Grusel für Groß und Klein
Die 12-jährige Ich-Erzählerin Margaret Devona, von allen Peggy genannt, ist ein Whisperling und kann Geister sehen und mit ihnen sprechen. Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts in England, einer ...
Die 12-jährige Ich-Erzählerin Margaret Devona, von allen Peggy genannt, ist ein Whisperling und kann Geister sehen und mit ihnen sprechen. Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts in England, einer Zeit als die Hexenverfolgung vorbei, aber die Leute immer noch misstrauisch und das Überleben hart war. Als Whisperling muss Peggy ihre Gabe verheimlichen. Neben ihren Eltern weiß nur ihre beste Freundin Sally Hubbard, dass sie mit Verstorbenen sprechen kann. Die 14-jährige Sal ist temperamentvoll, freundlich und vertrauensvoll und arbeitet als Hausmädchen bei Lady Stanton in der Stadt. Als Peggy hört, dass ihre Freundin des Mordes an ihrer Herrin beschuldigt wird und gehängt werden soll, zieht sie zu ihrem Onkel in die Stadt und versucht alles, um Sals Leben zu retten. Dabei lernt Peggy eine Menge über ihre Gabe und die Auflösung des Falls hält einige Überraschungen bereit.
Peggy ist eine Feministin in einer Zeit, in der Frauen vielen Ungerechtigkeiten ausgesetzt waren, als hysterisch galten und die Kirche großen Einfluss ausübte. „…ganz sicher wird es in Zukunft noch öfter geschehen, dass wir den Männern Unbehagen bereiten, nur weil wir Frauen sind.“ Peggy ist ausgesprochen mutig und lässt sich nicht den Mund verbieten. Ihre Sicht auf die Ungerechtigkeiten sind ungefiltert und selbstreflektiert. Sie weiß, wie klug sie ist, das Wissen Macht bedeutet und sie will mehr vom Leben. Somit enthält das Buch auch einige Lebensweißheiten. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, die Dialoge sind frisch und lebendig. Trotzdem ist die historische Atmosphäre spürbar düster und der treffende Schreibstil reich an bildhaften Vergleichen und einem erweiterndem Wortschatz: „Meine Welt fühlt sich an wie eine durchgeschüttelte Schneekugel.“
Das abgebildete harte Leben ist nah an der Realität der damaligen Zeit, denn es geht nebensächlich auch um Armut, Kinderarbeit, Sucht und Tod. Dementsprechend düster und authentisch ist die Story. An einigen Stellen war ich fassungslos über so viel Bösartigkeit und mochte den makabren Grusel sehr. Das ist nichts für zarte Gemüter und für manche Kinder vielleicht erst ab 12 Jahren zu empfehlen, aber es ist anschaulich geschrieben und so unheimlich spannend und unterhaltsam verpackt, dass man es gar nicht aus der Hand legen kann. Nebenbei gibt es historische Eindrücke und eine starke Heldin, die man nicht so schnell vergisst. Es soll weitere Bände geben und ich bin gespannt auf mehr. Empfehlung für Kinder und Erwachsene.