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Ashleys_Thrillerkabinett

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2018

Klasse Debüt mit herausragendem Schreibstil!

Dunkelgrün fast schwarz
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Mareike Fallwickls Schreibstil ist grandios! Selten hat mich ein Schreibstil so begeistert. Die Autorin schreibt sehr umgangssprachlich, wodurch das Ganze enorm authentisch wird. An den richtigen Stellen ...

Mareike Fallwickls Schreibstil ist grandios! Selten hat mich ein Schreibstil so begeistert. Die Autorin schreibt sehr umgangssprachlich, wodurch das Ganze enorm authentisch wird. An den richtigen Stellen wird der Sprachgebrauch sogar etwas vulgär, was jedoch in keinster Weise deplatziert wirkt! Ein sehr tiefsinniger, anschaulicher Schreibstil, der aber nicht abgehoben wirkt. Top!

Der Titel „Dunkelgrün fast schwarz“ bekommt im Laufe des Buches einen richtig tollen und tiefsinnigen Hintergrund. Was für mich ein absoluter Pluspunkt ist! Selten kommt mir ein Titel so trefflich und vorallem sinnig gewählt vor.

Wir bekommen die Geschichte aus 3 Perspektiven erzählt. Einmal von Moritz, dann von Marie (Moritz‘ Mutter) und von Johanna. Man erkennt recht schnell, was alle drei gemeinsam haben und wo im Grunde der Knackpunkt liegt. Raffael lernen wir nur durch die Augen der Drei kennen.

Die Rückblicke auf das Geschehen in der Vergangenheit machen speziell Raffael greifbarer für den Leser. Sie schaffen die richtige Grundlage um die Freundschaft von Raffael und Moritz nachvollziehen zu können. Ausserdem bringen sie einem die passende Atmosphäre und das Verständnis für die Situation von Moritz‘ Mutter Marie rüber.

Wir bekommen hier ausgezeichnete Charaktere aufgezeigt, die vorbildlich in dieses „Beziehungskonstrukt“ hineinpassen. Die Tiefe der Charaktere sowie der Beziehungen zwischen ihnen ist perfekt ausgearbeitet und man kann sich mit Fortschreiten des Buches in jeden von ihnen hineinversetzen. Das anfängliche Kopfschütteln über das Verhalten von Moritz und seiner Mutter wischen von Seite zu Seite einem tiefsitzenden Verständnis ihnen gegenüber. Die Gefühle der Protagonisten gingen auf mich über und oftmals habe ich mich in das Geschehen extrem involviert gefühlt.

Das Ende des Buches betrachte ich zwiespältig. Einerseits löste es in mir eine wohlige Erleichterung und Befriedigung aus, andererseits blieb ich mit einigen offenen Fragen zurück. Hier unterliegt zum Schluss einiges der Interpretation des Lesers, was ich eigentlich gar nicht mal verkehrt finde. Jedoch hätte ich mir ein paar Fragen doch geklärt gewünscht.

Fazit:
Der Schreibstil von Mareike Fallwickl ist einfach grandios und zieht den Leser in seinen Bann. In Verbindung mit den hervorragend ausgearbeiteten Charakteren und deren Beziehungen zueinander bekommt die Geschichte eine fast makellose Authentizität!

Für meinen Geschmack hätte Raffael ruhig noch etwas mehr beleuchtet werden können, da er ein sehr interessanter Charakter ist. Auch die ein oder andere Frage hätte gerne noch aufgeklärt werden können.

Ansonsten bekommen wir hier einen emotionalen, tiefsinnigen Roman über eine Freundschaft und deren Beziehungskonstrukte geliefert, die einen zum Nachdenken und Mitfühlen bewegen. Für mich eine tolle Ausarbeitung der negativen Seiten einer fatalen Freundschaft und ihrer Auswirkungen auf alle Beteiligten.

Von mir gibt es 4/5 Sterne!

Veröffentlicht am 26.04.2018

Tolle Idee - leider schlecht ausgearbeitet!

Anonym
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Der Schreibstil von Poznanski und Strobel ist flüssig lesbar. Der Schreibstil von Nina Salomon also Ursula Poznanski hat mir jedoch einen Ticken besser gefallen! Das Format des Hardcovers ist angenehm ...

Der Schreibstil von Poznanski und Strobel ist flüssig lesbar. Der Schreibstil von Nina Salomon also Ursula Poznanski hat mir jedoch einen Ticken besser gefallen! Das Format des Hardcovers ist angenehm für den Leser, da es recht viele Absätze hat und die Schriftgröße sowie der Zeilenabstand optimal gewählt wurden. Auch die Kapitel sind im Durchschnitt nicht zu lang.

