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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2019

Die neue Schulliteratur?

Hinterm Hasen lauert er.
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Colin Hadler ist noch nicht einmal volljährig und hat schon sein erstes Buch veröffentlicht, was drei Reaktionen nahe legt: Neid (Warum er und nicht ich?), Kritik (Der ist doch noch viel zu jung!) oder ...

Colin Hadler ist noch nicht einmal volljährig und hat schon sein erstes Buch veröffentlicht, was drei Reaktionen nahe legt: Neid (Warum er und nicht ich?), Kritik (Der ist doch noch viel zu jung!) oder Stolz auf eine Generation, die sich langsam aber sicher auf dem Buchmarkt präsent wird. Während es junge Autoren normalerweise nur durch entsprechende Popularität bis zur Veröffentlichung schaffen (wenn nicht sogar der Vorschlag zum Buch erst vom Verlag kommt), ist das bei Hadler nicht der Fall, denn hinter seinem Debüt "Hinterm Hasen lautert er" steckt vor allem harte Arbeit aber auch ein Quäntchen Glück.

An den Hauptcharakter des Buches, Finn, muss man sich trotzdem erstmal gewöhnen - vielleicht auch weil er "jugendlicher" ist als die meisten Jugendlichen, die man in Büchern findet und damit viel näher an den Leuten dran, denen man im "wahren" Leben begegnet. Sein Erzählstil ist unterhaltsam, manchmal ein bisschen übertrieben und durch und durch so, wie man es von einem Jungen seines Alters erwarten würden. Da Klappentext und Cover noch nicht all zu viel verraten geht der Leser eher unbedarft an die Geschichte heran und wird so mit jedem Kapitel aufs Neue überrascht, den aus dem harmlosen Jugendroman wird ein richtiger Krimi.

Sprachlich ist der Roman dabei sehr abwechslungsreich, was wohl auch darin begründet liegt dass Finn zwischen Jugendsprache, sarkastischen Bemerkungen und tiefgründigeren Überlegungen hin- und herspringt. Vor allem der Spannungsaufbau der Geschichte ist sehr geschickt gemacht und bannt den Leser so bis zum Schluss. (Wenn man es erstmal über die ersten paar Kapitel hinaus geschafft hat.)

Das wichtigste Element des Romans jedoch sind die Themen, die angesprochen werden, denn Cyberbullying und Konsorten sind präsenter als man glaubt und werden dafür viel zu selten in der Jugendliteratur thematisiert. Gerade deswegen wäre es wichtig, dass viele Jugendliche mit diesem Buch in Kontakt kommen - und die Schule würde dazu einen guten Rahmen bieten.

Insgesamt ist "Hinterm Hasen lautert er" mehr als nur ein Buch von einem 17-Jährigen und auch mehr als nur eine spannende Kriminalgeschichte. Vielmehr ist es ein Spiegel unserer Zeit und zeigt, was für Gefahren entstehen können wenn wir selbst nicht aktiv werden. Deswegen eine absolute Empfehlung an alle geneigten Leser und (schon allein aus Solidarität mit meiner Generation) volle 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Andachten für Naturliebhaber

Hüttenzeit
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In seinem neuen Andachtsbuch „Hüttenzeit” nimmt Autor Daniel Zindel seine Leser mit auf die Alm - und darüber hinaus. Jedes Kapitel widmet sich einem anderen Aspekt des Lebens in der Bergen und selbst ...

In seinem neuen Andachtsbuch „Hüttenzeit” nimmt Autor Daniel Zindel seine Leser mit auf die Alm - und darüber hinaus. Jedes Kapitel widmet sich einem anderen Aspekt des Lebens in der Bergen und selbst wenn man sich weit von den Alpen entfernt aufhält bleibt vieles nachvollziehbar denn schließlich bleibt Natur ja Natur, egal wo man ist. Die Abschnitte sind dabei so angeordnet, dass sie sich über das Jahr verteilen, beginnend mit dem Neujahrsmorgen und endend im tiefsten Winter. So entsteht ein geschlossenes Bild, eine runde Reise für den Leser.

Da sich das Buch nicht, wie manche andere Andachtsbücher, einem konkreten Thema verschrieben hat sondern vielmehr einem konkreten Ort kommt hier eine bunte Bandbreite an Themen zur Sprache. Manches betrifft den Autor selbst, manches ist eher als Rat für den Leser gemeint. Dabei legt Daniel Zindel sprachlich und stilistisch eine erstaunliche Vielfalt an den Tag: So besteht zum Beispiel ein Kapitel aus einem Gesprächsteil eines Telefongesprächs, an anderen Stellen wird der Text anderweitig aufgelockert und generell wird einem beim Lesen nicht langweilig.

Die tiefsinnigen Gedanken aus dem Bergleben wurden u.a. mit tollen Bildern aber auch immer mit Gebeten kombiniert. Diese sollen einen Anstoß geben und vielleicht auch da helfen, wo man nicht wirklich weiß, wie man die Dinge in Worte gewanden soll. Gerade aufgrund dieser geistigen Tiefe lässt sich das Buch jedoch schwer als „großer Happen“ verdauen. Vielmehr empfiehlt es sich, das Buch Stück für Stück zu lesen – vielleicht ein Kapitel am Tag, es geht aber auch weniger.

In „Hüttenzeit“ werden sich vor allem naturverbundene Leser wiederfinden und so könnte es sein, dass einem absoluten Stadtmensch vielleicht doch einiges fremd bleibt, wenn er dieses Buch liest. Trotzdem würde ich es an erwachsene Leser aller Hintergründe empfehlen, denn in dem, wovon Daniel Zindel schreibt, ist sicher für jeden etwas mit dabei.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Ein wirklich erstaunliches Buch!

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Hank Green, Bruder von John Green, YouTuber bei den vlogbrothers und Begründer der Vidcon; ein Autor, dessen Ruf ihm um Meilen vorauseilt und der, unabhängig vom Inhalt seines Buches, automatisch schon ...

Hank Green, Bruder von John Green, YouTuber bei den vlogbrothers und Begründer der Vidcon; ein Autor, dessen Ruf ihm um Meilen vorauseilt und der, unabhängig vom Inhalt seines Buches, automatisch schon Millionen Leser in der Tasche hat - dieser Mann bringt also einen Roman heraus und wagt sich gleich an die ganz großen Themen: Aliens. Verschwörungen. Und die hinterhältige Medienwelt.

"Ein wirklich erstaunliches Ding" ist vieles: Ein Jugendbuch. Science Fiction. Und auch ein bisschen ein Thriller. Aber um all diese Aspekte genießen zu können muss der Leser sich erstmal durch die ersten Kapitel durchkämpfen. Was nicht immer ganz leicht ist. Hat man es jedoch geschafft, lohnt es sich, weiter zu machen. Die Geschichte um April May, die erst so langsam vor sich hin mäandert gewinnt später richtig an Fahrt und wird so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen möchte.

Was mich an diesem Roman besonders begeistert hat war die Kombination aus Verständlichkeit und Wissenschaft. Da werden Werkstoffe entschlüsselt (ein Themengebiet das ich vorher immer als trocken empfunden habe, hier aber spannend wird), Rauchmelder auseinander genommen und programmiert was das Zeug hält ohne dass der Leser gelangweilt wird - und das muss man erstmal hinkriegen.

Der Roman ist ohne Frage spannend und unterhaltsam, mit einem offenen Ende das neugierig auf Folgebände macht. Empfehlen würde ich das Buch jedoch vor allem an Leser mit "Fan"hintergrund (weil man dann automatisch weiterlesen will und wenn es nur ist, um mitreden zu können) und solche, die genug Geduld habe um sich durch einen schwierigen Anfang durchgekämpfen, denn sonst wird der Einstieg ins Buch, meiner Meinung nach, ziemlich schwierig.

