Es erinnert daran, wie zerbrechlich alles ist
Schon der Gedanke an Tamsins Schicksal jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ein Körper, der seit Jahren reglos im Krankenhausbett liegt. Eine Frau, die alles hört, alles riecht, alles fühlt – und doch ...
Schon der Gedanke an Tamsins Schicksal jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ein Körper, der seit Jahren reglos im Krankenhausbett liegt. Eine Frau, die alles hört, alles riecht, alles fühlt – und doch nicht einmal blinzeln kann, um zu zeigen, dass sie da ist. Während um sie herum über Leben und Tod entschieden wird, kämpft sie still, verzweifelt und mit einer Kraft, die mich tief beeindruckt und innerlich völlig aufgewühlt hat.
Besonders schmerzhaft sind die Momente, die man nie nachholen kann, wie z. B. die Geburt ihrer Tochter. Als Psychiaterin weiß Tamsin, dass diese Art von Dornröschenschlaf sie vor einer besonders traumatischen Erinnerung schützen soll. Als ihr Ehemann Jamie plötzlich beschließt, Tamsin aus ihrem vermeintlich hoffnungslosen Zustand zu erlösen, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit. Für mich war es das reinste emotionale Chaos!
Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, was die Spannung noch verstärkt. Tamsins innere Stimme, geprägt von ihrem beruflichen Wissen über Trauma und Verdrängung, trifft auf Rückblicke in ein Leben „davor“ und auf Jamies Sicht, die zwischen Liebe, Schuld und Hoffnungslosigkeit schwankt. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild einer Beziehung, die von einem einzigen Moment für immer verändert wurde.
Besonders berührt hat mich, wie intensiv Tamsins Wahrnehmungen aus dem Krankenbett geschildert werden – jedes Geräusch, jede Berührung, jede Stimme bekommt Gewicht. Ihr innerer Kampf, dieses verzweifelte Anrennen gegen den eigenen Körper, war kaum auszuhalten. Umso wohltuender ist die Figur der Pflegerin Milena, die mit leiser Menschlichkeit und Wärme zeigt, wie viel ein einziger Mensch bewirken kann, wenn er nicht aufgibt.
Der Schreibstil ist hoch emotional, bildreich und gnadenlos nah dran. Ich habe Seite um Seite mitgelitten, gehofft und gebangt.
Fazit: Dieses Buch hat mich nicht nur bewegt, sondern wachgerüttelt. Es erinnert daran, wie zerbrechlich alles ist – und wie viel Glück darin liegt, morgens die Augen zu öffnen.