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Veröffentlicht am 18.07.2017

Recht sprechen mittels Televoting ...

Marthas Widerstand
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"Marthas Widerstand" entdeckte ich irgendwann dieses Jahr bei einer der Vorschauen, die ein anderer Buchblogger gepostet hatte. Und das Thema des Buchs sprang mich sofort an, da ich solche Geschichten ...



"Marthas Widerstand" entdeckte ich irgendwann dieses Jahr bei einer der Vorschauen, die ein anderer Buchblogger gepostet hatte. Und das Thema des Buchs sprang mich sofort an, da ich solche Geschichten einfach nur liebe.

Zum Inhalt:

Die 16jährige Martha wird mit der Waffe in der Hand vor der Leiche von Jackson Paige verhaftet. Sie legt ein umfassendes Geständis ab und wird - dem Rechtssystem entsprechend - eine Woche lang in eine Zelle gesteckt. Jeden Tag kommt sie in eine andere kleinere Zelle, bis sie am Ende in der letzten, der Zelle 7, hingerichtet werden soll.

Über ihren Tod entscheidet allerdings kein Richter und auch kein Geschworener, sondern ein Televoting! Wer es sich leisten kann, darf darüber abstimmen, ob Martha leben oder sterben soll. Doch Martha hat ein Geheimnis - und sind die Dinge tatsächlich immer so, wie sie zu sein scheinen?

Meine Meinung:

Grundsätzlich mag ich Dystopien sehr. Aus dem einfachen Grund, weil es mich immer wieder fasziniert, was ein Autor sich ausdenkt, wie sich eine Welt entwickeln könnte. Seit "Die Tribute von Panem" ist das Genre aber so klischeebeladen, dass man langsam, aber sicher das Gefühl bekommt, dass hier nichts mehr Neues drinsteckt. Dass es aber auch anders geht, beweist Kerry Drewery in "Marthas Widerstand" sehr eindrucksvoll.

Denn Martha ist nicht die einzige Heldin dieser Geschichte. Neben ihr werden andere Figuren wie beispielsweise die psychologische Betreuerin Eve Stanton eingeführt, die schon bald Verdacht schöpfen, dass bei diesem Mord nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auf der anderen Seite steht die Öffentlichkeit, die durch eine show-ähnliche Sendung namens "Death of Justice" gezielt manipuliert wird, das Mädchen zum Tod auf dem elektrischen Stuhl zu verurteilen.

Der Schreibstil der Autorin wechselt immer wieder die Perspektive, denn mal wird aus der ersten, mal aus der dritten Person erzählt. Das führt dazu, dass sich die Blickwinkel immer wieder ändern. Am besten haben wir aber die Szenen bei der TV-Sendung gefallen, denn diese werden ähnlich einem Drehbuch erzählt. Die Dialoge der Moderatoren mit ihren Studiogästen werden nur durch Anweisungen und kurze Beschreibungen unterbrochen, damit bekommen diese Szenen fast den Charakter einer Live-Übertragung.

Gerade die Dialoge sind es auch, die meiner Meinung nach die ganz große Stärke dieses Buchs ausmachen. Denn gerade Martha stellt viele kluge Fragen, die es wert sind, dass man sich aus Leser Gedanken macht. Wie sieht es mit der Macht der Medien aus? Wie werden Menschen manipuliert? Warum hinterfragen so wenige dieses Rechtssystem? Denn dass auch dieses System Fehler hat, erschließt sich dem Leser schon ziemlich bald.

Dies ist meiner Meinung nach auch vielleicht das einzige, was man dieser Geschichte vielleicht negativ ankreiden kann. Denn ich hatte schon recht früh ein Gefühl dafür, was im Hintergrund abgelaufen ist. Da es allerdings ein Jugendbuch ist, denke ich nicht, dass man dies der Autorin wirklich zum Vorwurf machen kann.

Aber kommen wir zu den positiven Dingen zurück: Erfrischend anders ist auch die Liebesgeschichte, denn Martha hat bereits einen Freund zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte beginnt. In Rückblenden erfährt der Leser, wie es zum Kennenlernen kam und wer er ist. Wunderschön, aber auch traurig sind hier vor allem die Szenen im Gefängnis, wo sich Martha darüber Gedanken macht, ob sie ihn noch einmal sehen wird, noch einmal mit ihm reden wird, das trieb mir vor allem am Ende tatsächlich ein klein wenig die Tränen in die Augen ...

