Profilbild von Akantha

Akantha

Lesejury Star
offline

Akantha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Akantha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2017

Sehr spannend mit nicht zu viel Romantik

Die Bucht
0

In „Die Bucht“ von Sarah Alderson geht es um die 17jährige Ren Kingston, die ihren Sommer als Au-pair auf Nantucket verbringt. Dort lernt sie Jeremy kennen, der sie in seine Clique auf der Insel einführt. ...

In „Die Bucht“ von Sarah Alderson geht es um die 17jährige Ren Kingston, die ihren Sommer als Au-pair auf Nantucket verbringt. Dort lernt sie Jeremy kennen, der sie in seine Clique auf der Insel einführt. Obwohl er ihr Herz höher schlagen lässt, fühlt sie sich gleichzeitig von dem düsteren, geheimnisvollen Jesse angezogen. Der ist jedoch mit einem von Jeremys Freunden bis aufs Blut verfeindet und niemand weiß warum. Als Ren dann auch noch erfährt, dass vor einem Jahr ein Kindermädchen auf der Insel ums Leben kam, ist klar, dass jemand ein großes Geheimnis verbirgt.

Ich habe „Die Bucht“ angefangen zu lesen, direkt nachdem ich „Salzige Sommerküsse“ beendet habe. Erst da fiel mir auf, dass ich die volle Dosis Nantucket gekauft habe. Dennoch sind beide Bücher sehr verschieden. In „Die Bucht“ geht es natürlich auch darum, dass Ren ihre Liebe findet und zwischen zwei Jungen hin- und hergerissen ist. Vielmehr steht aber das Geheimnis um Jesse im Mittelpunkt.

Der Roman ist aus der Perspektive von Ren geschrieben und im Präsens verfasst, sodass sich auch für den Leser die einzelnen Puzzleteile der Geheimnisse nach und nach zusammensetzen – man weiß nie mehr als Ren, zumindest nicht mit Sicherheit, denn manche Aspekte waren vorhersehbar. So war mir relativ schnell klar, worin Jesses Motivation liegt. Das ganze Ausmaß dessen und was mit dem Kindermädchen geschehen war, hat sich mir allerdings erst am Ende offenbart. Ich habe zwischendurch kurz befürchtet, dass Letzteres nicht aufgeklärt würde, waren doch nur noch so wenige Seiten übrig. Aber keine Panik: alles wird aufgedeckt.

Natürlich ist eine Lektüre immer interessanter, wenn man nicht weiß, was passiert. Letztendlich ist für die Spannung aber der Weg dahin ausschlaggebend. Dies hat Sarah Alderson hervorragend gemeistert. Die Story ist von vielen kleinen Szenen gespickt, die Ren (und somit auch dem Leser) Hinweise liefern. Da das Buch mit einem Prolog startet, der völlig aus dem Zusammenhang gerissen den Höhepunkt der Geschichte wiedergibt, weiß der Leser grob, worauf es hinauslaufen wird. Selbstverständlich bleiben die entscheidenden Personen dabei unbekannt und man versucht somit im Laufe der Lektüre herauszufinden, wer dieser kommende Antagonist wohl sein könnte. Der Höhepunkt ist ein wahrer Pageturner und wenn man gerade denkt, es sei vorbei, passiert wieder etwas – ein Stilmittel, dass ich aus einigen guten Krimis schätze.

Nicht gefallen hat mir dabei allerdings, dass Ren mehrfach von befreundeten Jungs gerettet wird. Hier hätte ich mir ein starkes Mädchen gewünscht, welches mit Erfolg um sein Leben kämpft – zumindest in manchen der gefährlichen Situationen. Mir hat hingegen gut gefallen, dass sie nicht eins dieser perfekten Mädchen ist, sondern auch peinliche Situationen erlebt oder durch ihr Asthma gehandicapt ist.

Auch waren manche der Personen (besonders in Jeremys Freundeskreis) überflüssig und hätten gestrichen werden können, damit es übersichtlich bleibt. Gerade wenn jemand „Parker“ heißt, was ein Mädchen- oder Jungenname sein kann, und dann keine wichtige Rolle oder außergewöhnliche Eigenschaft hat, kann er problemlos entfallen. Hinzu kommt noch ein Beziehungswirrwarr oder wie die Protagonistin selbst anmerkt: es wäre leichter sich zu merken wer mit wem noch nichts hatte.

Insgesamt handelt es sich um ein spannendes Jugendbuch mit vielen Krimi-Aspekten und nicht zu viel Romantik – eine sehr angenehme Abwechslung zu den Themen, die sonst den Jugendbuchbereich dominieren. Die Protagonistin ist zwar sympathisch, könnte aber etwas mehr Tapferkeit oder Heldenmut beweisen. Außerdem war das Happy End etwas übertrieben, sodass ich in Summe 4 von 5 Sternen gebe.

Veröffentlicht am 20.12.2017

Einfühlsame Geschichte über den Wert von Freundschaft, Liebe und Familie

Salzige Sommerküsse
0

In „Salzige Sommerküsse“ („Nantucket Blue“) von Leila Howland geht es um Cricket Thompson, die sich auf einen Sommerurlaub mit ihrer besten Freundin Jules auf Nantucket freut und hofft, dabei ihrem Schwarm ...

In „Salzige Sommerküsse“ („Nantucket Blue“) von Leila Howland geht es um Cricket Thompson, die sich auf einen Sommerurlaub mit ihrer besten Freundin Jules auf Nantucket freut und hofft, dabei ihrem Schwarm Jay näher zu kommen. Als Jules ihr mitteilt, dass sie doch nicht mitkommen könne, sucht sie sich kurzentschlossen selbst einen Job und Unterkunft auf der Insel. Aber nicht nur dadurch verläuft dieser Sommer ganz anders, als geplant.

Was dem Leser direkt zu Beginn ins Auge springt, ist ein Vorschlag für eine Playlist, die man während des Lesens hören kann. Ich selbst lese lieber im Stillen und habe die Liste daher nicht ausprobiert. Ich kann mir aber vorstellen, dass es eine tolle Erfahrung ist, sich durch die von der Autorin gewählte Musik noch mehr in die Geschichte einzufühlen. Ich weiß allerdings ebenfalls nicht, ob die Lieder auch unmittelbar zu den Kapiteln passen, denn dann wäre die unterschiedliche Lesegeschwindigkeit ein Faktor, der diese Erfahrung wieder zunichtemachen könnte. Nichtsdestoweniger finde ich die Idee sehr gelungen.

Noch vor der Playlist allerdings, nimmt der Leser natürlich das Cover wahr – nicht nur optisch, denn es ist auch von leicht angerauter Haptik. Mir gefällt es immer gut, wenn sich ein Buch auf diese Weise von anderen Büchern unterscheidet.
Was mir hingegen gar nicht zusagt, ist das Bild auf dem Cover. Generell missfällt mir der Trend, Fotos auf dem Cover zu verwenden. Während das natürlich noch Geschmackssache ist, frage ich mich allerdings, nach welchen Kriterien diese Bilder ausgewählt werden. Ich könnte durchaus verstehen, wenn die Protagonistin dort abgebildet wird. Cricket hat allerdings blonde, gelockte Haare und nicht glatte, braune. Ein absolut beliebiges Mädchen auf dem Cover abzubilden, finde ich nicht besonders ansprechend. Da hätte der Verlag das Foto direkt weglassen können – der vermeintliche Hintergrund ist nämlich sehr schön gestaltet. Aber: „Don’t judge a book by its cover!“- ich habe diesen Punkt bei meiner Bewertung außer Acht gelassen.

Der Schreibstil von Howland zeigt keine Auffälligkeiten. Es liest sich flüssig, auch wenn zwischendurch ein- oder zweimal so glaube ich, Namen vertauscht wurden.

Das absolute Glanzstück für mich, sind bei diesem Buch allerdings die Themen und die Entwicklung, die Cricket erlebt, auch viele Aspekte, die der Leser (zumindest ich – Mitte 20) selbst aus seiner Jugend kennt. Einige Rezensenten empfinden manche Handlungsstränge als „zu dramatisch“. Genau das ist es auch. Aber rückblickend weiß ich genau, dass ich in dem Alter genau dieses Drama auch gelebt habe. Was uns heute als lächerliches Problem erscheint, war mit 13-17 Jahren nun mal der Weltuntergang für uns. Dieses Gefühl bzw. diese Erinnerung bringt die Autorin bezogen auf Liebe, Familie und Freundschaft sehr gut zurück.

Was mir schon bei einem anderen Ravensburger Titel („Tochter der Flut“) negativ auffiel, ist der Klappentext. Bei einer „verbotene[n] Liebe und ein[em] lang gehütete[n] Geheimnis“ habe ich wirklich sehr viel mehr erwartet. Die verbotene Liebe nehme ich Howland noch ab, gerade in Anbetracht der von mir oben erläuterten Dramatisierung im Teenager-Alter. Das lang gehütete Geheimnis hätte man allerdings komplett aus der Story streichen können, ohne dass die Geschichte schlechter geworden wäre. Ich bin mir noch nicht mal hundertprozentig sicher, was nun dieses Geheimnis gewesen sein soll. Auf jeden Fall nichts so Nervenaufreibendes, wie der Klappentext suggeriert. Da dies allerdings nicht allzu viel Einfluss auf das Leseerlebnis hat, strafe ich es nicht in zu hohem Maße ab.

