Cover-Bild You are (not) safe here

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14,95
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Genre: Kinder & Jugend / Jugendbücher
  • Seitenzahl: 400
  • Ersterscheinung: 24.01.2020
  • ISBN: 9783423740555
  • Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Kyrie McCauley

You are (not) safe here

Roman
Uwe-Michael Gutzschhahn (Übersetzer)

Wenn die größte Bedrohung für dein Leben dort lauert, wo du dich am sichersten fühlen solltest – in deinem Zuhause

Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern. Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen. Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren...

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2020

Wenn Dein Zuhause kein sicherer Ort mehr ist

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Das Cover des Buches sieht mit seinen schwarzen Federn bedrohlich aus. Doch von außen betrachtet ist das Leben in Auburn, einer kleinen Stadt in Pennsylvania, ganz normal. Nur wer hinter die Fassade blickt ...


Das Cover des Buches sieht mit seinen schwarzen Federn bedrohlich aus. Doch von außen betrachtet ist das Leben in Auburn, einer kleinen Stadt in Pennsylvania, ganz normal. Nur wer hinter die Fassade blickt erkennt, in welcher Gefahr sich die 17jährige Leighton und ihre Schwestern befinden. Ihr Zuhause, dass doch eigentlich ein sicherer Zufluchtsort sein sollte, müssen sie mit ihrem zu schlimmen Wutausbrüchen neigenden Vater teilen. Regelmäßig verbringen die Schwestern angstvolle Nächte im Schrank, während sich ihre Mutter das Verhalten des Vaters gefallen lässt. Leightons Schulabschluss rückt näher und sie gibt alles, um an ein gutes College gehen zu dürfen. Doch was wird dann aus ihren Schwestern? Und wieso interessiert sich der beliebte Liam plötzlich ausgerechnet für sie?

Die Protagonistin Leighton lernt man kennen, als sie in einer Nacht wieder einmal angstvolle Stunden gemeinsam mit ihren Schwestern durchleben muss. Ihr Vater brüllt herum, wirft Sachen durch den Raum, tut seiner Frau physische und seinen Kinder psychische Gewalt an. Sie können niemanden um Hilfe rufen, denn das Telefonkabel zieht er vor seinen Ausbrüchen aus der Wand und den Besitz von Handys erlaubt er nicht. Außerdem ist da noch die Pistole, die er immer in Griffweite liegen hat. Immer wieder wird man in diesem Buch als Leser Zeuge von häuslicher Gewalt, die dem Leser schmerzlich klar macht, was es heißt, sich in seinem Zuhause nicht sicher fühlen zu können.

Tagsüber versucht Leighton, ihr Abschlussjahr mit guten Noten zu meistern, um auf ein College ihrer Wahl gehen zu können. Sie bleibt lieber am Rand des Geschehens, arbeitet für die Schulzeitung und hat mit Sofia eine gute Freundin. Als der Liam, der Star der Footballmannschaft, beginnt, mit Leighton zu flirten, weist sie ihn zurück. Doch er bleibt auf angenehme Weise hartnäckig und bringt sie ins Grübeln, ob sie sich nicht doch ein bisschen Spaß gönnen darf. Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte fand ich süß, und sie steht in starken Kontrast zu den Momenten der Angst, die sie immer wieder durchlebt. Schließlich muss sie sich entscheiden, ob sie sich Liam gegenüber öffnet. Es fällt ihr schwer, denn sie hat lernen müssen, dass die Bewohner von Auburn gut im Wegschauen sind.

Die Geschichte hat auch eine magische Komponente: Zum einen durch das Auftauchen der Krähen, deren Bestand kontinuierlich ansteigt. Zum anderen durch das Haus, in dem Leighton wohnt und das die Spuren der Gewalt Tag für Tag aufs Neue beseitigt. Die Autorin schreibt, dass die dadurch die Surrealität häuslicher Gewalt ausdrücken wollte. Aus der Story rund um die Krähen hätte man meiner Meinung aber noch mehr machen können.

„You are (not) safe here“ ist ein beklemmendes Jugendbuch rund um häusliche Gewalt. Die Highschool-Szenen bieten Gelegenheit zum Durchatmen, ich fand sie genauso wie die Charaktere dort jedoch zu klischeehaft. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und ein Plädoyer gegen das Wegschauen ist.

Veröffentlicht am 05.02.2020

Ein besonderer Werk im Bereich Jugendbuch

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MEINE MEINUNG

In „You are (not) safe here“ geht es um, die 17-jährige Leighton, die die Bedrohung durch, die neuerdings vielen Krähen nicht so wahrnimmt, wie die in ihrem eigenen Zuhause. Ihr eigener ...

MEINE MEINUNG

In „You are (not) safe here“ geht es um, die 17-jährige Leighton, die die Bedrohung durch, die neuerdings vielen Krähen nicht so wahrnimmt, wie die in ihrem eigenen Zuhause. Ihr eigener Vater wird immer wieder gewalttätig und ihre Mutter unternimmt nichts dagegen. Leighton würde am liebsten abhauen, doch sie will ihre Geschwister nicht alleine lassen ….

Leighton ist 17 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Mutter, Vater und ihren 2 Schwester in Pennsylvania. Sie ist eine authentische Protagonistin, die einiges durchmacht und man ihr am liebsten helfen würde. Für ihre Zukunft will sie Journalismus studieren und als sie eine Chance, durch die einen Wettbewerb entdeckt, will sie es schaffen.

Liam ist ein Mitschüler von Leighton und scheint mit jedem Kapitel mehr wie ein Freund zu werden und es scheint zwischen ihm und Leighton Gefühle zu entstehen.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und wird aus der Perspektive von Leighton erzählt. Der Leser kann sie so noch näher kennen lernen und ihre Gedanken und Gefühle erfahren während der Handlung. Die Nebenfiguren wie ihre Freunde aus, der Highschool sind ebenso authentisch und gestalten, die Geschichte mit.

Die Spannung und Handlung haben mich mit jeder Seite mehr in, die Geschichte von Leighton gezogen. Sie befindet sich in ihrem letzten Highschool Jahr und hat den Traum Journalismus studieren zu können, doch sie will ihre kleinen Schwestern nicht alleine lassen. Warum? Bei ihr zuhause rastet ihr Vater regelmäßig aus und niemand weiß, wann seine Laune wie eine Bombe wieder hochgeht. Diese Gewalt lässt er regelmäßig an Leightons Mutter aus, doch diese unternimmt nichts. Parallel hat die Stadt Auburn mit einer Krähenplage zu kämpfen und diesen scheinen mit jedem Tag noch mehr zu werden. Ich habe noch nicht so oft in Buch mit dem Thema häusliche Gewalt gelesen, doch dieses hier hat mich auf eine besondere Weise berührt und mitgenommen. Man leidet mit Leighton mit und würde ihr am liebsten helfen. Zuerst habe ich vom Klapptext vermutet, dass man viel mehr von der Gewalt, die ihr Vater tut, mitbekommt, doch es geht viel mehr in den psychischen Bereich seiner Kinder und Leightons Mutter. Ein besonderer Anker war für mich Liam, ein Junge aus der Highschool von ihr, der mir sehr gefallen hat. Das hierbei noch Gefühle entstehen hat, die Geschichte noch einen Hauch intensiver gemacht.

Das Ende war für mich ein besonderer Abschluss, der Geschichte und ich bin gespannt was es noch geben wird von der Autorin.

Das Cover sieht einfach toll aus mit den Federn und passt perfekt zusammen.


FAZIT


Mit „You are (not) safe here“ schafft, die Autorin einen bewegenden und zugleich aufwühlenden Jugendbuch Roman. Das Buch regt zum Nachdenken an und ich habe jede Seite verschlungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.01.2020

Schockierend, emotional und authentisch

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Leighton und ihre beiden jüngeren Schwestern führen ein vorsichtiges & gefährliches Leben. Bedroht von der Aggressivität ihres Vaters leben sie in Angst und richten ihr Leben danach aus, ihren Vater nicht ...

