritisch und authentisch: unbedingt lesenswert

3

Und schon schwankte die Welt: es ist die Erinnerung, Prägung und Erfahrung unserer Kindheit und Jugend, aber auch die gesellschaftlichen Strukturen, die bis ins Erwachsenenleben die Macht haben unser Denken, ...

Und schon schwankte die Welt: es ist die Erinnerung, Prägung und Erfahrung unserer Kindheit und Jugend, aber auch die gesellschaftlichen Strukturen, die bis ins Erwachsenenleben die Macht haben unser Denken, Fühlen und Handeln, unsere Gegenwart zu beeinflussen - wenn wir sie lassen. Diese schmerzhafte Erkenntnis entwickelt Felicitas Prokopetz im Verlauf ihres neuen Romans und der Dynamik der zentralen Protagonistinnen darin.

Im Mittelpunkt Viktoria und Helene, beide Mitte 40 und beste Freundinnen seit früher Kindheit. Helene aus bürgerlichem Elternhaus und mittlerweile Professorin, Viktoria aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter mit Suchtproblematik, früh selbst Mutter geworden und nun im Begriff ihren Traum von einer Promotion verspätet zu erfüllen. Tochter Lara sollte es stets besser als Viktoria selbst haben und ist in liebevoller Fürsorge zwischen Viktoria und Helene aufgewachsen, und studiert mittlerweile im fernen Leipzig. In diese eingespielte Frauenwirtschaft platzt Viktorias Begegnung mit Polly, einem jungen Studenten, der sich für seine Masterarbeit für die Raben in Viktorias Forschungsstation interessiert. Und nicht nur Polly bringt die Dynamik der Beziehungen ins Wanken, auch Toni, der erste Rabe, den Viktoria per Hand aufgezogen hat, taucht völlig unvermittelt wieder in ihrem Leben auf, scheinbar nicht ohne Grund. Vor diesem Hintergrund entwickelt Felicitas Prokopetz eine feinfühlige, kluge Erzählung über die Komplexität sozialer Beziehungen in unserer Gesellschaft. Zentrales Thema sind im Roman dabei immer wieder patriarchal kapitalistische Strukturen und wie sie unsere Vergangenheit, Gegenwart und leider wohl auch noch Zukunft prägen werden.

Einen Gegenentwurf dazu stellt Viktorias Forschungsgegenstand, die Raben im Allgemeinen und Rabe Toni im Speziellen dar, stellen diese doch mit der Natur einen Bereich dar, der sich zumindest teilweise dem Menschen und seiner kulturellen Praktiken, die durch kapitalvermittelte, patriarchale Machtlogiken gekennzeichnet sind, entzieht. Und so verwundert es auch kaum, dass die Autorin Freundschaft und Solidarität unter Frauen als Überlebensstrategie in patriarchalen Strukturen behutsam in ihrer Erzählung herausarbeitet.

Erzählt wird alternierend aus den Perspektiven Viktorias, Helenes und Pollys. Eine weitere Ebene erhält die Geschichte durch die Perspektive Laras, deren Kindheit und Gegenwart maßgeblich von Helene und ihrer Mutter Viktoria geprägt wurden und werden, während diese gleichzeitig ihre jeweilig eigene familiale Sozialisation reflektieren. So ist Laras Gegenwart und Alter im Lebensverlauf, für Helene und Viktoria in ihrem eigenen Leben eine Vergangenheit, deren Einfluss und Sinn sie versuchen im Heute zu verstehen. Es wird deutlich, wie sehr beide sich dessen bewusst sind, versuchen ihren Einfluss auf Lara bestmöglich zu gestalten, und machen doch ganz natürlicherweise andere Fehler.

Was ich besonders gelungen finde ist die Intelligenz und Feinfühligkeit mit der die Autorin die Komplexität sozialer Beziehungen ausleuchtet. Und das stets ohne Anzuklagen, sondern in nachvollziehbarer Erläuterung darstellt, was die Lebenswelt ihrer Protagonistinnen ausmacht und wie sie zu ihren Entscheidungen kommen, ob man diese nun gut findet oder nicht. Das ist für mich ganz großes Kino!

Und schon schwankte die Welt ist ein zeitgenössischer Roman im besten Sinne, der in einer feinfühligen Erzählung soziale Beziehungen analysiert, das Handeln seiner Protagonistinnen nachvollziehbar macht und dabei gesellschaftskritisch patriarchal kapitalistische Machtlogiken und deren Wirkung auf jeden Menschen aufzeigt.

Wer den Debütroman der Autorin schon mochte, wird diese Erzählung lieben, ich finde sie noch zugänglicher und reifer im aller besten Sinne! Damit ist er auch ein toller Einstieg für Leserinnen, um die Autorin und ihr Werk neu zu entdecken! Unbedingt lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 28.04.2026

Wenn Freunde wie Familie sind

2

Die Hauptprotagonistinnen können nicht unterschiedlicher sein - wie Apfel und Birnen, Schwarz und Weiß, Yin und Yang. Dennoch sind sie beste Freundinnen - nein, eigentlich wie selbstgewählte Familienmitglieder. ...

Die Hauptprotagonistinnen können nicht unterschiedlicher sein - wie Apfel und Birnen, Schwarz und Weiß, Yin und Yang. Dennoch sind sie beste Freundinnen - nein, eigentlich wie selbstgewählte Familienmitglieder. Zusammen sind sie durch dick und dünn gegangen und beide haben einen richtig starken Drive, der sie das Leben eigenständig definieren und genießen lässt.
Es ist echt schön zu sehen, dass es immer mehr Autorinnen schaffen, Frauen in den Mittelpunkt zu stellen und zeitgenössische Themen zu behandeln - denn nur so dienen sie uns sowie weiteren Generationen als Beispiel und Inspiration.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema