Cover-Bild Die Ausweichschule
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: park x ullstein
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 31.07.2025
  • ISBN: 9783988160225
Kaleb Erdmann

Die Ausweichschule

Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2025: Die Vermessung des Unfassbaren

Die Vermessung des Unsagbaren

Am letzten Tag der Abiturprüfungen im Jahr 2002 fallen Schüsse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Unser Erzähler erlebt diesen Tag als Elfjähriger, wird mit seinen Mitschülern evakuiert und registriert in den folgenden Wochen die Hilflosigkeit der Erwachsenen im Angesicht dieser Tat. Mehr als zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein und löst eine obsessive Beschäftigung mit dem Sujet aus, die in ein Romanprojekt resultieren soll. Aber warum nach so vielen Jahren alte Wunden aufreißen? Hat er ein Recht dazu? Wie verhält es sich mit seinen Erinnerungen, welche Geschichten hat er so häufig erzählt, dass sie wahr wurden? 

Kaleb Erdmanns Roman Die Ausweichschule ist ein gekonntes Spiel mit Perspektiven, ein Stück Autofiktion, das gleichermaßen publikumskritisch (wie voyeuristisch ist unser Interesse an der Aufarbeitung von Gewalttaten?) wie autokritisch ist (was gibt mir das Recht, über diesen Tag zu schreiben?). Ein pointierter, persönlicher, erschütternder Text über ein Phänomen, das uns weltweit umtreibt. 

»Wie sich Kaleb Erdmann dem Erfurter Amoklauf literarisch annähert ist ein Kunststück – er findet Worte für das Unsagbare und lässt einen wortlos zurück. Das Traurigste, Lustigste und Beste, was ich seit langem gelesen habe.« Caroline Wahl

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2025

Der Wahrheit nicht länger ausweichen

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Wohl jeder Schriftsteller kennt jenes seltsame, manchmal quälende Phänomen: Eine Geschichte, die tief im eigenen Inneren ruht – womöglich eng verknüpft mit persönlichen Erfahrungen –, bleibt lange ungesagt. ...