Leighton und ihre beiden jüngeren Schwestern führen ein vorsichtiges & gefährliches Leben. Bedroht von der Aggressivität ihres Vaters leben sie in Angst und richten ihr Leben danach aus, ihren Vater nicht zu provozieren. Ihre Mutter verlässt ihn nicht, glaubt an das Gute in ihm und auch die Nachbarn in der Kleinstadt Auburn gucken konsequent weg. Doch irgendwann wird sie Situation eskalieren…
Das Cover des Buchs finde ich wirklich sehr cool und aus den Federn und der Schnur, die mit im Päckchen war, habe ich mir ein ziemlich cooles Lesezeichen gebastelt! Der Schreibstil im Buch war gut zu lesen. Die Kapitel waren teils sehr kurz, was mich aber hier nicht gestört hat. Krähen spielen in dem Buch eine große Rolle und so werden Abschnitte des Buchs immer mit der aktuellen Zahl vorhandener Krähen eingeleitet. Die Krähen spielen im Buch für viele Dinge eine Rolle, die ihr aber selbst herausfinden müsst. Die ganze Geschichte ist aus der Sicht von Leighton erzählt, man erfährt, wie sie mit allem umgeht und was sie fühlt. Die Konflikte in denen sie steckt, wie z.B. das sie fürs Studium wegziehen möchte, aber ihre jüngeren Schwestern dann alleine wären, werden wirklich gut dargestellt. Für mich war Leighton generell ein sehr authentischer Charakter. Sie hatte ihre mutigen und traurigen Phasen, Glück und Unglück, Skepsis und Vertrauen. Sie und ihre Scchwestern haben mit unglaublich leidgetan und ich fand vor allem natürlich den Vater, aber auch zwischenzeitlich die Mutter wirklich furchtbar. Auch die Bewohner der Stadt hätte ich alle gerne gerüttelt. Die Geschichte hat mich wirklich in ihren Bann gezogen und beim Lesen habe ich wirklich viel mit Leighton mitgefühlt, war aufgeregt, sauer, traurig und auch fröhlich und erleichtert. Die Geschichte zu beschreiben ist wirklich schwer, da es viel zu spoilern gäbe. Ich fand aber alles in allem Charaktere und Handlung sehr authentisch und habe eine ganze Fülle an Gefühlen beim Lesen durchlebt. Ich kann euch das Buch wirklich nur empfhlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2020

You are not safe here

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Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der 17-jährigen Leighton, der ältesten der drei Geschwister. Während den Ausbrüchen seines Vaters kümmert sie sich um ihre kleinen Schwestern und versucht sie abzulenken, ...

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der 17-jährigen Leighton, der ältesten der drei Geschwister. Während den Ausbrüchen seines Vaters kümmert sie sich um ihre kleinen Schwestern und versucht sie abzulenken, bis Papa sich wieder beruhigt hat. Dazu haben die drei sich verschiedene Spiele ausgedacht und verkriechen sich auch mal im Kleiderschrank. Eigentlich möchte Leighton gerne Journalismus studieren, Freunde haben und einfach eine ganz normale junge Frau sein. Mit ihren familiären Problemen, meistens aber ziemlich unmöglich.

Was zunächst einmal nach einer klassischen Gut-Böse oder Schwarz-Weiß Geschichte klingt, ist um einiges vielschichtiger und sehr komplex von der Autorin durchdacht. Für die Kinder muss der Vater manchmal wie ein Monster wirken und dennoch hat er auch eine verletztliche Seite. Einst waren sie eine glückliche Familie, doch diese Tage sind längst vergangen.

Nebenbei spielen Krähen auch immer wieder eine bedeutende Rolle. Sie belagern die Stadt und täglich werden es mehr, so wurden aus ein paar hundert Exemplare weit über tausend Vögel. Kyrie McCauley hat ein wirkungsvolles Stilmittel gefunden, um die düstere Atmosphäre des Romans noch zu verdeutlichen.

Gestört hat mich eine kleine Nebensache, die in meinen Augen keinen Sinn ergeben hat. Teilweise wirkt es als hätte das Haus magische Fähigkeiten oder dergleichen, da kaputte Spiegel oder Möbelstücke plötzlich wieder in Ordnung sind. Beinahe wie von Zauberhand. Das hat mich mehrmals verwirrt und meinen Lesefluss gestört.
Das Ende selbst war mir dann auch ein klein wenig übereilt und zu flach, bedenkt man den enormen Spannungsaufbau der restlichen Geschichte. Ich selbst hätte mit einem viel größeren Knall gerechnet. Davon abgesehen hat mich der Roman allerdings extrem gut unterhalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2020

Aufrüttelnd, berührend, mitreißend!

