Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher, diese kühle, nordische Ästhetik mit dem dramatischen Farbschnitt fängt die isolierte Stimmung am Fjord perfekt ein.
Schon beim ersten Blick spürt man, dass unter ...
Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher, diese kühle, nordische Ästhetik mit dem dramatischen Farbschnitt fängt die isolierte Stimmung am Fjord perfekt ein.
Schon beim ersten Blick spürt man, dass unter der schönen Landschaft etwas Dunkles begraben liegt. Der Schreibstil hat mich sofort in den Bann gezogen. Er ist modern, unheimlich flüssig und schafft es meisterhaft, die emotionale Zerrissenheit von Amelia einzufangen. Besonders der Kontrast zwischen ihrer kühlen Anwalts-Persona im Prolog und der berechnenden Amelia ein Jahr später ist brillant gezeichnet.
Besonders beeindruckt hat mich, wie präsent Rose in der Leseprobe ist, obwohl sie körperlich gar nicht auftaucht. Durch Amelias Augen erleben wir sie als den absoluten emotionalen Gegenpol. Während Amelia für Struktur und Kontrolle steht, spürt man in der Beschreibung von Rose’ chaotischer, bunter Wohnung mit den schablonierten Erdbeeren und Motivkissen ihre flatterhafte, fast schon verträumte Art. Die Passage über den Streit im Restaurant hat mir fast das Herz gebrochen, weil dort die tiefe Kluft zwischen der vernünftigen großen Schwester und der impulsiven Rose so schmerzhaft deutlich wird. Rose schwebt für mich wie ein Geist durch die Seiten, sie ist in jedem Staubkorn ihrer verlassenen Wohnung und in jedem verzweifelten Gedanken Amelias spürbar, was für mich den emotionalen Kern der Geschichte ausmacht.
Und Ford? Er wird als "Golden Retriever" beschrieben, aber ich traue diesem Frieden nicht. Meine Erwartung an die Handlung ist ein hochspannendes Kammerspiel in der norwegischen Wildnis. Ich rechne mit einer beklemmenden Atmosphäre auf Lawrence Fowleys Anwesen, bei der Amelia ständig Gefahr läuft, aufzufliegen. Ich erwarte keine einfache Lösung, sondern eine Geschichte, die mich bis zur letzten Seite rätseln lässt, wer hier wem was vorspielt.