Wohl jeder Schriftsteller kennt jenes seltsame, manchmal quälende Phänomen: Eine Geschichte, die tief im eigenen Inneren ruht – womöglich eng verknüpft mit persönlichen Erfahrungen –, bleibt lange ungesagt. Sie liegt verborgen, schweigt über Jahre hinweg, bis sie sich langsam, fast unmerklich, nach außen drängt. Irgendwann aber ist der Augenblick gekommen, in dem sie geschrieben werden muss. Selten jedoch ist der Kern einer solchen Geschichte so erschütternd wie bei Kaleb Erdmann, der in seinem jüngsten Werk „Die Ausweichschule“, das vom Verlag als Roman bezeichnet wird, auf den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium zurückblickt. Als Elfjähriger war er damals Augenzeuge. Nun, mehr als zwei Jahrzehnte später, wagt er es, dieses Trauma in literarische Form zu bringen.
Zunächst könnte man annehmen, es handle sich um ein klassisches Projekt der Verarbeitung: Ein Autor versucht, ein einschneidendes Erlebnis durch Schreiben zu bewältigen. Doch gleich zu Beginn wird klar, dass Erdmann weit mehr beabsichtigt. Er findet eine ungewöhnliche Form, die Erlebnisse, ihre Folgen und die eigenen Reflexionen in einen Text zu verwandeln, der sich jeglicher einfachen Zuordnung entzieht. Das Buch wirkt wie eine Meta-Erzählung, beinahe wie ein Making-of zum eigenen Roman. Auslöser ist ein Dramaturg, der Erdmann für Recherchen zu einem Theaterstück zum Thema Amoklauf kontaktiert und damit alte Wunden aufreißt. Plötzlich sieht sich der Autor gezwungen, sich erneut mit einem Teil seiner Kindheit auseinanderzusetzen, der lange im Verborgenen schlummerte.
Erdmann war Teil des Geschehens, hat den maskierten Täter gesehen, die Panik gespürt und die Nachwirkungen – Medienberichte, Therapien, Gespräche – hautnah erlebt. Zugleich hat er jedoch keine unmittelbare Gewalt oder Tote mit eigenen Augen gesehen. Diese ambivalente Position wirft für ihn selbst die Frage auf, ob er überhaupt als glaubwürdiger Chronist gelten kann. Gerade diese Unschärfe führt jedoch zu einer literarischen Form, die sich von einem bloßen Augenzeugenbericht deutlich unterscheidet. Das Buch ist weder bloße Dokumentation noch reine Recherche, es ist kein Sachbuch, und es ist doch all das zugleich – erweitert um den Blick des Suchenden, Zweifelnden, Reflektierenden.
So entsteht ein Text, der seine Kraft gerade aus dieser Vielschichtigkeit bezieht. Erdmann lädt seine Leser ein, Teil eines Denkprozesses zu werden. Statt eine klare Chronologie der Ereignisse zu liefern, öffnet er den Raum für Fragen, Unsicherheiten, Widersprüche. Erinnerungen erweisen sich nicht als unverrückbare Fakten, sondern als fragile Konstrukte, die sich im Nachhinein verschieben können. Erdmann beschreibt, wie er während des Schreibens immer wieder an den Punkt gelangt, vermeintlich gesicherte Erinnerungen in Frage zu stellen. Was lange als wahr galt, wirkt plötzlich brüchig. Neue Deutungen entstehen, frühere Ansichten erscheinen absurd oder zumindest fragwürdig.
Gerade diese Offenheit macht den Roman so eindrucksvoll. Ein hochbrisantes Thema – ein Schulmassaker – wird hier nicht nur von außen beschrieben, sondern von innen her ausgeleuchtet. Unterschiedliche Perspektiven werden miteinander verflochten, ohne dass am Ende ein endgültiges Resümee gezogen würde. Vielmehr zeigt sich: Der Weg der Auseinandersetzung ist selbst das Ziel. Erdmanns Versuch, mit dem eigenen Trauma ins Reine zu kommen, berührt mindestens so sehr wie seine Schilderungen des Tages selbst.
Eine besondere Stärke des Romans liegt darin, dass er auch die vermeintlichen Nebensächlichkeiten ernst nimmt. Kleine Irritationen, offene Fragen, unklare Erinnerungen – alles, was in offiziellen Berichten oder Therapiegesprächen kaum Platz findet –, werden hier zu zentralen Elementen. So erinnert er sich etwa an eine Schulsituation nach der Tat: die Frage, wer den Pinguin-Test korrigieren würde, den die Klasse kurz vor dem Amoklauf bei der später ermordeten Lehrerin geschrieben hatte. Für ein Kind mag dies banal erscheinen, doch in Wahrheit zeigt sich darin der tiefe Bruch, der Verlust von Normalität und die Unfähigkeit, das Geschehen in vertraute Abläufe einzuordnen. Gerade diese Details verleihen dem Text seine Authentizität und bringen dem Leser die menschliche Seite einer Katastrophe nahe, die sonst oft nur in nüchternen Zahlen oder reißerischen Schlagzeilen erscheint.
Besonders eindrucksvoll ist die Metapher der „Ausweichschule“: Jene Einrichtung, in die die Kinder nach der Tat gebracht wurden, um so etwas wie Normalität zurückzugewinnen, wird für Erdmann zum Sinnbild einer viel größeren Suche. Sie steht für den Versuch, einen Weg zurück ins Leben zu finden – einen Weg, der oft zu früh als abgeschlossen galt, obwohl er es nie wirklich war.
Auch für Leser, die den Amoklauf nur aus den Nachrichten kennen oder vielleicht noch zu jung waren, um ihn bewusst mitzuerleben, öffnet das Buch neue Perspektiven. Man erfährt von inneren Bewegungen, die in keiner Berichterstattung, keiner Fachliteratur und kaum in Therapien vorkommen würden. Diese unscheinbaren Momente, die nie Schlagzeilen machen, sind es, die den Roman so einzigartig und eindringlich machen.
„Die Ausweichschule“ ist damit weit mehr als eine autobiografische Spurensuche. Es ist ein literarisches Experiment, das die Grenzen zwischen Dokumentation, Fiktion und Reflexion verschwimmen lässt. In seiner schonungslosen Ehrlichkeit, in seiner Bereitschaft, auch Widersprüche auszuhalten, schafft Erdmann ein Werk, das lange nachhallt. Ein starkes, verstörendes und zugleich erhellendes Buch, das zeigt, wie Literatur selbst das Unaussprechliche in Sprache fassen kann.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Eine Annäherung an das Unbegreifliche - Zweifelnd, tastend, mitnehmend

