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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 24.06.2020
  • ISBN: 9783257071214
Marco Balzano

Ich bleibe hier

Maja Pflug (Übersetzer)

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2020

Mein Weg

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Das Cover des Buches mit dem einsamen Kirchturm in mitten eines Sees sprach mich sehr an.

Dem Autor gelang mit seinem fiktiven Roman, auf historisch belegbaren Begebenheiten einem berührenden, anrührenden ...

Das Cover des Buches mit dem einsamen Kirchturm in mitten eines Sees sprach mich sehr an.

Dem Autor gelang mit seinem fiktiven Roman, auf historisch belegbaren Begebenheiten einem berührenden, anrührenden Stück Zeitgeschichte ein Gesicht zu geben.

Der Ort der Handlung sind die Bergdörfer gleich unterhalb des Rechenpass in Südtirol. Die Orte waren zu Beginn des letzen Jahrhunderts noch nicht touristisch erschlossen. Das fruchtbare Ackerland wurde von den Bewohnern nach guter alter Tradition bearbeitet und verwaltet. Es war meist ein hartes und entbehrungsreiches Leben, dass die Bewohner führten.

Als Mussolini dann den Siegeszug des Faschismus in Italien anführte, wollen die Italiener Südtirol annektieren. Schon bald darf nur noch italienisch gesprochen werden. Alles deutsche wird verboten. Auch die deutsche Schule besteht nur noch im Untergrund.

Das war die Situation als drei Mädchen, die Lehrerinnen werden wollten, ans Ende ihrer Studienzeit kamen. Natürlich bleibt ihnen als Deutsche die Anstellung verwehrt. Für die jungen Frauen endet hier abrupt ihre Jugendzeit. Ihre Wege trennen sich. Nur Trina bleibt im Dorf und arbeitet als Lehrerin im Untergrund. Es ist sicher kein leichtes Leben für die junge Frau. Mit Erich einem Bauern aus dem Dorf geht sie die Ehe ein. Sie führen ein einfaches, hartes Leben. Trina bekommt zwei Kinder.

Die politische Lage spitzt sich immer mehr zu. Die Deutschen werden vor die Wahl gestellt in deutsche Reich heimzukehren, oder ihrer Heimat abzuschwören und sich zu Italien zu bekennen. Viele verlassen die Dörfer. Der zweite Weltkrieg ist auf dem Vormarsch. Die Familie beschließt in den Untergrund zu gehen, weil sie sich keinem der Lager anschließen wollen.

Als dann das Projekt eines riesigen Staudamms doch noch wahr wird, leistet Trina mit ganzer Seele und aller Kraft Widerstand.

Im Roman ist Trina die Erzählerin. Sie berichtet von die vielen kleinen und größeren Tragödien in ihrer Familie, im Dorf und von ihrer Arbeit. Von den Träumen der drei Mädchen am Anfang ist nichts geblieben.

Daneben erlebte ich als Leserin auch das Bedrückende der politischen Lage zwischen Faschismus, Hitler und dem zweiten Weltkrieg.

Marco Balzano hat das hervorragend recherchierte historische mit sehr viel Gefühl und Liebe zum Detail erzählt.






Veröffentlicht am 01.07.2020

Entscheidungen

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Die Geschichte des Kirchturms im Reschensee in Südtirol, so zeigt es jedenfalls das Titelbild des Buches von Marco Balzano. Aber es ist mehr als die historische Geschichte um den Stausee. Graun im Vinschgau ...

Die Geschichte des Kirchturms im Reschensee in Südtirol, so zeigt es jedenfalls das Titelbild des Buches von Marco Balzano. Aber es ist mehr als die historische Geschichte um den Stausee. Graun im Vinschgau ist der zentrale Ort der Geschichte. Es ist eine wechselvolle Geschichte. Zuerst wird das Dorf von den Faschisten Italiens quasi okkupiert. Deutsch als Sprache ist verboten. Doch keiner der Bewohner ist des Italienischen mächtig. Trina, die zentrale Person des Romans ist Lehrerin geworden. Aber sie darf ihren Beruf nicht ausüben, da der Unterricht auf italienisch gehalten werden muss. In sogenannten Katakombenschulen, z. B. in Kellern oder Scheunen, unterrichtet sie im Geheimen Kinder in der deutschen Sprache.

Viele Bewohner des Dorfes fliehen vor den Faschisten nach Deutschland, weil sie Hitler und die NSDAP als Rettung ansehen. Trina bleibt mit ihrem Mann Erich im Dorf. Ein Staudamm soll gebaut werden. Das Wasser des Stausees würde Graun überfluten. Dann kommt ein Wechsel. Nach den Faschisten übernehmen die deutschen Soldaten von Hitlers Wehrmacht das Dorf. Der Weiterbau des Staudamms wird erstmal auf Eis gelegt.

Nach dem Krieg wird der Staudamm jedoch weiter gebaut und es geht wieder um die Entscheidung zu bleiben oder das Dorf zu verlassen. Eine Entscheidung, bei der aber nur eine Entscheidungsmöglichkeit besteht. Der Staudamm wird zu Ende gebaut.

Das Buch ist keine Geschichte des Staudamms sondern der Menschen von Graun. Trina erzählt ihre Geschichte und die Geschichte all der anderen Menschen im Dorf. Die Sprache ist einfach und klar, so wie die Menschen um die es geht. Die Personen werden einfühlsam geschildert und so eingeführt, dass man niemals die Übersicht verliert. Mir war der geschichtliche Hintergrund Südtirols zu der Zeit nicht in dem Umfang präsent. Aber das Buch macht mehr, als die Geschichte aufzuarbeiten. Es berührt durch die Schilderung der Menschen.

Ganz klar eine Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 29.06.2020

vom Bleiben und Vertreiben

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In seinem Werk „Ich bleibe hier“ stellt Marco Bolzano die bewegte Geschichte des Ortes Graun in Südtirol vor. Das Bild des Kirchturms, der aus dem Wasser ragt, war mir bekannt, seine Geschichte bisher ...

In seinem Werk „Ich bleibe hier“ stellt Marco Bolzano die bewegte Geschichte des Ortes Graun in Südtirol vor. Das Bild des Kirchturms, der aus dem Wasser ragt, war mir bekannt, seine Geschichte bisher nicht.

Südtirol war ein Spielball der Faschisten, mal gehörte es zu Italien, mal zu Deutschland. Egal welche Seite gerade die Macht ausübte, der deutsche Teil der Bevölkerung hatte immer zu leiden.

Der Autor schildert die Geschichte über fiktive Charaktere. Trina ist eine junge deutschsprachige Lehrerin, die nach der abgeschlossenen Ausbildung nicht unterrichten darf, denn das gerade herrschende faschistische Italien hat die Sprache Deutsch verboten. Bis kurz vor den 2.WK wurden die deutschsprachigen Südtiroler unterdrückt, es wurde ihnen nahegelegt auszuwandern, blieben sie, waren sie Menschen zweiter Klasse. Trina aber bleibt, sie unterrichtet in Verstecken. Ihr Mann Erich muss an die Front, sie bleibt allein zurück.

Die Vorzeichen für die Bewohner wandeln sich, als die Nationalsozialisten das Ruder übernehmen. Aber ein neuer Krieg steht bevor, der gemeinsame Sohn meldet sich freiwillig, aber Erich will auf keinen Fall nochmal in den Kampf ziehen und so begeben sie sich auf die Flucht.

Auch nach dem Krieg sind die Zeiten für die abgelegenen Bergdörfer hart. Der Aufschwung lässt auf sich warten. Ein Kraftwerk und ein Staudamm sollen gebaut werden, die Dörfer Graun und Reschen müssen hierzu überflutet werden. Und wieder sollen diese Menschen ihre Heimat aufgeben. Diese Forderung wiederholt sich, aber nun aus anderem Grund.
Die Menschen, die solange um diese Orte gekämpft und nicht aufgegeben haben, versuchen sich gegen das Projekt zu stemmen. Wie immer fehlt es an Unterstützung. Die Zeiten bleiben hart.

