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Veröffentlicht am 30.04.2020

Zug um Zug

Beute
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Bennie Griessel und sein Partner Vaughn Cupido sind nicht erfreut, als sie einen Fall auf den Tisch bekommen, der nicht nur schon Wochen alt ist, sondern auch schlampig bearbeitet wurde. Ein ehemaliger ...

Bennie Griessel und sein Partner Vaughn Cupido sind nicht erfreut, als sie einen Fall auf den Tisch bekommen, der nicht nur schon Wochen alt ist, sondern auch schlampig bearbeitet wurde. Ein ehemaliger Polizist, der jetzt als Leibwächter arbeitete, wurde in einem Luxuszug ermordet. Je mehr die beiden ermitteln, desto offensichtlicher wird es, dass in ihrer Heimat Südafrika viele Dinge politisch im Argen liegen und versucht wird, die Hintergründe des Mordes zu vertuschen.

Zur selben Zeit wird in Bordeaux in Frankreich ein gealterter Hitman aus der Rente geholt: Jemand möchte, dass er einen letzten Auftrag erledigt. So macht sich ein alter Kämpfer des ANC auf den Weg, um Unrecht zu korrigieren. Doch hängen diese beiden Sachen miteinander zusammen?

Zugegeben, das ist mein erster Bennie-Griessel-Krimi, auch wenn ich schon einiges darüber gehört hatte. Anfangs vermochte mich das Buch auch sehr zu fesseln, es gibt schön ausgearbeitete Charaktere und einen interessanten Fall, in dem man lange nicht durchblickt, wie genau alles abgelaufen ist. Doch sobald der Frankreich-Erzählstrang begann, wurde es ein wenig langatmig, obwohl ich nicht mal behaupten kann, dass ich mich gelangweilt habe. Es war schon spannend erzählt, konnte mich jedoch nicht so fesseln wie die Ereignisse in Südafrika. Vielleicht haben die den Exotikbonus und halten daher besser bei der Stange. Tatsache ist, dass ich für meine Verhältnisse recht lange für das Buch brauchte, weil mich die Ereignisse und Tobela immer wieder rausbrachten. Genau betrachtet haben wir mit diesem Buch eher eine politische Milieustudie vorliegen als einen wirklichen Krimi, nicht uninteressant, aber manchmal ein bisschen zu langgezogen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 07.04.2020

Tageslichtler und Nachtwesen

Mitternachtsstunde 1: Emily und die geheime Nachtpost
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Emily hat regelmäßig Stress mit ihren Eltern. Ihre Mutter ist eine peinliche, verrückte Künstlerin und ihr Vater ist ein Langweiler, der am liebsten im Garten herumwerkelt. Eines Nachts jedoch ändert sich ...

Emily hat regelmäßig Stress mit ihren Eltern. Ihre Mutter ist eine peinliche, verrückte Künstlerin und ihr Vater ist ein Langweiler, der am liebsten im Garten herumwerkelt. Eines Nachts jedoch ändert sich alles. Jemand wirft Punkt Mitternacht einen Brief ein - und dann verschwinden erst Emilys Mutter, dann ihr Vater. Der einzige Anhaltspunkt, den sie hat, ist ein geheimnisvoller Schlüssel und seine Arbeitsstelle, die ihr Vater ihr genannt hat. Doch nichts passiert wie geplant und plötzlich findet sich Emily in einer anderen Welt wieder, in der immer Mitternacht ist. Sie soll ihre Eltern retten, doch wie kann sie allein gegen eine uralte mächtige Bosheit und deren Handlanger bestehen? Zum Glück ist sie nicht allein, denn Tarquin, der Nachtpolizist in Ausbildung, ist an ihrer Seite ...

Eine tolle Idee, das muss ich zugeben. Und mir gefiel auch größtenteils die Umsetzung, obwohl man schon gelegentlich Anleihen bei Harry Potter und Peter Grant erkennen konnte. Ich sage nur eine riesige, massige Gestalt mit Schirm oder Eulenpost oder dass Handys in der Nähe von Magie ex- oder implodieren. Na schön, ich sehe das mal als Verbeugung vor den Großen ihres Metiers. Womit ich jedoch wirklich extreme Probleme hatte, war Emily selbst. Anfangs fand ich es äußerst ungerecht, dass ihr Vater ihr Hausarrest gegeben hatte für eine Sache, in der ich auf ihrer Seite stand. Später jedoch dachte ich, dass es reiner Selbstschutz der Eltern ist, wenn sie das Kind so ab und zu mal für ein Dreivierteljahr oder auch länger am besten im Zimmer einsperren würden. Emily wurde als temperamentvoll beschrieben, aber eigentlich war sie eine vorlaute, unhöfliche, pampige und undankbare Rotzgöre, die mir schnell auf die Nerven ging. Das änderte sich auch erst auf den letzten zwanzig oder dreißig Seiten zum Besseren, sonst hätte ich ihr gewünscht, als Snack für den Bären oder den Vampir herzuhalten. Die anderen Mitwirkenden inklusive Igel gefielen mir wirklich besser und die können das Buch auch auf der positiven Seite halten. Wenn diese Reihe das Potenzial haben möchte, weiter vorn mitzuspielen, muss aus Emily jemand werden, der Sympathie erzeugt, sonst ist es zwar nett zu lesen, aber zumindest mir wird ihr Schicksal immer ein bisschen gleichgültiger sein, als man es bei einer Reihe haben möchte. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 05.04.2020

Hier endet deine Jagd und meine beginnt

Die Herren der Zeit
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Es soll an einem schönen Abend ein Familienausflug für den bekannten Inspektor Ayala, alias "Kraken" werden. Bei einer Buchlesung zu einem historischen Bestseller soll die Identität des unbekannten Autors ...

Es soll an einem schönen Abend ein Familienausflug für den bekannten Inspektor Ayala, alias "Kraken" werden. Bei einer Buchlesung zu einem historischen Bestseller soll die Identität des unbekannten Autors gelüftet werden. Doch der Autor lässt sich nicht blicken, stattdessen wird ein Toter gefunden und schon sind Kraken, seine Ehefrau und gleichzeitig Vorgesetzte und beste Freundin und Mitermittlerin wieder mitten in einem Fall, der Gänsehaut erzeugt. Jemand mordet nach mittelalterlichen Toden, wie sie genau in dem Bestseller beschrieben wurden. Ist der Autor der Täter? Warum wählte er ausgerechnet diese Opfer? Die Antwort liegt möglicherweise in einem achthundert Jahre alten Manuskript verborgen ...

Eine Rezension, die mir zugegeben ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet. Wie fasse ich das Ganze zusammen? Das Buch war auf keinen Fall langweilig und die Ausgangsbasis vielleicht nicht neu, aber spannend. Auch die Einschübe eines Mannes aus dem 12. Jahrhunderts, der seine eigene Geschichte erzählt, war interessant. Und trotzdem ... reicht es für mich nicht für die Höchstpunktzahl. Ich kann den Finger nicht direkt drauflegen, aber ich wurde auf Dauer nicht warm mit Kraken. Dafür, dass er eigentlich ein ausgebildeter Profiler sein sollte, jagte er wie ein Hund immer nur genau dem duftenden Würstchen hinterher, das ihm vor die Nase gehalten wurde. Von Fallanalysen war in dem ganzen Buch nicht viel zu sehen. Auch die Vermischung mehrerer besonderer Krankheiten, um die Ermittler zu irritieren, fand ich eher mau, zumal ich fast dasselbe erst in einem anderen, relativ neuen Thriller gelesen hatte. Last but not least hätte es für mich nicht die ganzen Familienbande aus dem 12. Jahrhundert bis in die heutige Zeit gebraucht, das hat was von Adelstiteljagd und Namedropping. Trotzdem fühlte ich mich meistens gut unterhalten und bin am Überlegen, die Vorgänger zu lesen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 28.03.2020

High Noon auf Amrun

Mordseekrabben. Ein Inselkrimi
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Eigentlich sind die großen Ferien und Thies' Frau Heike erwartet, dass der Dorfbulle von Fredenbüll mit ihr und den Kindern Urlaub macht. Doch uneigentlich ist Hochsaison zu Ferienbeginn - Thies muss die ...

