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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2021

Sehr gut und spannend bis zur letzten Seite

Der Minuteman-Algorithmus
1

Das Buch ging zuerst durch drei Hände und die Empfehlungen meiner Freunde haben mich neugierig gemacht. Ich habe es dann während einer Bahnfahrt quer durchs Land in einem Zug durchgelesen. Es ist spannend ...

Das Buch ging zuerst durch drei Hände und die Empfehlungen meiner Freunde haben mich neugierig gemacht. Ich habe es dann während einer Bahnfahrt quer durchs Land in einem Zug durchgelesen. Es ist spannend geschrieben und ich war die ganze Zeit gut unterhalten.

Der Hintergrund der rätselhaften Story ist wahrscheinlich nicht fiktiv, man findet Parallelen in der Wirklichkeit und muss deshalb keinen Aluhut tragen. Mit "Teen Spirit" werden Seelen gefangen, und konsequenterweise missbrauchen ungenannte Hintergrundmächte elternlose Kinder aus dem Heim, stehlen ihre Persönlichkeiten und lassen sie als Werkzeuge einer bis in den "Outer Space" getragenen Dehumanisierung agieren.

Es ist eine ziemlich komplexe Geschichte mit vielen handelnden Personen, flüssig geschrieben und man behält, trotz der Sprünge zwischen den Ebenen, den Überblick. Man muss allerdings ziemlich wach bleiben, um den Faden nicht zu verlieren, viele Charaktere tauchen auf, einige nur einmal, andere immer wieder. Real sind sie eigentlich alle nicht, kein Wunder, denn die Autorin lässt den Leser bewusst im Unklaren, Unfassbaren, Ungewissen. Alles nur geträumt? Und wenn ja, von wem? Und wer ist der, der den Schlafenden die Träume injiziert, um mögliche Zukunftsszenarien durchzuspielen? Wer derjenige, der das Manuskript verfasst hat? Und wer hat eigentlich all das niedergeschrieben? Ist Kimberly Morrigain ein Alter Ego von Derya Yalimcan?

Gibt es ein Happy End? Eine Erlösung? Nein. Und seltsamerweise stört mich das nicht. Etwas anderes habe ich nicht erwartet.

Es hat mir viel Freude gemacht dieses Buch zu lesen. Und ich würde gern mehr von der Autorin lesen. Aber es scheint ihr Erstlingswerk zu sein, weitere konnte ich nicht entdecken. Ich habe das Buch dann im Bahnhof liegengelassen. Vielleicht freut sich noch jemand daran.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2021

Trivialliteratur auf hohem Niveau – gute Unterhaltung!

DIE BÜCHSE DER PANDORA (Die Ritter des Vatikan 4)
2

Die „Büchse der Pandora“ von Rick Jones ist zwar bereits der vierte Band seiner Reihe „Die Ritter des Vatikans“, aber der erste, der mir in die Hände fiel. (Danke an Lilly, die das Buch dankenswerterweise ...

Die „Büchse der Pandora“ von Rick Jones ist zwar bereits der vierte Band seiner Reihe „Die Ritter des Vatikans“, aber der erste, der mir in die Hände fiel. (Danke an Lilly, die das Buch dankenswerterweise liegenließ.) Da es um Künstliche Intelligenz und selbst lernende Nanobots geht, konnte ich allerdings nicht an mich halten und habe mich kompromisslos in die Lektüre gestürzt. Vierhundert Seiten sind der ideale Stoff für eine der langen Bahnfahrten, auf denen ich die meiste Zeit verbringe.

Unglaublich gut, wie der Autor alle Mythologeme und Verschwörungsmythen meisterhaft miteinander vermengt und den Mythos der Kreuzzüge im Heute wiederauferstehen lässt. Wie der Titel bereits andeutet, spielt die undurchsichtige Macht des katholischen Oberklerus eine entscheidende Rolle. Die Kirchendiener sind die Guten (klar, es geht um den Kreuzzugsgedanken), steht doch vor den Rittern die Aufgabe, die ewige Stadt vor der vollständigen Nivellierung durch die fiesen Robots und ihren finsteren Hintermännern zu bewahren.

Auch die weiteren Klischees stimmen: Die Killerbots werden nicht irgendwo, sondern im Iran entwickelt, im zerklüfteten Gebirgsmassiv, das bereits seit Jahrhunderten zuverlässig die Oberschurken bereitstellt. Wem fiele da nicht Alamut und der Alte vom Berge ein! Und seine Jagd auf die Ritter des Kreuzes. Für mich ist die hier im Handlungsverlauf verpackte dualistische Schlichtheit, das klare Verhältnis von Gut und Böse ein dem Spannungsgeschehen durchaus förderlicher stilistischer Kunstgriff. Für mich Trivialliteratur auf hohem Niveau, gute, spannende Unterhaltung, bei der man als Leser nicht in Zweifel gerät, auf welche Seite man sich stellen soll.

Ich war sogar vor dem Erreichen des Zielbahnhofs durch, durchgehend spannend geschilderte Lektüre. Kimball Hayden hat zuverlässig das Abendland und die Menschheit gerettet. Hoffentlich legt Lilly die Vorgängerbände auch aus. Ich habe mein Buch wieder gut sichtbar am Reiseziel deponiert. Für den nächsten Leser auf Zugfahrt.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2021

Endzeitroman unserer Zeit

BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
3

Stromausfall – das Ende? Wer die seltsame Energiepolitik in Deutschland verfolgt und registriert, wie oft die gesamte Volkswirtschaft knapp am Totalausfall vorbeigeschrammt ist, der kann sich eventuell ...

Stromausfall – das Ende? Wer die seltsame Energiepolitik in Deutschland verfolgt und registriert, wie oft die gesamte Volkswirtschaft knapp am Totalausfall vorbeigeschrammt ist, der kann sich eventuell für die literarische Aufarbeitung interessieren. Marc Elsberg legt mit „Blackout“ einen interessanten Versuch vor, der insgesamt keine schlechte Story präsentiert, auch wenn es mit der Figurenzeichnung teilweise etwas hapert und der Erzählfluss an manchen Stellen ziemlich zäh wird, besonders, wenn der Leser mit einer Fülle technischer Details bombardiert wird, die nicht wirklich wichtig für den Erzählverlauf sind. Da das Thema also brandaktuell ist, war es eine gute Idee, es in Literatur zu transformieren.
Trotzdem, und das ist irgendwie komisch, habe ich das Buch innerhalb von zwei Eisenbahnfahrten verschlungen. Die Landschaft rauschte am Fenster vorbei und ich las vom Blackout und erwartete, dass der ICE abrupt zum Halten käme. Aber nichts passierte, Glück gehabt.
Fazit: Lesenswerte Dystopie für den der nichts anderes zu tun hat. 800 Seiten reichen für längere Bahnfahrten. Am Zielbahnhof habe ich es in einer Mauernische für den nächsten Leser deponiert.

  • Cover
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Veröffentlicht am 05.04.2021

Trotz kunjunktureller Ideologie spannend bis zur letzten Seite

Klima
0

Es ist Ostermontag und die Zeit steht endlich einmal still für mich. Schienengeratter, Weichenstöße, Bahnhofshallenechos – all das ist in den Hintergrund getreten, die Geräuschkulisse des alltäglichen ...

Es ist Ostermontag und die Zeit steht endlich einmal still für mich. Schienengeratter, Weichenstöße, Bahnhofshallenechos – all das ist in den Hintergrund getreten, die Geräuschkulisse des alltäglichen Getriebenseins summt nur ab und an als Erinnerung leise im hintersten Gehörgang auf. Und ich finde endlich Muße, meine Lektüreerfahrungen der letzten Wochen aufzubereiten.

Ich blättere in meinem Notizheftchen ein wenig ratlos hin und her. Die Frage, zu welchem gelesenen Buch ich mich jetzt äußern sollte, habe ich noch entschieden. Oder doch? Die wirren Striche sind es, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ja, das heftige Gekritzel zeigt es an: Hier wurde ein Lesegenuss der Extraklasse memoriert. Es ist ein packender Thriller, auf den ich dank Lesejury aufmerksam geworden bin: „Klima“ von David Klass.

Allein der Titel! Brennendes Problem unserer Zeit oder nur konjunktureller Aufhänger? Das Klima ist die neue Religion. Zumindest wird in der Klimafrage von uns Zeitgenossen bereits ein quasi religiöses Bekenntnis abverlangt, das das Dogma von der drohenden Klimakatastrophe bei Strafe der Exkommunikation in keinen Zweifel stellt. Und wie jede Heilslehre bringt auch die Klimareligion fanatische Anhänger hervor, die für die Erfüllung ihrer Mission aufs Ganze gehen.

Green Man heißt jener verbissene Enthusiast mit globalem Sendungsbewusstsein im Buch, der glaubt, mit terroristischer Radikalität der Ökologie zu ihrem Recht verhelfen zu müssen um auf diese Weise nicht weniger als die Welt vor dem Untergang zu retten. Für die einen, die schon bald nach seinen tollkühnen Aktionen, sich als seine Jünger und Gefolgschaft sehen, ist er die ultimative Kreuzung zwischen dem Messias und Robin Hood, für die anderen schlicht ein Öko-Terrorist, dem schleunigst der Garaus gemacht werden muss. Als Jäger tritt Tom Smith auf den Plan. Der wie sein Gegenpart ebenfalls hochintelligente Datenanalyst des FBI folgt auch bald der richtigen Spur. Doch, und hier wir die Story richtig spannend, hat er recht bald mit innerem Widerspruch zu kämpfen, schüchterne Sympathie und das klammheimliche Verständnis für den Gejagten ringen mit Pflichtbewusstsein und Gesetzestreue.

Der Autor lässt die Zügel seines Erzählens recht frei und gibt uns als Leser die Möglichkeit, unser Wohlwollen beiden Seiten zukommen zu lassen und dem Ausgang des spannenden Duells wechselseitig entgegenzufiebern. Eigentlich ist es weniger das Klimathema an sich, das in dieser rasanten Erzählung in den Bann schlägt, sondern der Zweikampf zweier gleichstarker Kontrahenten, das Ringen und Kräftemessen ebenbürtiger Gegner. Ein wirklich männliches, beinah ritterlich zu nennendes Turnier der Extraklasse.

Ein wenig störend im Gesamtfluss der Erzählung ist die recht ideologiehaltige Besserwisserei und vor allem die karrikaturhafte Beschreibung des Staatspräsidenten, dem ein wenig zu grotesk die Züge des offenbar dem Autor leidlich verhassten DJT verpasst wurden.

Ansonsten jedoch das Fazit: Leute, lest auch dieses Werk.

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