Cover-Bild Die Orient-Mission des Leutnant Stern

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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 15.02.2018
  • ISBN: 9783869711720
Jakob Hein

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Die tollkühne Geschichte des jüdischen Leutnants Edgar Stern, der 1914 für Wilhelm II. den Dschihad organisieren sollte.
Dies ist die wahre Geschichte von Edgar Stern, der 1914 eine als Zirkus getarnte Truppe von 14 muslimischen Gefangenen nach Konstantinopel schmuggelte, um den Sultan als Verbündeten zu gewinnen.
Der Sommer 1914 begann für Stern im beschaulichen Badeort Coxyde, unweit der französischen Grenze. Niemals hätte sich Stern vorstellen können, dass in nur wenigen Wochen Krieg ausbrechen könnte, und niemals hätte er sich träumen lassen, dass er in eben jenem Krieg der Hauptakteur eines kuriosen Plans werden würde, der Deutschland einen schnellen Sieg bringen sollte: Wenn es gelänge, dass der türkische Sultan für das befreundete Deutsche Reich den Dschihad ausruft und sich darauf hin alle Muslime – vor allem die in den Kolonien – gegen die britischen und französischen Gegner erheben, müsste die Schlacht schnell entschieden sein. Um die Gunst des Sultans zu gewinnen, wollte man einige muslimische Kriegsgefangene feierlich in Konstantinopel freilassen. Doch mussten diese Kriegsgefangenen dazu möglichst unauffällig durch halb Europa geschleust werden. Und dazu brauchte man einen wie Edgar Stern.
Stern hatte einen Hang zu unkonventionellen militärischen Lösungen und außerdem besaß er das, was die meisten Deutschen nicht hatten: Chuzpe. Spätestens bei Sterns Verabschiedung am Anhalter Bahnhof waren sich die Deutschen Militärs sicher, dass sie eine gute Wahl getroffen hatten: Stern hatte die muslimischen Gefangenen als Zirkustruppe getarnt. Doch ob die Beamten an den Grenzen Österreich-Ungarns und Rumäniens die Maskerade nicht durchschauen würden, das konnte keiner ahnen. Und wie das dann später mit dem Dschihad funktionieren wurde – das wusste auch keiner so genau … Nur eins war klar: Die Reise würde nicht nur für Stern ein großes Abenteuer werden.
'Manche Geschichten würde einem der Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu bizarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert.' Jakob Hein

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2018

Einer der besten Romane des Jahres 2018!

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Es gibt Geschichten die sind so absurd, dass kann sich keiner ausdenken! „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ ist so ein Roman. Zu unser aller Leidwesen hatte diese besondere Mission eine weitreichende ...

Es gibt Geschichten die sind so absurd, dass kann sich keiner ausdenken! „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ ist so ein Roman. Zu unser aller Leidwesen hatte diese besondere Mission eine weitreichende Wirkung bis in unsere Gegenwart.
Hier wurden wahren Fakten zu einem fiktionalen Roman umgestrickt. Jakob Hein erzählt, wie die Deutschen im 1. Weltkrieg den Dschihad massiv mitentwickelten und ideenreich auf einflussreiche Stellen eingewirkt haben. Alles nur damit Franzosen und Engländer mehr um ihre Kolonien bangen und keine Energie mehr haben für einen Krieg in Mitteleuropa. Unglaublich? Ja, ohne Frage , aber wahr!

Jakob Hein schreibt diesen Roman gekonnt aus mehreren Perspektiven. Wunderbare Prosa. Er hat das große Talent die skurrilsten Vorkommnisse geschickt in Szene zu setzen! Einer DER besten Autoren, die wir in Deutschland momentan zu bieten haben aus meiner Sicht!

Dieser Roman schafft es definitiv in meine persönlichen Top 10 des Jahres 2018!

Fazit: Der Roman ist kurzweilig, also auch für Lesemuffel geeignet, die ein grundsätzliches Interesse an historischen Kuriositäten haben! (sprich super Geschenk für Männer aller Altersklassen!)

Veröffentlicht am 11.07.2018

Eine zirkusreife Mission

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Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines besseren belehrt. Auch die preußischen ...

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass „kafkaesk“ ein Attribut der. Donaumonarchie (und des späteren Österreichs) und seines Militärs ist. Dieses Buch hat mich eines besseren belehrt. Auch die preußischen Generalstäbler greifen manchmal zu unkonventionellen Mitteln.