Inhaltlich hat mir außerdem die Entwicklung der Freundschaft zwischen Cricket und Jules nicht gefallen. Crickets Erinnerungen zeigen dem Leser zwar die Intensität ihrer Beziehung auf, in der Gegenwart kommt dies allerdings kaum rüber. Gerade am Ende hat es den unangenehmen Nachgeschmack von „Ich brauche keine Freunde, wenn ich einen festen Freund habe“ – eine Message, die ich nicht gut finde. Besonders wertvoll ist hingegen, die andere Moral, die übermittelt wird: Sei du selbst, es ist nur wichtig, dass du mit dir zufrieden bist.

Ich muss zugeben, dass ich keine hohen Erwartungen an das Buch hatte. Es hat mich mit seiner Emotionalität und Tiefe aber sehr berührt und vor allem empfinde ich es als authentische Beschreibung der Probleme, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Daher 4 von 5 Sternen.
In der Originalsprache gibt es wohl schon einen zweiten Teil („Nantucket Red“), den ich auf jeden Fall auch gerne lesen würde.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Spannendes Popcorn-Kino

Young Bond – Der Tod stirbt nie
0

„Der Tod stirbt nie“ von Steve Cole ist sein erster von bislang drei Titeln über die Abenteuer des fünfzehnjährigen James Bond. Es gibt jedoch fünf weitere Bände der „Der junge James Bond“ – Reihe, die ...

„Der Tod stirbt nie“ von Steve Cole ist sein erster von bislang drei Titeln über die Abenteuer des fünfzehnjährigen James Bond. Es gibt jedoch fünf weitere Bände der „Der junge James Bond“ – Reihe, die bereits von Charlie Higson verfasst wurden und zeitlich der Reihe von Cole vorgelagert sind. Die beiden Reihen bauen inhaltlich nicht unmittelbar aufeinander auf, in „Der Tod stirbt nie“ gibt es allerdings Anspielungen auf zumindest das letzte Abenteuer aus Higsons Feder. Ich habe diese Reihe zwar nicht gelesen, konnte aber der Handlung in „Der Tod stirbt nie“ problemlos folgen und bin zudem auf die vorherigen Teile sehr neugierig geworden.

James Bond ist gerade vom Eliteinternat Eton geflogen und verbringt nun einige Wochen an der Dartington Hall School. Dabei erhält er die Gelegenheit mit drei anderen Schülern im Zeppelin des berühmten Filmproduzten Anton Kostler nach Los Angeles zu fliegen. Am Vorabend des Abflugs fällt ihnen eine prekäre Filmrolle in die Hände und die Männer, die diese zurückbekommen wollen, schrecken vor nichts zurück.

Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte durchweg spannend ist. Es gibt kaum Längen, im Gegenteil: einmal angestoßen, rollen die Ereignisse in einem fort. Eine kleine Atempause zwischendurch wäre angenehm gewesen. Zum Beispiel hätte mir noch eine etwas ausführlichere Beschreibung des damaligen Los Angeles gefallen. Aber so, wie die Story geschrieben ist, hat sie mich voll mitgerissen und war am Ende sogar ein Pageturner.
Positiv finde ich außerdem, wie der Schreibstil zum Miträtseln einlädt. Bis auf den Prolog werden die Ereignisse komplett aus der Perspektive von Bond geschildert. So hat der Leser immer nur Zugang zu denselben bruchstückhaften, Informationen wie der Protagonist und deckt mit ihm gemeinsam allmählich die Zusammenhänge auf.

Es wird keine Jahreszahl angeben, aber aus manchen Passagen schließe ich, dass die Handlung Mitte/Ende der 1930er spielt. Diese Atmosphäre und der Glamour des alten Films werden im Buch sehr gut rübergebracht, sei es durch die Beschreibung der Filmhäuser, der Kleidung oder der Automobile. Man lernt zudem noch ein bisschen etwas über Zeppeline und kann die Mischung aus Begeisterung und Angst der Menschen in Bezug auf dieses neue, kostspielige Reisegefährt miterleben.

Der fünfzehnjährige James Bond ist ein sehr interessanter Charakter. Ihm haftet bereits eine leichte Düsternis aufgrund seiner Familiensituation und seinen bisherigen Erlebnissen an. Trotzdem ist er noch nicht so abgebrüht, wie der Geheimagent, den wir aus den Filmen kennen. Darüber hinaus ist er bislang nicht der Alleskönner, sondern bildet seine Fähigkeiten mit der Zeit nach Bedarf aus und zieht somit auch manchmal den Kürzeren. So bleibt der Charakter – vor dem Hintergrund, dass es natürlich Fiktion ist – noch einigermaßen realistisch.

Sehr gut gefallen haben mir außerdem eine kleine Wendung auf dem Höhepunkt der Geschichte, sowie eine Andeutung ganz am Ende, wie es mit James Bond wohl weitergehen wird.

Insgesamt ein actiongeladenes Jugendbuch. Oft genug konnte ich mir die Szenen verfilmt auf großer Leinwand vorstellen, unterlegt mit klassischer James Bond Musik. Sicher auch für Fans der Filme ein Lesespaß, auch wenn die klassische Agenten-Manier und die technische Gadgets fehlen. Bond Girl aber inklusive – natürlich jugendfrei. Spannendes Popcorn-Kino mit 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 16.12.2017

Die pure Freude in Bildern

Schnappschüsse
0

„Schnappschüsse“ von Christian Vieler ist ein Fotoband, in dem er den Moment festgehalten hat, in dem jeweils einer von 60 Hunden ein Leckerli aus der Luft schnappt. Bei diesem außergewöhnlichen Shooting ...

„Schnappschüsse“ von Christian Vieler ist ein Fotoband, in dem er den Moment festgehalten hat, in dem jeweils einer von 60 Hunden ein Leckerli aus der Luft schnappt. Bei diesem außergewöhnlichen Shooting sind viele Rassen vertreten, vom Mops und Dackel bis zum Golden Retriever und Dalmatiner.

Die Momente, die Christian Vieler (hauptberuflich Hundefotograf) festhält, drücken eine ganze Bandbreite von Emotionen aus. Meistens die pure Freude, aber auch Gier und die Verzweiflung, wenn das Leckerli zu entwischen droht. Zumeist ist ein „normales“ Porträt des Hundes als Vergleich einem oder mehreren der titelgebenden Schnappschüssen gegenübergestellt. Dort kann man dann die treuherzigen Blicke und zum Teil wunderschönen Fellzeichnungen begutachten. Die „Grimassen“ während der Konzentration auf das Leckerli hingegen, bringen den Betrachter zum Schmunzeln und Lachen, aber auch zum Staunen angesichts der eindrucksvollen Gebisse oder zum Ekeln bei Anblick der Speichelfäden. Gerade bei Rassen, die von Natur aus große, herabhängende Lefzen haben (z.B. Doggen oder Boxer) entstehen die merkwürdigsten Gesichtsverrenkungen. Besonders schön finde ich, dass ganz am Ende alle Models nochmal mit einem kleinen Porträt und ihrem Namen abgebildet sind. Man merkt, dass es für den Fotografen (selbst Hundebesitzer) somit nicht irgendwelche Tiere waren. In der Einleitung erklärt er, dass die Bilder als Abschluss und Belohnung eines Standard Shootings geschossen wurden, und genauso kommen die Hunde auch rüber: entspannt und fröhlich.

Mein einziger Kritikpunkt: zwischendurch sind Seiten komplett schwarz geblieben. Eventuell liegen dort künstlerische Gesichtspunkte zugrunde, die sich mir nicht erschließen, dennoch hat es mich gestört. Daher zusammenfassend 4,5 von 5 Sternen und ein herzliches Dankeschön für eine Fotoserie, die jedem immer Freude bereiten wird.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Langweilige Story, flache Charaktere

Die Täuferin
0

„Die Täuferin“ ist Band 1 der Freiheitsbund-Saga von Jeremiah Pearson über eine Gruppe der Böhmischen Brüder zu Beginn der Reformation. Zu ihren Grundsätzen gehören die Ablehnung der Kindstaufe und die ...

„Die Täuferin“ ist Band 1 der Freiheitsbund-Saga von Jeremiah Pearson über eine Gruppe der Böhmischen Brüder zu Beginn der Reformation. Zu ihren Grundsätzen gehören die Ablehnung der Kindstaufe und die Glaubensfreiheit generell. Im Buch heißt es außerdem, dass sie vor allem den Menschen niederer Stände das Lesen beibringen, damit jeder selbst in der Bibel lesen kann. Für die katholische Kirche handelt es sich um Ketzerei, welche Verfolgung, Folter und den Tod durch den Scheiterhaufen nach sich zieht. Zu der Gruppe der Böhmischen Brüder gehört unter anderem Kristina, die eine der zwei Protagonisten des Buches ist.
Der andere ist Lud, ein Höriger, der, obwohl er Analphabet ist, einen wachen Verstand besitzt. Er ist seelisch und körperlich von den Pocken gezeichnet, verlor durch sie seine ganze Familie. Der einzige Mensch, der noch eine Bedeutung für ihn hat ist sein Ritter Dietrich Geyer, dem er mit einigen anderen Hörigen zu Beginn des Romans in den Krieg gegen das Osmanische Reich im Donautal folgt. Währenddessen verlässt Kristina mit einigen Glaubensbrüdern und –schwestern ihren Zufluchtsort in dieselbe Richtung, um der Bevölkerung ihre Glaubensgrundsätze näher zu bringen und sie im Lesen zu unterrichten. So kreuzen sich die Wege der beiden.

Zu Anfang möchte ich unbedingt folgende Passage hervorheben, die ich seitdem jedem Buchliebhaber unter die Nase halte:

„Sind Bücher teuer?“
„Ein gutes Buch kostet so viel wie ein guter Dolch.“
Lud blickte seinen Ritter überrascht an. „Nur dass ein Dolch ein Leben wert sein kann.“
„Oh, ein Buch kann viel mehr wert sein als ein Leben. Es kann ein Königreich wert sein. Oder eine neue Welt.“

Das war es dann leider auch schon mit den positiven Aspekten.

Zu Beginn wird der Leser direkt vom Personenverzeichnis erschlagen. Es ist absolut unnötig zum einen so viele Charaktere aufzuzählen, die für die Story insgesamt von untergeordneter Bedeutung sind und zum anderen dann noch für beinahe jeden das Alter und die Familienverhältnisse zu erläutern. Hier hätte sich der Autor gerne auf die wesentlichen Charaktere und ihre relevanten Merkmale beschränken können. Die Charaktere, die eine größere Rolle spielen, entfalten zudem keine wirklich einzigartige Persönlichkeit, sondern bleiben eher flach.

Selten habe ich mich bei einer Rezension bereits mit der Inhaltsangabe so schwer getan, denn es passiert sehr wenig in diesem Buch. Seitenweise werden hingegen die Vergangenheit, sowie die Gedanken der einzelnen Personen beleuchtet. Das geschieht aus kapitelweise wechselnden Perspektiven und nicht nur bei den beiden Protagonisten. Dieses Mittel ist sehr gut geeignet, Einblick in verschiedene Bevölkerungsschichten und deren Motive zu erlangen und daher durchaus gelungen. Es passiert allerdings mehr als einmal, dass ein Kapitel ausnahmsweise spannend endet, das neue Kapitel aber mit weitschweifigen Erinnerungen beginnt. Der zarte Spannungsbogen, der gerade im Entstehen begriffen war, stürzt dabei ins Bodenlose. Vielleicht hat der Autor gehofft, dass der Leser dann umso begieriger weiterlesen würde, um zur Auflösung zu gelangen – zumindest bei mir hat das allerdings gar nicht funktioniert. Als ich endlich erfuhr, wie es weiterging, habe ich mich nicht mehr wirklich gut in die Situation hineinversetzen können. Somit waren die wenigen spannenden Stellen vergeudet. Auf den letzten paar Seiten nimmt die Handlung noch einmal Fahrt auf, vor allem vermutlich um den Grundstein für den 2. Band zu legen. Allerdings reicht das nicht aus, um das Buch insgesamt positiv zu bewerten.

Eine kleine sachliche Anmerkung noch: entgegen des Buchtitels war „Täufer“ zur damaligen Zeit nicht die korrekte Bezeichnung, sondern „Wiedertäufer“. In einer anderen Rezension habe ich aber auch gelesen, dass die Gruppe um Kristina gar keine Täufer/Wiedertäufer sind. Bei dieser Beurteilung muss ich leider mangels Wissen passen.

Zusammenfassend fehlt es einfach an allem, was ich an einem historischen Roman schätze: historische Korrektheit, tolle Persönlichkeiten, eine mitreißende Story. Der Vergleich mit Ken Follett und Noah Gordon ist schlicht eine Frechheit! Eine persönliche Meinung soll natürlich jeder haben, aber wer darf so eine Aussage an so prominenter Stelle schreiben? Zu neu-deutsch würde ich das wohl „Clickbait“ nennen. Wäre das nicht gewesen, würde ich wohl noch 2 Sterne vergeben, jetzt ist es aber nur 1 von 5 Sternen. Ich werde Teil 2 auf keinen Fall kaufen.