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Wie nähert man sich dem Unbegreiflichen? Mit Fakten, Fiktion, Distanz oder Emotion? Und wer darf darüber schreiben? Kann man zu sehr oder zu wenig betroffen sein, um sich dafür zu legitimieren oder zu ...

Wie nähert man sich dem Unbegreiflichen? Mit Fakten, Fiktion, Distanz oder Emotion? Und wer darf darüber schreiben? Kann man zu sehr oder zu wenig betroffen sein, um sich dafür zu legitimieren oder zu disqualifizieren? Diese Fragen stellt sich der Ich-Erzähler und zugleich der Autor in die Ausweichschule - benannt nach der Schule, in die die Schüler des Erfurter Gutenberg Gymnasiums nach dem Amoklauf 2002 umquartiert wurden - zur Distanz vom Geschehen und schließlich auch der umfangreichen Sanierung des Gebäudes.

Kaleb Erdmann war, ebenso wie der Ich-Erzähler, zum Zeitpunkt des Amoklaufs Schüler am Gymnasium. Als Elfjähriger erlebt und überlebte der Ich-Erzähler den 26.4.2002, dachte lange das Geschehene verarbeitet zu haben und spürt doch noch 20 Jahre später, dass es etwas gibt, dass er noch in sich trägt, Symptome verursacht, etwas über das er schreiben muss, vielleicht um es und sich selbst, als Erwachsenen und auch den elfjährigen Jungen, der das erlebt hat, besser zu verstehen.

Der Roman ist daher eine Annäherung, an das Erleben des Elfjährigen im Jahr 2002, den Amoklauf und was danach mit ihm, seinen Freunden, der Familie und Gesellschaft geschah, an die Erinnerung und Belastung des Mitte 30-jährigen, und an den Schriftsteller, der sich fragt, wie sich all dies in eine Form bringen lässt, die den Betroffenen, und auch ihm selbst, als Teil davon, gerecht wird.

Seine größte Stärke entfaltet der Roman in seinem tastenden Vorgehen, dem Zweifel und einer schonungslosen Ehrlichkeit und Einsicht in die Unzulänglichkeit des Projekts. Lässt sich wahrhaft begreifen, was damals Geschehen ist? Das Ausmaß an Gewalt und Verlust für alle Betroffene ? Und was einen Menschen dazu treibt? Kann man all dem überhaupt je gerecht werden, im Erinnern und künstlerischen Verarbeiten? Besonders ist dabei immer wieder der Blick des 11-Jährigen, die kindliche Unbefangenheit, Verdrängung und hintergründige Traumatisierung, die durch die Zeilen scheinen.

Erdmann kombiniert Selbstbefragung mit Recherche, bezieht literarische (Ines Geipel) und journalistische Referenzen ein, Fakten aus dem Gasser-Bericht gleicht er mit eigenen Erinnerungen (des Ich-Erzählers) ab, immer im Bestreben ein Bild entstehen zu lassen, zusammenzusetzen, zu verstehen. Was ist geschehen? Was geschah danach? Und wie wirkt es bis heute? Dabei zeigt er auf, dass es keine einfachen Antworten geben kann, nie geben wird und auch individuell der Umgang mit dem Erlebten verschieden ist und jeweils seine Berechtigung hat. Erinnerung, Schuld, Verantwortung auf verschiedenen Ebenen, vor und nach der Tat werden in die Ausweichschule thematisiert, nie verurteilend, immer tastend und fragend.

