Cover-Bild QualityLand (QualityLand 1)
Teil 1 der Serie "QualityLand"
(16)
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14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Hörbuch Hamburg
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 22.09.2017
  • ISBN: 9783957130945
Marc-Uwe Kling

QualityLand (QualityLand 1)

7 CDs
Marc-Uwe Kling (Sprecher)

Willkommen in QualityLand! In der Zukunft ist alles durch Algorithmen optimiert: QualityPartner weiß, wer am besten zu dir passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo du hinwillst. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, automatisch zugeschickt. Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen – denn in QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen: o.k.
Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter immer mehr das Gefühl, dass mit dem System etwas nicht stimmt. Warum gibt es Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?

Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu einer verblüffenden Zukunftssatire verdichtet. Visionär, hintergründig – und so komisch wie die Känguru -Trilogie.

Ungekürzter Live-Mitschnitt aus dem Mehringhof-Theater in Berlin.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2020

Vereint intelligente Gesellschaftskritik, ungewöhnliche Figuren und ganz viel bissigen Humor.

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"Come to where the quality is! Come to QualityLand!"


Mit diesem wunderbar anglisierten Werbeslogan startet das neue satirische Meisterwerk von Känguru-Kleinkünstler Marc-Dieter Kling (ähm natürlich Marc-Uwe ...

"Come to where the quality is! Come to QualityLand!"


Mit diesem wunderbar anglisierten Werbeslogan startet das neue satirische Meisterwerk von Känguru-Kleinkünstler Marc-Dieter Kling (ähm natürlich Marc-Uwe Kling), welches viele witzige Szenen, Gedanken und Dialoge zu spannenden Themen wie starke KIs, Arbeit und Identität, Transparenz und Überwachung und Nähe in einer maximal verdrahteten und gläsernen Gesellschaft vereint. Wie gewohnt ist dieser grandiose Roman oft zum Lachen, mal zum Grübeln, ab und zu auch zum besorgt die Stirn runzeln aber immer gut durchdacht und stimmig. Beziehungsweise, "am besten durchdacht" und "am stimmigsten", denn in QualityLand wird der Superlativ zum Imperativ...

Dieses satirische Gedankenexperiment entführt in eine nicht ganz so ferne Zukunft, in der Deutschland den klangvollen Namen "QualityLand" trägt, um negative historische Beigeschmäcker loszuwerden und außerdem "Made in QualityLand" auf Exportgüter drucken zu können. Um diesen fremdartigen und doch seltsam plausiblen Zukunftsentwurf kennenzulernen stellt uns Marc-Uwe Kling mehrere Handlungsstränge vor, während sich zwischen den einzelnen Kapiteln Einschübe aus "QualityLand, Ihr persönlicher Reiseführer", Werbeanzeigen und Nachrichtenbeiträgen inklusive natürlich der stupiden Kommentare dazu abwechseln. Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass "QualityLand" in zwei verschiedenen Editionen erschienen ist, die sich nicht nur hinsichtlich ihrer Coverfarbe, sondern auch bezüglich der Tönung der Werbeanzeigen und Nachrichtenbeiträge unterscheiden. Während in der weißen Edition vorwiegend positive Werbeanzeigen und Nachrichten gebracht werden, sind diese in der schwarzen Edition eher negativ. Aber keine Angst: Euch entgeht nichts, wenn Ihr Euch für eine Edition entscheidet - die Beiträge der anderen Version (und vieles mehr) könnt ihr auf der toll gestalteten Website zu Qualityland nachlesen.

