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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2016

Die Nachtigall hat gesungen!

Die Nachtigall
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Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos auf Instagram auftauchten. Ich habe mich daher umso mehr gefreut, als ich am Ende ebenfalls ein Lese-Exemplar mein Eigen nennen durfte!

Zum ...

Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos auf Instagram auftauchten. Ich habe mich daher umso mehr gefreut, als ich am Ende ebenfalls ein Lese-Exemplar mein Eigen nennen durfte!

Zum Inhalt:

Vianne und Isabelle sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Vianne bereits verheiratet und hat eine Tochter, während Isabelle wieder einmal aus einer Schule für wohlerzogene Mädchen geworfen wird. Während Vianne darauf hinarbeitet, ihre kleine Familie am Leben zu erhalten, schließt sich Isabelle dem Widerstand an, um für ein freies Frankreich zu kämpfen ...

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr schon wirklich lange Bücher lest. Ich habe jedenfalls sehr häufig das Problem, dass ich mir immer wieder denke, dass bestimmte Stoffe einfach schon mal da waren ... Dieses Gefühl, quasi eine Nacherzählung eines Stoffes zu lesen, begleitet mich mittlerweile schon sehr lange in meinem (Leser)Leben. Umso wertvoller und teurer werden mir diese wenigen Bücher, die mich trotzdem immer noch abholen können. Die Bücher, Die mich mitreißen, die in mir emotionale Achterbahnfahrten auslösen, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Bücher, über die ich noch nach dem Lesen nachdenke, auch wenn ich die letzte Seite schon vor einer ganzen Weile umgeblättert habe.

Ich gebe zu, dass ich nicht mitbekommen habe, dass "The Nightingale" (So heißt das Buch im englischsprachigen Raum) bereits 2015 einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst hat, aber in der Zwischenzeit kann ich es nachvollziehen. Die Autorin versteht es, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Frankreich anhand der Schicksale dieser beiden Frauen zu erzählen, ohne den moralischen Finger zu erheben. Sowohl Vianne als auch Isabelle versuchen auf ihre Art und Weise, etwas für ihr Land, ihre Freunde und Familien zu tun - und haben damit mal mehr, mal weniger Erfolg. Aber auch die Deutschen werden nicht über den Kamm geschoren, wie überall gab es auch hier gute und schlechte Menschen, wie die Nebenfiguren Beck und von Richter sehr schön zeigen.

Nichtsdestotrotz stellt jeder Krieg ein unverstellbares Grauen dar, ich musste schon zu Beginn mehrmals schlucken, als um das Schicksal der Flüchtlinge ging. Parallelen zur Gegenwart sind hier wohl durchaus beabsichtigt - und wir dürfen wirklich froh sein, dass wir in einem friedlichen Land leben, in dem es uns gut geht und wir nicht Hunger leiden müssen ...

Dieses Buch hat mich beim Lesen zum Teil sehr aufgewühlt, hat mich nicht schlafen lassen, und trotzdem sage ich: Es ist eines der besten, das in den letzten Jahren bei uns auf den Markt gekommen ist! Wenn ihr nur ein Buch im Jahr lest (Was ich natürlich nicht hoffe), dann nehmt dieses und lasst euch mitnehmen in eine Zeit, die gleichzeitig wohl eine der dunkelsten, aber auch eine der hellsten der Menschheitsgeschichte ist ...

Ob Vianne und Isabelle wirklich gelebt haben, weiß ich übrigens bis heute nicht. Aber das Nachwort lässt darauf schließen, dass sich die Autorin zumindest von echten Personen inspirieren hat lassen. Beide Figuren hätten also auf jeden Fall existieren können - und das ist das einzige, was zählt, denn es bedeutet, dass wir Menschen auch heute noch dieses Potenzial haben, über uns hinauszuwachsen und Gutes unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun.

Also, ganz gleich, was ihr sonst noch in diesem Jahr auf eurem SuB habt: LEST DIESES BUCH!

Mein Fazit:

Ich lasse mich selten wirklich so sehr mitreißen, aber dieses Buch hat auch bei uns das Zeug zu einem echten Bestseller - fünf Sterne sind noch zu wenig!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Elanus sieht uns!

Elanus
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Nach "Layers" legt Ursula Poznanski mit ihrem neuen Buch "Elanus" ein weiteres Buch nach, das im Technik-Umfeld spielt. Ging es bei Layers aber um Augmented Reality (Spätestens seit Pokemon Go sollte dieser ...

Nach "Layers" legt Ursula Poznanski mit ihrem neuen Buch "Elanus" ein weiteres Buch nach, das im Technik-Umfeld spielt. Ging es bei Layers aber um Augmented Reality (Spätestens seit Pokemon Go sollte dieser Begriff nun in aller Munde sein :)), widmet sie sich dieses Mal Drohnen. Und greift damit ein Thema auf, das immer wieder Diskussionen sorgt. Daher habe ich wirklich mit zunehmender Ungeduld auf das Erscheinen dieses Buches gewartet ...

Zum Inhalt:

Jona ist 17 und so etwas wie ein technisches Wunderkind. Dies ermöglicht ihm, mit einem Stipendium auf der Victor-Franz-Hess-Universität in Rothenheim Technomathematik zu studieren. Da er sich mit sozialen Kontakten eher schwer tut, wohnt er auf Wunsch seiner Eltern bei einer Gastfamilie. Mit im Gepäck: Seine Drohne Elanus, die er schon bald nutzt, um eine Kommilitonin, in die er sich verschaut, ein wenig auszuspionieren ...

Meine Meinung:

Schon als ich das Cover das erste Mal gesehen und den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dieses Buch wollte ich lesen :). Es passiert mir wirklich eher selten, dass ich auf das Erscheinen eines Buches derart hinfiebere, aber es versprach einfach alles, was ich an Büchern mag. Ich habe mir dieses Mal sogar die Leseprobe verkniffen, weil ich darauf vertraut habe, dass ich ein wirklich gutes Buch bekommen würde ... Die ersten 150 Seiten habe ich dann auch mehr oder weniger gefressen, um dann etwas langsamer weiterzulesen, um die Geschichte richtig zu genießen.

Eines muss ich der Autorin wirklich zugute halten: Sie versteht es, die Spannung aufzubauen, mal hier, mal da einzelne Spannungsschnipsel einzuwerfen, die den Leser am Ball bleiben lassen. Schon bald will man einfach wissen, was da auf der Universität los ist, in welches Wespennest Jona mit seiner Drohne gestochen hat. Auf Details möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen, weil die meiner Meinung nach schon ein bisschen zu viel verraten. Wer sich übrigens viel technisches Know-How erwartet, sei gewarnt: Die Drohne ist mehr Mittel zum Zweck, um die Geschichte in Gang zu bringen. Theoretisch hätte Jona sicher auch andere Mittel finden können, um seine Umgebung zu beobachten und zu filmen ...

Der Hauptcharakter Jona macht es mir allerdings nicht einfach. Fand ich seine Art auf den ersten Seiten noch ungewöhnlich und erfrischend, wurde seine "soziale Unverträglichkeit" mit der Zeit etwas anstrengend. Die Art und Weise, wie er über seine Gastfamilie und seine Studienkollegen immer wieder herzieht, machten ihn mit der Zeit immer weniger sympathisch. Sein unerschütterliches Vertrauen in seine überragende Intelligenz, seine mangelnde Geduld in die Unzulänglichkeiten anderer überzeugten mich nicht so ganz, dass er im Lauf der Geschichte doch zumindest zwei Personen findet, die er mag. Besonders in der zweiten Hälfte des Buches musste ich leider auch seine vielgepriesene Intelligenz in Zweifel ziehen, da verhielt er sich in meinen Augen doch einige Male relativ dumm.

Die zweite Hälfte des Buches ist es auch, mit der ich ingesamt weniger zufrieden war: Mit zunehmender Ungeduld vermisste ich erste echte Fakten, dagegen gab es weitere Fragen und Rätsel, die für noch mehr Verwirrung sorgten ... Auch wenn ich mit der Zeit einen gewissen Verdacht hatte, lässt uns Ursula dieses Mal schon wirklich verdammt lang zappeln, was eigentlich los ist und warum sich alle Beteiligten so merkwürdig verhalten. Das Finale passiert eigentlich erst eher knapp vor dem Ende - und auch die Antworten auf die noch drängenden Fragen erhält der Leser erst auf den allerletzten Seiten. Das wirkte auf mich leider etwas hingeschustert, da wäre meiner Meinung nach definitiv mehr drin gewesen.

Ich will aber zum Schluss auch noch etwas Positives sagen: Einiges, was beispielsweise bei "Layers" wenig glaubwürdig rüberkam (Die Liebesgeschichte zum Beispiel), ist hier deutlich genauer und besser beschrieben. Hier kann der Leser deutlich besser nachvollziehen, wie und warum Jona das erste Mal echte Gefühle für jemanden entwickelt, weil sich die Handlung und damit das Kennenlernen der Charaktere langsamer aufbaut :). Kurz und gut: War "Layers" an manchen Stellen vielleicht zu rasant, war "Elanus" für mich das genaue Gegenteil :D.

Mein Fazit:

"Elanus" ist erfrischend anders als das, was derzeit auf dem Jugendbuch-Sektor so beliebt ist. Trotz Jonas schwierigem Charakter und der sich eher langsam aufbauenden Spannung habe ich den Roman wieder einmal verschlungen, weil ich Ursulas Schreibstil mag. Der Schluss schwächelt allerdings in meinen Augen, das hätte man besser lösen können, finde ich.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Dark Elements - das Finale

Dark Elements 3 - Sehnsuchtsvolle Berührung
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"Dark Elements - Sehnsuchtsvolle Berührung" ist der dritte und abschließende Band der "Dark Elements"-Trilogie. Band 1 und 2 las ich Anfang dieses Jahres kurz hintereinander und fühlte mich am Ende des ...

"Dark Elements - Sehnsuchtsvolle Berührung" ist der dritte und abschließende Band der "Dark Elements"-Trilogie. Band 1 und 2 las ich Anfang dieses Jahres kurz hintereinander und fühlte mich am Ende des zweiten Bandes sehr unsanft aus der Geschichte gerissen. Daher hat es mich umso mehr gefreut, dass Netgalley den dritten Teil jetzt als E-Book schon einige Zeit vor dem offiziellen Erscheinungsdatum zur Verfügung gestellt hat. Danke Netgalley und HarperCollins!

Zum Inhalt:

Am Ende von Teil zwei steht fest, wer die Lilin ist. Daher beginnt Band 3 erst einmal damit, dass unsere Helden verarbeiten müssen, wer das ist. Gleichzeitig muss Layla entscheiden, mit wem sie nun wirklich zusammen sein will - mit dem Kronprinzen der Hölle Roth oder ihrem Gargoyle-Ziehbrüder Zayne. Der Feind bleibt in der Zwischenzeit allerdings nicht untätig, sodass Layla, Roth, Zayne und ihre Freunde sich bald auf andere Dinge als ihre Gefühle konzentrieren müssen.

Meine Meinung:

Jennifer L. Armentrout bleibt auch in diesem Buch ihrem gewohnten Schreibstil treu. Während vor allem am Anfang die Liebe und die Romantik in den Vordergrund treten (Layla entscheidet sich Gott sei Dank endlich!), bedeutet das, dass dem Kampf gegen die Lilin erst einmal wenig Raum eingeräumt wird. Dagegen viel Gefühl, so viel, dass ich mir irgendwann einmal dachte: "Mädchen, du hast wichtigere Sorgen als dein Liebesleben". Armentrout wäre aber nicht Armentrout, wenn die Autorin nicht auf einmal jemanden genau das zu Layla sagen lassen würde :D. An dieser Stelle musste ich wirklich richtig schmunzeln - man konnte damit gut erkennen, dass die Autorin offensichtlich vorausgesehen hat, dass solche Reaktionen kommen würden.

Das gewisse Augenzwinkern tritt auch im Verlauf der Geschichte immer wieder auf, Anspielungen auf andere TV-Serien tauchen auf, wo es um Monster, Dämonen und Engel geht (Gefehlt hat mir hier eigentlich nur "Constantine", aber das ist wohl weil Comic zu geekig gewesen :D).

Was mir nicht so gut gefallen hat, war eigentlich die Auflösung. Man weiß schon relativ bald, was Layla tun wird, um die Lilin zu besiegen - und als sie es schlussendlich tut, kommt es für meinen Geschmack fast ein bisschen unspektakulär rüber. Da musste ich mich schon fragen, ob das Böse so dumm ist, dass es ihr genau diese Handlung nicht zutraut? Armentrout wäre allerdings nicht Armentrout, wenn sie sich nicht doch noch etwas einfallen lassen würde, um ein Happy End zu schaffen. Diese letzte Szene reißt wieder einiges heraus, was ich vorher eher vorhersehbar fand :).

Mein Fazit:

Das Finale der "Dark Elements"-Reihe ist für meinen Geschmack an vielen Stellen leider sehr vorhersehbar. Trotzdem gab es einige Szenen, die mir wirklich sehr, sehr gut gefallen haben, wo man die Phantasie und das gewisse Etwas erkennen konnte, in das ich mich in den ersten beiden Teilen verliebt habe. Ergo: Empfehlenswert, auch wenn mir dieses Mal die Genialität der ersten beiden Teile etwas gefehlt hat.

Veröffentlicht am 10.10.2017

15 weitere Geschichten aus der Feder von Andreas Gruber!

Der fünfte Erzengel
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"Der fünfte Erzengel" ist der vierte Erzählband aus dem Luzifer-Verlag mit Kurzgeschichten von Andreas Gruber. Wie auch schon in den früheren Bänden hat jede Geschichte ein eigenes Vorwort des Autors, ...

"Der fünfte Erzengel" ist der vierte Erzählband aus dem Luzifer-Verlag mit Kurzgeschichten von Andreas Gruber. Wie auch schon in den früheren Bänden hat jede Geschichte ein eigenes Vorwort des Autors, wo Andreas ein bisschen etwas über die Entstehung der Geschichte erzählt.

Einige der Geschichten sind bereits in anderen Anthologien erschienen, manche noch nie. Aber alle haben eines gemeinsam: Sie entführen in die Welt des Grusels, der Schauergeschichten, des Horrors, der ohne Blut und Gemetzel auskommt. Etwas, das ich durchaus gern lese, auch wenn ich nicht unbedingt Horror-Fan bin. Splatter-Orgien? Neee, nicht meins. Aber Andreas ist in dieser Hinsicht Garant dafür, dass er das Grauen nur andeutet. Etwas, was oft mehr Angst auslöst als es wirklich zu beschreiben. Wer die ersten Bücher der "Todes"-Reihe gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Wie jedes Mal hat mich nicht jede Geschichte angesprochen, aber der wirklich bunte Wechsel zwischen Schreibstil, Erzählzeit hat den angenehmen Effekt, dass wirklich für jeden etwas dabei ist, egal ob man es skurril, gruselig, hässlich oder "geisterhaft" liebt.

Daher Leseempfehlung für jeden, der sich in die Thriller von Andreas Gruber verliebt hat und ein bisschen den schriftstellerischen Werdegang des Autors kennenlernen möchte. Ohne diese Geschichten gäbe es heute keinen Peter Hogart, keinen Walter Pulaski und schon gar keinen Maarten S. Sneijder (Ja, ich bin mittlerweile gut gedrillt :D).

Veröffentlicht am 25.09.2017

Ein Scherbengericht in Triest?

Scherbengericht
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"Scherbengericht" ist mittlerweile der zehnte Krimi, den Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest mit dem sympathischen Commissario Proteo Laurenti als Hauptfigur spielen lässt. Wer die früheren Romane ...

"Scherbengericht" ist mittlerweile der zehnte Krimi, den Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest mit dem sympathischen Commissario Proteo Laurenti als Hauptfigur spielen lässt. Wer die früheren Romane nicht kennt, braucht sich aber keine Sorgen zu machen: Die Geschichte lässt sich tadellos ohne Vorkenntnisse lesen - höchstens der eine oder andere Aha-Effekt wird einem entgehen :).

Zum Inhalt:

Vor Jahren wurde Aristèides Albanese wegen Totschlags verurteilt, zwölf Zeugen sagten damals einhellig aus, dass er die Tat begangen hat. Nun hat er 17 Jahre abgesessen und ist wieder in Freiheit. Aber ging wirklich alles mit rechten Dingen zu? Auf einmal ist einer der Zeugen tot, offensichtlich vergiftet. Proteo Laurenti ermittelt - und stößt nicht nur in der Vergangenheit auf Ungereimtheiten ...

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir das erste Buch dieser Krimireihe zum ersten Mal in die Hand fiel. Auf jeden Fall ist es schon eine ganze Weile her ... Jedes neue Buch fühlt sich daher mittlerweile fast ein bisschen wie ein literarisches Heimkommen an, wie eine warme gemütliche Decke, die man sich nach langer Zeit endlich wieder einmal überziehen kann ...

In seinem neuen Buch bleibt Heinichen seinem gewohnten Schema treu, wie üblich verwebt er den Krimi mit sozial- und gesellschaftskritischen Kommentaren, für die er auch außerhalb seiner Bücher bekannt ist. Man merkt ihm an, dass er mittlerweile schon recht lange in Triest lebt und sich auch mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt hat.

Obwohl der Klappentext suggeriert, dass sich die Handlung hauptsächlich auf Aristèides konzentriert, kommt zu Beginn der Geschichte gleich einmal eine englische Reederin griechischer Herkunft zu Tode. Ist sie vom Balkon ihres Hauses gefallen oder wurde sie gestoßen? Laurenti wird wieder einmal in wirtschaftlich-politische Interessen hineingezogen, die er eigentlich gar nicht verfolgen mag.

Gleichzeitig begleiten wir Aristèides bei seinen ersten Unternehmungen in Triest und es wird schnell klar, dass sich der Mann auf einem Rachefeldzug befindet. Aber was genau hat er vor? Will er die zwölf Personen, die vor 17 Jahren gegen ihn falsch ausgesagt haben, wirklich töten? Oder ihnen nur einen Denkzettel erteilen? Das bleibt im Verhältnis relativ lange im Dunkeln.

Da Aristèides Koch war, gedenkt er auch in der Gegenwart ein kleines Lokal zu eröffnen, um sich und seinen Partner Aahrash, einen Pakistaner, durchzubringen. Heinichen nutzt diese Gelegenheit, immer wieder über die triestinische Küche zu schreiben ...

Woher der Autor seine Inspiration dafür bezieht, ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass er mit Amy Scabar, einer triestinischen Haubenköchin, zusammen ist. Ich kann daher nur sagen, besser nicht lesen, wenn man hungrig ist, es läuft einem sonst nur das Wasser im Mund zusammen :D.

Zum Ende: Dass Heinichen nicht immer ein "rundes" Ende schreibt, weiß ich noch von früheren Büchern. Trotzdem hatte ich dieses Mal das Gefühl, dass er fast ein bisschen zu rasch aus der Geschichte aussteigt, dass viele Fragen offen bleiben, viele angerissene Dinge nicht mehr aufgegriffen werden. Da hätte ich gerne noch ein paar Seiten mehr gelesen.

Mein Fazit:

"Scherbengericht" ist ein typischer Heinichen. Wer sich hier einen klassischen Krimi-Plot erwartet, wird bestimmt ein wenig enttäuscht werden. Wer aber auch Triest auf unterhaltsame Art kennenlernen will, etwas über die Problem wissen möchte, mit denen die Stadt heutzutage zu kämpfen hat, ist mit dem Buch sicher gut bedient.