Suchtfaktor mit Logikfehlern. Aber Unterhaltsam
In Leave Me Behind treffen wir auf Nell, die einzige Überlebende ihres alten Teams, die nun zu einer neuen Spezialeinheit stößt. Dort trifft sie ausgerechnet auf Bradshaw, mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit ...
In Leave Me Behind treffen wir auf Nell, die einzige Überlebende ihres alten Teams, die nun zu einer neuen Spezialeinheit stößt. Dort trifft sie ausgerechnet auf Bradshaw, mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat – und zwischen Misstrauen, Hass, Anziehung und Gewalt entspinnt sich eine düstere, zerstörerische Verbindung.
Hin und wieder greife ich gerne zu Dark Romance, und bei Leave Me Behind hat mich vor allem das Setting gereizt – Military, Dark Forces, Undercover-Feeling. Leider hat das für mich nicht so richtig funktioniert.
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Das Worldbuilding wirkte auf mich eher unausgereift und unlogisch. Weder die Übungen noch die ganze Dynamik des Squads haben für mich Sinn ergeben, und ich hatte eher das Gefühl, dass die Autorin so tun wollte, als hätte sie Ahnung, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Ganz ehrlich: Jeder x-beliebige Film über das US-Militär oder geheime Spezialeinheiten war da überzeugender.
Aber gut – eigentlich geht’s hier ja auch nicht wirklich um das Setting, sondern um Nell und Bradshaw. DAS ist keine Liebesgeschichte, sondern knallharte Traumabindung. Ich lese Triggerwarnungen nie vorab, weil ich mich überraschen lassen will und wow, überrascht war ich hier auf jeden Fall. Anfangs eher angeekelt und gleichzeitig schockiert, später aber auch unterhalten. Gerade im letzten Drittel bekam die Story dann doch noch ein bisschen mehr Fleisch auf die Knochen, aber Nells Rachefeldzug habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht verstanden. Davon war irgendwann nichts mehr übrig.
Was mir zusätzlich sehr stark aufgefallen ist: Die Protagonisten handeln und reden oft völlig widersprüchlich. Mal geht es nur darum, den anderen zu brechen, mal wird jemand in die Bewusstlosigkeit ge****, dann dreht sich wieder alles um Tod und Gewalt – und wenige Seiten später kippt es in Anziehung und beinahe Zärtlichkeit. Beide schenken sich da nichts, beide sind absolut abgedreht.
»Wir lassen es zu, dass sie Monster aus uns machen. Mit Sünden, die nicht unsere waren. «
Dazu kommt, dass Nell ständig betont, wie knallhart sie ist und was für eine Waffe sie darstellt. Gleichzeitig wird sie ihrem Spitznamen Bunny aka Häschen auch oft genug gerecht.
» Warum sollte ich dich also bestrafen? Du bist nichts als die Waffe, die abgefeuert wurde, und nicht das böse, dass sie benutzt. «
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Auch die Auflösung am Ende war für mich eine erneute Achterbahnfahrt, bei der ich irgendwann komplett den Überblick verloren habe: Wer steht jetzt auf welcher Seite, wer verrät wen, wer spielt hier Doppelspiel? Ich kam da nicht mehr wirklich hinterher.
Interessant fand ich allerdings die vielen markanten Zitate, die sich wirklich herausheben und bei mir hängen geblieben sind.
Was ich wiederum gar nicht ernst nehmen konnte, war ein Übersetzungs-Fail: Ein „Lusttropfen“ wurde hier allen Ernstes als „Vorfreudetropfen“ bezeichnet – sorry, aber das war einfach nur cringe.
Auf der positiven Seite muss ich aber auch sagen: Das Cover ist der absolute Wahnsinn (soweit ich weiß, von der Autorin selbst entworfen) und definitiv ein Eyecatcher. Auch das Page Overlay im Buch ist gnadenlos gut gestaltet und wird viele Leserinnen ansprechen.
Die Protagonisten sind eindeutig gebrochen, traumatisiert von ihrem Job und ihren Aufgaben. Dass sie sich zueinander hingezogen fühlen, kann ich nachvollziehen aber die Umsetzung war alles andere als ausgereift. Für mich fehlte es an zu vielen Ecken: mal an Logik, mal an Tiefe, mal an echter Emotion.
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Trotzdem: Es liest sich superflüssig, man fliegt schnell durch die Seiten und erlebt ein ziemliches Wechselbad der Gefühle. Von WTF-Momenten über Ekel bis hin zu Spannung und Neugier. Ein Fiebertraum in Buchform, unterhaltsam, aber sicher nichts für schwache Nerven. Und ja, die FSK-18-Angabe ist hier absolut gerechtfertigt.
Unterm Strich waren es für mich 3,5 Sterne. Kein Highlight, aber definitiv eine wilde, düstere Achterbahnfahrt die genau wie diese gleichzeitig ängstigt und Spaß macht. Weswegen man sich auch immer wieder auf das Dark Romance Genre einlässt. Es ist eine Widersprüchlichkeit, die unterhält und das darf man mögen und anerkennen. Ich kann bis zum Ende nicht sagen, ob ich das Buch mag oder nicht mag. Irgendwie schon?