Cover-Bild Eine amerikanische Familie
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Piper
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 496
  • Ersterscheinung: 12.01.2018
  • ISBN: 9783492058216
Lionel Shriver

Eine amerikanische Familie

Roman
Werner Löcher-Lawrence (Übersetzer)

USA im Jahr 2029. Der Dollar ist kollabiert und durch eine Reservewährung ersetzt. Wasser ist kostbar geworden. Und Florence Mandible und ihr dreizehnjähriger Sohn Willing essen seit viel zu langer Zeit nur Kohl. Dass es Florence trotz guter Ausbildung so schwer haben würde, ihr Leben zu meistern, hätte niemand aus der Familie gedacht. Doch als die Mandibles alles verlieren und in einem Park Unterschlupf suchen müssen, sind es nicht die Erwachsenen, sondern Willing, der mit Pragmatismus, Weitsicht und notfalls auch krimineller Entschlossenheit dem Mandible-Clan wieder auf die Beine hilft …
Scharfsinnig und ironisch erzählt Lionel Shriver von den Konsequenzen von Globalisierung und Nationalismus – eine beängstigende Zukunftsvision und ein komischer, liebevoller, fesselnder Familienroman.

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Veröffentlicht am 10.12.2020

Düstere Aussichten für die Zukunft …

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Wir befinden uns in den USA im Jahre 2029, ein Latino ist Präsident, das Land ist hoch verschuldet, die Ressourcen sind knapp, der Wohlstand geht zurück und der Dollar verliert täglich an Wert. Auch die ...

Wir befinden uns in den USA im Jahre 2029, ein Latino ist Präsident, das Land ist hoch verschuldet, die Ressourcen sind knapp, der Wohlstand geht zurück und der Dollar verliert täglich an Wert. Auch die Mitglieder Familien Mandible haben in diesen Zeiten zu kämpfen, doch im Hintergrund ist ja immer noch ihr 96jähriger Stammvater, der das Familienvermögen sicher angelegt hat, und dessen Erbe früher oder später zu erwarten ist. Doch dann stürzt der Dollar ab und der Staat nimmt sich was noch übrig ist. Die Bevölkerung gerät in existenzielle Not, Mieten und Lebensmittel werden unbezahlbar, auf den Straßen herrscht Anarchie. In diesen wirren Zeiten erwacht der Familiensinn und plötzlich erinnern sich alle Mandibles an Florence und ihren 14jährigen Sohn Willing. Nach und nach tauchen alle Familienmitglieder bei ihr auf, bis ihr kleines Häuschen schier aus den Nähten platzt. In der größten Not hat Willing dann eine zündende Idee …

Die Autorin Lionel Shriver wurde 1957 unter dem Namen Margaret Ann Shriver in North Carolina geboren. Im Alter von 15 Jahren änderte sie ihren Vornamen. Nach ihrem Collegeabschluss studierte sie an der Columbia University und erwarb dort den Bachelor of Arts und den Master of Fine Arts. Sie arbeitete als Journalistin und lebte zeitweise in Nairobi, Bangkok und Belfast. Shriver ist mit dem Jazz-Schlagzeuger Jeff Williams verheiratet und lebt derzeit in London. Sie hatte bereits sieben Romane geschrieben und veröffentlicht, bevor sie für „We Need to Talk about Kevin“ 2005 mit dem „Orange Prize für Fiction“ ausgezeichnet wurde. „Eine amerikanische Familie“, (The Mandibles: A Family, 2029 – 2047) ist Shrivers dreizehnter Roman, der ihr Vorwürfe wegen Rassismus und Kulturverfälschung einbrachte, die sie jedoch entschieden zurückwies.

Ein düsteres Zukunftsszenario das uns hier präsentiert wird, welches jedoch manchmal erschreckende Parallelen zur Realität aufweist. Man erlebt, wie schnell sich eingefahrene Strukturen wandeln und die wirtschaftlichen Verhältnisse verändern können, welchen Einfluss der Klimawandel hat und wie schnell sich eine Regierung zum totalen Überwachungsstaat entwickeln kann. Man leidet mit der Bevölkerung, besonders mit der stark gebeutelten Familie Mandible, und stürzt mit ihnen von einer Katastrophe in die nächste. Abgesehen von einigen, teils sehr langatmigen, Erklärungen über Wirtschaftskrisen, Geldpolitik und ihre daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen, ist die Geschichte durch überraschende und unvorhergesehene Ereignisse abwechslungsreich, vielschichtig und spannend bis zum Schluss.