Im Zentrum steht der Protagonist Peter Arbeitsloser (der Name kommt daher, dass Jungen als Nachnamen den Beruf ihres Vaters bei der Zeugung erhalten und Mädchen nach dem ihrer Mutter benannt werden), der sich als lustloser Maschinenverschrotter und Level-9-Mensch am unteren Ende der Nahrungskette befindet. Eigentlich würde er lieber Maschinentherapeut sein, da aber die Konsumschutzgesetze zum Schutz des Konsums jegliche Reparatur verbieten, verbringt er seine Zeit wohl oder übel damit, defekte Maschinen vor ihrem Ende zu retten. So kommt es, dass in seinem Keller unter anderem ein Sexdroide mit Erektionsstörungen, eine Drohne mit Flugangst und ein Anwaltsroboter mit einem Gewissen wohnen. Außerdem mit von Partie sind eine Epoetin mit Schreibblockade, ein QualityPad mit Persönlichkeitsstörung und ein panzerbrechender Kampfroboter für schwere Kriegseinsätze mit posttraumatischer Belastungsstörung. Mit seinen technischen Begleitern lebt er eigentlich recht unspektakulär vor sich hin, bis eines Tages eine Paketlieferung von TheShop (dem weltweit beliebtesten Versandhändler) alles verändert: die Algorithmen, die eigentlich wissen sollten, was er will, schicken ihm einen rosafarbenen Delfinvibrator zu. Sich im Recht wissend, dass er das wirklich nicht wollte (nicht mal ein kleines bisschen unterbewusst) beginnt er einen Rückgabemarathon, der sich zu einer Odyssee von Beschwerdestelle zu Beschwerdestelle und zu einem Kriegszug gegen das System entwickelt...


"Okay", sagt Niemand.
Niemand ist Peters persönlicher digitaler Assistent. Peter selbst hat diesen Namen gewählt, denn er hat oft das Gefühl, dass Niemand für ihn da ist. Niemand hilft ihm. Niemand hört ihm zu. Niemand spricht mit ihm. Niemand beobachtet ihn. Niemand trifft für ihn Entscheidungen. Peter bildet sich sogar ein, dass Niemand ihn mag."


Könnt Ihr noch, oder hat euch dieser kreative Haufen von Nebenprotagonisten und verrückten Ideen schon zu sehr geplättet? Ich hätte da nämlich noch einen zweiten Handlungsstrang im Angebot, der den Androiden "John of Us" bei seinem Wahlkampf begleitet. Ja, "Wahlkampf", ihr habt richtig gelesen, denn diese künstliche Intelligenz mit Roboterkörper tritt als Präsident an und muss am eigenen Leib (oder wohl eher an der eigenen Karosserie) erfahren, dass man mit den besseren Argumenten oftmals nicht weiterkommt... Die Parallelen zum vorletzten amerikanischen Wahlkampf, dem Aufmarsch der Populisten und Rassisten sind dabei nicht zu übersehen. Denn in QualityLand gibt es nicht nur futuristische Ideen wie selbstfahrende Autos, kaufwütige Geldautomaten, FeSaZus (mit einem Reinheitsgebot von 1/3 Fett, 1/3 Salz und 1/3 Zucker), digitale Assistenten, Maschinen mit menschlichen Eigenschaften und absolut gläserne Menschen - wir begegnen auch vielen bekannten Problemen wie Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Kapitalismus, Unterdrückung, soziale Ungleichheit und Machtmissbrauch. Auch mit politischen Ausführungen und Diskussionen (mit starkem, linken Touch) spart Marc-Uwe Kling wieder einmal nicht und bettet seine Handlung in einen gewohnt gesellschaftskritischen Kontext irgendwo zwischen Dystopie und Utopie ein.

Der dritte große Handlungsstrang ist der von Denise und Martyn, einem Ehepaar direkt aus der Bourgeoisie (um mal die dem linken Spektrum entsprechenden Fachtermini zu verwenden), die uns in die technischen Spielerein der Upper-Class einführen und elektronische Nannys, Serienshopping und digitale Freunde nahebringen. In welchem Verhältnis der Politiker und die junge Mutter zum Rest der Handlung stehen und was eine weiße Tennissocke damit zutun hat... - lest (oder hört) selbst! Und damit wären wir bei einem weiteren wichtigen Punkt, den ich gerne ansprechen will: das Medienformat der Geschichte. Da "QualityLand" weniger rein dialogbasiert wie die Känguru-Reihe, sondern als komplexe, zusammenhängende Geschichte mit mehreren Handlungssträngen daherkommt, würde ich hier eher das Buch empfehlen, auch wenn das Hörbuch durch den Autor selbst wieder professionell und kurzweilig eingesprochen ist.