Was den Leser anfangs etwas verwirren kann, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Nina Salomon und Daniel Buchholz geschrieben sind; und auch dementsprechend beide aus der Ich-Perspektive. Jedoch gibt es über den Kapiteln dazu keinen Vermerk, sodass man es anfangs im Kapitel selbst erlesen muss. Ab und zu bekommt man im Laufe des Buches auch noch Kapitel aus der Tätersicht erzählt, welche sich aber klar durch fortlaufende römische Ziffern von den anderen Kapiteln abheben. Für meinen Geschmack, hätte man das ruhig noch etwas ausbauen können!

Mit dem Prolog wird man direkt in ein Szenario „reingeschmissen“, welches erstmal Verwirrung stiftet, da es eigentlich laut Klappentext in keiner Verbindung zur Story steht. Dann jedoch klärt sich auf, dass es sich bei dem Szenario nur um eine Traumsequenz gehandelt hat. Da zu keinem Zeitpunkt mehr darauf Bezug genommen wird, ist dieser Traum total überflüssig und trägt auch nicht zur Story bei!

Die Protagonisten Nina Salomon und Daniel Buchholz sind beide recht sympathisch.Sie sind beide eigentlich komplett unterschiedlich, haben aber eine Sache gemein: Beide sind auf ihre ganz eigene Art verkorkst!

Besonders Nina Salomon finde ich richtig klasse, da sie gerne ihr eigenes Ding macht und dafür auch gewisse Grenzen überschreitet. Sie ist weniger Teamplayer und macht lieber ihr eigenes Ding, was sich oftmals durch ihre Alleingänge schildert. Auch hat sie immer einen Konter auf der Zunge und ist generell nicht gerade zimperlich mit ihren Worten. Dadurch schießt sie zwar ab und zu übers Ziel hinaus, was ihr dann aber auch leid tut und sie authentisch erscheinen lässt!

Mit Daniel Buchholz musste ich erstmal etwas warm werden… Anfangs dachte ich nur wie Nina: arroganter Schnösel! Er ist überkorrekt, krankhaft penibel, ein Reinheits- und Ordnungsfanatiker und bei ihm läuft alles Regelkonform! Doch sowie man mehr über ihn und seine Vergangenheit erfährt, sammelt er fleißig Sympathiepunkte.

Generell bekommen beide Protagonisten durch die Vergangenheitserzählungen mehr Tiefe und Authentizität. Dadurch kann der Leser sich besser in die Verhaltensweisen und Charakterzüge der beiden hineinversetzen!

So klasse die beiden Protagonisten auch ausgearbeitet sind, so mangelhaft ist leider die Story. Nicht nur, dass dem kompletten Buch die Spannung fehlt, sondern vieles wirkt einfach unrealistisch, übertrieben oder überflüssig! :-/

Das ganze Buch über gibt es so gut wie keine Hinweise auf den Täter, sodass der Leser noch nicht mal Vermutungen anstellen kann. Dementsprechend gibt es auch bei den Ermittlungsarbeiten keinerlei Fortschritte und alles dümpelt nur so vor sich hin. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, wird es ab dem letzten Drittel absolut vorhersehbar! -.-

Obwohl es keinerlei Hinweise auf den Täter gibt, habe ich eine Person kurzzeitig im Verdacht gehabt, aber mir dann aufgrund anderer Indizien wieder aus dem Kopf geschlagen… und jetzt ratet mal, wer der Täter ist?! RICHTIG! Genau diese Person! -.- Und diese Person macht dann auch noch genau das, was ich erwartet habe… Sorry, aber ein gutes Ende sieht für mich anders aus! :-/ Aber am schlimmsten ist für mich diese nicht realitätskonforme gewählte Art der Hinrichtung im Finale des Spiels! In meinen Augen ist das einfach unmöglich machbar! Ich bin zwar kein Computercrack, aber für mich ist sowas fernab vom Möglichen!

Fazit: Liebevoll ausgearbeitete Charaktere, jedoch eine Story, die immens in den Details darunter gelitten hat! Und fehlende Spannung ist in einem Thriller generell ein NO GO! Die Idee dahinter ist wirklich super und bietet ein tolles Potezial für eine Katz und Maus-Jagd – Schade nur, dass es leider nicht genutzt wurde! Daher von mir 2,5/5 Sterne!

Veröffentlicht am 26.04.2018

Ein Buch, das zu Tränen rührt!

