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Ann-Katrin

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2019

Kein klassisches Nachschlagewerk

Ernte mich im Winter
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Durch den Titel „Ernte mich im Winter“ ist das Ziel in meinen Augen klar. Auch im Winter soll es eine reiche Ernte geben.
Ich habe bei diesem Buch eher ein klassisches Gartenbuch mit Sachbuch Character ...

Durch den Titel „Ernte mich im Winter“ ist das Ziel in meinen Augen klar. Auch im Winter soll es eine reiche Ernte geben.
Ich habe bei diesem Buch eher ein klassisches Gartenbuch mit Sachbuch Character erwartet und war beim ersten Durchblättern überrascht von relativ viel Fließtext. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Die ersten Seiten lassen den Leser ins eigentliche Ziel abtauchen, nämlich die eigene Ernte im Winter. Danach stellt der Autor seinen Weg zur Wintergärtnerei vor und erfährt auch das er beruflich den Anbau von Wintergemüse auf dem Zinsenhof in Schönbrun erforscht. Im gesamten ist dieser Teil für mich etwas zu ausführlich und auch sich wiederholend ausgefallen. Trotzdem gibt es einige Interessante Tipps und man kann einiges lernen. Allerdings muss man aufpassen, dass man die richtigen Stellen wieder findet, da sich sonst vieles im Fließtext wieder versteckt.
Sehr gut fand ich die Hinweise zur Wintergartenplanung, in dem der Einfluss von Hecken und Mauern auf das Winterbeet geht. Zur Wirkung von Frost auf die Pflanzen, Arten der Abdeckungen im Winter, Upcycling von Materialien und dem Einfluss der Stadt auf die Pflanzen gibt es auch einige hilfreiche Tipps.
Mit den 31 Pflanzenportraits kommen wir für mich zum Hauptteil des Buches. Diese werden genau vorgestellt und können zukünftig auch im Garten des Lesers glänzen. Ich persönlich hätte mir diesen Abschnitt ausführlicher gewünscht, da mehrfach erwähnt wird, dass der Autor mit seinem Team auf dem Zinsenhof auf 77-100 Winterharte Gemüsearten gestoßen sind.
Zum Abschluss gibt es noch 6 Rezeptideen die wirklich zum nachkochen einladen.
Mein Fazit:
Als Nachschlagewerk ist das Buch für mich leider nicht ideal. Durch den langen Fließtext sucht man bestimmte Informationen sehr lange und findet nicht immer alles auf den ersten Blick wieder.
Ich persönlich hätte mir eine klassischere Nachschlagewerk-Struktur gewünscht und eine größere Anzahl an Pflanzenportraits. Dennoch konnte ich einiges lernen und den bisherigen Winterausbau ausbauen. Nur muss man bedenken, wer im Winter viel ernten möchte, der fängt besser schon im Frühling mit der Planung und Arbeit an.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Eine guter Einstieg in die Naturapotheke

Unsere grüne Kraft - das Heilwissen der Familie Storl
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Die Autorin Christine Storl lebt mit Ihrer Familie auf einem abgeschiedenen Hof im Allgäu und hat beschäftigt sich seit Jahren mit der Wirkung der oft vergessenen Heilkräutern direkt vor der Haustür. Auch ...

Die Autorin Christine Storl lebt mit Ihrer Familie auf einem abgeschiedenen Hof im Allgäu und hat beschäftigt sich seit Jahren mit der Wirkung der oft vergessenen Heilkräutern direkt vor der Haustür. Auch da der Weg zum nächsten Arzt weit ist, ist die richtige Erstbehandlung im Notfall besonders wichtig. Die Heilkräuter werden einzeln mit Foto, Anleitung zur Verarbeitung, Konservierung und Wirkungsweise vorgestellt. Dazu gibt es meist eine kurze persönliche Geschichte, als Beispiel für die Wirkungsweise und in welcher Situation die Pflanze ihrer Familie schon geholfen hat. Am Ende gibt es außerdem Beispiele für Heilmittel und deren Anwendung, die unbewusst schon in jeder Küche vorhanden sind, wie z.B. Apfelessig, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch.
Ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Nutzung der Heilpflanzen und die Entstehung ist sehr interessant. Dazu gehört auch ein Abstecher in den Bereich des Glaubens an Gebete, Rituale und Mantras.
Mit diesem Buch bekommen auch Laien einen guten Ein- und Überblick in den Bereich der Heilkräuter die zum Teil vor der Haustür wachsen.
Ich hätte mir noch eine Übersicht am Ende gewünscht um je nach Beschwerden direkt zur richtigen Heilpflanze zu gelangen und nicht erst suchen zu müssen.
Ansonsten finde ich den Aufbau des Buches sehr gelungen und übersichtlich. Ich würde allerdings eher zum Printbuch raten, da für mich das Blättern in einem gedruckten Buch einfacher ist als im Ebook und blättern gehört in so einem Nachschlagewerk einfach immer wieder dazu.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Schottland ganz anders kennenlernen

