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Veröffentlicht am 26.12.2020

Schattengeister

Schattengeister
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Makepeace lebt mit ihrer Mutter in einem Kämmerlein bei Verwandten. Immer wieder muss sie die Nacht in einer alten Kirche voller Geister verbringen, den Grund versteht sie nicht.
Als sie eines Tages wegläuft, ...

Makepeace lebt mit ihrer Mutter in einem Kämmerlein bei Verwandten. Immer wieder muss sie die Nacht in einer alten Kirche voller Geister verbringen, den Grund versteht sie nicht.
Als sie eines Tages wegläuft, kommt es zu einem Unfall und die Mutter stirbt. Außerdem nimmt Makepeace versehentlich den Geist eines Bären in sich auf. Die Verwandten halten sie für krank und schicken sie zur Familie ihres Vaters, den Fellmottes. Dort lebt sie als Küchenmagd, entschlüsselt nach und nach das gefährliche Geheimnis der Familie und lernt ihren Bruder kennen, der in deren Fänge gerät.
Als ihr endlich die Flucht gelingt, macht sie sich auf die Suche nach einem Arzt, der dem Bruder helfen soll, doch die Fellmottes sind ihr auf dem Versen...

Schattengeister ist wirklich ein ungewöhnliches Buch und obwohl es mir manchmal ein wenig an Spannung fehlte, hatte die Geschichte eine gewisse Sogwirkung.
Makepeace ist eine tolle Protagonistin, die anfangs etwas blass wirkt, sich aber zu einer mutigen jungen Heldin mausert. Wenn man einmal ihre Freundschaft errungen hat, ist sie treu ergeben.

Mir gefiel auch, dass der Bär in ihrem Geist wirklich einfach nur ein Bär ist, ein wildes Tier, das nicht sprechen kann.

Die meisten Charaktere sind komplex und nicht einfach nur gut oder böse. Sie machen Fehler, sie sind manchmal egoistisch, oft aber auch hilfreich und freundlich. Trotzdem gibt es klassische Bösewichte, die mir ziemlichen Spaß gemacht haben. :)

Das Buch kommt überraschenderweise ohne Romanze aus, was mich wirklich sehr gefreut hat, weil es so selten passiert. Unsere Protagonistin hat halt einfach wichtigere Sachen im Kopf und anderes zu tun.

Neben Geister und Seelen geht es auch um Themen wie Krieg und Religion, wobei hier aber nichts als absolut richtig dargestellt wird. Die Menschen glauben einfach an unterschiedliche Dinge und beäugen sich misstrauisch. Makepeace wächst unter Puritanern auf und hält Katholiken anfangs für böse.

Über allem hängt natürlich die Angst, der Magie bezichtigt zu werden oder als Hexe verschrien und mit dem Teufel im Bunde zu sein.

Insgesamt handelt es sich also um eine Art historischen Roman mit magischen Einflüssen, den ich ziemlich mochte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2020

The Music of What Happens

The Music of What Happens
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Jordans Vater ist tot und hinterlässt einen Foodtruck. Da seine Mutter labil ist und mit der Arbeit nicht klarkommt, stellt er Max ein, der zufällig grade einen Job sucht und ganz gut kochen kann.
Eigentlich ...

Jordans Vater ist tot und hinterlässt einen Foodtruck. Da seine Mutter labil ist und mit der Arbeit nicht klarkommt, stellt er Max ein, der zufällig grade einen Job sucht und ganz gut kochen kann.
Eigentlich haben die beiden nicht viel gemeinsam: Jordan ist der gefühlvolle und gedichteschreibende Emo, Max der sportliche, zockende "Bro".
Aber wie es meistens so ist, haben beide auch noch andere Facetten und sind viel mehr als ihnen zugestanden wird. Vor allem füreinander...

The Music of What Happens punktet mit zwei sympathischen und starken Protagonisten, die den meisten Lesenden sicher schnell ans Herz wachsen. Beide machen sich ihre Gedanken, fragen sich immer wieder, was es bedeutet erwachsen zu werden, sich zu verlieben, was Männlichkeit eigentlich heißen soll und was sie dürfen oder nicht, um ihrer Rolle zu entsprechen.
Dabei brechen sie aktiv mit Klischees oder bedienen diese, immer mit der Message, dass alle so sein sollen wie sie möchten.

Wie in solchen Büchern üblich, haben die zwei ihr Päckchen zu tragen. Dabei wird es manchmal etwas zu dramatisch, fast zu viel, aber der Autor hat für mich grade noch so die Kurve gekriegt.
Jordan muss den Erwachsenen spielen, sich um seine Mutter kümmern und das Geld ranschaffen. Gleichzeitig fühlt er sich hässlich und minderwertig. Seine Gefühle bringt er in Gedichten zum Ausdruck, die ich als alte Poesie-Banausin nicht beurteilen kann. :D Anfangs dachte ich, dass ich mich gut mit ihm identifizieren kann, aber überraschenderweise war es dann doch eher Max, der mir naheging.
Max ist groß, sportlich, zockt gerne Videospiele mit seinen Kumpels - und grinst die ganze Zeit, obwohl ihm gar nicht danach ist. Er schildert z.B. Situationen, in denen ihm Rassismus widerfahren ist und er nur grinsen konnte. Cool sein, bloß keinen Aufstand machen, das hat er verinnerlicht.
In Rückblenden erzählt er außerdem, was an einem verhängnisvollen Abend passierte. Max muss sich mit den Folgen auseinandersetzen, dabei gibt es starke Stellen über Einvernehmlichkeit, Gewalt und die vielen Gesichter, die so etwas haben kann. Da ich selbst vor Jahren etwas Ähnliches durchmachen musste, bilde ich mir ein, das Ganze ein bisschen beurteilen zu können und ich fand Max' Gefühlswelt glaubhaft und aufwühlend.

Die Liebesbeziehung der Protagonisten entwickelt sich langsam und wirkt sehr real, dabei bleibt aber die Romantik ein bisschen auf der Strecke. Leider wird uns manches leider nur gesagt und nicht gezeigt. So behaupten beide später, dass sie sich am Anfang gar nicht leiden konnten und nur stritten, wir sehen aber vom ersten Zusammentreffen an bloß, dass sie sich interessant finden und Angst haben, dass der andere ihn vielleicht nicht so mag.
Das passt manchmal nicht so ganz zusammen.

Für manche Sachen habe ich mich mal wieder zu deutsch gefühlt, denn Jordan und Max lügen im Foodtruck und behaupten z.B. dass alle ihre Produkte bio und regional wären oder dass sich eine bestimmte Frucht in ihrer Limo befindet, die gar nicht drin ist . Das wird innerhalb der Story nur wenig kritisiert und so halb als Witz weggewischt. Wir nennen das ja eher Verbrauchertäuschung und zumindest in meiner Bubble ist das ein ziemlich großes Ding.

Mein größter Minuspunkt sind aber die Freundinnen von Jordan. Es gibt ja dieses Klischee der dramatischen, nervigen, aufgedrehten und übergriffigen besten Freundin eines schwulen Hauptcharakters, das mich eh schon immer nervt. Hier haben wir gleich zwei davon.
In einer Szene stöbern sie in Jordans Zimmer rum und öffnen gegen seinen Willen seinen Schrank, um darin rumzuwühlen. Er fühlt sich richtig schlecht und denkt immer wieder "Ich habe nein gesagt", spricht es aber nicht aus. Außerdem quälen die Mädchen seinen Hund, in dem sie ihn in Klamotten stecken, obwohl er das gar nicht möchte. Anfangs dachte ich, dass dieser Mist diesmal dazu da ist, um auch einen Punkt zum Thema Consent in Freundschaften zu machen, weil das ja nicht minder wichtig ist. Leider wird es aber nicht mehr so richtig aufgegriffen.
Jordan beteuert immer wieder wie toll die zwei sind, aber alles, was wir von ihnen sehen, ist übergriffiger und respektloser Quatsch.
Außerdem nennen sie sich gegenseitig "Bitch", was überhaupt nicht mein Ding ist.

Max' Kumpels sind jetzt zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber die gehen noch.

Insgesamt mochte ich das Buch allerdings sehr und ich bin ziemlich durch die Seiten geflogen, was immer ein gutes Zeichen ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2020

Stormsong

Stormsong
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Stormsong ist die Fortsetzung zu Witchmark und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass auch dieser Teil auf deutsch erschienen ist.

