Cover-Bild Das Haus der schwarzen Schwäne

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14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Historische Romane
  • Seitenzahl: 491
  • Ersterscheinung: 17.05.2017
  • ISBN: 9783746633145
Jelle Behnert

Das Haus der schwarzen Schwäne

Roman
Der Aufstand der Spitzenklöpplerinnen



Tøndern 1693, ganz Europa ist verrückt nach Spitze. Doch bei der Herstellung der filigranen Stoffe werden Tausende von Mädchen in Fabriken ausgebeutet und unterdrückt. Falka ist eine von ihnen. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie die Heimat verlassen, um in Tøndern ihren Lebensunterhalt durch Klöppeln zu verdienen. Aber anders als ihre Leidensgenossinnen fügen sich Falka und ihre Freundinnen nicht ihrem Schicksal, sondern wagen etwas nie Dagewesenes: Sie lehnen sich gegen die Herrschenden auf. Und während sich auf der Weltbühne der Große Nordische Krieg anbahnt, kämpfen die Frauen ihre eigene Schlacht.



Ein sprachgewaltiger historischer Roman über die Blütezeit der Spitzenmanufaktur

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2017

Ein schweres Leben

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Dänemark, 1693: Die Familie von Falka ist sehr arm, daher muss Falka im Watt Würmer sammeln, damit die Familie etwas zu essen hat. Dann bleiben ihr Vater und ihr Verlobter auf See. In ihrer Verzweiflung ...

Dänemark, 1693: Die Familie von Falka ist sehr arm, daher muss Falka im Watt Würmer sammeln, damit die Familie etwas zu essen hat. Dann bleiben ihr Vater und ihr Verlobter auf See. In ihrer Verzweiflung weiß sich Falka nicht anders zu helfen, als einen Angstmann zu bauen in der Hoffnung, dass der die ihren zurückbringt. Doch das kommt bei den Menschen nicht gut an. Daher muss Falka weg. Ihre Mutter meint: „Du musst dein Schicksal lieben“. Der Reusenonkel bringt sie nach Tondern zur Fabrik, wo sie als Spitzenklöpplerin nun arbeiten muss. Die Bedingungen sind unmenschlich. Für äußerst geringen Lohn, von dem auch noch erst einmal Werkzeug und Kleidung bezahlt werden müssen, arbeiten die Mädchen sechszehn Stunden am Tag. Einige sterben unter diesen Bedingungen, was niemanden schert. Aber Falka gefällt die Arbeit. Aus Protest gegen diese unmenschlichen Bedingungen gehen einige Mädchen gemeinsam in den Tod. Falka sinnt nun auf Rache gegen den Fabrikbesitzer. Statt weißer klöppelt sie nun schwarze Trauerspitze.
Als erstes hatte mich das Cover begeistert und der Klappentext hat auf einen schönenn historischen Roman schließen lassen. Doch dann entwickelte sich die Geschichte in eine Richtung, die ich so nicht erwartet hatte und die mir auch nicht gefallen hat. Mystik und Aberglauben bestimmen das Geschehen.
Die Sprache passt zu der Zeit und ist bildgewaltig. Aber mir war die ganze Atmosphäre zu düster und ich konnte mit dem religiösen Fanatismus nichts anfangen. Anfangs hatte ich noch Mitleid mit Falka, aber dann entwickelte sie sich in einer Art und Weise, die ich nicht nachvollziehen kann.
In der damaligen Zeit bestimmten die Männer, wo es lang ging. Dann lehnten sich die Frauen gegen ihre Rolle auf, was verständlich ist. Aber Falkas Pläne von einem „Mädchenreich“ sind doch arg weit hergeholt. Auch die brutalen Szenen wurden mir einfach zu viel.
Mich konnte die Geschichte nicht packen und ich habe lange gebraucht, dieses Buch zu beenden.
Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt.

Veröffentlicht am 13.06.2017

Herausragend

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Das Buch startet am Ende des 17. Jahrhunderts. Die Familie von Falka ist so arm, dass sie Wattwürmer essen müssen. Aufgrund von Schicksalschlägen und Falkas Verhalten daraufhin, wird sie von ihrem Onkel ...