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Die Autorin schreibt in ihrer Anmerkung am Ende, dies sei eine "Survival-Story" - die Protagonisten kämpfen hier zwar nicht auf einer einsamen Insel, in der Wüste oder im Eis um ihr Überleben sondern retten ...

Die Autorin schreibt in ihrer Anmerkung am Ende, dies sei eine "Survival-Story" - die Protagonisten kämpfen hier zwar nicht auf einer einsamen Insel, in der Wüste oder im Eis um ihr Überleben sondern retten sich dort von Tag zu Tag, wo sie sich eigentlich am sichersten fühlen sollten: zuhause. Doch was Kyrie McCauley hier geschrieben hat ist nicht nur eine spannende Survival-Story, sondern auch ein hoffnungsvoller Coming-of-Age-Roman, ein schonungslose Gesellschaftskritik und ein düsterer Fantasy-Thriller. Was nach einer absurden Mischung klingt, entwickelt sich aber zu einem der beeindruckendsten Jugendromanen, die ich jemals gelesen habe.


"Ich rieche die Rosen und denke an Frauen, die von anderen Frauen im Stich gelassen werden. Frauen, denen gesagt wird, dass ihr Gehorsam wichtiger ist als ihr Leben- und das nicht von ihren Männern, sondern von ihren Müttern und ihren Freundinnen. Von Frauen, die bereit sind, einander zuzusehen, wie sie aufgrund von Traditionen und überkommenen Vorstellungen verletzt werden."


"You are (not) safe here" - die 17-Jährige Leighton und ihre beiden jüngeren Schwestern fühlen sich in ihrem eigenen Haus nicht sicher und das schon eine ganze Weile nicht mehr. Schuld ist ER, ihr Vater, der seine brodelnde Wut nicht unter Kontrolle hat. Warum also finde ich den Titel trotzdem nicht so gut wie das Original? Weil "If these Wings could fly" den Kern der Geschichte besser trifft. Es geht hier zwar um Angst, fehlende Sicherheit und Gewalt - es geht aber auch um den Gegensatz zwischen Liebe und Hass, Fesseln und Flügel, Angst und Hoffnung, welcher sich im englischen Titel meiner Meinung nach besser zeigt. Warum man - wenn man schon einen englischen Titel wählt - nicht einfach beim Original bleiben kann, habe ich noch nie verstanden.


"Die Welt dreht sich um uns herum. Und die Worte steigen von selbst in mir hoch, schnell und ohne Mühe, wie Luft. Worte, die unsichtbar an dem Ding in meiner Brust vorbeijagen, bevor es sie erwischen kann, taumeln aus mir heraus, bevor ich zum Nachdenken komme: "Ich liebe dich."


Auch das deutsche Cover - auch wenn dieses wirklich schön gemacht ist mit der dominanten Schrift, dem schmutzig-weißen Hintergrund, dem rot durchgestrichenen "not" und den schwarzen, rau hervorgehobenen Federn - ist nichts im Vergleich zum Original, welches blaue Silhouetten von Krähen, die im Herzen ein kleines, rotes Haus tragen, zeigt. Sehr schön an der Ausgabe sind jedoch die Einfügungen nach den kurzen Kapiteln, die Datum, Ort und den aktuellen Krähenbestand Auburns anzeigen. Ebenfalls eine gute wie wichtige Idee finde ich die Nennung von Hilfe- und Anlaufstellen ganz am Ende der Geschichte. Denn wie die Autorin in ihrer Widmung schreibt ist das vor allem eine Geschichte für die Überlebenden von häuslicher Gewalt und für alle Nachbarn, Freunde, Mitmenschen, die einfach wegschauen und nicht wissen, was sie tun sollen.


Erster Satz: "Es passiert in der Ausdehnung der Stille, dass ich mich frage, ob sie ganz einfach tot ist."