Mich hat der Roman gerade durch das persönliche, behutsame und zweifelnde Vorgehen darin sehr bewegt. Ich war damals 16, an einem anderen Thüringer Gymnasium und musste den Text mehrfach unterbrechen, weil er für mich die bedrückende Stimmung, die geprägt war von persönlichen Kontakten in Schüler- und Lehrerschaft zu Betroffenen, in die Gegenwart geholt und mich auf andere Weise als als 16-jährige darüber nachdenken hat lassen, was dies für unmittelbar und mittelbar Betroffene eigentlich bedeutet hat und wie wir gesamtgesellschaftlich damit umgehen. Genau dies erreicht der Autor nicht etwa über die Darstellung des Tathergangs sondern gerade über das Erforschen des Danachs, der anderen, veränderten Welt nach dem Amoklauf und wie jede einzelne Person, Behörden, Strukturen, die Gesellschaft damit umgegangen sind und was dies gerade für Betroffene bedeutet hat und bis heute bedeutet.

Trotz der Funktion des Tastens und Zweifelns im Text für die Gesamterzählung wurden mir an einigen Stellen die Ausschweifungen zu viel, hier hätte dem Roman etwas mehr Fokus gut getan, indem nicht jede Anekdote des schreibenden Ich-Erzählers, während der Textwerdung ausbuchstabiert wird. Angesichts der sehr guten Gesamtqualität und des ungewöhnlichen, gelungenen literarischen Ansatzes des Romans fällt dies für mich in der Bewertung jedoch nicht entscheidend ins Gewicht.

Die Ausweichschule stellt die richtigen Fragen, findet wenige Antworten und regt gerade deshalb zum Nachdenken an! Der Roman wird zu einem Buch über das Schreiben eines Buchs, dadurch zu dem Versuch einer Annäherung an das Unmögliche wie Unbegreifliche und seine Folgen, und schafft so die Distanz und den Zweifel, der der Thematik vermutlich am ehesten gerecht wird.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Aufwühlend

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Der Ich-Erzähler erlebte 2002 den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium mit. Damals war er 11 Jahre alt und wusste in dem Moment gar nicht was gerade passiert. Unter Freunden wurde das Thema ausgeschwiegen, ...

Der Ich-Erzähler erlebte 2002 den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium mit. Damals war er 11 Jahre alt und wusste in dem Moment gar nicht was gerade passiert. Unter Freunden wurde das Thema ausgeschwiegen, keiner wusste damit umzugehen. Nicht lange danach zog er mit seiner Familie weg. Erfurt war zwar aus der Sicht aber nicht aus dem Kopf. Zwanzig Jahre später holt ihn die Vergangenheit ein und er beginnt nach Antworten zu suchen.

Dieses Buch ist kein typischer Roman, es ist kein Tatsachenbericht, kein Schrei nach Aufmerksamkeit. Erdmann will mit dem Buch seine Erinnerungen zurückholen, sucht nach Vergessenem, nach Heilung. Aktuelles Geschehen verschwimmt mit Erinnerungen. Er hadert mit der Frage ob er überhaupt das Buch schreiben darf und in welcher Form. Zu viele Opfer, zu viel Leid und zu viele Fragen sind geblieben von diesem Tag. Doch wie aufarbeiten? Er findet Worte für unausgesprochenes und unsagbares. Das gelingt ihm auf eine wunderbar sensible Art und Weise ohne anklagend zu sein.

Ein intensives Buch, tiefgründig und reflektierend über eine unvorstellbare Tat, literarisch anspruchsvoll. Ein Buch, dass im Kopf bleibt und aufwühlt. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Außergewöhnlicher Blickwinkel

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Das Cover und der Titel haben mich anfänglich so gar nicht angesprochen. Als ich das Buch aber zum Rezensieren angeboten bekommen habe, habe ich mich mit dem Inhalt beschäftigt und entschieden es zu lesen. ...

