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4,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Schöningh Verlag in Westermann Bildungsmedien
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 132
  • Ersterscheinung: 11.05.1999
  • ISBN: 9783140223140
Norbert Schläbitz

EinFach Deutsch Textausgaben

Georg Büchner: Woyzeck Drama - Gymnasiale Oberstufe
Zu dieser Textausgabe sind folgende Unterrichtsmodelle erschienen: Schöningh, Bestell-Nr.: 022313Schöningh, Bestell-Nr.: 022723 (Neubearbeitung)

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Veröffentlicht am 30.08.2021

soziales Drama mit breitem Spektrum an Themen

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Das Dramenfragment „Woyzeck“, aus dem Jahre 1836, von Georg Büchner kann auf vielseitige Weisen analysiert werden und behandelt tiefgründig mehrere Themenfelder. Franz Woyzeck, ein armer Soldat, wird von ...

Das Dramenfragment „Woyzeck“, aus dem Jahre 1836, von Georg Büchner kann auf vielseitige Weisen analysiert werden und behandelt tiefgründig mehrere Themenfelder. Franz Woyzeck, ein armer Soldat, wird von der gesamten Gesellschaft ausgenutzt und ist als passives Opfer den ungerechten Verhältnissen ausgesetzt. Seine Geliebte Marie, mit welcher er einen gemeinsamen unehelichen Sohn hat, betrügt ihn mit dem Tambourmajor, worauf Woyzeck aus Verzweiflung und ohnmächtiger Wut Marie tötet.
Das Drama wirft unter anderem die Frage auf, in wieweit das Leben durch äußere Einflüsse kausal vorbestimmt ist und ob ein Befreien aus diesen möglich ist. So stellt sich am Ende der Handlung auch die Frage: Ist Woyzeck als Schuldiger an dem Mord seiner Geliebten zu verurteilen? Diese kann nach Lesen des Dramas jeder für sich beantworten und eine Meinung zu diesen komplexen Themen gebildet werden.
Durch die Entwicklung des Protagonist Woyzeck räumt Büchner des Idealismus. Er stellt die soziale Unterdrückung durch die Obrigkeit. Er versöhnt Ideal und Realität, wobei er auch eine realitätsnahe und wirklichkeitsgetreue Dichtung achtet. Auch den Nihilismus beleuchtet er in seinem Drama. Dies zeigt sich in inhaltsleeren Floskeln des Hauptmanns, einem Nebencharakter. Aber auch der Materialismus, also die Abhängigkeit durch materielle Kräfte, wird angesprochen. Dies schafft er durch die Aussagen des Hauptmanns, dass arme Menschen keine Tugend besäßen sowie durch die Entscheidung Maries für den Tambourmajor. Zudem werden auch der Determinismus und die Bedingtheit des Menschen durch soziale Lage oder Fremdbestimmung behandelt. Folglich kritisiert Büchner auf vielschichtige Weise die zeitgenössische Gesellschaft. So lässt sich auch ein Vergleich bzw. Parallelen zum Lebenszeitraum Büchners und der Gesellschaft in „Woyzeck“ ziehen.
Aus dem Grund, dass das Drama fragmentarisch verfasst wurde, stehen die Szenen als einzelne Handlungen an hauptsächlich verschiedenen Spielorten. So wird eine Abwechslung geschaffen und durch die kurz gehaltenen komprimierten Szenen wird die Handlung auch nicht unnötig in die Länge gezogen, sondern kurz und präzise wiedergegeben. Auch durch die Neuanordnung der Szenenabfolge wird ein interessanter Interpretationsspielraum geschaffen. Büchner schafft hier folglich mit einfachen Mitteln ein abwechslungsreiches Leseerlebnis und durch die Kürze der Gesamtheit wird es beim Lesen auch nicht langweilig. Diese Abwechslung verstärkt sich auch durch die Brechung des klassischen geschlossenen Dramenaufbaus. Die Einheit von Zeit, Ort und Handlung werden deutlich gebrochen, obwohl sich trotzdem eine steigernde Handlung erkennen lässt.
Auch auf sprachlicher Ebene lässt sich das Drama sehr gut lesen, da durch die typische Dialogform eine theaterartige Struktur geschaffen wird und durch Regieanweisungen die Verbildlichung der Handlung unterstützt wird. Ebenfalls positiv zu betonen ist die sprachliche Differenzierung der Charaktere. So hat jeder Charakter eine eigene sprachliche Eigenschaft, wie eine komplexe Fachsprache beim Doktor und die Dialektsprache von Woyzeck. Auch Bibelstellen, Volksliedstrophen und Märchen bringen eine sprachliche Vielfalt in das Drama.
Kritisieren könnte man die kurze Beschreibung und das häufig nur einmalige Auftreten der Nebenfiguren. Auch die Hauptfiguren werden kaum beschrieben, da man hauptsächlich durch den Kontext und die Art und Weise des Auftretens der Figuren Eigenschaften über diese erfährt. Zudem treten auch meist Typen und kaum Charaktere auf. Dies schafft jedoch auch, dass Woyzecks Schicksal und seine Stellung in der Gesellschaft betont wird sowie ein gewisser Interpretationsspielraum bestehen bleibt. Außerdem ist die wichtigste Hauptfiguren Woyzeck als Charakter dargestellt, da dieser nicht nach einem bestimmten Typen handelt, sondern willkürliche Entscheidungen trifft und nach diesen handelt.
Interessant ist auch die Grundlage des Dramas auf einer wahren Begebenheit, denn „Woyzeck“ basiert auf einem historischen Kriminalfall aus dem Jahre 1821, bei welchem der arbeitslose Perückenmacher Johann Christian Woyzeck aus Leipzig seine Ehefrau erstochen hatte. Hier bietet sich auch ein Vergleich zwischen dem Drama und dem wahren Ereignis an.
Zusammenfassend ist das Dramenfragment Woyzeck zu empfehlen und besonders für die Interpretation im Unterricht sehr gut geeignet, da viele Themenbereiche angeschnitten und analysiert werden können. Besonders für Personen, die sich mit philosophischen und soziologischen Fragen, aber auch psychologischen und historischen Themen, auseinandersetzen möchten, stellt das Drama eine gute Möglichkeit dafür dar.

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Veröffentlicht am 04.12.2017

Gut

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Da werden die Stufen der Gesellschaft richtig deutlich

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