Veröffentlicht am 12.12.2018

Heimat kann vieles sein

Heimat
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Spätestens seit der Einführung des "Heimatmuseums" äh "-ministeriums" auf bundesweiter Ebene ist das Thema Heimat in aller Munde - nur dass dabei meistens die Populisten am lautesten sind und ihre Meinungen ...

Spätestens seit der Einführung des "Heimatmuseums" äh "-ministeriums" auf bundesweiter Ebene ist das Thema Heimat in aller Munde - nur dass dabei meistens die Populisten am lautesten sind und ihre Meinungen am meisten gehört werden. Das versucht Ulrich Eggers mit seiner Essaysammlung zu ändern, denn in "Heimat - Warum wir wissen müssen, wo wir zu Hause sind" kommen Leute unterschiedlichster Herkunft zu Wort, die alle in Deutschland eine Heimat gefunden haben. Was das Buch außerdem besonders macht ist seine christliche Perspektive, die den Leser immer wieder daran erinnert, dass sich Heimat nicht (nur) auf der Erde finden lässt.

Woran es definitiv nicht mangelt ist Diversität - Autoren aus Ost und West, Geflüchtete und Third Culture Kids kommen zu Wort und sprechen darüber, was Heimat für sie bedeutet. Unterschiedlich stark fließen dabei persönliche Erfahrungen, Bibelverweise und Geschichten und Erfahrungen anderer mit in die Texte ein.

Wofür das Buch jedoch (aus meiner Sicht) hervorgehoben werden muss ist der Effekt, den es beim Leser hinterlässt. Denn mit dem Thema Heimat muss/ wird sich jeder früher oder später auseinander setzen. Während für den Einen ganz klar ist, was oder wo seine Heimat ist, ist es bei Anderen eher schwieriger und gerade für solche Leute bietet das Buch gute Ansätze und Identifikationsmöglichkeiten - es gibt eben nicht nur die eine Möglichkeit, Heimat zu finden, sondern ganz viele verschiedene Wege und wenn man am Ende trotzdem nicht weiß, wo seine Heimat ist, dann ist das auch nicht schlimm.

Insgesamt ist das Buch sicher nicht etwas für jeden - man muss sich auf das Thema einlassen und auch auf die verschiedenen Perspektiven um wirklich etwas aus der Lektüre mitnehmen zu können. Trotzdem würde ich es rückhaltslos weiterempfehlen - einfach weil ich der Meinung bin, dass es wichtig ist, sich mit "Heimat" und den eigenen Gefühlen dazu zu beschäftigen und weil das Buch die perfekte Gelegenheit dazu bietet.

Veröffentlicht am 10.11.2018

Wunderbar weihnachtlich!

Das Geheimnis der Grays
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Meiner Rezension voranstellen muss ich wohl, dass ich ein absoluter Fan der (neuen alten) Klett-Cotta "Geheimnis" Weihnachtskrimireihe bin. Schon allein die in Stoff gebundenen Cover und die Lesebändchen ...

Meiner Rezension voranstellen muss ich wohl, dass ich ein absoluter Fan der (neuen alten) Klett-Cotta "Geheimnis" Weihnachtskrimireihe bin. Schon allein die in Stoff gebundenen Cover und die Lesebändchen sowie das Coverdesign machen so einiges her, aber auch die Romane selbst sind absolut fantastisch.

Was mich an "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith besonders fasziniert hat ist das Konzept des Buches, denn es spielt sowohl mit dem Wahrheitsverständnis der Leser als auch mit der Kriminalpolizei. Trotz der Tatsache, dass das Buch schon vor fast 100 Jahren erschienen ist wirkt es trotzdem neu und frisch und unterhält ganz hervorragend. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen und vor allem zu Weihnachten stellt es eine hervorragende Lektüre dar.