Eigentlich sind die großen Ferien und Thies' Frau Heike erwartet, dass der Dorfbulle von Fredenbüll mit ihr und den Kindern Urlaub macht. Doch uneigentlich ist Hochsaison zu Ferienbeginn - Thies muss die rasenden Urlauber mit seinem Blitzer stellen. Deshalb setzt seine Frau mit den Zwillingen erst einmal allein nach Amrun über und findet gleich mal eine Leiche in ihrem Ferienappartement. Thies reitet zur Rettung ein, doch als er da ist, ist die Leiche weg. Sie ist allerdings echt schwer beschäftigt, diese Leiche, denn plötzlich taucht sie an verschiedenen Orten wieder auf und ab. Schlimmer als die Mord... Nordsee. Doch Thies bleibt nicht lange allein. Zusammen mit der Kieler Kommissarin Nicole und dem Stammtisch aus Fredenbüll ermittelt er und bald ist die sizilianische Mafia noch sein geringstes Problem.

Ich werde wahrscheinlich nie ein richtiger Fan der Reihe werden, aber um die Bücher zwischendurch zu hören, ist es mega geeignet. Zum großen Teil liegt das auch am Sprecher Bjarne Mädel, der ist nämlich genial. Es gibt Slapstick und Anspielungen auf berühmt-berüchtigte Filme, die Immobilienmafia trifft auf die einen italienischen Mafioso und wer Regiokrimis mag, aber die Schnauze vom Eberhofer voll hat, ist hier gut bedient, zumal man zugeben muss, dass Thies nicht halb so ein unsympathischer Idiot ist wie der Eberhofer. Ab und zu musste ich schmunzeln, es war kurzweilig, wie schon beim ersten Teil mochte ich die Auflösung nicht, aber eine Steigerung war enthalten. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 19.03.2020

Sieben Leben

Das eiserne Herz des Charlie Berg
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Charlie Berg ist eine Art moderner Jean-Baptiste Grenouille. Er ist neunzehn, hat ein schwaches Herz, ist ein Außenseiter und hat die Nase eines Bluthundes. Seine Wahrnehmung kann Düfte in Atome zerlegen ...

Charlie Berg ist eine Art moderner Jean-Baptiste Grenouille. Er ist neunzehn, hat ein schwaches Herz, ist ein Außenseiter und hat die Nase eines Bluthundes. Seine Wahrnehmung kann Düfte in Atome zerlegen und er kann Duftspuren auch noch geraume Zeit später folgen. Seine Eltern sind Künstler - seine Mutter nie zuhause, sein Vater kifft und jammt im Keller. Seine siebenjährige Schwester ist Savant-Autistin, also jemand mit Inselbegabung. Charlie ist derjenige, der irgendwie versucht, die Familie zusammenzuhalten und dabei noch den großen deutschen Roman zu schreiben, der ihn berühmt machen soll. Und dann geht alles schief und Tote pflastern seinen Weg.

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es ist eindeutig ein Unfall, einer mit viel Blut und Körperflüssigkeiten. Man möchte sich abwenden, und doch fährt man im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei und versucht, alles mitzubekommen, all die schrecklichen Details. Der Autor ist eindeutig das Alter Ego des Protagonisten - natürlich hoffe ich, dass er weniger Leichen im Keller hat - aber ansonsten passt es. Wie es um seine Nase bestellt ist, weiß ich nicht, aber sicher ist, dass er schreiben kann. Allerdings übertreibt er es manchmal mit den Metaphern (ein Gedicht in der Kurve einer Bobbahn, ehrlich jetzt?) und was er an Poesie hinten aufbaut, reißt er vorne mit seinem Geschlecht wieder ein. Ich formuliere das mit Absicht so, wer das Buch liest, weiß, was ich meine. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die feuchten Träume eines vorpubertierenden Zwöfljährigen zu lesen, eines, der wie Freund David Käfer keinerlei Maß und Hemmung besitzt. Auch nach über 700 Seiten weiß ich nicht, was mir der Autor eigentlich sagen möchte, es liest sich im Endeffekt wie das Tagebuch von jemandem, der mehr Drogen nimmt, als er verträgt. Zum ersten Mal in meiner Rezensentenlaufbahn muss ich sagen: Lest es selbst und entscheidet für euch, ich kann lediglich eine Keine-Ahnung-was-ich-geben soll-Bewertung verteilen. Wäre also in der Regel 3 Punkte, da der Autor jedoch schreiben kann (auch wenn er das nicht immer so zeigt), bekommt er noch einen Bonus. 3,5/5 Punkten für einen buchpreiswürdigen Unfall, von dem ich meinen Blick nicht abwenden konnte.