Mit diesem Gänsehaut-bereitenden Satz steigen wir in die Geschichte von Leighton ein, die Schule, ihre erste Liebe, ihre Zukunftspläne und ihre Träume gegen die Verantwortung ihren Schwestern gegenüber und ihr gemeinsames Überleben in einem Spukhaus abwägen muss. Sich in den charmanten Liam zu verlieben, fühlt sich wie eine Rebellion an, wenn man Zuhause nur Hass gewohnt ist. Von einem Studium in New York zu träumen, fühlt sich wie Verrat an, wenn man dann seine Schwestern mit IHM alleine lässt. Doch soll sie deshalb einfach dableiben und nichts tun, wenn sich jeder weitere Tag wie sterben anfühlt? Jetzt, da ihr nur noch ein einziges Jahr Schule bleibt, läuft ihre Zeit langsam ab und sie muss sich entscheiden, ob sie ihre Flügel ausbreiten und wegfliegen oder dableiben und weiter vor Angst starr ausharren soll. Ob sie endlich ihre Stimme erheben und die unvermeidliche Eskalation in Kauf nehmen oder passiv auf die Explosion warten soll...


"Wie groß ist dein Mut?", überlege ich. Nicht sehr groß. Eher klein. Und er schrumpft immer mehr. Was wird es kosten, diese Stadt zu verlassen? Mut oder Feigheit?"


Ich denke es wird schon im Klapptext sofort klar, worum es hier im Kern geht: häusliche Gewalt. Dennoch hat mich die Autorin überrascht, in dem sie das schwierige Thema mal etwas anders angepackt hat. Hier gibt es keine Schläge, kein Missbrauch, keine bei der Einlieferung ins Krankenhaus vorgetäuschte "Unfälle" sondern die Gewalt, die Leighton, ihren Schwestern und ihrer Mutter zugefügt wird, spielt sich mehr auf psychischer Ebene ab. Besonders beeindruckt hat mich aber, dass es die Autorin nicht bei der Täter-Opfer-Dimension und teilnahmslosen Zuschauern belässt sondern das komplexe Thema weiter aufrollt. Sie schreibt von Machtverhältnissen, Abhängigkeit, Selbstwertproblemen und dem großen Schaden des Kleinredens des Problems und prangert ganz nebenbei die gesellschaftliche Rolle von Frauen allgemein an. Wie geschickt und natürlich sie dabei vielfältige Aspekte und Denkanstöße miteinfließen lässt und beispielsweise durch die Diskussion des Klassikers "Tess von den d'Urbervilles: Eine reine Frau" oder die Recherche von Krähen-Mythen auf Themen wie Rassismus, Perspektivlosigkeit und toxische Normen kommt und eine kleine feministische Debatte auslöst, hat mich nur staunen lassen. Es stecken unfassbar viele tolle und wichtige Gedanken in dieser besonderen Geschichte, die ich wirklich jedem ans Herz legen kann!


"Hier nennen sie Ignoranz Tradition und machen weiter, als ob sie das Recht erworben hätten, grausam zu sein."


Ein weiterer Punkt, der die Problematik so eindrücklich wirken lässt ist, dass das Familienleben sehr authentisch dargestellt ist und gerade deshalb so unter die Haut geht. Es wechseln sich intaktes Familienleben und albtraumhafte Ausbrüche, grausame Wut und einsichtige Reue, einfache Normalität und unleugbare Gewalt ab und gerade dieser Wechsel macht die Bedrohung für Leighton und ihre Schwestern so schrecklich. Diese Ungewissheit, ob heute ein guter oder ein schlechter Tag ist, die ständige Nervosität, etwas Falsches zu sagen oder zu tun und die Angst, dass es DIE Nacht sein wird, in dem er nicht zu einer Tasse oder einer Vase greift sondern seine Pistole oder ein Messer zur Hand nimmt. Die Autorin zeichnet das Bild einer Familie zwischen Hass und Liebe, Wut und Vergebung, Erniedrigung und Stärke, Hoffnung und Angst, welches aufrüttelt und tief berührt. Ganz besonders schön ist dabei, dass man bald feststellt, dass Leighton trotz der vielen Wut, der Angst und des Leids, das sie durchstehen muss, so viel Liebe um sich herum hat. Ihre Schwestern, ihre Mutter, ihre beste Freundin, ihre Oma, ihr Freund und dessen Familie - alle versuchen für sie da zu sein und geben ihr Bestes für sie. Und genau aus diesem Grund ist dieses Buch, so hässlich und tragisch es an manchen Stellen erscheint im Kern doch wunderschön!