Der Schluss selbst rief ein paar zwiespältige Gefühle in mir hervor, denn einerseits ist die Geschichte abgeschlossen, andererseits auch wieder nicht. Als Cliffhanger würde ich das Ende nicht sehen, aber es bleiben einige Fragen offen. Ursprünglich war wohl gedacht, das Buch als Einzelroman zu veröffentlichen, in der Zwischenzeit ist aber eine Fortsetzung angekündigt worden.

Mein Fazit:

"Marthas Widerstand" ist für mich eine Dystopie, die sich wohltuend aus der Menge der übrigen Bücher in diesem Genre abhebt. Im Gegensatz zu vielen Autorinnen verlässt die Autorin die gewohnten Bahnen und schafft es gekonnt, eine spannende Geschichte zu erzählen UND viele Fragen zu stellen, die den Leser nachdenklich werden lassen.

Veröffentlicht am 19.09.2016

Die Nachtigall hat gesungen!

Die Nachtigall
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Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos auf Instagram auftauchten. Ich habe mich daher umso mehr gefreut, als ich am Ende ebenfalls ein Lese-Exemplar mein Eigen nennen durfte!

Zum ...

Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos auf Instagram auftauchten. Ich habe mich daher umso mehr gefreut, als ich am Ende ebenfalls ein Lese-Exemplar mein Eigen nennen durfte!

Zum Inhalt:

Vianne und Isabelle sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Vianne bereits verheiratet und hat eine Tochter, während Isabelle wieder einmal aus einer Schule für wohlerzogene Mädchen geworfen wird. Während Vianne darauf hinarbeitet, ihre kleine Familie am Leben zu erhalten, schließt sich Isabelle dem Widerstand an, um für ein freies Frankreich zu kämpfen ...

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr schon wirklich lange Bücher lest. Ich habe jedenfalls sehr häufig das Problem, dass ich mir immer wieder denke, dass bestimmte Stoffe einfach schon mal da waren ... Dieses Gefühl, quasi eine Nacherzählung eines Stoffes zu lesen, begleitet mich mittlerweile schon sehr lange in meinem (Leser)Leben. Umso wertvoller und teurer werden mir diese wenigen Bücher, die mich trotzdem immer noch abholen können. Die Bücher, Die mich mitreißen, die in mir emotionale Achterbahnfahrten auslösen, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Bücher, über die ich noch nach dem Lesen nachdenke, auch wenn ich die letzte Seite schon vor einer ganzen Weile umgeblättert habe.

Ich gebe zu, dass ich nicht mitbekommen habe, dass "The Nightingale" (So heißt das Buch im englischsprachigen Raum) bereits 2015 einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst hat, aber in der Zwischenzeit kann ich es nachvollziehen. Die Autorin versteht es, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Frankreich anhand der Schicksale dieser beiden Frauen zu erzählen, ohne den moralischen Finger zu erheben. Sowohl Vianne als auch Isabelle versuchen auf ihre Art und Weise, etwas für ihr Land, ihre Freunde und Familien zu tun - und haben damit mal mehr, mal weniger Erfolg. Aber auch die Deutschen werden nicht über den Kamm geschoren, wie überall gab es auch hier gute und schlechte Menschen, wie die Nebenfiguren Beck und von Richter sehr schön zeigen.

Nichtsdestotrotz stellt jeder Krieg ein unverstellbares Grauen dar, ich musste schon zu Beginn mehrmals schlucken, als um das Schicksal der Flüchtlinge ging. Parallelen zur Gegenwart sind hier wohl durchaus beabsichtigt - und wir dürfen wirklich froh sein, dass wir in einem friedlichen Land leben, in dem es uns gut geht und wir nicht Hunger leiden müssen ...

Dieses Buch hat mich beim Lesen zum Teil sehr aufgewühlt, hat mich nicht schlafen lassen, und trotzdem sage ich: Es ist eines der besten, das in den letzten Jahren bei uns auf den Markt gekommen ist! Wenn ihr nur ein Buch im Jahr lest (Was ich natürlich nicht hoffe), dann nehmt dieses und lasst euch mitnehmen in eine Zeit, die gleichzeitig wohl eine der dunkelsten, aber auch eine der hellsten der Menschheitsgeschichte ist ...

