Enttäuschend
✨ REZENSION zu „Der Gott des Waldes“ von @lizmoorebooks, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag, übersetzt von Cornelius Hartz
📖 Inhalt (spoilerfrei):
Zwei Kinder verschwinden zeitversetzt in einem Sommercamp. ...
✨ REZENSION zu „Der Gott des Waldes“ von @lizmoorebooks, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag, übersetzt von Cornelius Hartz
📖 Inhalt (spoilerfrei):
Zwei Kinder verschwinden zeitversetzt in einem Sommercamp. Während die Suche beginnt, werden alte Geheimnisse, Machtmissbrauch und soziale Spannungen sichtbar.
👓 Erzählweise & -struktur:
Der Roman arbeitet mit einer anspruchsvollen Erzählstruktur, die sich aus Zeitsprüngen, Metaebenen und multiplen Erzählinstanzen zusammensetzt. Zum Glück hilft der kleine Zeitstrahl am Kapitelanfang dabei, den Überblick bei all den Zeitsprüngen nicht zu verlieren. Obwohl die Kapitel angenehm kurz sind, zieht sich die Handlung (besonders auf den ersten 200 Seiten) sehr träge dahin. Aufgefallen ist mir außerdem ein Tempuswechsel: Während der Großteil im Präsens erzählt ist, wechselt die Perspektive bei einer Person am Ende plötzlich ins Präteritum. Das hat mich irritiert und eine funktionale Begründung habe ich dafür nicht gefunden.
🙋🏼♀️ Charaktere:
Ich fand die Figuren sehr unrund und zu oberflächlich. Die Zwölfjährige Tracy steht im Zentrum vieler Kapitel, doch ihre innere Stimme wirkt oft unglaubwürdig erwachsen, was nicht altersgerecht erscheint. Wenn eine Zwölfjährige über elterliche Sorgerechtsentscheidungen oder das wirtschaftliche Privileg anderer Kinder reflektiert, wirkt das etwas konstruiert. Gleichzeitig staunt sie am Ende über einfache Begriffe, was dann einfach inkonsistent wirkt. Man hat stellenweise das Gefühl, dass die Autorin eher wie ein erwachsener Beobachter schreibt als aus der Sicht eines Kindes. Auch andere Charaktere wirken unauthentisch, wie etwa eine klischeehaft versnobte Familie oder ein Gefängnisausbrecher fühlen sich eher wie Bausteine eines Konzepts an. Die Figuren wirken alle sehr flach, da ist keine komplexe Charakterentwicklung.
💡 Kurz und Knapp:
Ein Buch, das handwerklich ambitioniert ist, aber für mich emotional und erzählerisch nicht funktioniert hat. Es will so vieles gleichzeitig sein: literarisch, mystisch, tiefgründig, erreicht dabei aber oft nur eine oberflächliche Skizze dieser Ebenen. Die Geschichte bleibt für mich zu konstruiert, zu sprunghaft und zu unnahbar.
3|5 ⭐️