Die bewegende Geschichte dieses Ortes erzählt Trina schriftlich für ihre Tochter. Ein schönes interessantes Werk über Südtirol, die deutsch italienische Geschichte, über Hoffnung und Verlust, die Notwendigkeit Stellung zu beziehen und das Urteilen aus der Ferne manchmal sehr viel leichter ist als unter Betroffenheit. Der Autor schafft es auf kurzweilige Weise über diese schwierige Zeit lebendig zu erzählen und setzt der Gegend und den damals heimatlos Gewordenen ein Denkmal.

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Veröffentlicht am 29.06.2020

Südtiroler Tragödie

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Der italienische Schriftsteller Marco Balzano erzählt in seinem Roman „Ich bleibe hier“ von Familien aus einem Dorf in Südtirol. Die Einwohner sprechen deutsch und fühlen sich nach Österreich zugehörig. ...


Der italienische Schriftsteller Marco Balzano erzählt in seinem Roman „Ich bleibe hier“ von Familien aus einem Dorf in Südtirol. Die Einwohner sprechen deutsch und fühlen sich nach Österreich zugehörig.
Ab 1939 können sie nach Deutschland ziehen. Die dagebliebenen Familien werden mal von den Faschisten, dann von den Nazis drangsaliert.
Daneben kämpfen sie noch gegen den Bau eines Stausees.

Die Protagonistin Trina erzählt die Geschichte des Dorfes. Sie ist Lehrerin, mal darf sie nicht arbeiten, weil die einen es verbieten, dann wieder die anderen. Weil sie italienisch sprechen kann, muss sie immer übersetzen.

Der Autor schreibt mit einfühlsamer Sprache.
So lässt er uns den Kampf gegen den Stausee genau mitverfolgen.
Der Roman ist einfach großartig.


Veröffentlicht am 28.06.2020

Lesenswerte Geschichte, die berührt und nachdenklich stimmt

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Die Geschichte hat mich nachdenklich zurückgelassen. Südtirol wurde von mir stets in Verbindung mit Wanderferien, Berge und Sonne, leichte Lebensart und Erholung gebracht. Und jetzt, nach der Lektüre von ...

Die Geschichte hat mich nachdenklich zurückgelassen. Südtirol wurde von mir stets in Verbindung mit Wanderferien, Berge und Sonne, leichte Lebensart und Erholung gebracht. Und jetzt, nach der Lektüre von Marco Balzanos Werk, mit Vertreibung, mit Krieg und Verlusten und einem Staudamm, der den Menschen aus Graun die Heimat nimmt.

Man hat es schon einmal gehört und gesehen, bei den deutschen Dörfern, die Kohlebergwerken weichen mussten. Ein ähnliches Spiel mit den gleichen Verlieren - den Einwohnern der Dörfer.

Hier in "Ich bleibe hier" ist es Trina, die man begleitet und die sich durch die Jahre kämpft und kein leichtes Leben hat. Es wird aus ihrer Sicht geschrieben. Der Verlust ihrer Tochter, ihrer Freundinnen und ihrer Heimat. Der Krieg, der sie zum ersten Mal flüchten lässt. In die Berge und in die Kälte. All das überlebt sie, um am Ende doch an einer Staumauer zu scheitern. Trina ist stark und klug und schafft es durch ihren Willen immer wieder einen Ausweg zu finden. Erich, ihr Mann, zieht mit und kämpft ebenfalls. Erst im zweiten Weltkrieg, dann gegen die Erbauer des Staudamms. Man kann die Angst, die Hoffnungslosigkeit und Resignation spüren. Die Verzweiflung, die nach jedem Strohhalm greifen lässt, um am Ende doch wieder nur enttäuscht zu werden.

Marco Balzano hat es geschafft auf nur 280 Seiten eine eindringliche, traurige und beeindruckende Geschichte zu schreiben. Er hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf. Keine großen Ausschmückungen oder unnötige Füllwörter, er nutzt den geraden Weg, um den Leser das schwere Leben (Schicksal) der Bauern von Graun zu zeigen.

Besonders eine Aussage der Mutter von Trina hat mir gefallen und ist auch im Gedächtnis hängen geblieben.

"Es wird schon seinen Grund haben, wenn Gott uns die Augen vorne eingesetzt hat! Das ist die Richtung, in die wir schauen müssen, sonst hätten wir die Augen an der Seite wie die Fische." (S.95)

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