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Veröffentlicht am 06.05.2018

Auch an den schönsten Urlaubsorten herrscht keine heile Welt!

Madame le Commissaire und die tote Nonne
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Der neue Roman von Pierre Martin spielt, wie auch schon seine Vorgänger, in der Provence und weckt schon allein durch das Cover, viel mehr aber noch durch seinen Inhalt, in jedem normalen Leser das Fernweh. ...

Der neue Roman von Pierre Martin spielt, wie auch schon seine Vorgänger, in der Provence und weckt schon allein durch das Cover, viel mehr aber noch durch seinen Inhalt, in jedem normalen Leser das Fernweh. Am 03. 04. 2018 ist das Buch bei KNAUR erschienen und dank einer Lovelybooks-Leserunde durfte ich es bereits sehr zeitnah lesen!

Worum geht es?

Im Zentrum der Handlung steht Isabelle Bonnet, Sonderermittlerin der französischen Nationalpolizei und darin ziemlich gut. Gemeinsam mit ihrem Assistenten Apollinaire führt sie aus dem kleinen Provence-Städtchen Fragolin Ermittlungen durch und begegnet dabei den absonderlichsten Personen und Kriminalfällen.

Die Geschichte des Romans beginnt in den (wunderschönen) Domaine du Rayol, einem etwa 20 ha großen botanischen Garten an der Mittelmeerküste im Départment Var. Ursprünglich als Tagesausflug mit ihrer besten Freundin geplant gerät Isabelle schnell in die Ermittlungen um den Tod einer Nonne, die sich augenscheinlich von den Klippen zum Meer gestürzt hat. Die Gendamerie geht von Selbstmord aus, Isabelle ist davon jedoch nicht überzeugt und beginnt ihre eigenen Ermittlungen. Dabei führt ihre Forschung sie auf 384 Seiten quer durch das Département und bleibt dabei hochspannend, denn: Was tatsächlich die Ursache für den Tod der Nonne ist, erfährt der Leser erst im letzten Kapitel.

Graphische und rhetorische Gestaltung

Das Cover ist gleich schlicht wie interessant. Zwar hat es (aus der Perspektive des Lesers) recht wenig mit der tatsächlichen Handlung zu tun, jedoch macht es neugierig auf den Inhalt des Buches und da der Mittelpunkt des Coverbilds eine Kirche ist und das Opfer eine Nonne lässt sich ein gewissern Zusammenhang erahnen. Hauptinteresse war vermutlich, die für die Provence so typischen Lavendelfelder mit dem Thema das Buches zu vereinen, was natürlich gelungen ist. Durch die Farbgebung wirkt der Roman weniger bedrohlich und mehr wie eine spannende Urlaubslektüre, so dass vermutlich auch Leser, die normalerweise keine Krimis lesen, zu diesem Buch greifen werden.

Der Schreibstil des Autors ist sehr schlicht und, das sei an dieser Stelle angemerkt, auch wenn der Name anderes vermuten lässt handelt es sich bei diesem Buch um ein deutsches Original und nicht um eine Übersetzung. Sicherlich wäre dadurch sprachlich noch Luft nach oben geblieben, allerdings handelt es sich hier ja doch eher um Unterhaltungsliteratur und dafür war die Sprache etc. genau richtig.

Sehr gut gefallen hat mir eine rethorische Überlegung des Autors: An wichtigen oder selbstverständlichen Stellen wurden immer wieder französische Wörter und Sätze anstelle der deutschen Äquivalenten eingesetzt, was das Buch um einiges realistischer macht und auch eine schöne Atmosphäre erzeugt. So hat der Leser noch mehr den Eindruck, gemeinsam mit den Figuren in der Provence zu sein.

Erzählt wird die Geschichte konstant aus der 3. Person, die Sichtweise bleibt dabei durchgängig bei Isabelle Bonnet.

Meine Meinung

"Madame le Commissaire und die tote Nonne" ist bereits der fünfte Band um die Ermittlerin Isabelle Bonnet. Logischerweise werden dadurch natürlich auch Figuren aus der vorherigen Romanen aufgegriffen: So ergeben Isabelles Beziehungen sicherlich mehr Sinn, wenn man deren Vorgeschichten kennt und auch ein wenig Vorwissen über die Figuren kann nicht schaden.