Was Känguru-Fans freuen wird: In "QualityLand" sind einige Eastereggs versteckt. Neben dem "ältesten Trick der Welt" (dies bezeichnet natürlich die Phrase "Halt mal kurz") und ikonischen Aussprüchen wie "Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot" wird aufmerksamen Fans auch ein Nebencharakter bekannt vorkommen... Doch auch wer die Känguru-Reihe noch nicht kennt (Ich habe Mitleid mit diesen armen Menschen), wird humortechnisch voll auf seine Kosten kommen. Wieder einmal schreibt der Autor rhetorisch auf hohem Niveau und versichert durch die ständige Abwechslung subtile Anspielungen und plumpe Wortspiele, dass jede Art von Leser hier mal Lachen muss. Bei einigen Gags wie zum Beispiel dem Besuch von "Hitler - Das Musical", bleibt das Lachen auch schonmal im Hals stecken und bei anderen muss man seine grauen Zellen ganz schön anstrengen, um sie zu verstehen, durch die gekonnte langsame Hinführung zu verschiedenen Themen muss man aber nicht besonders viel Vorwissen mitbringen, um der Geschichte folgen zu können.

Der Autor schreibt jedoch nicht nur sprachlich und rhetorisch hervorragend, sondern tut sich auch mit enormer Fachkenntnis zu Digitalisierung und Informatik hervor. Anhand anschaulicher Beispiele erläutert er moralisch-ethische Fragestellungen, die sich mit smarter Technologie in Zukunft ergeben werden. Egal ob die moralischen Dilemmas selbstfahrender Autos, die entscheiden müssen, ob sie lieber den Level-89-Millionär oder zehn Kindergartenkinder umfahren, die verheerenden philosophischen Auswirkungen der Entwicklung einer starken KI, das "The Winner Takes It All"-Prinzip des Online-Handelns oder spannende Fakten zum "Algorithmus, wo man mit muss!" - diese Themen werden auf unterhaltsame und leichtverdauliche Weise bearbeitet und sorgen für den ein oder anderen Aha-Effekt.

Das Ende kommt dann mit ordentlichem "Knalleffekt" und einer großen Portion romantischer Ironie. Der Autor schafft es wieder, die Grenzen seiner Erzählperspektiven aufzuheben und auf die Fortsetzung neugierig zu machen.


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Da die einzige Option, die nicht sofort eine Kundenumfrage nach sich ziehen würde, diese ist, dem Buch volle 5 Sterne zu geben, werde ich das natürlich brav tun.



Fazit:


"QualityLand" vereint utopische und dystopische Beschreibungen, intelligente Gesellschaftskritik, ein gut durchdachtes Grundkonzept, ungewöhnliche Figuren und ganz viel bissigen Humor.

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Veröffentlicht am 27.12.2019

Der Algorithmus, bei dem man mit muss.

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Willkommen in der Zukunft – in QualityLand. Hier wird durch die verschiedensten Algorithmen alles bestimmt, so weiß QualityPartner, wer der beste Partner für dich ist, wenn du Kunde bei „TheShop“ bist, ...

Willkommen in der Zukunft – in QualityLand. Hier wird durch die verschiedensten Algorithmen alles bestimmt, so weiß QualityPartner, wer der beste Partner für dich ist, wenn du Kunde bei „TheShop“ bist, werden dir die Produkte, die du brauchst, automatisch zugeschickt. Klingt vielleicht ganz bequem, aber Peter, Inhaber einer Schrottpresse, ist davon genervt, denn irgendwas an diesem System passt doch nicht.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich vor dem Hören von QualityLand nie großartig mit der Geschichte davon befasst habe, war ich doch bisher eher mit den Känguru-Geschichten von Marc-Uwe Kling „beschäftigt“.

Gesprochen wird das Hörbuch von Marc-Uwe Kling selbst, man lauscht einer Live-Lesung, die auch ungekürzt ist. (Ich nehme an, dass es mehrere Lesungen nacheinander sind, bei denen aufgezeichnet wurde, da die Geschichte ja über 503 Minuten, sprich über 8 Stunden umfasst.) Marc-Uwe Kling mag ich sehr gern als Sprecher, er hat eine angenehme Stimme, die er immer wieder absolut genial verstellt, wie ich finde. Auch hier tut er dies wieder wunderbar, denn er spricht sämtliche Rollen, die es in QualityLand eben gibt. Vom Sprechen her kann man alles gut verstehen, hier gab es für mich keinerlei Probleme.

