Cover-Bild Als der Wagen nicht kam

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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Verlag Herder
  • Genre: Sachbücher / Geschichte
  • Ersterscheinung: 18.03.2019
  • ISBN: 9783451816215
Manfred Lütz, Paulus van Husen

Als der Wagen nicht kam

Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem 20. Juli 1944 macht Manfred Lütz eine außergewöhnliche Entdeckung: Er findet die Autobiografie seines Großonkels Paulus van Husen. Was er darin liest, zieht ihn sofort in seinen Bann. Der bis dahin unbekannte Bericht eines Zeitzeugen, den es immer wieder an die Brennpunkte der Geschichte des 20. Jahrhunderts verschlagen hatte, ist von großer historischer Bedeutung und glänzend geschrieben.
Nichts deutete darauf hin, dass Paulus van Husen einmal zum Verschwörer werden würde. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte er unter anderem in Oxford und Genf noch ein unbeschwertes Studentenleben geführt, Sarah Bernardt auf der Bühne erlebt, das mondäne Strandleben auf Borkum genossen. Doch mit dem Ersten Weltkrieg, nimmt sein Leben eine erste Wendung. In einem Husarenstück eilt seine Elitedivision 1918 der Regierung Ebert in Berlin zu Hilfe. Als Mitglied der deutsch-polnischen Gemischten Kommission erlebt er beim Völkerbund in Genf Gustav Stresemann.
Mit den Nazis gerät er sofort aneinander. Wie er Goebbels und Keitel begegnet und dem eiskalten SS-Mörder Heydrich Auge in Auge widersteht, beschreibt er packend. Als Mitglied des Kreisauer Kreises hat er einen entscheidenden Moment mit dem Hitler-Attentäter Stauffenberg und am Ende überlebt er nur mit viel Glück. Nach dem Krieg wird er von Adenauer umworben und beschließt seine Karriere als erster Verfassungsgerichtspräsident Nordrhein-Westfalens.
Wie Paulus van Husen »dem Löwen auf den Schwanz tritt« und dann doch entwischt, das zu verfolgen, ist spannend wie ein Krimi.
In seiner Einleitung lässt Manfred Lütz nicht nur den Menschen Paulus van Husen noch einmal lebendig werden, er verweist auch auf die hohe Aktualität der abenteuerlichen Lebensgeschichte eines Mannes, der sich erhobenen Hauptes der Barbarei entgegenstellte.

„75 Jahre nach der Befreiungstat vom 20. Juli 1944 wird in diesen Texten eine Zeit wieder lebendig, in der auf der einen Seite hemmungsloser Hass und Menschenverachtung die Macht ergriff, aber andererseits Menschen, die sonst unscheinbar ihrem Beruf nachgegangen wären, sich vor ihrem Gewissen aufgerufen fühlten, Widerstand zu leisten – unter Einsatz ihres Lebens.“ (Manfred Lütz)

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2019

Ein sehr persönlicher Einblick

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Dieses Buch ist die Autobiografie von Paulus van Husen, behutsam redigiert und von seinem Großneffen Manfred Lütz herausgegeben.

Paulus van Husen ist sein ganzes Leben Beamter. Auch in den Zeiten, in ...

Dieses Buch ist die Autobiografie von Paulus van Husen, behutsam redigiert und von seinem Großneffen Manfred Lütz herausgegeben.

Paulus van Husen ist sein ganzes Leben Beamter. Auch in den Zeiten, in denen er keine offizielle Anstellung beim jeweiligen Staat hat, ist er „ein Diener des Staates“. Er schafft es, wie einige wenige Andere, nicht der NSDAP beizutreten und trotzdem einen Job im Regime zu erhalten. Hier sei gesagt, dass er als Richter des Reichsverwaltungsgericht und später im OKW (Oberkommando der Wehrmacht) gearbeitet hat. Seine juristischen Kenntnisse sind gefragt, deshalb kommt er mehr oder weniger unbehelligt durch. Er schließt sich dem „Kreisauer Kreis“ und damit dem Widerstand gegen Adolf Hitler an. Nur mit Mühe und viel Glück überlebt er die Folgen des missglückten Attentates vom 20. Juli 1944.
Nach dem Krieg wird er Mitbegründer der CDU und gestaltet die Verfassung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen mit.

Meine Meinung:

Dieses anhand der Tagebücher seines Großonkels verfasste Buch hat mir sehr gut gefallen. Es schildert aus erster Hand, wenn auch natürlich sehr subjektiv, die Lage Deutschlands vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik bis hin zur Nazi-Herrschaft.

Eine kleine Kritik muss ich anbringen: Paulus van Husen erwähnt den Genozid an den Juden nur ganz nebenbei und tut so, wie viele Deutsche: Er hätte davon lange nichts gewusst. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein Mann in seiner Position soll keine oder erst sehr spät Kenntnis von den Vernichtungslagern erhalten haben? Das fällt mir schwer zu glauben. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass van Husen dies nicht zu Papier bringen konnte/wollte oder Manfred Lütz hat diese Tagebucheinträge entfernt. Immerhin, hat Paulus van Husen, der ja auch für seine Familie zu sorgen hatte, sich dem Widerstand verschrieben.

Der Schreibstil wird nicht allen Lesern gefallen, ist er doch eher trocken, Beamtendeutsch eben. Ich finde ihn gerade deshalb sehr eingängig, weil trotz aller Subjektivität (Autobiografie!), sehr sachlich.
Sehr interessant sind die Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler beschrieben. Hier findet sich auch der Konnex zum Titel, der in zwei Richtungen gedeutet werden kann. Erstens, hätte bei Gelingen Paulus van Husen in der neuen Regierung eine maßgebliche Rolle spielen sollen, das versprochene Auto hat ihn aber nicht abgeholt. Andererseits musste er Angst haben, als Mitverschwörer enttarnt zu werden, und von der Gestapo abgeholt zu werden. In den beiden Fällen kam der Wagen nicht.

Fazit:

Ein sehr persönlicher Einblick in die Welt eines Juristen, der Monarchie, deren Zerfall, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Nazi-Diktatur, den Zweiten Weltkrieg und die Wiederauferstehung Deutschlands erlebt und teilweise auch mitgestaltet hat. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.04.2019

Ein Staatsdiener im wahrsten Sinne des Wortes

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Paulus van Husen war zeit seines Lebens ein Diener des Staats. Im ersten Weltkrieg kämpft er als Soldat, zwischen den Weltkriegen arbeitet er als Richter und später als Vermittler zwischen Polen und Deutschen ...

Paulus van Husen war zeit seines Lebens ein Diener des Staats. Im ersten Weltkrieg kämpft er als Soldat, zwischen den Weltkriegen arbeitet er als Richter und später als Vermittler zwischen Polen und Deutschen in Schlesien. Während der Nazizeit ist er Richter am Reichsverwaltungsgericht und später im OKW. Dort schließt er sich dem Kreisauer Kreis an und überlebt die Folgen des Attentates vom 20. Juli nur mit viel Glück. Nach dem Krieg ist er Mitbegründer der CDU und Mitgestalter der Verfassung des Landes NRW, sowie dort am Oberlandes bzw. Verfassungsgericht.

Mich hat das Buch angesprochen, da es sich hier um die Tagebücher von Paulus van Husen handelt, die von seinem Großneffen Manfred Lütz nach seinem Tod gefunden wurden. Ich fand es interessant die Erinnerungen eines Mannes zu lesen, der unter anderem am Attentat des 20. Julis beteiligt war.
Zurückgelassen hat es mich etwas zwiespältig. Wenn van Husen seine Erlebnisse schildert, wird die Zeit tatsächlich erlebbar. Allerdings schweift er oft in juristische und verwaltungstechnische Themen und Theorien ab, die für mich als Nicht-Juristen eher trocken und langweilig zu lesen war. daher hatte das Buch für mich zwischendrin ziemliche Längen. So fand ich die Zeit, die er in Schlesien nach dem ersten Weltkrieg verbracht hat eher nur schwach beschrieben.
Die Zeit um das Stauffenberg Attentat herum war wiederum sehr interessant und hat Einblicke in die Vorbereitung und in die folgende Verfolgung der Beteiligten gegeben.

Aber trotz allem war das Buch sehr interessant und hat mir einen Einblick in das Leben eines Staatsdieners des letzten Jahrhunderts gegeben, den ich bis dahin nicht kannte.