Ich habe diesen Roman als ersten und damit ohne Vorwissen gelesen - was meiner Meinung nach hervorragend funktioniert hat. Dem Autor ist es geschickt gelungen, Details über die bereits bekannten Figuren in die Geschichte einfließen zu lassen, so dass letztendlich alle Leser auf dem gleichen Stand sind und so kann man getrost auch diesen Band zuerst lesen. Eine Vorwarnung sei jedoch vorangestellt: Der Roman macht Lust auf mehr und den Vorbänden kann man sich nach der Lektüre wahrscheinlich nur schwer entziehen.

Insgesamt hat mich "Madame le Commissaire" auf ganzer Linie überzeugt und Lust auf mehr gemacht. Die Handlung war (für einen Krimi) wenig blutrünstig, dafür aber umso spannender und Isabelle ist ein Charakter, den man vielleicht nicht unbedingt lieben aber dafür umso mehr bewundern muss: Der Elan und die Gewitzheit, mit der sie sich in ihre Ermittlungen stürzt, ist wirklich atemberaubend. Deswegen kann ich das Buch nur weiter empfehlen - an so ziemlich jeden, aber vor allem an die, die gerade wieder das Fernweh plagt!

Veröffentlicht am 01.05.2018

Roman oder Kurzgeschichte?

Das Mädchen, das in der Metro las
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Ich war mir auch nach dem Lesen des Buches nicht wirklich sicher - obwohl Ersteres ja klar und deutlich auf dem Cover steht. Wie ein Roman hat sich dieses Buch jedoch nicht angefühlt, eher wie eine Erzählung ...

Ich war mir auch nach dem Lesen des Buches nicht wirklich sicher - obwohl Ersteres ja klar und deutlich auf dem Cover steht. Wie ein Roman hat sich dieses Buch jedoch nicht angefühlt, eher wie eine Erzählung oder eine Kurzgeschichte. Zu viel bleibt offen, zu wenig Zeit vergeht - und dann stellt sich natürlich wieder die Frage, was einen Roman ausmacht ...

Unabhängig von alledem hat mir das Buch (diesen Titel verdient es auf jeden Fall) sehr gut gefallen - während ich es gelesen habe fühlte ich mich beim Lesen lebendiger als wenn ich es nicht tat und gleichzeitig hat es mich so sehr in Bann genommen, dass ich es gar nicht bei Seite legen konnte. (Wozu ich mich dann jedoch gezwungen habe, um die Leseerfahrung auf zwei Tage auszuweiten.) "Das Mädchen, das in der Metro las" ist ein magischer Text, jedoch nicht so magisch, wie ich zuerst gedacht hatte. Zwar wirken die Bücherverteiler tatsächlich wie eine Art mystische Organisation, könnten jedoch auch einfach so in unsere echten Welt existieren.

Allem voran hat das Buch in mir viele Fragen aufgeworfen, unter anderem auch darüber, ob es prinzipiell jedem Menschen möglich ist, ein passendes Buch zu finden oder ob das doch eher Wunschdenken ist? Ob es überhaupt für jeden ein passendes Buch gibt?

Ich werde das Buch auf jeden Fall auch im echten Leben weiter empfehlen und wer weiß - vielleicht ist es ja für jemanden genau das Buch, was er oder sie braucht oder wonach er oder sie schon immer gesucht hat!

Veröffentlicht am 01.05.2018

Eine Reise in die Vergangenheit!?

Jagd auf El Chapo
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2018 erscheint ein Roman über die Festnahme eines Drogenbarons, der schon seit Jahren in Haft sitzt. Warum ausgerechnet jetzt? Weil am 16. April 2018 (ursprünglich) die Verhandlungen gegen ihn beginnen ...

2018 erscheint ein Roman über die Festnahme eines Drogenbarons, der schon seit Jahren in Haft sitzt. Warum ausgerechnet jetzt? Weil am 16. April 2018 (ursprünglich) die Verhandlungen gegen ihn beginnen sollten. Vor einem US-Gericht, denn schließlich wurde El Chapo auch von einem Spezialagenten aus den US gefasst. Dieser Agent heißt Andrew Hogan und ist Co-Autor dieses Buchs. Gemeinsam mit Douglas Century hat er eine Geschichte veröffentlicht, bei der man vor Staunen den Atem anhält und die beinahe unglaublich scheint.


Worum geht es?
Andrew Hogan ist Spezialagent der amerikanischen Drogenvollzugsbehörde DEA. Nachdem er mit seinem Partner Diego bereits einige kleinere Kriminelle und Drogenhändler geschnappt hat reizt es ihn, weiter nach oben vorzudringen und nicht nur die kleineren Verkaufskreise sondern großräumige Kartelle zu zerschlagen - seine Wahl fällt ausgerechnet auf El Chapo. Der fast schon mystifizierte Drogenbaron aus Sinaloa galt als gefährlichster Drogenboss der Welt und als einer der reichsten noch dazu. Wie soll also ein "einfacher" Agent diesen Mann schnappen?


