Ungwöhnliche Erzälweise
Die Ausweichschule ist ein eindringlicher und bewegender Roman, der sich mit schwierigen Lebensumständen, Ausgrenzung und der Suche nach Zugehörigkeit auseinandersetzt – ohne dabei sensationsgeil zu sein. ...
Die Ausweichschule ist ein eindringlicher und bewegender Roman, der sich mit schwierigen Lebensumständen, Ausgrenzung und der Suche nach Zugehörigkeit auseinandersetzt – ohne dabei sensationsgeil zu sein. Die Geschichte wird ruhig, aber eindrucksvoll erzählt und regt immer wieder zum Nachdenken an.
Kaleb Erdmann setzt sich darin mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 auseinander. Statt die Geschehnisse durch Interviews oder eine nüchterne Rekonstruktion des Tathergangs aufzuarbeiten, wählt er einen anderen, sehr persönlichen Ansatz.
Der Schreibstil ist eigen und anfangs ungewohnt, sodass man sich zunächst daran gewöhnen muss. Zudem ist das Buch nicht einfach zu lesen, da es keinen klaren roten Faden gibt. Die fragmentarische Erzählweise fordert Aufmerksamkeit und Geduld, passt jedoch gut zur inneren Zerrissenheit und Traumatisierung, die thematisiert werden. Hat man sich darauf eingelassen, entfaltet die Sprache ihre Wirkung und unterstützt die ernste, nachdenkliche Atmosphäre der Geschichte sehr eindrucksvoll.
Gerade weil Erdmann konsequent auf Effekthascherei verzichtet, entfaltet der Roman eine leise, aber nachhaltige Wirkung. Die Figuren wirken authentisch, die Atmosphäre dicht und teilweise bedrückend, ohne zu dramatisieren.
Insgesamt ist Die Ausweichschule ein anspruchsvoller, sensibel erzählter Roman mit Tiefgang, der wichtige Themen ernst nimmt und lange nachwirkt. Keine leichte Lektüre – aber eine sehr lohnende.