Diesmal begleiten wir nicht Miles, sondern seine Schwester Grace Hensley. ...

Stormsong ist die Fortsetzung zu Witchmark und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass auch dieser Teil auf deutsch erschienen ist.

Diesmal begleiten wir nicht Miles, sondern seine Schwester Grace Hensley. Die wirkte im Vorgänger ein wenig karrierebesessen und war dem Vater hörig, zumindest bis zum großen Knall am Ende. Umso schöner, dass wir den Rest der Geschichte nun aus ihrer Perspektive erfahren und nochmal eine ganz andere Seite an ihr erleben.

Wir starten nur kurz nach dem Ende von Witchmark. Grace spürt einen großen Sturm und kehrt gemeinsam mit dem geschwächten Miles, seinem Liebsten Tristan und den anderen Amaranthine nach Aeland zurück. Aber nicht nur das Wetter macht Probleme: das Aethernetzwerk ist zusammengebrochen und während Menschen ohne Licht und teilweise ohne Vorräte dastehen, laufen die Machtspielchen von Politik und Adel einfach weiter. Grace wird zur Kanzlerin der Königin ernannt und steht zwischen den Fronten.
Währenddessen ist Journalistin Avia Jessup kurz davor, die Wahrheit über das Aethernetzwerk und die Hexen aufzudecken.
Als dann auch noch eine wichtige Gefangene aus dem feindlichen Laneer ermordet aufgefunden wird, droht alles über Grace zusammenzubrechen...

Da es schon ein bisschen her ist, dass ich den ersten Band gelesen habe, musste ich erstmal wieder in die Story reinkommen.
Ich mochte Miles sehr (und habe mich auch hier über jeden Auftritt von ihm und Tristan gefreut), aber Grace ist ebenfalls eine tolle Protagonistin. Ihre Anspannung ist glaubhaft und nachvollziehbar, dadurch konnte ich sie besser verstehen und eine gute Bindung zu ihr aufbauen.

Die Romanze hat mir wirklich sehr gefallen und hätte für mich sogar noch etwas präsenter sein können. Avia mochte ich schon im ersten Teil und es passt perfekt, dass sie und Grace sich hier näherkommen.

Insgesamt ist die Gesichte wirklich toll und hat wieder diese ganz besonderen Stimmung - auch wenn sie mich nicht ganz so stark gefesselt hat wie Teil eins.
Einen Stern Abzug gibt es am Ende aber nur für den Schreibstil, denn bei so mancher Formulierung saß ich auch mal stirnrunzelnd da. Es liest sich nicht immer schön flüssig und leider vermute ich, dass das schon sehr an der Übersetzung liegt... Jedenfalls kann ich alle verstehen, die sich damit schwertun und nicht richtig reinkommen.
Trotzdem eine Leseempfehlung für alle, die Witchmark mochten!

  • Cover
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Veröffentlicht am 19.09.2020

Die dunklen Pfade

Die dunklen Pfade der Magie
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Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt ...

Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt und ihr neue Möglichkeiten aufzeigt. Belthandros Sethennai nimmt sie mit, bildet sie aus und schenkt ihr einen Platz an seiner Seite.

Jahre später - Csorwe ist erwachsen geworden - landet sie gemeinsam mit Talasseres Charossa (einem gutaussehenden und leicht arroganten Adligen) an einem trostlosen Ort und lernt dort die Magierin Shuthmili kennen. Aber eigentlich sind sie auf der Suche nach dem Reliquiar, das Belthandros so dringend haben möchte - und sie sollen es vor Oranna finden, der ehemaligen Bibliothekarin des Hauses der Stille, die dem Unaussprechlichen dient...

Die dunklen Pfade der Magie steht schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich wurde nicht enttäuscht. Wir haben hier eine sehr unkonventionelle und kreative Fantasy-Story mit Sci-Fi Einschlägen. Es gibt mehrere Welten, die alle durch eine Art Labyrinth verbunden sind. Das Fortbewegungsmittel sind fliegende Schiffe, mit denen man durch schimmernde Tore ins Labyrinth und durch weitere Tore wieder in eine neue Welt hinaus segelt. Jede hat ihr eigenes Volk, eigene Götter, eigene Sitten. Manche sind bereits verfallen, einsam, unbewohnbar und werden nach und nach vom Labyrinth verschluckt.

Das Konzept von Magie ist auch sehr interessant. Das Anrufen geschieht durch einen Gott oder eine Göttin und zehrt die Sterblichen ganz schön aus. Potenziell gefährlich ist das alles natürlich auch.

Hauptsächlich lebt die Geschichte aber von ihren tollen Charakteren, allen voran natürlich die pflichtbewusste Csorwe, die zu einer Art Orcvolk mit Hauern gehört und der schöne Tal, der einem spitzohrigen Elfenvolk angehört und so viel mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden haben sowas wie eine Wettkampf-Hass-Beziehung, es gibt aber durchaus auch einen Funken Zuneigung. In jeder 0815 Story wären sie ein Paar geworden, aber nicht hier.

Viele der Figuren sind queer und zumindest nicht auf ein Geschlecht festgelegt. Tal ist unglücklich in Belthandros verliebt, Csorwe verguckt sich in Shuthmili. Das ist in dieser Welt vollkommen normal, niemand redet da groß drüber, es passiert einfach ganz natürlich. Es gibt keine Diskriminierung (aber natürlich Ungerechtigkeiten).

Die Liebe nimmt auch gar nicht so viel Platz ein. Mein Kindle zeigte mir 63 Prozent, als Csorwe das erste mal vorsichtig darüber nachdenkt, dass sie Shuthmili ja ziemlich hübsch und interessant findet. Danach kommen diese Gedanken öfter und es gibt auch ein paar ganz kurze, romantische Momente der beiden. Hauptsächlich geht es aber um die Jagd nach dem Reliquiar und deren Folgen.

Wer sich dennoch daran stört... naja, ich meine, es gibt buchstäblich Millionen von anderen Geschichten mit reinen Hetero-Konstellationen, in denen LGBTs nicht mal erwähnt werden. Lasst uns den Schnipsel Freude und Representation und lest dann die. ;)

Das Buch hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich bin froh, dass sich da grade in der Fantasy/Sci-Fi langsam was tut und es nicht mehr immer die selben öden Geschichten sind, die wir vorgesetzt bekommen.

Ich ziehe trotz meiner Begeisterung einen Stern ab, weil ich noch ein kleines bisschen Kritik habe: der Schreibstil ist ein wenig unterkühlt und die Story könnte an manchen Stellen etwas spannender/rasanter sein. Die Namen sind alle recht kompliziert und die ersten Seiten des Buches bestehen erstmal aus Erklärungen dazu, wie man welche Buchstabenkombi ausspricht. Habe ich mir natürlich nicht gemerkt, aber man gewöhnt sich dran und es stört dann auch nicht mehr.

Ebenfalls ein kleines Manko, aber wohl der Übersetzung geschuldet: es gibt Personen, die völlig geschlechtslos auftreten und man hat sich im Deutschen leider für männliche Pronomen entschieden. Einmal Neopronomen in die Suchmaschine gehauen und schon weiß man, dass es auch bei uns anders geht. Vertane Chance, schade.

Ansonsten war es aber eine große Lesefreude und ich will mehr!

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Kein falscher Schritt

Kein falscher Schritt
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Tommy Jump ist Schauspieler, allerdings läuft es grade nicht mehr ganz so rund. Seine Verlobte Amanda, eine Künstlerin, eröffnet ihm außerdem, dass sie schwanger ist. Zum Glück läuft ihm da sein alter ...

Tommy Jump ist Schauspieler, allerdings läuft es grade nicht mehr ganz so rund. Seine Verlobte Amanda, eine Künstlerin, eröffnet ihm außerdem, dass sie schwanger ist. Zum Glück läuft ihm da sein alter Schulfreund Danny über den Weg, der mittlerweile beim FBI arbeitet und jemanden wie Tommy gebrauchen könnte. Er soll die Rolle eines Bankräubers mit Gewissensbissen übernehmen und sich im Gefängnis mit Mitch anfreunden, einem Banker, der Informationen hat, um eins der größten mexikanischen Drogenkartelle dranzubekommen. Leider möchte dieser seine Unterlagen nämlich nicht mit dem FBI teilen, aus Angst, dass ihm oder seiner Familie etwas passieren könnte. Tommy bekommt für seinen Einsatz eine ordentliche Stange Geld, die sich verdoppelt, wenn er Mitch zum Reden bringt. Aber ist alles wie es scheint? Oder bringt sich Tommy womöglich selbst in Gefahr?

Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten mit Kein falscher Schritt, weil es erstmal ein bisschen langsam losgeht. Aber spätestens als Tommy dann im Gefängnis war, hatte es mich doch. Seine Parts sind in der Ich-Form geschrieben, was bei mir eine gewisse Nähe zu ihm ausgelöst hat. Generell mochte ich ihn sehr gerne, weil er mit gängigen Männlichkeitsklischees spielt und gleichzeitig bricht. So ist er z.B. ziemlich klein, dafür aber gut trainiert. Er spielt viel in Musicals, singt und tanzt, ist aber stockhetero. In seine Verlobte (die ist tatsächlich noch kleiner als er, was ich ein bisschen schade fand) ist er total vernarrt, er ist treu und freut sich absolut auf seine Rolle als Vater. Er hat kein Problem damit, in einer Stresssituation in Tränen auszubrechen, mag seine Mutter und hat so ein freundliches Wesen, dass er mir nur sympathisch sein konnte.

Alle anderen Parts sind aus der Sicht verschiedener Charaktere in der dritten Person geschrieben.

Tommys Verlobte Amanda hadert anfangs mit sich und weiß nicht recht, ob die Beziehung eine Zukunft hat. Neben dem Geld sind auch der Abstand und die ungewöhnliche Situation eine Motivation für sie, Tommy nicht davon abzubringen als Spitzel ins Gefängnis zu gehen. Ich habe sie als selbstständig und tough empfunden, was ein ganz kleines bisschen dadurch geschmälert wurde, dass der Autor extra betonen musste, dass es sich bei ihr (und Tommys etwas nerviger Mutter) um eine "starke Frau" handelt.

Dann gibt es noch Mitchs Frau Natalie, über die ich gerne noch ein bisschen mehr erfahren hätte, weil ich sie interessant, aber etwas zu blass fand.

Herrera dagegen gehört zum Kartell und wir begleiten ihn ein wenig bei seinen Aufgaben.

Das Buch ist dabei durchweg sehr gut geschrieben/übersetzt, der Lesefluss ist richtig schön natürlich, die wörtliche Rede klingt glaubhaft und ich bin nie über merkwürdige Formulierungen gestolpert.

Im Laufe der Geschichte gibt es einige Twists und Enthüllungen, die mir alle gefallen haben.

Ich ziehe trotzdem einen Stern ab, weil ich noch ein bisschen Kritik habe: Amanda wird relativ am Anfang im beruflichen Kontext sexuell belästigt. Die Szene ist zum Glück aus ihrer Sicht geschrieben und nicht aus der des Täters, dennoch fand ich sie unnötig, weil sie wenig bis gar nichts mit der restlichen Story zu tun hat. Ein wenig schade war auch, dass sie sich danach so schlimme Selbstvorwürfe macht ("hätte ich bloß nichts getrunken" etc.). Soweit ist das natürlich erstmal realistisch, aber mir hat einfach eine Stimme gefehlt, die dagegen hält und ihr (und den Lesenden) deutlich macht, dass sie natürlich überhaupt nichts dafür kann. Am allerbesten wäre es trotzdem gewesen, das alles einfach wegzulassen. Da sind noch weitere kleine Szenen, in denen Frauen begafft werden und einmal wird eine Vergewaltigung angekündigt (die zum Glück nicht stattfindet). Ehrlich gesagt brauche ich nicht in jedem Thriller misogyne Charaktere und Szenen von Gewalt gegen Frauen.

Dann sind da noch so Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass sich Natalie früher "alle zwei Wochen" blonde Strähnchen hat machen lassen (was will man da nach zwei Wochen färben... da ist noch nicht mal der Hauch eines Ansatzes vorhanden) oder dass mir beim Epilog (wie so häufig bei Thrillern) die Erwähnung einer Therapie, die die ein oder andere Person in anspruch nimmt, fehlte (immerhin müssen die Charaktere ja oft einiges durchmachen).

Ansonsten aber ein wirklich gutes Buch, das ich gerne gelesen habe. Ich gucke mal, was der Autor noch so geschrieben hat!

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