Fettnäpfchenführer Schottland
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Mit Hilfe der fiktiven Franziska, die von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, bringt die Autorin Ulrike Köhler uns die Schotten und Ihre Eigenheiten näher. Der Schreibstil ist gelungen und so ist ...

Mit Hilfe der fiktiven Franziska, die von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, bringt die Autorin Ulrike Köhler uns die Schotten und Ihre Eigenheiten näher. Der Schreibstil ist gelungen und so ist das Buch schnell verschlungen. Die Kapitel sind erstmal alle gleich aufgebaut. Franziska stolpert in einer kurzen Geschichte ins nächste Fettnäpfchen. Danach wird direkt aufgeklärt warum das gezeigte Verhalten die Schotten verletzt bzw. welche geschichtlichen Hintergründe die Schotten in Ihrem Handeln beeinflussen, so dass Sie die aufgezeigte Situation anders bewerten. Auf diese Weise lernt der Leser eine Menge über die schottische Geschichte, die Verbundenheit der Schotten mit der Natur und warum die Schotten so eng verbunden sind mit Ihrem Land und den Traditionen. Angenehm beim Lesen ist das Gefühl, dass die Autorin nie mit dem Zeigefinger von oben herab agiert, sondern versucht zu vermitteln warum etwas in Schottland vielleicht anders gehandhabt wird als Beispielsweise in Deutschland. Natürlich gibt es einige Fettnäpfchen in die man selber nicht getreten wäre, aber ich denke jeder kann sein Wissen über Schottland und die Schotten mit Hilfe dieses Buches erweitern.
Neben den Hintergrundinformationen zur Geschichte Schottlands und schottischen Eigenheiten gibt es im Buch auch einige wertvolle Reisetipps und Reiseziele. Auf diese Weise ist der Fettnäpfchenführer Schottland großartig geeignet, um sich auf den nächsten Schottland Urlaub vorzubereiten und auch eine Hilfe dabei die passende Route zu finden.
Einziges Manko: Nach dem Lesen zieht es einen definitiv nach Schottland und der nächste Urlaub scheint viel zu weit entfernt zu sein ;)

Veröffentlicht am 20.09.2019

Ein eindrucksvoller Einblick in die norwegische Nazizeit

Vergesst unsere Namen nicht
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In diesem Buch geht es um die Judenverfolgung rund um den zweiten Weltkrieg in Norwegen. Der Klappentext verspricht uns eine Familiengeschichte, die achtzig Jahre Geschichte und vier Generationen umfasst. ...

In diesem Buch geht es um die Judenverfolgung rund um den zweiten Weltkrieg in Norwegen. Der Klappentext verspricht uns eine Familiengeschichte, die achtzig Jahre Geschichte und vier Generationen umfasst. Im ersten Kapitel startet diese Familiengeschichte damit, dass der Sohn des Autors am Stolperstein des Urgroßvaters Fragen zur Familiengeschichte stellt. Durch diese Fragen wird der Autor gezwungen sich mit der Familiengeschichte zu beschäftigen und diese aufzuarbeiten. Dabei stößt der Autor zwangsläufig auf Henry Oliver Rinnan, einen der schlimmsten norwegischen Nazi-Verbrecher. Da die Familien in derselben Gegend leben, können diese Biografien nur zusammen betrachtet werden.
Leider nimmt in meinen Augen die Biografie von Rinnan im Vergleich zur Familienbiografie des jüdischen Vorfahren „Hirsch Kommissar“ einen zu großen Stellenwert ein. Für mich ist die Darstellung der Biografie und Entwicklung von Rinnan und seiner Bande sehr interessant umgesetzt und müsste auch nicht gekürzt werden. Allerdings hätte ich mir einen dementsprechend ebenbürtigen Einblick in die jüdische Familliengeschichte gewünscht. Hier hätte ich mir noch mehr Details erhofft.
Wahrscheinlich ist diese Dysbalance entstanden, da der Autor sich bemüht hat, nah an den historischen Fakten zu bleiben. Die Recherchen zu Rinnan ergaben dabei eventuell deutlich mehr historische Fakten, als er zur eigenen Familiengeschichte finden konnte.
Da sich Titel und Klappentext allerdings auf die Familiengeschichte beziehen, hatte ich eine prozentual andere Verteilung erwartet.
Der Schreibstil von Simon Stranger gefällt mir sehr gut. Eine sehr originelle und spannende Idee ist es in meinen Augen, die einzelnen Kapitel nach dem A-Z mit passenden Stichworten zu beginnen, die den Kapitelinhalt faszinierend auf den Punkt bringen (auch die deutsche Übersetzung lindert diesen Effekt keineswegs). Innerhalb der Kapitel gibt es häufig Wechsel der Erzählerperspektiven, der Zeitebenen und der Handlungsstränge. Zwischendurch kann dies verwirren, allerdings hält es auch die Spannung konstant auf einem sehr hohen Level.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen, denn auch wenn man über die Rinnan Bande mehr erfährt als über die Familiengeschichte von Hirsch Kommissar, bekommt man als Leser einen eindrucksvollen, bedrückenden Einblick in die norwegische Lebenssituation unter den Nazis.
Da das Buch großartig geschrieben ist, wollte ich es trotz des sehr bedrückenden Themas eigentlich gar nicht mehr aus den Händen legen. Von mir eine klare Empfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Authentizität
  • Geschichte
Veröffentlicht am 04.03.2018

Historische Biographie mit großen fiktiven Anteilen

Frau Einstein
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Im Buch können wir den Lebensweg einer beeindruckenden Frau nachvollziehen. Mileva Maric kämpft sich durch bis zum Polytechnikum in Zürich, um eine der ersten Frauen zu sein, die jemals Physik und Mathematik ...

Im Buch können wir den Lebensweg einer beeindruckenden Frau nachvollziehen. Mileva Maric kämpft sich durch bis zum Polytechnikum in Zürich, um eine der ersten Frauen zu sein, die jemals Physik und Mathematik studieren. Gegen das allgemeine Rollenbild der Frau, in der damaligen Zeit, strebt sie nach Bildung und Selbstverwirklichung. In Zürich trifft sie erstmals Frauen die zu Freundinnen werden, Frauen die eine Gemeinsamkeit haben, ihren Wunsch nach Bildung. Sie versucht sich nicht ablenken zu lassen, doch der Charme von Albert Einstein ist doch eine ganz andere Herausforderung.

Im Gesamten hat mir dieses Buch gut gefallen. Der Schreibstil ist klar, unverschnörkelt und die Geschichte liest sich flüssig. Man bekommt einen interessanten Blickwinkel auf die Zeit um 1896 – 1914, indem man als Leser aus Sicht einer Frau in die damalige Männerwelt eintaucht. Die Schwierigkeiten denen sich Milev Maric in dieser Welt stellen muss, um ihr Ziel nach Bildung und Selbstbestimmung zu erreichen, werden glaubhaft und gut dargestellt. Die charakterliche Darstellung der Hauptprotagonistin gelingt der Autorin vorzüglich.

Das einzige was mich an diesem Buch stört ist die Vermischung einer realen, historischen Person in einen fiktiven Roman, der allerdings als Biographie getarnt ist. Die Autorin merkt am Ende des Buches selbst an, dass sie sich im Rahmen an historische Fakten gehalten hat, einige inhaltliche (für mich allerdings sehr wichtige Teile) rein fiktiv gefüllt wurden. Zu diesen fiktiven Aspekten gehört z.B. die Rolle von Mileva bei Albert Einsteins physikalischer Arbeit. Auffällig bleibt auch, dass vor allem die Zeit mit Albert Einstein beschrieben wird und wenig außerhalb dessen bekannt ist.

Im Gesamten wird in dieser teilfiktiven Biographie Albert Einstein in seinen Rollen als Freund, Ehemann und Wissenschaftler sehr schlecht und unsympathisch dargestellt. Mileva hingegen ist erst mutig und kämpferisch, hat aber Schwierigkeiten den Kampf gegen die äußeren Umstände zu gewinnen.

Mir persönlich bleibt es zu offen, welche Teile der Biographie nun glaubhaft sind und was fiktiv ausgedacht. Gerade da mit Mileva`s Biographie auch Albert Einsteins Person sehr direkt bewertet wird, würde ich mir mehr historisch belegbare Fakten wünschen und eine klarere Distanzierung zwischen Fiktion und Fakten.