Tolle Romanidee
Die tolle Grundidee dieses Romans hatte mich von Anfang an berührt. Eine junge Frau, die in einer Poststation arbeitet und sich jenen Briefen widmet, die als unzustellbar gelten - das ist ein Konzept, ...
Die tolle Grundidee dieses Romans hatte mich von Anfang an berührt. Eine junge Frau, die in einer Poststation arbeitet und sich jenen Briefen widmet, die als unzustellbar gelten - das ist ein Konzept, das mir (als passionierte Briefeschreiberin) einfach sofort ans Herz geht. Ich musste unweigerlich an einen meiner Lieblingsfilme denken ("Briefe an Julia") … und an eine Zeit, in der das Schreiben von Postkarten und Briefen ganz selbstverständlich zum Leben gehörten.
Janne nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Mit viel Feingefühl und Beharrlichkeit versucht sie, verlorenen Worten doch noch ihr Ziel zu ermöglichen. Dieser Gedanke, dass ein Brief ein ganzes Leben verändern kann, ist wunderschön und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Besonders dieser Aspekt hat mich angesprochen und war für mich der größte Pluspunkt des Romans.
Die Geschichte bewegt sich ruhig zwischen Gegenwart und Vergangenheit und erzählt von Schuld, Zerwürfnissen und zweiten Chancen. Allerdings war mir der Erzählfluss stellenweise etwas zu langatmig, und die Wechsel zwischen den Zeitebenen wirkten auf mich gelegentlich abrupt. Insgesamt fehlte mir ein wenig die Spannung - nicht im Sinne von Action, sondern emotional.
Mit Janne als Hauptfigur bin ich leider nicht ganz warm geworden. Sie ist keineswegs unsympathisch angelegt, dennoch blieb für mich eine gewisse Distanz bestehen, sodass ich keine echte Nähe zu ihr aufbauen konnte. Vielleicht war es genau das, was dazu geführt hat, dass mich die Geschichte nicht so tief berührt hat, wie ich es mir aufgrund der großartigen Idee gewünscht hätte.
Nichtsdestotrotz ist "Die Reise der verlorenen Worte" ein nachdenklicher Roman mit einer sehr kreativen Grundidee und einem stimmungsvollen Cover.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Wer ruhige, unaufgeregte Geschichten mag, sich für Briefe, Schicksale und Zwischentöne interessiert und keine große Dramaturgie erwartet, wird hier sicherlich fündig. Für mich war es ein solides, angenehmes Leseerlebnis mit viel Potential.