Der Weg dorthin ist nicht gerade einfach, wird jedoch im Buch sehr detailreich wiedergegeben. Mit viel Witz, Geschick und vor allem Geduld kämpft sich Hogan immer weiter in die Kreise des Kartells vor, so dass man am Ende wirklich sprachlos ist. In diesem Fall ist die Realität noch viel spannender als jeder Kriminalroman.


Graphische und rhetorische Gestaltung


Das Cover ist realtiv simpel gehalten und zieht dadurch umso mehr in seinen Bann. Besonders gut hat mir die simple Farbwahl gefallen - die Schwarz-Weiß-Töne und dazu das knallige Rot wirken spannend und gleichzeitig auch bedrohlich.


Das Buch ist an sich sehr unterhaltsam und spannend geschrieben, allerdings hat es an einigen Stellen unter der Übersetzung gelitten, sprich: Die Grammtik und Wortwahl ist an einigen Stellen nicht so schön wie ich es mir vom Original erhoffe. Inhaltlich wird das allerdings locker wett gemacht und so sieht man gern über diese kleinen Schnitzer hinweg.


Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Andrew Hogan, lediglich das Nachwort ist in dritter Person gehalten und fast die Ereignisse nach der Verhaftung von El Chapo zusammen.


Meine Meinung


Bevor ich das Buch gelesen habe war mir der Name "El Chapo" allerhöchstens vom Hörensagen bekannt und über seine Geschichte usw. wusste ich wirklich gar nichts - vielleicht hat das Buch auch deshalb bei mir so einen starken "Roman"-Eindruck hinterlassen. Positiv kann ich dadurch anmerken, dass sich das Buch auch ohne Vorwissen lesen lässt.


Da ich erst vor kurzem damit begonnen habe, Kriminalgeschichten zu lesen, war dieses Buch perfekt für mich - wenig Blut vergießen, vor allem hervoragende Ermittlungsarbeit und viel Spannung: So wie eigentlich jedes Buch dieses Genres sein sollte.
Fazit


Insgesamt ist "Jagd auf El Chapo" ein absolut gelungener Roman, den ich absolut weiter empfehlen kann und möchte. Das all die Geschichten, die man sonst nur aus Romanen oder Filmen kennt, tatsächlich 'da draußen' passieren und sogar noch viel spannender sind, klingt für mich immer etwas unglaublich - gerade an diesem Beispiel sieht man jedoch, wie wahr es ist. Wer also nach einer spannenden Lektüre sucht (am Besten für den Urlaub in Mexiko :D) der ist hier genau an der richtigen Adresse!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Wichtige Impulse für junge Mädchen!

Du bist ein Gedanke Gottes
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Wie so viele Bücher auf diesem Blog ist auch "Du bist ein Gedanke Gottes" von Nelli Bangert eine Lovelybooks-Leserunden Errungenschaft. Dabei ist es jedoch, von allen christlichen Büchern, die ich von ...

Wie so viele Bücher auf diesem Blog ist auch "Du bist ein Gedanke Gottes" von Nelli Bangert eine Lovelybooks-Leserunden Errungenschaft. Dabei ist es jedoch, von allen christlichen Büchern, die ich von dort aus gelesen habe, mein bisheriger Favorit.

Das Konzept des Buchs ist recht simpel: Nelli Bangert hat sich zu den unterschiedlichsten Themen Gedanken gemacht und entsprechende Andachten geschrieben. Den Andachten vorangestellt ist eine Auftaktseite mit einem passenden Bibelvers, ihnen nachgestellt sind DIYs bzw. kreative Impulse jeglicher Art. So weit, so gut.

Die Zielgruppe sind dabei ganz eindeutig junge Mädchen ab 13 Jahren. Entsprechend wurden die Themen gewählt: Die Suche nach den eigenen Talenten, der Umgang mit Familie und Geschwistern, die Nutzung von Sozialen Medien und (natürlich) auch die Suche nach dem eigenen Traumprinz. An diesem Punkt merkt man deutlich, dass die Autorin viele Erfahrungen in der Jugendarbeit gemacht hat - und das zahlt sich aus.