Die Geschichte rund um QualityLand ist meiner Ansicht nach absolut genial. Eine Zukunftsvision, die nicht wirklich abstrus ist, sondern in gewisser Weise auch so eintreffen könnte. Durch seine wirklich durchdachten Überlegungen wird das ganze zu einem großen Hörspaß, der einem aber eben auch aufzeigt, auf welche Realität ein Zusteuern möglich ist. Ich habe das als ganz großes Kino erlebt, auch die Tatsache, wie er hier wieder sehr amüsante Details hineinbringt. So heißt Peters persönliches QualityPad „Niemand“, denn Peter hat das Gefühl, dass ihm niemand zuhört, dass ihn niemand versteht. Jeder in QualityLand hat seinen eigenen persönlichen digitalen Assistenten in Form eines QualityPads. Gezahlt wird dann beispielsweise im Restaurant per TouchKiss.

Es sind wirklich absolut interessante, spannende und geniale Überlegungen, die Marc-Uwe Kling mit dieser Geschichte bringt. Wer die Känguru-Geschichten kennt, der hat vielleicht einen Vergleich, so gab es für mich hier eine „personelle Ähnlichkeit“, was Denkweisen anbetraf, was ich aber sehr lustig fand.

Ich kann das Hörbuch „QualityLand“ wirklich nur empfehlen, es war eine absolut geniale, unterhaltsame, spannende und lustige, aber eben total durchdachte Geschichte. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 26.02.2019

Genial!

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Als Buch ist "QualityLand" schon großartig, aber als Hörbuch ist es genial! Das liegt natürlich an Marc-Uwe Kling, der sein Buch dermaßen gut vorliest, dass es unglaublich unterhaltsam und kurzweilig ist. ...

Als Buch ist "QualityLand" schon großartig, aber als Hörbuch ist es genial! Das liegt natürlich an Marc-Uwe Kling, der sein Buch dermaßen gut vorliest, dass es unglaublich unterhaltsam und kurzweilig ist. Genau genommen liest Kling nicht einfach nur das Buch, sondern spielt es richtiggehend vor und das macht dieses Hörbuch so besonders. Ich hatte selten so viel Spaß, mir ein Hörbuch anzuhören.


Über "QualityLand" selbst muss ich wahrscheinlich gar nicht mehr viel schreiben: Diese Dystopie ist im Grunde genommen nur das, was wir heute schon erleben, nur weitergedacht. Insofern ist das Erzählte für uns gut nachvollziehbar. Klingt schafft es aber, das alles so zu überspitzen, dass es nicht nur erschreckend, sondern eben auch lustig ist. Dadurch ist das Buch zwar einerseits eine durchaus realistische Idee, wohin wir uns entwickeln (können), gleichzeitig aber auch eine sehr witzige Abrechnung des Jetzt. Herrlich!

Jedenfalls: Wer mal ein richtig gutes Buch hören will, sollte sich unbedingt dieses Hörbuch greifen. Es ist herausragend! (Und ehrlich gesagt so gut, dass ich die nächsten Hörbücher schon allein der Sprecher*innen wegen enttäuschend finden werde. Das ist die Gefahr, wenn man ein von Kling vorgesprochenes oder eher vorgespieltes Buch gehört hat.)

Veröffentlicht am 10.10.2018

Leider wenig Känguru, aber viel gut verpackte Kritik!

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Die Geschichte ist eine humorvoll-düstere Zukunftsvision, bei der man irgendwie nie weiß, ob man lachen oder sich gruseln soll.
Roboter nehmen den Menschen die Arbeit weg, Wünsche werden von "The Shop" ...

Die Geschichte ist eine humorvoll-düstere Zukunftsvision, bei der man irgendwie nie weiß, ob man lachen oder sich gruseln soll.
Roboter nehmen den Menschen die Arbeit weg, Wünsche werden von "The Shop" per Drohnenlieferung erfüllt, noch bevor man sich derer selbst bewusst ist, Partner findet man mittels App und tauscht sie gern mal einfach so durch einen Besseren aus, wenn das "Quality Pad" es vorschlägt. Überhaupt wird selbständig nur noch wenig gedacht und Auto fährt man auch nicht mehr selbst.