Ob Vianne und Isabelle wirklich gelebt haben, weiß ich übrigens bis heute nicht. Aber das Nachwort lässt darauf schließen, dass sich die Autorin zumindest von echten Personen inspirieren hat lassen. Beide Figuren hätten also auf jeden Fall existieren können - und das ist das einzige, was zählt, denn es bedeutet, dass wir Menschen auch heute noch dieses Potenzial haben, über uns hinauszuwachsen und Gutes unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun.

Also, ganz gleich, was ihr sonst noch in diesem Jahr auf eurem SuB habt: LEST DIESES BUCH!

Mein Fazit:

Ich lasse mich selten wirklich so sehr mitreißen, aber dieses Buch hat auch bei uns das Zeug zu einem echten Bestseller - fünf Sterne sind noch zu wenig!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Elanus sieht uns!

Elanus
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Nach "Layers" legt Ursula Poznanski mit ihrem neuen Buch "Elanus" ein weiteres Buch nach, das im Technik-Umfeld spielt. Ging es bei Layers aber um Augmented Reality (Spätestens seit Pokemon Go sollte dieser ...

Nach "Layers" legt Ursula Poznanski mit ihrem neuen Buch "Elanus" ein weiteres Buch nach, das im Technik-Umfeld spielt. Ging es bei Layers aber um Augmented Reality (Spätestens seit Pokemon Go sollte dieser Begriff nun in aller Munde sein :)), widmet sie sich dieses Mal Drohnen. Und greift damit ein Thema auf, das immer wieder Diskussionen sorgt. Daher habe ich wirklich mit zunehmender Ungeduld auf das Erscheinen dieses Buches gewartet ...

Zum Inhalt:

Jona ist 17 und so etwas wie ein technisches Wunderkind. Dies ermöglicht ihm, mit einem Stipendium auf der Victor-Franz-Hess-Universität in Rothenheim Technomathematik zu studieren. Da er sich mit sozialen Kontakten eher schwer tut, wohnt er auf Wunsch seiner Eltern bei einer Gastfamilie. Mit im Gepäck: Seine Drohne Elanus, die er schon bald nutzt, um eine Kommilitonin, in die er sich verschaut, ein wenig auszuspionieren ...

Meine Meinung:

Schon als ich das Cover das erste Mal gesehen und den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dieses Buch wollte ich lesen :). Es passiert mir wirklich eher selten, dass ich auf das Erscheinen eines Buches derart hinfiebere, aber es versprach einfach alles, was ich an Büchern mag. Ich habe mir dieses Mal sogar die Leseprobe verkniffen, weil ich darauf vertraut habe, dass ich ein wirklich gutes Buch bekommen würde ... Die ersten 150 Seiten habe ich dann auch mehr oder weniger gefressen, um dann etwas langsamer weiterzulesen, um die Geschichte richtig zu genießen.

Eines muss ich der Autorin wirklich zugute halten: Sie versteht es, die Spannung aufzubauen, mal hier, mal da einzelne Spannungsschnipsel einzuwerfen, die den Leser am Ball bleiben lassen. Schon bald will man einfach wissen, was da auf der Universität los ist, in welches Wespennest Jona mit seiner Drohne gestochen hat. Auf Details möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen, weil die meiner Meinung nach schon ein bisschen zu viel verraten. Wer sich übrigens viel technisches Know-How erwartet, sei gewarnt: Die Drohne ist mehr Mittel zum Zweck, um die Geschichte in Gang zu bringen. Theoretisch hätte Jona sicher auch andere Mittel finden können, um seine Umgebung zu beobachten und zu filmen ...

Der Hauptcharakter Jona macht es mir allerdings nicht einfach. Fand ich seine Art auf den ersten Seiten noch ungewöhnlich und erfrischend, wurde seine "soziale Unverträglichkeit" mit der Zeit etwas anstrengend. Die Art und Weise, wie er über seine Gastfamilie und seine Studienkollegen immer wieder herzieht, machten ihn mit der Zeit immer weniger sympathisch. Sein unerschütterliches Vertrauen in seine überragende Intelligenz, seine mangelnde Geduld in die Unzulänglichkeiten anderer überzeugten mich nicht so ganz, dass er im Lauf der Geschichte doch zumindest zwei Personen findet, die er mag. Besonders in der zweiten Hälfte des Buches musste ich leider auch seine vielgepriesene Intelligenz in Zweifel ziehen, da verhielt er sich in meinen Augen doch einige Male relativ dumm.

Die zweite Hälfte des Buches ist es auch, mit der ich ingesamt weniger zufrieden war: Mit zunehmender Ungeduld vermisste ich erste echte Fakten, dagegen gab es weitere Fragen und Rätsel, die für noch mehr Verwirrung sorgten ... Auch wenn ich mit der Zeit einen gewissen Verdacht hatte, lässt uns Ursula dieses Mal schon wirklich verdammt lang zappeln, was eigentlich los ist und warum sich alle Beteiligten so merkwürdig verhalten. Das Finale passiert eigentlich erst eher knapp vor dem Ende - und auch die Antworten auf die noch drängenden Fragen erhält der Leser erst auf den allerletzten Seiten. Das wirkte auf mich leider etwas hingeschustert, da wäre meiner Meinung nach definitiv mehr drin gewesen.

Ich will aber zum Schluss auch noch etwas Positives sagen: Einiges, was beispielsweise bei "Layers" wenig glaubwürdig rüberkam (Die Liebesgeschichte zum Beispiel), ist hier deutlich genauer und besser beschrieben. Hier kann der Leser deutlich besser nachvollziehen, wie und warum Jona das erste Mal echte Gefühle für jemanden entwickelt, weil sich die Handlung und damit das Kennenlernen der Charaktere langsamer aufbaut :). Kurz und gut: War "Layers" an manchen Stellen vielleicht zu rasant, war "Elanus" für mich das genaue Gegenteil :D.

Mein Fazit:

"Elanus" ist erfrischend anders als das, was derzeit auf dem Jugendbuch-Sektor so beliebt ist. Trotz Jonas schwierigem Charakter und der sich eher langsam aufbauenden Spannung habe ich den Roman wieder einmal verschlungen, weil ich Ursulas Schreibstil mag. Der Schluss schwächelt allerdings in meinen Augen, das hätte man besser lösen können, finde ich.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Dark Elements - das Finale

Dark Elements 3 - Sehnsuchtsvolle Berührung
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"Dark Elements - Sehnsuchtsvolle Berührung" ist der dritte und abschließende Band der "Dark Elements"-Trilogie. Band 1 und 2 las ich Anfang dieses Jahres kurz hintereinander und fühlte mich am Ende des ...

"Dark Elements - Sehnsuchtsvolle Berührung" ist der dritte und abschließende Band der "Dark Elements"-Trilogie. Band 1 und 2 las ich Anfang dieses Jahres kurz hintereinander und fühlte mich am Ende des zweiten Bandes sehr unsanft aus der Geschichte gerissen. Daher hat es mich umso mehr gefreut, dass Netgalley den dritten Teil jetzt als E-Book schon einige Zeit vor dem offiziellen Erscheinungsdatum zur Verfügung gestellt hat. Danke Netgalley und HarperCollins!

Zum Inhalt:

Am Ende von Teil zwei steht fest, wer die Lilin ist. Daher beginnt Band 3 erst einmal damit, dass unsere Helden verarbeiten müssen, wer das ist. Gleichzeitig muss Layla entscheiden, mit wem sie nun wirklich zusammen sein will - mit dem Kronprinzen der Hölle Roth oder ihrem Gargoyle-Ziehbrüder Zayne. Der Feind bleibt in der Zwischenzeit allerdings nicht untätig, sodass Layla, Roth, Zayne und ihre Freunde sich bald auf andere Dinge als ihre Gefühle konzentrieren müssen.

Meine Meinung:

Jennifer L. Armentrout bleibt auch in diesem Buch ihrem gewohnten Schreibstil treu. Während vor allem am Anfang die Liebe und die Romantik in den Vordergrund treten (Layla entscheidet sich Gott sei Dank endlich!), bedeutet das, dass dem Kampf gegen die Lilin erst einmal wenig Raum eingeräumt wird. Dagegen viel Gefühl, so viel, dass ich mir irgendwann einmal dachte: "Mädchen, du hast wichtigere Sorgen als dein Liebesleben". Armentrout wäre aber nicht Armentrout, wenn die Autorin nicht auf einmal jemanden genau das zu Layla sagen lassen würde :D. An dieser Stelle musste ich wirklich richtig schmunzeln - man konnte damit gut erkennen, dass die Autorin offensichtlich vorausgesehen hat, dass solche Reaktionen kommen würden.

Das gewisse Augenzwinkern tritt auch im Verlauf der Geschichte immer wieder auf, Anspielungen auf andere TV-Serien tauchen auf, wo es um Monster, Dämonen und Engel geht (Gefehlt hat mir hier eigentlich nur "Constantine", aber das ist wohl weil Comic zu geekig gewesen :D).

Was mir nicht so gut gefallen hat, war eigentlich die Auflösung. Man weiß schon relativ bald, was Layla tun wird, um die Lilin zu besiegen - und als sie es schlussendlich tut, kommt es für meinen Geschmack fast ein bisschen unspektakulär rüber. Da musste ich mich schon fragen, ob das Böse so dumm ist, dass es ihr genau diese Handlung nicht zutraut? Armentrout wäre allerdings nicht Armentrout, wenn sie sich nicht doch noch etwas einfallen lassen würde, um ein Happy End zu schaffen. Diese letzte Szene reißt wieder einiges heraus, was ich vorher eher vorhersehbar fand :).

Mein Fazit:

Das Finale der "Dark Elements"-Reihe ist für meinen Geschmack an vielen Stellen leider sehr vorhersehbar. Trotzdem gab es einige Szenen, die mir wirklich sehr, sehr gut gefallen haben, wo man die Phantasie und das gewisse Etwas erkennen konnte, in das ich mich in den ersten beiden Teilen verliebt habe. Ergo: Empfehlenswert, auch wenn mir dieses Mal die Genialität der ersten beiden Teile etwas gefehlt hat.

Veröffentlicht am 04.10.2018

"Alternate History" at its best!

NSA - Nationales Sicherheits-Amt
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Bereits das Cover zu Andreas Eschbachs neuem Roman machte mich sofort neugierig. Das prominent platzierte Auge mit dem in Fraktur gesetzten Titel darunter – da konnte ich einfach nicht anders, als mir ...

Bereits das Cover zu Andreas Eschbachs neuem Roman machte mich sofort neugierig. Das prominent platzierte Auge mit dem in Fraktur gesetzten Titel darunter – da konnte ich einfach nicht anders, als mir das Buch genauer anzusehen.

Und auch der Klappentext lies in mir alle Sirenen aufheulen, endlich mal wieder ein Buch, das so ganz genau vom Thema her meine Kragenweite ist <3 <3. Leider ist das Genre “Alternate History” bei uns ja leider kaum vertreten, dabei finde ich es so unheimlich spannend zu sehen, wie Geschichte sich hätte entwickeln können, wenn nur eine Sache anders passiert wäre …

Für diejenigen unter euch, die das Buch noch lesen wollen: Es ist eine Rezension mit gewissen Spoilern, also aufpassen!

Der Klappentext:

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Meine Meinung:

Da ich mich dieses Jahr vermehrt dem Thema “Drittes Reich” widme, ist es nicht ausgeblieben, dass ich mir genau diese Frage, die hier im Klappentext angerissen wird, bereits mehrmals gestellt habe … Was wäre, wenn die Technologie von heute sich mit der Geschichte von damals vermischen würde? Andreas Eschbach widmet sich der Frage auf diese Antwort ziemlich ausführlich, aber das Buch braucht die Seitenzahl tatsächlich, um sich in seiner ganzen Bandbreite zu entfalten.

Dabei geht Eschbach einen sehr interessanten Weg, denn er steigt in seine Geschichte im Jahr 1942 ein, in das Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg, so wir wie ihn kennen, an einem Wendepunkt gestanden hat. Stalingrad ist bekannt dafür, dass die deutsche Armee nicht so unbesiegbar, wie es zunächst den Anschein hatte.

Aber was wäre, wenn die Komputer-Technologie (Ich schreibe das Wort übrigens jetzt absichtlich mit K, denn der ganze Roman kennt so gut wie keine Anglizismen, dafür aber jede Menge deutsche Ausdrücke, die anstelle von Handy, E-Mail, Cloud-Speicher etc. verwendet werden) bereits schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts angefangen hätte sich zu entwickeln? Was wäre, wenn es ein Weltnetz bereits schon vor 1939 gegeben hätte?

Ich kann hier gar nicht anders, als meinen Hut zu ziehen, denn Eschbach verwebt die tatsächliche Geschichte mit seiner eigenen Version so geschickt, dass einem als unbedarftem Leser wahrscheinlich gar nicht alles auffällt. Hier und da tauchen Personen auf, die es wirklich gegeben hat (sowohl auf Seiten der Nazis als auch auf Seiten der Opfer), gerade die bekannten Namen sagen einem selbstverständlich etwas. Aber wo die Grenze zwischen erfundenen und echten Figuren zu ziehen ist, muss ich wohl noch einmal in Ruhe nachrecherchieren.

Auch den Aufbau des Buchs halte ich für sehr gelungen, denn Eschbach steigt mehr oder weniger mit einem Knalleffekt in sein Buch ein, einem Ereignis, das einem bereits nach den ersten Seiten ein Schaudern über den Rücken jagt. Danach gibt es einen großen Schwenk in die 30er Jahre, wo Eschbach den Leser Hitlers Aufstieg an die Macht durch die Augen seiner zwei Protagonisten Helene Bodenkamp und Eugen Lettke sehen lässt.

Helene und Eugen sind dabei sehr konträr: Helene selbst ist eher der Typ graue Maus, aber sehr intelligent, die nach und nach anfängt, ihr Leben selbst zu bestimmen (soweit das Regime es zulässt), während Eugen einen ziemlich miesen Charakter hat, der nur auf seinen Vorteil und auf sich selbst bedacht ist.

Trotzdem braucht es in meinen Augen diese beiden Figuren gleichermaßen, um mitzuerleben, wie das Regime nach und nach seine unheilvolle Macht entfesselt. In einem Land, wo es kein Bargeld mehr gibt, jede finanzielle Transaktion, jeder Anruf, jede Position eines “tragbaren Telephons”, jede Gesundheitsakte in den Datensilos des Staates bzw. der NSA gespeichert ist, gibt es keine Privatsphäre mehr. Bereits der Buchauftakt zeigt anschaulich, wie Big Data – das Verknüpfen von Informationen – dazu missbraucht wird, um Personen aufzustöbern, die von den Nazis nicht gefunden werden wollen.

Und dabei bleibt es nicht, der Autor gönnt dem Leser eigentlich nur kurze Verschnaufpausen, bis er weitere technische Entwicklungen – und damit weiteres Grauen – aus dem Ärmel zieht. Entwicklungen, die auch in der heutigen Zeit kontroversiell diskutiert werden und die häufig Gegenstand von dystopischen Romanen sind (Mehr verrate ich jetzt absichtlich nicht, sonst wäre es doch ein zu starker Spoiler).

Alles Dinge, die mich auch zu dem Schluss kommen haben lassen, dass Eschbach bewusst eine Parallele zur Gegenwart zieht. Ganz bewusst darauf hinweist, was heute passieren kann (und wird), wenn rechte Gesinnungen an die Macht kommen und über diese Mengen an Daten, die bereits existieren, nach Belieben verfügen können. Jeder, aber auch wirklich jeder hat irgendein Geheimnis, mit dem er sehr einfach erpressbar wird …

Je weiter das Buch fortschreitet, desto intensiver wird in meinen Augen diese Erfahrung. Es fühlt sich an wie ein Auto, das langsam anrollt und immer schneller wird, und wo man mitfahren muss, ob man will oder nicht, obwohl man sich fragt, ob man es überleben wird …

Es reißt einen beim Lesen in einen sehr heftigen Strudel aus Gefühlen, das Buch ist grausam, verstörend, gewaltig – und gerade deswegen so verdammt gut! Denn Eschbach schont den Leser nicht, führt ihn kompromisslos bis ans Ende der Geschichte. Ein Ende, das mich mit so vielen widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen hat, dass ich erst mal gar nicht anders konnte, als eine Pause bis zum nächsten Buch einzulegen, um dieses Szenario zu verdauen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich fünf Sterne Empfehlungen nicht sehr häufig ausspreche und noch viel seltener das Prädikat “Highlight” vergebe, aber dieses Buch verdient es. Gewiss, es ist Unterhaltung, aber die Botschaft ist eindeutig: “NSA” ist eine eindringliche Warnung davor, was passieren kann, wenn Daten, die wir bewusst oder unbewusst zur Verfügung gestellt haben, gegen uns verwendet werden …

Mein Fazit:

“NSA” ist vordergründig ein Gedankenspiel, aber gleichzeitig auch eines, was unter den gegebenen politischen Umständen erschreckend realistisch ist. Dieses Buch weckt jede Menge Emotionen beim Lesen, es wühlt auf, es verstört – aber gerade deswegen ist es wertvoll! Daher absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung!!