Anders als andere Bücher sind die Andachten hier nicht nach Überthemen sortiert, sondern bilden eher einen Themenbogen, der zuerst recht oberflächliche Gebiete abdeckt und dann zu immer tiefer gehenden Fragen vordringt. So fühlt sich das Buch an wie ein Roman, der sich inhaltlich aufbaut und hinter einander weg gelesen werden kann. Die Andachten sind unterschiedlich stark auf die vorangestellten Bibelverse/ Bibeltexte allgemein bezogen und bleiben so auch abwechslungsreich - genau wie die kreativen Ideen!

Inhaltlich sind die Andachten sehr konservativ - so wird zum Beispiel der deutsche Äquivalent des "modest clothing" (sprich: bescheidene Kleidung) angesprochen oder auch der hohe Stellenwert der Ehe. Nelli Bangert sieht die Dinge jedoch niemals einseitig - sie beleuchtet Themen von unterschiedlichen Blickwinkeln, macht Mut und gibt den Mädchen auch ganz praktische Tipps mit auf den Weg.

Graphisch ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, denn nicht nur auf dem Cover finden sich viele Illustrationen. Die Farbpalette ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten und lässt junge Mädchen entsprechend neugierig werden.

Die Sprache der Andachten ist recht simpel gehalten, dabei kommt auch der eine oder andere englische Begriff durch, was etwas nervig sein kann, bei der Zielgruppe jedoch wahrscheinlich sehr gut ankommt.

Mich persönlich hat das Buch aus den Socken gehauen und insgeheim denke ich ständig wie gut mir solche Andachten in dem entsprechenden Alter getan hätten. Direkt nachdem ich es gelesen habe, habe ich es meiner kleinen Schwester geschenkt und die war ebenfalls hin und weg - zumindest für sie wird es hoffentlich ein wertvoller Begleiter werden.

Nelli Bangert spricht viele Themen an, über die ich mir selbst schon Gedanken gemacht habe und meist bin ich bereits am Zielpunkt ihrer Gedankenimpulse - ein Buch für ältere Leserinnen wäre da bestimmt nicht schlecht, welches an diesem Punkt ansetzt und die Gedanken weiter führt.

Trotz allem hat mich das Buch nicht unberührt gelassen - so spricht die Autorin zum Beispiel auch das Thema Soziale Medien an und ermutigt die Mädchen dazu, zum Beispiel auf YouTube nach christlichen Inhalten Ausschau zu halten. Das Problem: Da gibt es fast nix. Die meisten Inhalte sind für Kleinkinder oder für Erwachsene, die nach spiritueller Bestätigung suchen. Hier wären Empfehlungen toll gewesen, da ich mich selbst schon länger damit auseinander setze und einfach nichts finden kann - weshalb man dann doch immer wieder zu den gleichen nicht-christlichen YouTubern abrutscht oder man muss komplett in die englische YouTube Szene wechseln.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich kann es nur jedem jungen Mädchen ans Herz legen. Die Autorin führt behutsam an Themen heran, liefert wichtige Denkimpulse und auch tolle Bastelideen. Dabei überzeugt vor allem das dahinter stehende Weltbild, was sich nur schwer an die neuen Generationen vermitteln lässt.

Das Buch eignet sich auch ideal als Geschenk!

Veröffentlicht am 15.04.2018

Ein spannendes Abenteuer!

Das Lied des Nordwinds
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Christine Kabus' neuer Norwegen-Roman ist gerade erst den Druckpressen entsprungen, da durfte ich ihn bereits innerhalb einer Lovelybooks-Leserunde lesen - und war hin und weg. Schon allein der Klappentext ...

Christine Kabus' neuer Norwegen-Roman ist gerade erst den Druckpressen entsprungen, da durfte ich ihn bereits innerhalb einer Lovelybooks-Leserunde lesen - und war hin und weg. Schon allein der Klappentext macht neugierig und mit 620 Seiten kommt das Buch auch nicht gerade schlank daher. Meine zunächst niedrigen Erwartungen wurden positiv überrascht und selbst drei Tage nachdem ich das Buch beendet habe, möchte ich immer wieder danach greifen, um weiter zu lesen, weil mich die Welt des Romans genau wie seine Geschichte unglaublich gepackt hat.

Ausgangspunkt sind zwei sehr unterschiedliche Lebensgeschichten im Jahr 1905: Karoline, aus gutbürgerlichem Haus, hat bereits vor neun Jahren einen Grafen geheiratet, durch den sie sich ein aufregendes Leben erhoffte, doch seitdem versauert sie gemeinsam mit ihren (ihr nicht gerade wohlgesonnenen) Schwiegereltern auf dem Landsitz der Familie in Schlesien. Zu allem Übel wird ihr Mann schwer krank und da ihre Ehe kinderlos geblieben ist, droht der Familienwohnsitz an einen entfernten Verwandten zu entfallen - wenn Karoline nicht noch eine bessere Lösung einfällt.

Livs Leben könnte unterschiedlicher nicht sein. Sie lebt in Norwegen und muss als Hausmädchen den Lebensunterhalt für ihre Familie mitverdienen, nachdem ihr Vater durch einen Arbeitsunfall kein Geld mehr dazu beitragen kann. So gelangt sie in die Missionsschule in Stavanger, wo sie der Familie Treske bei der Versorgung des Haushalts, vor allem aber bei der Sorge um den neun Jahre alten Elias zur Hand geht. Denn der scheint täglich mit seinem Vater aneinander zu geraten und Liv will nichts mehr als ihn zu schützen.

Das Cover des Buches weckt sofort das Fernweh in meiner Brust - der tiefe Fjord mit dem strahlenden blauen Wasser verstrahlt eine ganz besondere Atmospähre. Trotzdem ist es nicht das typische Coverbild für einen historischen Roman, bei dem ja normalerweise eine zeitgemäß gekleidete Frau nicht fehlen darf - weshalb ich das Buch überhaupt erst gelesen hab. Obwohl es vielleicht inhaltliche einer von vielen solchen Romanen sein mag, wirkt er äußerlich frisch und macht neugierig auf mehr.

Die Sprache des Buchs ist nicht zu hochtrabend, aber auch nicht zu simpel. Immer wieder finden sich norwegische Sätze und Lieder, die im Anschluss übersetzt werden, was dem Buch ein tolles Flair verleiht. Schön fand ich auch, dass der Wortlaut und der damalige Wortgebrauch überein stimmen - so hat mir jede "Mördergrube" (entgegen der Bedeutung des Wortes) ein Grinsen entlockt.

Erzählt wird aus der dritten Person abwechselnd von Liv und Karoline. Ein wie ich finde sehr gut gelungenes Element sind außerdem die Briefe von Karoline an eine Schulfreundin, die zwischendurch immer wieder eingebunden sind und die Geschichte gut voran bringen.

"Das Lied des Nordwinds" schließt sich inhaltlich an Christine Kabus' davor veröffentlichten Roman "Das Geheimnis der Mittsommernacht" an. Dort lernt man bereits einige der Charaktere aus diesem Roman kennen. Ich persönlich bin ohne diese Vorkenntnisse an das Buch herangegangen und habe mich hervorragend zurecht gefunden - allerdings bin ich jetzt, nach der Lektüre, sehr neugierig auf den Vorgängerband.


Wer es dem bisherigen Text noch nicht entnommen hat, für den sage ich es hier nochmal klar und deutlich: Ich war begeistert! (Und das vollkommen wieder erwarten, so hart das auch klingen mag.) Die Geschichte hat mich, nachdem ich erst gar nicht wirklich mit dem Lesen beginnen wollte, vollkommen gepackt und ich konnte das Buch schon bald nicht mehr aus der Hand legen. Tatsächlich geht es so weit, dass ich Nachts von diesem Buch träume und morgens unbedingt weiter lesen will, obwohl ich den Roman schon längst beendet habe. Kurz: Ich bin vollkommen verzaubert!

Aspekte, die es mir besonders angetan haben, sind unter Anderem der gut durchdachte Plot, der auf allen Ebenen wunderbar funktioniert und auch Stellen, die normalerweise langweilig oder plump werden, gut umschifft.

Toll fand ich außerdem, dass Liv trotz all der Wirrungen um sie herum ihrem Glauben treu bleibt und dass über dieses Thema auch kein schlechtes Wort fällt. Für mich als Christin toll zu lesen!

Ein für mich vollkommen neues Thema war die Unabhängigkeitsbewegung in Norwegen, über die in diesem Buch viel berichtet wird - wenn es auch, genau wie andere Sachen, eher nebenbei passiert und dadurch umso neugieriger macht.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich nach einem Abenteuer sehnen. Natürlich handelt es sich, wenn auch nicht primär, um einen Frauenroman deswegen muss/ darf mit entsprechenden Szenen und Themen gerechnet werden, jedoch steht die tatsächliche Geschichte dabei stets im Vordergrund und alles andere passiert nur so nebenbei. Wer sich also von so etwas nicht abschrecken lässt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.