"All die Worte, die ich nicht sage. Stattdessen schlucke ich sie herunter und die Buchstaben sind spitz an den Ecken und scharf an den Kanten. Es schmerzt, wenn sie ich runterschlucke. Und sie bleiben in mir und machen mir Bauchschmerzen. Manchmal denke ich, wenn man mich aufschneiden würde, wären all die Worte tatsächlich sichtbar. Wie bei einem Wal, der zu viel Müll gefressen hat, bis der Körper nur noch eine Zeitkapsel ist für all das, was Menschen wegwerfen."


Passend dazu sind die Charaktere sehr feinfühlig gezeichnet. Da wäre Hauptprotagonistin, die die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und zwischen Isolation und Mitteilungsbedürfnis, zwischen Kämpfen und Weglaufen, Beschützen und sich selbst retten gefangen ist. Mit ihrer stoischen, mutigen aber realistischer Weise auch ein wenig gebrochenen Art wächst sie dem Leser sofort ans Herz und man wünscht ihr, dass ihre Flügel wirklich fliegen können. Besonders berührend sind aber auch die Nebencharaktere wie die süße, unschuldige Juniper, die mit ihrer Verletzlichkeit und Angst immer wieder unter die Haut geht; die nachdenkliche, direkte Campbell, die tagsüber wie ein Wirbelwind durch Auburn saust und wilde Schneeballschlachten führt und sich nachts wie versteinert von Leightons Schattenfiguren ablenken lässt; die offenherzige Sofia, die Leighton in der Schule den Rücken freihält und in stillem Einvernehmen nicht in der Wunde bohrt; der sensible Liam, der Leighton durch ihre ehrliche, zarte Beziehung die Hoffnung auf eine eigene Zukunft und neue Kraft schenkt; die liebevolle Mutter, die nach allem was vorgefallen ist, in ihrem Mann immer noch ihr Zuhause sieht und nicht aus Schwäche sondern aus Liebe immer wieder zu ihm zurückkehrt und der Vater, der durch seine eigene Kindheit ein Vermächtnis von Wut gelehrt wurde und seinen Lebensfrust an seiner Familie auslässt und dennoch mehr ist als ein Monster. Diese wundervollen Protagonisten tragen dazu bei, dass diese Geschichte hässlich und schön, unheimlich und alltäglich, brutal und zärtlich, düster und hoffnungsvoll zugleich wirkt und wir hier ein differenziertes, facettenreiches Bild erhalten.


"Es hockt in meiner Brust - dieses Ding. Es ist Angst. Und ich habe sie weggesperrt wie ein gefährliches Wesen, das sie ja auch ist. Denn Angst lässt mich unbedacht handeln. Angst macht mich schwach. Ich würde ja weglaufen, möchte ich dem flatternden Ding in meinem Inneren sagen, wenn ich nur einen Ort wüsste, wohin. Es gibt einen Ort. EsgibtaufderWeltkeinenOrtwoichhinkann."


So kam es wie es kommen musste und ich war trotz des eher langsamen Erzähltempos, den vielen Wiederholungen und einiger Schwächen im Aufbau absolut gebannt von der Geschichte. Kyrie McCauley fesselt uns mit vielen kurzen Szenen, bildhafter Sprache und atmosphärischer Spannung schleichend an die Geschichte. Bevor man es sich versieht, wird man von dem bedrückenden Szenario verschlungen, das sich weniger rasant, eher wie ein zäher aber stetiger Fluss vorwärts bewegt - auf eine unvermeidliche Eskalation zu.


"Was ist das Gewicht eines Worts? Vielleicht wird es in Tinte und Papier gemessen. Vielleicht aber auch daran, wie viel Schmerz es verursacht."


Auch wenn die Geschichte vergleichsweise viele "normale", gewöhnliche Szenen enthält, spürt man von Anfang an, dass etwas in der Luft liegt. Das wird nicht nur durch die ernste Problematik sondern auch durch einen genialen Kunstgriff der Autorin verursacht. Sie hat der realen Handlungsebene auf einer Metaebene eine magische, surreale Komponente hinzugefügt, die vor allem für die grandiose Atmosphäre des Buches sorgt. Zwar war ich teilweise verwirrt, was magische Elemente wie ein böses Haus, das die Spuren von Gewalt tilgt und die Schuld zusammen mit Glassplittern und Putzbröckchen verschwinden lässt, sodass außer verletzten Gefühlen keine Hinweise mehr zurückbleiben, in dieser Geschichte verloren haben. Die teilweise merkwürdigen Ereignisse, die das Haus wie eine Art verfluchtes Paralleluniversum erscheinen lassen, passen aber wirklich gut zur Thematik und tragen auch maßgeblich zur Darstellung und Pointierung des Konflikts bei.