Das Buch startet am Ende des 17. Jahrhunderts. Die Familie von Falka ist so arm, dass sie Wattwürmer essen müssen. Aufgrund von Schicksalschlägen und Falkas Verhalten daraufhin, wird sie von ihrem Onkel nach Tondern geschickt und klöppelt dort Spitze. Gemeinsam mit anderen Klöpplerinnen sinnt sie auf Rache, um den elenden Bedingungen zu entkommen.
Wer hier einen leichten historischen Roman erwartet, gewürzt mit einer Liebesgeschichte, der die Realität seicht spült, der wird enttäuscht werden - aber für solche Leser gibt es massenweise Alternativen. Aber wer einen anspruchsvollen Roman, eine ausgefeilte Sprache und die Darstellung nahe an der harten Realität (oder zumindest der Realität, die wir uns nach der Quellenlage aus heutiger Sicht vorstellen) sucht, der wird nicht enttäuscht werden. Ein beeindruckender Roman!

Veröffentlicht am 07.06.2017

Kein 0815-Unterhaltungsroman, anspruchsvoll, experimentell und krasse Story, hat mir gefallen!

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1693, auf einer kleinen dänischen Insel: Falka sammelt Wattwürmer im Wattenmeer. Ihre Familie ist so arm dass sie die Würmer essen. Als Falkas Liebster bei einem Schiffsunglück stirbt und sie in ihrem ...

1693, auf einer kleinen dänischen Insel: Falka sammelt Wattwürmer im Wattenmeer. Ihre Familie ist so arm dass sie die Würmer essen. Als Falkas Liebster bei einem Schiffsunglück stirbt und sie in ihrem Aberglauben so genannte Angstmänner am Strand baut, die bewirken sollen, dass das Meer die Toten wieder herausrückt, wird sie von der Insel verbannt. Sie findet Arbeit in Tondern, muss unter miesesten Bedingungen mit anderen Leidensgenossinnen die berühmte Tondernspitze klöppeln. Als ihre Freundinnen kollektiv Selbstmord begehen, beschließt Falka, nur noch wunderschöne schwarze Trauerschleier zu klöppeln. Während der weibliche Teil der Bevölkerung begeistert ist, wird Falka bald von ihrem Ehemann, von der Kirche und Spitzenindustrie verstoßen und verfolgt...

Die Handlung ist teilweise sehr grausam, brutal und tragisch, so wie ich es für einen Roman, der im sozial schwachen Milieu im Dänemark des 17. Jahrhunderts spielt, erwartet hatte.

Wer hier eine seichte Liebesgeschichte oder Familiengeschichte erwartet, mit starken Frauen und glücklichen Wendungen, der wird wohl eher enttäuscht werden.

Auf den Roman muss man sich wirklich erst einmal einlassen. Er zeigt ungeschönt die heute oftmals verklärte harte Zeit der frühen Neuzeit und die schreckliche ohnmächtige Stellung der Frauen, gerade in den niederen Schichten.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich kann es unter den obigen beschriebenen Aspekten definitiv weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 06.06.2017

Die Tollschönen

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„Du musst dein Schicksal lieben. Dann ist es schön.“

Falka wird als blutjunges Mädchen von ihrem Onkel nach Tondern gebracht, wo sie sich als Spitzenklöpplerin verdingen soll. Die Zustände in der Spitzenfabrik ...

„Du musst dein Schicksal lieben. Dann ist es schön.“

Falka wird als blutjunges Mädchen von ihrem Onkel nach Tondern gebracht, wo sie sich als Spitzenklöpplerin verdingen soll. Die Zustände in der Spitzenfabrik sind furchtbar; das Schicksal der jungen Mädchen dort ist ein grausames, häufig dem baldigen Tod geweihtes. Einzig die Heirat mit einem Mann kann sie aus der Fabrik holen und retten.
Falkas engste Gefährtinnen schmieden andere Pläne: Ihr kollektiver Selbstmord soll auf das Leben der Spitzenklöpplerinnen aufmerksam machen und der Bevölkerung von Tondern ein Mahnmal und Fluch sein.