Doch nun zum Inhalt:

Der junge Leutnant Edgar Stern befindet sich gerade in einem belgischen Seebad und muss die schwierige Entscheidung treffen, ob er einheimisches Bier oder französischen Rotwein zum Diner nehmen soll, das platzt ein Telegramm in die Idylle:

„Der große Krieg begann für Stern als griechische Vokabel, serviert auf einem Silbertablett in die beschauliche Stille eines Nachmittags in einem abgelegenen belgischen Badeort hinein.“

Nachdem seine Idee, den Suezkanal zu sprengen und damit den Nachschubweg der Briten zu kappen, zwar mit Wohlwollen des Generalstabes aufgenommen, aber wegen der geänderten politischen Rahmenbedingungen nicht mehr durchgeführt werden kann, betraut man ihn mit einer anderen schier unglaublichen Mission:

Stern soll eine Gruppe Muslime nach Konstantinopel bringen und dort mit Hilfe des deutschfreundlichen Sultans einen Dschihad ausrufen. Ziel soll die Erhebung aller Muslime der Welt sein und sowohl die französischen als auch die britischen Kolonien erschüttern. Doch wie bringt man eine Gruppe arabisch aussehender Männer unauffällig nach Konstantinopel?
Die 14 ausgesuchten Muslime, sechs Marokkaner, drei Tunesier und fünf Algerier, die sich untereinander nur über einen Dolmetscher verständigen können, werden als Mitglieder eines Zirkus ausgegeben und reisen mit „Zirkusdirektor“ Edgar Stern per Bahn über den Balkan in das Osmanische Reich. Mit an Bord sind noch die neuesten Funkgeräte von AEG und zwei Funker sowie Sterns Vorgesetzter Schabinger Freiherr von Schowingen, der inkognito im feudalen Schlafwagen mitreist, während der Rest der Truppe „Holzklasse“ fährt.
Detailliert wird diese abenteuerliche Fahrt geschildert. In jedem Bahnhof beginnt das Zittern vor der Entdeckung, zumal die Bahnhofsvorstände und Zollbeamten argwöhnisch die sonderbare Truppe beäugen.

Meine Meinung:

Diese Geschichte ist so unglaublich, dass sie wahr sein muss.
Schon allein die Rekrutierung und Ausrüstung der 14 Männer grenzt an Slapstick: Die Muslime sind nämlich allesamt zwangsverpflichtete Untertanten Frankreichs, die als Kriegsgefangene in Deutschland interniert sind. Sie werden als Freiwillige herausgepickt und als Zirkusleute verkleidet.
Köstlich ist der Kampf Leutnant Sterns mit der Preußischen Bürokratie geschildert. Statt bunter verschiedener Kleidung erhalten sie identen Pluderhosen und Kopfbedeckungen, sodass sie wieder wie Soldaten aussehen. Doch da weiß der findige Stern Abhilfe zu schaffen und engagiert ausgerechnet einen jüdischen Schneider, um die Kostümierung ein wenig unauffälliger zu gestalten.

Dieser historische Roman ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Der Leser kann sich unter die Muslime mischen und deren Verwunderung über die Mission teilen oder an der Seite Sterns die Vorbereitungen beobachten. Auch darf man den Vorgesetzten über die Schulter schauen. Diese multiple Sicht ist sehr reizvoll, da die unterschiedlichen Protagonisten zu Wort kommen.
Diese kuriose Geschichte ist sehr amüsant geschrieben, dennoch streift sie ein Kapitel des Ersten Weltkriegs, in dem sich Deutschland wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat: Den Völkermord an den Armeniern. Mit seiner deutsch-türkischen Freundschaft und seinem Vorhaben „Weltaufstand der Muslime“ lässt er die Ermordung tausender Armenier zu, die im osmanischen Reich eine ähnliche Sündenbock-Rolle innehaben wie die Juden.

Interessant finde ich, dass die Generalstäbler ihre Hausaufgaben nicht so ganz perfekt gemacht haben. Sie hätten vorher wissen müssen, dass es zwischen den verschiedenen muslimischen Völkern auch unterschiedliche Interpretationen des Glaubens gibt.

Edgar Stern übersteht das Abenteuer, wenn man von der Erkrankung an Malaria absieht, ebenso unbeschadet wie Schabinger. Stern wird bis 1933 Chefredakteur der Nachrichtenagentur „Wolfs Telegrafisches Büro“. Danach der nationalliberale Mann mit jüdischen Verwandten für den Job nicht mehr tragfähig war. Stern kann mit seiner Familie 1936 nach London emigrieren.

Der Autor Jakob Hein bedient sich der Lebenserinnerungen von Edgar Stern und der Memoiren von Karl Emil Schabinger um diesen mit teils wahren teils fiktional historischen Roman zu schreiben.

Jakob Hein sagt zu seinem Roman: „Mir kommt es so vor, als hätte die Geschichte 100 Jahre auf mich gewartet. Und als ich gehört habe, dass das Deutsche Reich den Dschihad auslösen wollte, dachte ich, das ist bestimmt eine Übertreibung. Aber es ist natürlich genau das, das Deutsche Reich wollte den Dschihad auslösen, den heiligen Krieg aller Muslime.“

Fazit:

Ein gelungener Roman, der wortgewaltig einen Aspekt des Preußischen Militärs aufdeckt, den man so nicht vermutet hätte. Gerne gebe ich 5 Sterne.