Der Schreibstil der Autorin ist schonungslos offen und direkt, manchmal sarkastisch, aber immer mit einem amüsanten Unterton, und liest sich leicht und flüssig. Die Beschreibung der zahlreichen Familienmitglieder ist sehr differenziert, die Eigenarten jeder Person sind trefflich heraus gearbeitet. Der Leser wird zum Teil des Clans, kämpft mit ihnen ums Überleben und entwickelt zu den Angehörigen Sympathie oder Antipathie, ganz wie im richtigen Leben. Man erlebt einen Blick in eine Zukunft, die hoffentlich nie eintreten wird, die aber durchaus einige Parallelen zur aktuellen Gegenwart hat.

Fazit: Eine interessante und lesenswerte Zukunftsvision, die erschreckt und nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 17.01.2018

Ein amerikanischer (Alb-) Traum

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Gebundene Ausgabe: 487 Seiten
Verlag: Piper (12. Januar 2018)
ISBN-13: 978-3492058216
Originaltitel: The Mandibles
Preis: 24,00€
auch als E-Book erhältlich

Ein amerikanischer (Alb-) Traum

Inhalt:
New ...

Gebundene Ausgabe: 487 Seiten
Verlag: Piper (12. Januar 2018)
ISBN-13: 978-3492058216
Originaltitel: The Mandibles
Preis: 24,00€
auch als E-Book erhältlich

Ein amerikanischer (Alb-) Traum

Inhalt:
New York, 2029. Die US-amerikanische Wirtschaft ist am Boden. Die Inflation ist enorm, Wasser und Lebensmittel sind knapp. Florence schlägt sich mit ihrem dreizehnjährigen Sohn Willing und ihrem Lebensgefährten Esteban mehr schlecht als recht durch. Doch ihren reichen Verwandten ergeht es noch schlimmer, und bald stehen sie alle vor ihrer Tür, bis sie auch dieses Dach über dem Kopf verlieren. Ausgerechnet der jugendliche Willing beweist den meisten Weitblick und sichert das Überleben der Familie. Er führt den Exodus aufs Land an zu seinem Onkel Jarred, wo die Familie Zuflucht sucht.

Meine Meinung:
Lionel Shrivers Vision eines zukünftigen Amerikas ist wirklich beeindruckend und vielleicht gar nicht so weit hergeholt. Die Folgen der Globalisierung und des Nationalismus könnten durchaus so aussehen. Sehr schön wurde hier der amerikanische Traum, dass jeder durch harte Arbeit und Einfallsreichtum etwas erreichen kann, eingearbeitet, wenn es auch zwischendurch immer wieder eher wie ein Albtraum anmutet.

Ich fand vor allem die verschiedenen Charaktere spannend, die sich die Autorin ausgedacht hat. Florence, die in einem Obdachlosenheim arbeitet und mit ihrem kärglichen Leben ganz gut zurechtkommt. Willing, der von kleinauf nichts anderes kennt, als sich einzuschränken. Den Gegensatz zu Florence’ kleiner Familie bildet die Familie ihrer Schwester Avery, die schon immer gutsituiert war, mit dem Verlust ihres Vermögens aber kaum umgehen kann und Schwierigkeiten hat, sich den neuen Begebenheiten anzupassen.

Auch der pater familias, der Großvater von Florence und Avery, Douglas Mandible, genannt der Tolle Große Mann - TGM -, spielt eine raffinierte Rolle, ebenso wie Florence’ Tante Nollie, eine alternde Schriftstellerin, die es aber faustdick hinter den Ohren hat und sich vor allem mit Willing gut versteht. Die beiden sind ein tolles Team, das sich nicht unterkriegen lässt.

So führt uns Shriver durch die harten frühen 2030er Jahre, um schließlich einen Sprung nach 2047 zu machen. Die verbliebenen Mitglieder der Familie Mandible machen sich erneut auf die Reise in eine bessere Zukunft.

Die Geschichte mit ihren urigen Figuren hat mich inhaltlich sehr begeistert, der Erzählstil leider weniger. Lionel Shriver erzählt zum Teil recht trocken mit viel Theorie und wenig aktiver Handlung. Das zieht sich manchmal schon unangenehm in die Länge. Hin und wieder blitzt aber auch etwas Ironie und Sarkasmus auf und lockert das Ganze wieder auf. Insgesamt hat mir der Roman doch recht gut gefallen.

★★★★☆

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Piper Verlag, der mir freundlicherweise im Rahmen einer Testleseaktion auf literaturschock.de ein Rezensionsexemplar zukommen ließ.