Veröffentlicht am 30.03.2019

Sollte Pflichtlektüre sein

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In diesem Jahr gedenken wieder viele Menschen dem Beginn des 2. Weltkriegs. Der Angriff auf Polen geschah vor 80 Jahren und es werden Romane und Sachbücher zum Thema veröffentlicht. Nicht alle sind gut ...

In diesem Jahr gedenken wieder viele Menschen dem Beginn des 2. Weltkriegs. Der Angriff auf Polen geschah vor 80 Jahren und es werden Romane und Sachbücher zum Thema veröffentlicht. Nicht alle sind gut und etliche entsprechen nicht der Realität. Ganz anders bei dem Buch

AlsDerWagenNichtKam. Das ist mehr als ein Sachbuch. Es schildert das Leben von zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg, während er Weimarer Republik sowie während und nach der Zeit mit dem Diktator Hitler und seiner Anhänger. Dass das Buch überhaupt veröffentlicht werden konnte, verdanken wir Manfred Lütz, der ein Großneffe von Husen war.

Vor 1914 brauchte niemand ein Visum oder den Pass, wenn er innerhalb Europas Reisen wollte. Die einzige Ausnahme war Russland. Herr bekam den Zusammenbruch des deutschen Reiches nach dem 1. Weltkrieg mit. Er musste ebenfalls erleben, wie die Inflation das Vermögen seiner Eltern auffraß. 14 Jahre lebte er in Oberschlesien, genau in Oppeln und sah viele Juden, die hohe Ämter innehatten. Sie beteiligten sich als Soldat an der Verteidigung ihrer Heimat und fühlten sich kulturell zu den Deutschen hingezogen. Polen war bereits damals für seine Progrome bekannt. Paulus van Husen setzte sich für den Schutz von Minderheiten ein. Er war bis zu seinem Lebensende der Meinung, dass ohne diesen Schutz kein Weltfrieden möglich sei.

Ein kurzer Abriss zum Spektakel bei den Olympischen Spielen in Berlin zeigt, wessen Geistes Kind auch die Nachbarländer Deutschlands waren. Sie fielen vor dem Despoten auf die Knie und hätten dort schon erkennen müssen, was der Welt bevorstand. Herr Husen schreibt von ….dem Tier aus dem Meere. Er berichtet von den heimlichen Zusammenkünften des Kreisauer Kreises, deren Beteiligte maßgeblich das Attentat vom 20.07. 1944 planten. Seine Abscheu gegen Hitler durfte Husen nicht zeigen und sein Bericht bezeugt den Wahrheitsgehalt vieler Aussagen der damals Lebenden. Die Angst war überall präsent und das Denunzieren von Gegnern Hitlers war an der Tagesordnung.

Fragen wie: „Warum sind nicht mehr Juden geflüchtet als sie noch konnten?“ und „Warum stellten sich nicht mehr Menschen gegen Hitler?“ werden in diesem Werk

AlsDerWagenNichtKam beantwortet. Die Zeit nach dem Krieg, die Angst vor Erschießungen und das Leben in Trümmern ist entsetzlich und bildhaft geschildert. Lebensmittel waren knapp und wenn überhaupt gab es Kohlsuppe ohne Fleisch oder sonstigen Nährwert.

Beim Lesen des Buches

AlsDerWagenNichtKam ist viel Ruhe und Konzentration erforderlich. Etliche Namen und auch die Aneinanderreihung von Ereignissen machen das Studium schwierig. Hinzu kommt, dass Herr Husen ein sehr gläubiger Mensch war und vieles aus der Sicht eines Christen sah. Im Jahr 1952 wurde er zum 1. Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes in NRW benannt. In dem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass viele Anhänger Hitlers sehr bald als Richter und Rechtsanwälte tätig waren.

Jeder, der die böse Zeit nicht miterlebte und sich ein Urteil erlaubt, so nach dem Motto: „Ich hätte, ich wäre, nichts gewusst, das kann nicht stimmen“ sollte dieses Buch lesen. Immerhin war Paul van Husen selbst in einem KZ, und zwar in Ravensbrück, inhaftiert. Er weiß also, wovon er schreibt. Wahrlich ein wertvolles Buch, das für mich das schwierige Leben damals noch klarer werden ließ.

NetGalleyDE