So nimmt auch Falkas Schicksal ihren Lauf. Eines, das sie beschlossen hat zu lieben - wo auch immer es sie hinführt. Wir begleiten sie sieben Jahre ihres Lebens, in denen wir glauben, sie zu kennen und zu verstehen. Doch ihre Schicksalsergebenheit scheint grenzen- und gewissenlos. Das macht sie immer wieder zur Antiheldin und wir müssen unser Bild von ihr häufig korrigieren.
Gleichzeitig wächst in Falka der Gedanke, dass eine Welt, in der die Männer herrschen, immer auch eine ist, in der die Mädchen und Frauen unterdrückt werden. Mit ihren Trauerschleiern vermag sie die Menschen zu beeinflussen und damit ihrem Schicksal nachzuhelfen. Falka strebt nun ein Mädchenreich an.

Wer ist hier gut und wer ist böse? Es ist kaum möglich Partei für einen Protagonisten oder eine Seite zu ergreifen. Die Spitzenklöpplerinnen leben unter schrecklichen Bedingungen - keine Frage. Aber ist deshalb jeder Mann schlecht?
Keine der Figuren kann eindeutig das eine oder andere sein. Jede ist getrieben von persönlichen Fehden und Gedanken. Von ihrer Persönlichkeit und ihrem Bildungsgrad, aber auch von den Gedanken der Gesellschaft und den Umständen der Zeit (Mystisches, Glaube, Politik…).

Der Leser wird in diesem Roman also vor die unlösbare Aufgabe gestellt zu ergründen, was Gut und Böse ist. Und darüber nachzudenken, was genau eigentlich Schicksal ist und inwieweit es beeinflussbar ist.

„Das Haus der schwarzen Schwäne“ ist eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Hochgradig spannend, genial geschrieben und sehr tiefgründig. Es spielt in einer finsteren Zeit, die Stimmung ist jedoch nicht erdrückend oder depressiv.
Aber Geschichte und Figuren wollen nicht gefallen. Sie machen es dem Leser nicht einfach, sondern lassen ihn in Nachdenklichkeit zurück.

„Das Schicksal war der Meister über den Menschen.“ (418)

Veröffentlicht am 04.06.2017

schwer lesbar

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Leider hat mich dieses Buch ratlos zurückgelassen. Ich lese viele historische Romane und ich mag es gerne auch mal etwas dramatischer und nicht kitschig. Aber diese Geschichte ist wirklich schwere Kost ...

Leider hat mich dieses Buch ratlos zurückgelassen. Ich lese viele historische Romane und ich mag es gerne auch mal etwas dramatischer und nicht kitschig. Aber diese Geschichte ist wirklich schwere Kost und weder die Handlung noch die Protagonisten konnten mich fesseln. In einer bemüht gehaltvollen, etwas altertümlich anmutenden Erzählweise wird Falka und ihr hartes, entbehrungsreiches Leben geschildert. Sie erleidet eine Menge Schicksalsschläge und landet schließlich bei den Klöpplerinnen, einem Berufszweig, der ziemlich ausgebeutet wurde. Das Mädchen entwickelt einen tiefen Groll gegen Männer und gegen deren Vormachtstellung in den Köpfen der damaligen Menschen. Dabei verrennt sie sich ziemlich und plant ein Reich nur für Frauen und Mädchen. Und ihre Kolleginnen und sie werden fast zu einer Sekte in ihrem Kampf gegen die Männer. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Autorin wechselt das Genre und rutscht ins Fantastische ab. Auch sind die Gedanken von Falka mir zu revolutionär gewesen und hätten besser 200 Jahre später gepasst.

Ich habe ewig gebraucht, das Buch zu lesen und kann es leider nicht wirklich empfehlen. Gerade noch zwei Sterne von mir.