Libellenschwestern
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Die Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen. Die Vergangenheit aus der Sicht von Rill und der Gegenwart, in der wir Avery begleiten. Beide Handlungsstränge haben mir sehr gut gefallen! Speziell das ...

Die Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen. Die Vergangenheit aus der Sicht von Rill und der Gegenwart, in der wir Avery begleiten. Beide Handlungsstränge haben mir sehr gut gefallen! Speziell das Geschehen in der Vergangenheit ist so gut beschrieben, dass ich mich wirklich zurückversetzt gefüht habe.

Unsere 2 Protagonistinnen wirken auf den ersten Blick so unterschiedlich wie zwei Menschen nur sein können, doch je besser man die beiden kennenlernt, desto mehr Ähnlichkeiten erkennt man. Beide sind von Anfang an super sympathisch.

Rill ist ja noch ein Kind, jedoch aufgrund ihrer Lebenssituation schon sehr vernünftig. Als älteste Schwester passt sie auf ihre kleineren Geschwister auf und übernimmt natürlich so die Mutterrolle. Der Zwiespalt zwischen der Verpflichtung auf die Geschwister aufzupassen und den Zweifeln/Schuldgefühlen aufgrund ihrer kindlichen Hilflosigkeit der Situation gegenüber, die sie im Laufe der Geschichte plagen, wird klar und authentisch dargestellt. Man fühlt mit ihr mit, möchte sie am liebsten aber auch einfach nur an sich drücken und ihr Trost zusprechen.

Avery erfüllt anfangs das typische Klischee als Tochter einer politischen Familie. Das Auftreten in der Öffentlichkeit wird kontrolliert, damit es im Wahlkampf keinerlei Angriffsfläche dem Konkurrenten bietet. Und natürlich soll sie in die politischen Fußstapfen ihrer Familie treten. Jedoch merkt man schnell, dass sie sich eher familiär gezwungen fühlt in diese zu treten. Und als sie das Bild ihrer Oma im Zimmer einer fremden Frau im Seniorenheim sieht, kommt der Stein so langsam ins Rollen aus dieser Rolle auszubrechen. Ich konnte auch mit Avery sehr gut mitfühlen und den inneren Zwiespalt verstehen.

Das Geschehen der Vergangenheit ist teils wirklich schockierend und die Hilflosigkeit der Kinder der Situation gegenüber macht einen einfach nur traurig. Averys Suche nach der Wahrheit ist interessant gestaltet und bringt trotz der Traurigkeit der Geschichte einem öfters ein Lächeln auf die Lippen.

Der Schreibstil ist sehr leicht und gefühlvoll. Man fliegt nur so durch das Buch, da man ständig wissen möchte, wie es denn weitergeht. Und das, obwohl das Ende ja eigentlich schon von Anfang an klar ist. Ich war wirklich beeindruckt und positiv überrascht. Und trotzdem bleiben die Emotionen beim Leser nicht auf der Strecke! Klasse, wirklich klasse!

Das Ende ist so harmonisch und emotional, dass auch bei mir ein paar Tränen gekullert sind! Der Leser bleibt mit einer inneren Befriedigung zurück, die das Buch im Ganzen total schön abrundet. Das Nachwort haut einen dann nochmal richtig um, da gewisse Bestandteile des Buches auf wahren Begebenheiten beruhen. Ich war am Ende einfach nur noch sprachlos und überwältigt! Für mich ein absolutes Jahreshighlight!

Fazit:
Ein grandioser Schreibstil, der den Leser auf jeglicher Ebene mitreißt. Emotional, schockierend und befriedigend zugleich! Eine traurige, doch schön inszenierte, Geschichte um eine wahre Begebenheit, die damals die Menschen schockierte und es auch heute noch tut. Ein Buch, was zu Tränen rührt! Für mich ein wahres Leseerlebnis und eine absolutes Jahreshighlight! 5/5 Sterne!!!

Veröffentlicht am 24.04.2018

Leider bleibt der Gruselfaktor aus!

Das Böse in deinen Augen
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Der Schreibstil von Blackhurst ist super flüssig lesbar! Dadurch fliegt man nur so durch ihre Bücher und auch wenn Spannung kaum vorhanden ist, verliert man nicht die Lust daran.

Leider habe ich von dem ...

Der Schreibstil von Blackhurst ist super flüssig lesbar! Dadurch fliegt man nur so durch ihre Bücher und auch wenn Spannung kaum vorhanden ist, verliert man nicht die Lust daran.

Leider habe ich von dem Buch etwas mehr erwartet als es mir geben konnte. Vom Klappentext her ging meine Erwartung Richtung „gruselige Atmosphäre“, jedoch war das eher weniger der Fall. Die Spannung war eher seicht bis nicht vorhanden, trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten. Meine Erwartung einer sachlichen Erklärung der Vorfälle wurde mir geliefert, auch wenn sie etwas vorhersehbar war. Trotzdem war es von Anfang an für mich die einzige sinnige Erklärung, daher definitiv ein Pluspunkt!

Die Protagonistin Imogen fand ich anfangs echt unausstehlich! Sie war unsympathisch, handelte total kontrovers und wusste selbst nie so richtig, was sie überhaupt möchte. Mich machte es richtig sauer, da sie selbst ziemlich labil war und trotzdem mit Kindern auf psychologischer Ebene zusammenarbeiten wollte. Ziemlich fatal in meinen Augen, aber nun ja… im Laufe des Buches besserte Imogen sich zu meiner Zufriedenheit. Auch wenn es einen kleinen, aber nachvollziehbaren Rückschlag gab. Trotzdem lernte ich sie ab einem gewissen Zeitpunkt schätzen.

Ellie hingegen hat von Anfang an meine Muttergefühle und den Beschützerinstinkt geweckt. Sie tat mir einfach nur unendlich leid und ich hätte sie am liebsten nur an mich gedrückt! Das „Schaurige“, was von ihr ausgehen sollte, kam leider überhaupt nicht bei mir an. Daher hegte ich von Anfang bis Ende eher nur Sympathie ihr gegenüber!

Die Menschen in Gaunt waren mir daher total zuwider! Sie stellten Ellie oft an den Pranger, jedoch immer hinter vorgehaltener Hand. Die Kinder waren da schon eine ganz andere Hausnummer… (man weiß ja, wie grausam Kinder doch sein können) und das sie sogar teils noch Unterstützung von den Erwachsenen bekamen, hat mir echt das Herz zerrissen. Es ist immer wieder erschreckend, wie Menschen sich verhalten, wenn sie mit Sachen konfrontiert werden, die sie sich nicht erklären können… obwohl es ja doch oft eine sinnige Erklärung gibt!

Speziell Ellies Pflegemutter ist mir bitter aufgestoßen, da ich es unmöglich fand, wie man als „Elternersatz“ sich so verhalten kann! Sie stand nämlich den Dorfbewohnern in nichts nach! Und Imogens Reaktion darauf hab ich echt gefeiert!

Während des Lesens hatte ich immer die Assoziation zu Carrie White von Stephen King im Kopf und fand es daher sehr amüsant, als Imogens Mann den Vergleich aussprach. Denn Anfangs hatte ich echt Angst vor einem Abklatsch von Carrie, jedoch war diese Assoziation von Blackhurst gewollt – klasse!

Das Ende des Epilogs hat es mir leider wieder ein bisschen versaut. Für mich war die Andeutung übers Ziel hinausgeschossen und man hätte es einfach dabei belassen sollen. Aber gut, das ist halt Geschmackssache!

Fazit:

Ein unterhaltsamer Psychothriller, der auch wirklich „Psycho“ beinhaltet!

Alles wird sachlich und sinnig aufgeklärt, auch wenn es etwas vorhersehbar ist. Der Schreibstil macht die fehlende Spannung wett und man fliegt nur so durch das Buch. Blackhurst baut kleine Gags ein, die ziemlich gut zu den Situationen passen.

Schade ist, dass der Gruselfaktor ausblieb und das Ende des Epilogs übers Ziel hinausgeschossen ist. Daher gibt es 3,5/5 Sterne!

  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Geschichte
Veröffentlicht am 09.01.2018

Emotional und bildgewaltig

Das Erbe der Rosenthals
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Schon nach den ersten paar Seiten der Leseprobe, wusste ich, dieses Buch MUSS ich lesen! Der Schreibstil konnte mich mit seichter emotionaler Spannung direkt in seinen Bann ziehen.

Das Erbe der Rosenthals ...

Schon nach den ersten paar Seiten der Leseprobe, wusste ich, dieses Buch MUSS ich lesen! Der Schreibstil konnte mich mit seichter emotionaler Spannung direkt in seinen Bann ziehen.

Das Erbe der Rosenthals war mein erstes Buch, in dem es um die Thematik 2.Weltkrieg ging. Und es wird definitiv nicht das Letzte gewesen sein! Denn der Autor hat die Geschichte so interessant geschrieben, dass ich es regelrecht inhalieren musste.

Wir verfolgen hier zwei „Schicksale“ von Menschen aus zwei Generationen der gleichen Familie. Schnell wird klar, dass die Protagonistinnen Hannah und Anna sehr viele Gemeinsamkeiten in ihren Leben verbinden. Dadurch wirkt auch die sich schnell aufbauende intensive Beziehung, die sich zwischen den beiden entwickelt, authentisch.

Besonders gut gefallen hat mir die Erzählung der Vergangenheit. Hier begleiten wir Hannah und ihre Familie in den Anfängen der Judenverfolgung, kurz bevor der zweite Weltkrieg ausbricht. Die Denunzierung der jüdischen Deutschen und der Hilflosigkeit dieser dagegen, spürt der Leser am eigenen Leib. Wiedermal habe ich mich oft während des Lesens gefragt, wie ich in dieser Situation reagiert hätte.

Auch bei der Ausreise aus Deutschland über das Schiff „St. Louis“, welches die Familie und über 900 weitere Passagiere nach Kuba bringen sollte, glichen viele der angeforderten Auflagen als pure Tyrannei und Willkür!

Das Leben von Hannah auf Kuba fand ich auch sehr interessant. Denn schnell wurde klar, auch hier würden sie immer die „Polacken“ sein und nicht als gleichwertige Bürger aufgenommen werden. Dadurch boten sich speziell im weiteren Verlauf ihres Lebens auf Kuba einige Hürden, die sie bewältigen mussten. Ich war traurig, dass Hannah es nie geschafft hat wirklich glücklich zu werden, obwohl sie es doch so sehr verdient hatte.

Interessant fand ich besonders die Unterschiede zwischen Mutter und Tochter. Hannahs Mutter war, gleich wie Annas Mutter, ziemlich anfällig für depressive Gemütszustände. Und auch der Hass den ihre Familie in Deutschland über sich ergehen lassen musste, blieb bei Hannahs Mutter nicht ohne Folgen. Das sich entwickelnde Verhalten der Mutter auf Kuba schockierte mich sogar teils regelrecht! Deswegen war ich froh, dass Hannah sich nicht von ihrer Mutter hat vergiften lassen.

Annas Geschichte ist für mich eher nebensächlich gewesen. Sie ist auf der Suche nach den Wurzeln ihres Vaters und möchte mehr über ihn erfahren, da er schon vor ihrer Geburt bei 9/11 verstorben ist. Für mich wirkt ihre Geschichte eher als Auflockerung zwischendurch und ist dafür da, dem Leser bewusst zu machen, dass sich Geschichten und Persönlichkeiten innerhalb einer Familie wiederholen können. Hier wird dem Leser ganz stark klar gemacht, dass Anna und Hannah die gleiche Person sein könnten!

Die Passagen in der Gegenwart, in denen Anna auf Kuba ist um ihre Wurzeln zu finden, waren ab und zu etwas zu langatmig für meinen Geschmack. Da es hier auch nicht sehr emotional herging, ließ sich das auch nicht kaschieren.

Generell fand ich die bildgewaltige Darstellung der Geschichte extrem gut! Während des Lesens lief in meinem Kopf ein Film zum Buch mit. Dadurch habe ich die Geschichte quasi bildlich verinnerlicht. Super!

Das Ende war schon ziemlich traurig. Wie immer mal wieder im gesamten Buch musste ich auch hier ein paar Tränchen unterdrücken. Jedoch hinterließ das Ende in mir auch eine gewissen Zufriedenheit. Denn Hannah hatte Frieden mit ihrem Leben geschlossen und das ging auch auf mich über.

Jedoch war das Unterdrücken der Tränen spätestens beim Nachwort für die Katz‘! Denn als ich dieses gelesen habe, fingen die Tränen nur so an zu kullern. Die Vermutung, dass gewisse Aspekte der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen, wurde mir hier nämlich bestätigt. Und zu guter Letzt bekommt man noch Fotos, sowie Dokumente der damaligen Zeit gezeigt, die das Gefühlschaos perfekt werden lassen. Wirklich klasse!

Fazit:

Gut recherchiert, bildgewaltig geschrieben und Charaktere mit Tiefgang! Die Gefühle der Charaktere, wie Angst, Beklemmung und Hilflosigkeit oder auch Erleichterung, sind für den Leser spürbar als wären es seine eigenen. Die schockierenden Fakten, sowie die Extras hinten im Buch, setzen dem ganzen dann noch das i-Tüpfelchen auf! Ein tolles emotionales Buch zum Mitfiebern! Für mich ein Highlight des letzten Jahres! Jedoch ein halber Stern Abzug für die 2-3 etwas langatmigen Passagen.

Von mir gibt es daher 4,5/5 Sterne.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Authentizität
  • Erzählstil
  • Figuren