Beim Hören dieser Geschichte habe ich mich sehr gut amüsiert und natürlich habe ich mich als Känguru-Fan total über ein kleines verstecktes Wiedersehen gefreut. Marc-Uwe Kling gelingt es wie immer grandios, seine durchaus angebrachte Kritik sorgfältig verpackt unters Volk zu bringen. Prädikat: sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 20.07.2018

Düstere Zukunftsaussichten präsentiert mit absurd schrägem Humor

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Irgendwann in einer vermutlich nicht allzu fernen Zukunft: Sämtliches Dasein ist dem Kommerz untergeordnet: 'Ich konsumiere, also bin ich.' Menschen sind entsprechend diverser Kriterien in Levels eingeordnet, ...

Irgendwann in einer vermutlich nicht allzu fernen Zukunft: Sämtliches Dasein ist dem Kommerz untergeordnet: 'Ich konsumiere, also bin ich.' Menschen sind entsprechend diverser Kriterien in Levels eingeordnet, bekommen gemäß ihren Einordnungen in diverse Datenbanken PartnerInnen empfohlen, Essenvorschläge und 'The Shop', der größte Versandhändler, weiß schon im Voraus, was die Einzelnen sich wünschen. Als eines Tages jedoch Peter Arbeitsloser einen rosaroten Delphinvibrator erhält, den er sich ganz bestimmt nicht gewünscht hat und versucht, diesen zurückzugeben, setzt er einen Prozess in Gang, der weitreichende Folgen haben könnte.
Dystopien sind in, denn die Zukunft unseres Planeten und unserer Gesellschaft sieht eher trübe aus. Was in Qualityland teilweise in extremer Form dargestellt wird, ist in Ansätzen (und auch teilweise schon darüberhinausgehend) bereits Realität. Menschen, die in Level eingestuft werden, die je höher sie sind, Bevorrechtigungen ermöglichen (kommt in China). Die Komplettüberwachung der Bevölkerung durch eine vollständige Vernetzung aller elektronischen Geräte; Privatisierung aller öffentlichen Aufgaben (z.B. muss die Polizei in Qualityland ihren Unterhalt selbst erwirtschaften); Probleme haben ihre Ursache immer außerhalb des eigenen Landes. Alles Themen, die nicht gerade vermuten lassen, dass sie in einer humorvollen Lektüre vorkommen.
Doch Marc-Uwe Kling gelingt es, indem er die Szenarien völlig überspitzt und damit teilweise schon ins Absurde treibt. Trotz des wahren und häufig allzu traurigen Kerns bleibt einem nichts anderes mehr übrig, als zu lachen . Auch wenn mir manchmal das Lachen buchstäblich im Halse steckenbleiben wollte. Dennoch: nicht die schlechteste Art und Weise, Missstände aufzuzeigen, die häufig niemand (mehr) hören will. Ein kleines Beispiel zum Thema Lebensmittel: 'Hast Du schon mal FeSaZus probiert? Du weißt nicht, was FeSaZus sind? FeSaZus sind industriell verpresste Klumpen, die nur aus dem Besten bestehen, was die Nahrungsmittelindustrie zu bieten hat: Fett, Salz und Zucker! Klingt pervers, ist aber geil. Das FeSaZus-Reinheitsgebot: 1/3 Fett, 1/3 Salz, 1/3 Zucker. Jetzt neu: SchmalzFeSaZus mit Speckgeschmack! Am besten mit unserer 50-Prozent-Zucker-Barbecue-Soße.'
Marc-Uwe Kling liest sein Buch selbst vor und ich finde, er macht das richtig klasse. Der lethargische Peter, das herrlich schimpfende pinkfarbene Qualitypad (das das Känguru fast ersetzt ), die stets beflissene Kalliope usw. Dem Autor gelingt es, all seinen Figuren eine eigenständige Stimme zu verleihen, sodass ich keinerlei Schwierigkeiten hatte, sie zu unterscheiden.
Ein tolles Hörbuch, das man durchaus auch mehrfach hören kann.