Das Cover und der Titel haben mich anfänglich so gar nicht angesprochen. Als ich das Buch aber zum Rezensieren angeboten bekommen habe, habe ich mich mit dem Inhalt beschäftigt und entschieden es zu lesen. Diese Entscheidung war definitiv richtig und ich bin dankbar, es zum Lesen zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.

Der Inhalt: Der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium 2002. So könnte man es kurz umschreiben, was der Sache tatsächlich nicht gercht wird. Der Autor, zum Zeitpunkt des Geschehens 11 Jahre alt und Schüler an besagter Bildungseinrichtung, entscheidet sich ein Buch über die Tat und die Zeit danach zu schreiben und den Leser auf dieser Reise mitzunehmen.

Die Herangehensweise an die Thematik ist anders als man erwartet, sicherlich wird umschrieben, was an diesem Tag in Erfurt geschehen ist, aber das ist nicht der Hauptinhalt. Nachdem die Tat in ihrem Ablauf dargestellt wird, geht es vielmehr um das danach. Wie sind die Menschen damit umgegangen, wie wurde mit der Situation umgegangen.

Der Autor nimmt einen als Leser mit in seine Erinnerungen, seine Recherchen, seine Gedanken und Erfarungen. Man fragt sich unweigerlich, ob das was man ließt so wirklich zu diesem Buch geführt hat oder ob es fiktional geschrieben ist. Man fragt sich allgemein vieles beim Lesen des Buches, man reflektiert, denkt nach, hinterfragt.

Anfangs dachte ich, das der Titel, für den Inhalt nicht sonderlich gut gewählt ist, nachdem ich es beendet habe, sehe ich es anders, finde es trotzdem schade, das warscheinlich viele eben wegen des Titels, nicht auf den wichtigen Inhalt gestoßen werden.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es ist ein beeindruckendes Werk, es lässt einen zum Ende aufatmen um dann doch als Leser sprachlos zurückzubleiben.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Ein intensives Buch

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DIE AUSWEICHSCHULE
Kaleb Erdmann
ET: 31.07.2025

Erfurt, 26. April 2002:
Der Ich-Erzähler ist elf Jahre alt und besucht die fünfte Klasse, als ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums das Schulgebäude ...

DIE AUSWEICHSCHULE
Kaleb Erdmann
ET: 31.07.2025

Erfurt, 26. April 2002:
Der Ich-Erzähler ist elf Jahre alt und besucht die fünfte Klasse, als ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums das Schulgebäude stürmt, 16 Menschen erschießt und sich anschließend selbst tötet. Der Erzähler ist überzeugt, kein Trauma davongetragen zu haben. Weder mit seinen Freunden noch innerhalb der Schule wird der Amoklauf thematisiert. Stattdessen zieht die gesamte Schulgemeinschaft in ein anderes Gebäude um – die sogenannte Ausweichschule. Eineinhalb Jahre später zieht der Erzähler mit seinen Eltern nach München.

Zwanzig Jahre später bringt ein einschneidendes Ereignis die verdrängten Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Der Erzähler beschließt, ein Buch über das Erlebte zu schreiben – doch was hat er tatsächlich erlebt? Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, oft getrübt, und es stellt sich die Frage, ob man alte Wunden überhaupt wieder aufreißen darf.

Kaleb Erdmann hat ein ungewöhnliches Buch geschrieben: weder Roman noch Sachbuch, sondern eine eindringliche Form literarischer Vergangenheitsbewältigung. Er selbst steht dabei meist im Fokus der Erzählung, und trotz des ernsten und traurigen Themas gibt es einige Schmunzelmomente.

Fazit:
Ein intensives und bewegendes Buch über eine kaum vorstellbare Gewalttat. Trotz seines literarischen Anspruchs lässt es sich schnell und flüssig lesen und wirkt lange nach. Zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025.
4/5

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