"Die meisten Spukhäuser werden von Toten heimgesucht, nicht von Lebenden. Außer dieses. Dieses ist von uns allen besessen, sogar wenn wir nicht da sind. Als wenn es kleine Teile von uns nimmt und sie in seinem Fundament, seinen Nägeln und seinem Holz ablegt, da wo es nachgibt.
Lauf. Ich bleibe auf der Treppe stehen.
Lauf weg, schreit etwas tief in meinem Inneren."


Die sich langsam aufbauenden atmosphärische Spannung der Geschichte geht einher mit dem wachsenden Krähenbestand in Auburn. Waren es zu Beginn noch gerade mal 212 Krähen, sind es gegen Ende fast 100 000 der schwarzen Vögel, die die Bäume, Straßen und Häuser der Kleinstadt besetzen. Was der Ornithologe, den Leighton für ihre Zeitungskolumne kontaktiert für ein spannendes Zugphänomen hält und die Stadtbewohner als Bedrohung wahrnehmen, empfindet Leighton als alles andere als beunruhigend. Wie sollte sie auch vor ein paar Krähen Angst haben, wenn sie Nacht für Nacht mit ihren Schwestern im alten Schrank ihrer Großmutter ausharrt und zittern darauf wartet, dass die Schreie von unten aufhören. Nein, sie fühlt sich eher beschützt von tausenden Augenpaaren, die endlich hinsehen, von schwarzen Flügeln, die tröstlichen Schatten werfen, von klugen Köpfen, die ihr immer wieder kleine Geschenke bringen. Die Autorin setzt die Krähen auf Hitchcock-Weise als Stilmittel um eine düstere, unheilschwangere Stimmung zu schaffen, ein, gibt dem Schwarm aber auch eine weitere Bedeutung: Hoffnung. Denn Krähen können nicht nur für Tod sondern auch für Veränderung oder Neuanfang stehen - und den hat die Familie definitiv notwendig.

Wie genau die Lösung für das verzwickte, komplizierte Problem aussehen soll, ist natürlich nicht klar und es würde dem Thema auch nicht gerecht werden, einen einfachen Ausweg anzubieten. Wie die Lösung der Autorin aussieht, was dann am Ende passiert, will ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: es schnell, überstürzt und anders als man denkt - dennoch hat Kyrie McCauley das perfekte Ende gefunden!


"In Auburn geboren. Stolz auf Auburn.
Hier ist, was ich über Stolz weiß. Ich weiß, dass er die Geheimnisse grausamer Männer bewahrt. Ich weiß, dass er uns im Schatten hält, weil wir zu stolz sind zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen. Ich weiß, dass Stolz den Ruf eines Mannes über das leben einer Frau stellt. Stolz nennt Frauen egoistisch, wenn sie den Mund aufmachen, selbst wenn sie die Wahrheit sagen. Gerade dann.
Und hier ist, was ich über Auburn weiß. Ich weiß von panischem Klopfen nachts an Türen, das ignoriert wird. Ich weiß von Männern, die wegschauen, wenn ihr Freund das Problem ist. Denn Auburn ist eine Stadt, in der Menschen nur sehen, was sie sehen wollen. (...)
Es sind nicht die Krähen, die Auburn hässlich machen."




Fazit:


Eine spannende Survival-Story, die gleichzeitig auch ein hoffnungsvoller Coming-of-Age-Roman, ein schonungslose Gesellschaftskritik und ein düsterer Fantasy-Thriller ist. Kyrie McCauley zeichnet feinfühlig aber schonungslos das Bild einer Familie zwischen Hass und Liebe, Wut und Vergebung, Erniedrigung und Stärke, Hoffnung und Angst, welches aufrüttelt und tief berührt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere