Profilbild von Arbade

Arbade

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Arbade ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arbade über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2020

Verwirrende Ermittlungen

Der Fahrer
0

„Der Fahrer“ von Andreas Winkelmann ist das dritte Band aus der Reihe mit dem Kommissar Jens Kerner und Rebecca Oswald. Schon am Anfang wurde enorme Spannung aufgebaut; eine junge attraktive Frau wurde ...

„Der Fahrer“ von Andreas Winkelmann ist das dritte Band aus der Reihe mit dem Kommissar Jens Kerner und Rebecca Oswald. Schon am Anfang wurde enorme Spannung aufgebaut; eine junge attraktive Frau wurde auf dem Nachhauseweg entführt. Am Straßenrand bleibt ihr verlassenes Auto stehen; auf der Motorhaube leuchtet in einer leuchtenden Farbe ein Hashtag #finde mich. Dann verschwinden weitere Frauen und es gibt immer mehr Indizien dafür, dass der Täter die Hamburger Polizei bloßstellen will, und dass er besonders auf Jens Kerner abgesehen hat.


Der Thriller hat mich von Anfang an in Atem gehalten. Die Tatsache, dass der Täter immer weiter sein Unwesen treiben konnte und die Polizei im Dunkeln tappte, war für mich nervenzerreißend. Es hat mich aber auch irritiert, dass es Spuren und Indizien gab, die Ermittler außer Acht gelassen haben. Das hat jedoch nur bewirkt, dass ich auf die Auflösung sehr gespannt war und unbedingt weiterlesen musste.

Der MyDriver-Plot ist für mich nicht ganz stichhaltig. Hier gab es meines Erachtens zu viele Verwirrungen und Unklarheiten, bis zum Schluss ist manches unklar geblieben. Ich kann an dieser Stelle leider keine Details nennen, weil ich nichts von der Handlung verraten möchte. Ich frage mich nur: hätte es ohne MyDriver diese Mordfälle nicht gegeben?

Obwohl ich die zwei ersten Bücher aus dieser Reihe nicht gelesen habe, konnte ich gut in die Handlung einsteigen. Der Autor erwähnt zwar einige Ereignisse aus der Vergangenheit, ohne jedoch zu viel zu verraten. Das Ermittlerduo und die übrigen Charaktere fand ich authentisch und realistisch dargestellt. Viele von ihnen wurden mir sympathisch und ich würde gerne mehr über sie erfahren.

Das Buch wurde ich jedem Thriller-Fan empfehlen. Die spannenden Ereignisse, interessante Charaktere und die überraschende Auflösung des Falles – all das, fesselnd dargestellt, hat mir gut gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.07.2020

Bella Italia mal anders

Belmonte
0

Völlig unerwartet trifft Simona die Nachricht über den plötzlichen Tod ihrer geliebten Großmutter. Die nonna Franca hinterlässt ihrer Enkelin ein Haus in Italien; dort hat Franca bis zur Auswanderung nach ...

Völlig unerwartet trifft Simona die Nachricht über den plötzlichen Tod ihrer geliebten Großmutter. Die nonna Franca hinterlässt ihrer Enkelin ein Haus in Italien; dort hat Franca bis zur Auswanderung nach Deutschland gelebt.
Simona verliebt sich sofort in das Haus in dem malerischen Ort Belmonte und findet dort Kassetten, die ihre nonna für sie aufgenommen hat. Auf den Kassetten befindet sich Francas Lebensbeichte, aus der Simona viel über die Geschichte ihrer deutsch-italienischen Familie erfährt. Mit viel Mut und Entschlossenheit bei ihrer Recherche nach eigenen Wurzeln stößt Simona auf einige dunkle Familiengeheimnisse und entdeckt schreckliche Wahrheiten.

In ihrem ersten Familienroman „Belmonte“ erzählt Antonia Riepp die Geschichte einer Familie, die ihre Wurzeln in Italien hat. Vor meinem inneren Auge erschien ein idyllischer Ort in Marken, deren Bewohner vor den Unruhen und der Verwirrungen der Zeit nicht verschont geblieben sind. Da gab es Kämpfe und Widerstand gegen die deutschen Besatzer, später die mageren Nachkriegszeitjahre und Auswanderungen nach Amerika und nach Deutschland auf der Suche nach Arbeit. Objektiv und gleichzeitig sehr sensibel erzählt die Autorin über diese schwere Zeit, in der es viele Tragödien, Schmerz, Leid, verletzte Gefühle, sogar Verrat und Tod gegeben hat.
Diese ergreifende Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Sie wurde im Wechsel aus zwei verschiedenen Zeitperspektiven erzählt; die aktuellen Ereignisse wurden gekonnt mit der bewegenden Beichte der verstobenen Großmutter verflochten. Fesselnd und einfühlsam schreibt die Buchautorin über das traditionelle Leben in einem italienischen Dorf, über starke Frauen und Liebe, die nicht immer gelebt werden dürfte. Sehr interessant und behutsam wurden solche Themen wie Heimat und Zugehörigkeitsgefühl behandelt; die Romanheldinnen mussten sich oft entscheiden wie und wo sie ihr Leben weiterführen wollten.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so sehr haben mich die tragischen Schicksale der Protagonisten und ihren Familien bewogen. Das Buch liefert nicht nur idyllische Bilder der italienischen Landschaft; es gewährt tiefe Einblicke in das tägliche Leben der Dorfbewohner damals und heute. Dieser Roman ist absolut lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2020

Eine Geschichte, die zu Herzen geht

Ich bleibe hier
0

Das Bild eines Kirchenturms, der aus dem endlosen Wasser ragt, schmückt das Cover des Buches. Es gibt diesen im See versunkenen Turm wirklich; er ist das Wahrzeichen der Region Vinschgau in Südtirol. Unter ...

Das Bild eines Kirchenturms, der aus dem endlosen Wasser ragt, schmückt das Cover des Buches. Es gibt diesen im See versunkenen Turm wirklich; er ist das Wahrzeichen der Region Vinschgau in Südtirol. Unter dem Seewasser liegen zwei alte Südtiroler Dörfer, Graun und Reschen, begraben. Die Bewohner der beiden Orte müssten für den Bau des Stausees ihre Häuser und Höfe verlassen, sie verloren ihr ganzes Hab und Gut.

Diese bewegende Geschichte erzählt Marco Balzano in seinem Buch. Er holt weit aus, beginnt mit den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Aufstieg von Mussolini und der Zeit des Faschismus. Damals mussten die Dorfbewohner sich entscheiden: ob sie nach Deutschland auswandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien bleiben wollen. Alles was deutsch war, wurde verboten oder vernichtet. Manche Familien gingen deswegen auseinander, Freundschaften zerbrachen.
Die Erzählerin dieser Geschichte Trina, dürfte trotz des abgeschlossenen Studiums nicht als Lehrerin arbeiten. Sie hat dann Deutsch heimlich in Katakomben unterrichtet, was mit drakonischen Strafen, einschließlich Verbannung, geahndet wurde.
Viele hofften in dieser Zeit auf die deutsche Befreiung.

Auch Trinas Familie ist vom Zeitgeschehen und den Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben. Das alles wurde in drei Teilen des Buches erzählt, die gleichzeitig die Teile eines Briefes, den Trina an ihre verlorene Tochter schreibt:
1/“Die Jahre“.
2/ „Auf der Flucht“,
3/ „Das Wasser“.

„Ich bleibe hier“ ist eine Geschichte, die tief unter die Haut geht. Trinas persönliches Schicksal, vom Zeitgeschehen geprägt, ist dramatisch. Es hat mich tief erschüttert, als ich erfahren habe, wie und warum Trina und Erich ihre Tochter verloren haben. Wunderschön und bemerkenswert ist die Liebe zwischen Trina und Erich, ihr Zusammenhalt, ihr gemeinsames, alles andere als ein leichtes Leben.

Spannend und ergreifend ist das Schicksal der Südtiroler, die lange noch vor dem Krieg zwischen zwei Fronten standen: wegen ihrer Sprache, ihrer Tradition, ihrer Bräuche. Die Zeitgeschichte brach Veränderungen mit: „Vom ersten Augenblick an hieß es: Wir gegen sie. Die Sprache des einen gegen die des anderen. Die Arroganz der plötzlichen Macht gegen das Pochen auf jahrhundertealte Wurzeln.“ (Zitat Seite 22)

Herzzerreißend ist das Schicksal der Menschen aus den überfluteten Orten, die auf einen Schlag ihre Existenzen und alles was ihnen lieb und teuer war, verloren haben.
Trinas Brief in einem ruhigen, nüchternen Stil gehalten ist voller Emotionen. Es ist eine Geschichte, die zu Herzen geht. Sie lässt die Postkartenidylle des heutigen Reschensees mit dem versunkenen Kirchenturm in der Mitte mit ganz anderen Augen betrachten.

FAZIT:
Der Roman von Marco Balzano ist eine ergreifende Geschichte, die man unbedingt lesen muss!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2020

Mit gemischten Gefühlen gelesen...

City of Girls
0

Vivians Brief an Angela ist sehr lang. Es ist eigentlich die Geschichte ihres Lebens, die sie der Frau, die sie nur flüchtig gekannt hat, jetzt erzählt. In dem Brief lässt Vivian nicht nur die bedeutenden ...

Vivians Brief an Angela ist sehr lang. Es ist eigentlich die Geschichte ihres Lebens, die sie der Frau, die sie nur flüchtig gekannt hat, jetzt erzählt. In dem Brief lässt Vivian nicht nur die bedeutenden Ereignisse aus ihrem Leben Revue passieren, sie verrät auch ihre intimsten Gedanken und Geheimnisse.

Nachdem sie im Sommer 1940 bei ihrer Tante Peg in New York eingezogen ist, wirft sie sich in das wilde Nachtleben und genießt sie es in vollen Zügen. Sie raucht, trinkt, geht mit fremden Männern aus und ist süchtig nach Sex. Ihre beste Freundin damals ist ein Revuegirl aus dem Theater ihrer Tante Peg. Über diese Freundschaft schreibt Vivian folgendes in dem Brief: „das Zusammentreffen zweier eitler junger Mädchen, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit und dem Tiefpunkt ihrer Klugheit begegneten und einander ungeniert ausnutzten…“ (Zitat Seite 351)

Ich kann nicht sagen, dass mir Vivian aus dieser Zeit sympathisch wäre. Ich kann ihren Lebensstil und den Umgang mit den Mitmenschen nicht gutheißen. Das Mädchen will nichts lernen, vergeudet ihr Talent, ist überheblich und unreif, denkt nur an Sex (egal mit wem und wo), denkt nicht an eventuelle Konsequenzen ihres Handelns. Bis sie viele ihr geliebten Menschen damit unverzeihlich verletzt.

Das Buch habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen. Die Beschreibung Vivians wilder Zeiten war für mich nur bis zum bestimmten Zeitpunkt unterhaltsam. Ungefähr in der Hälfte des Buches habe ich immer wieder geschaut, wie viele Seiten ich noch zu lesen habe. Interessant dagegen fand ich die Bilder aus dem Pegs Theater – das Lily Playhouse „war die elektrisierende Verkörperung von Glamour, Wagemut, Chaos und Spaß-…..eine Welt voller Erwachsener, die sich wie Kinder benahmen.“ (Zitat Seite 47) Einfach amüsant.

Auch der Blick auf das New York der vierziger Jahre hat mich gefesselt; diese unruhige Zeit mit vielen Veränderungen und den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges wurde hochinteressant dargestellt.
Dank der sorgfältigen und ausführlichen Recherche der Autorin umfasst „City of Girls“ viele wertvolle Details, die die ganze Handlung unheimlich bereichern.

Auch wenn ich zwischendurch von der Fülle des Romans überwältigt war, habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2020

Leichte Sommerlektüre

Die geheimnisvollen Gärten der Toskana
0

Jessy hat einfach Pech in der Liebe: erneut wurde sie von ihrem Freund verlassen. Dann verliert sie noch ihren Job als Floristin, weil der Blumenlanden in dem sie arbeitet, Pleite geht. Kurzentschlossen ...

Jessy hat einfach Pech in der Liebe: erneut wurde sie von ihrem Freund verlassen. Dann verliert sie noch ihren Job als Floristin, weil der Blumenlanden in dem sie arbeitet, Pleite geht. Kurzentschlossen bewirbt sie sich um eine Stelle als Gärtnerin in Toskana. Das Land, seine Natur und vor allem die blühenden Zitronenbäume verzaubern sie.

Aber sie verliebt sich nicht nur in das Land: auch an ihren neuen Arbeitgeber Gregorio Russo verliert sie ihr Herz. Im Weg steht ihr aber die Mutter von Gregorio und der aggressive Nachbar Bandini. Dann stößt sie an ein altes Familiengeheimnis, das vieles aus der Geschichte der beiden Familien ans Licht bringt.


Das einladende Cover und die interessante Kurzbeschreibung versprechen eine spannende Geschichte. Es soll Liebe mit Hindernissen geben und ein uraltes Familiengeheimnis; also Spannung pur.

Die Hauptprotagonistin Jessy ist eine sympathische junge Frau, die über alles Blumen und Pflanzen liebt und gerne mit ihnen spricht. Jessy ist ehrlich, direkt, spricht oft alles geradeheraus. Sie leidet sehr unter der Trennung ihrer Eltern und ihr Pech in der Liebe macht ihr auch zu schaffen.

Gregorio dagegen ist zurückhaltend und verschlossen. Er fühlt sich von seinem vor Kurzem verstorbenen Vater zurückgewiesen und leidet sehr darunter.

Ich fand die Handlung dieser Liebesgeschichte schon interessant, aber auch nicht mehr. Es gab für mich im ganzen Roman einige Ungereimtheiten, zu viele Wiederholungen, manches hat mich irritiert. Überflüssig fand ich solche Sätze, wie zum Beispiel diesen über Jessys Vater: „Er, der sich um Umweltschutz nie Gedanken machte, wie viele in seiner Generation.“ (Zitat Seite 151)

Wunderschön dagegen fand ich die Beschreibungen der toskanischen Renaissancegärten, die man tatsächlich besichtigen kann. Ein sehr schöner Tipp für alle Gärten- und Italienfans.

Das Buch lässt sich sonst flüssig lesen. Ich würde diesen Roman als eine leichte Sommerlektüre empfehlen. Sie macht Lust auf einen Urlaub in der Toskana, auf Zitroneneis und Schokoladenkuchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere