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Veröffentlicht am 27.08.2020

Herzzereißende, gefühlvolle Dreiecksgeschichte

Bring Down the Stars
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Nach einer gescheiterten Beziehung will Autumn sich eigentlich nicht mehr auf Männer einlassen, doch dann lernt sie am College Connor kennen. Gleichzeitig stößt sie auch auf Connors Freund Weston, der ...

Nach einer gescheiterten Beziehung will Autumn sich eigentlich nicht mehr auf Männer einlassen, doch dann lernt sie am College Connor kennen. Gleichzeitig stößt sie auch auf Connors Freund Weston, der erst etwas unnahbar wirkt. Aber im Laufe der Zeit, während Autumn eine Beziehung mit Connor versucht, baut sie auch eine Verbindung zu Weston auf. Was sie nicht ahnt, ist, dass Connor Weston um Hilfe gebeten hat und die schönen Nachrichten und Gedichte an Autumn gar nicht wirklich von Connor stammen.

Die beiden Freunde verstricken sich immer weiter in ein Netz aus Lügen, doch eine unbedachte Entscheidung von Connor macht schließlich alles noch viel schlimmer ...



Mein erstes Buch von Emma Scott und ich kann verstehen, wieso ihre Bücher so viel Anklang finden! Ich wurde während des Lesens ganz gefühlsduselig und hab die ganze Zeit gehofft, gebangt, mich geärgert und mit den Protagonistinnen mitgefiebert. Sie alle sind sympathisch und ihre Beweggründe nachvollziehbar. Aber Weston übertrifft einfach alles und die Momente zwischen ihm und Autumn haben sich immer weiter in mein Herz geschlichen und sich ganz fest darin eingenistet. schmacht* Ich fand Connor manchmal etwas trampelig/unsensibel, aber im Grunde ist auch er ein guter, angenehmer, loyaler Mensch und das machte dieses Dreieck noch viel schwieriger und schmerzhafter – sowohl für die Charaktere als auch für mich zu lesen.

Mich hat nur ein bisschen gestört, wie naiv oder blind Autumn manchmal war, denn teilweise war der Kontrast der angeblichen Nachrichten von Connor und seinem tatsächlichen Auftreten sooo extrem, dass ich mir an die Stirn gefasst hab, wie sie nicht merken kann, dass da was faul ist! (Okay, ich hatte ja auch die Hintergrundinfos, aber trotzdem hätte sie viel misstrauischer werden müssen.)

Emma Scotts Schreibstil ist wirklich sehr angenehm, man kann es gut „runterlesen“, also nicht zu anspruchsvoll, aber gerade richtig, mit den richtigen Formulierungen und Worten, um mich an die Seiten zu fesseln.

Bring down the stars hat mein Herz gestohlen und mich völlig entsetzt mit einem dramatischen Cliffhanger zurückgelassen. 5/5 Sterne. Band 2 liegt bereit und ich bete für ein Happy End!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2020

Überzeugender Quest-Roman. 4,5 Sterne

Die Überlieferung der Welt
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Laelia hält sich und ihre Familie mit Taschendieben über Wasser, was aber schon bald nicht mehr gut geht, da sie von Nero, dem kriminellen Oberhaupt der Gegend, eine mehr als deutliche Warnung bekommt. ...

Laelia hält sich und ihre Familie mit Taschendieben über Wasser, was aber schon bald nicht mehr gut geht, da sie von Nero, dem kriminellen Oberhaupt der Gegend, eine mehr als deutliche Warnung bekommt. Nur mit Hadrians Hilfe, eigentlich Handlanger von Nero, kann sie fliehen. Sie treffen auf einen mysteriösen Seher, der von einer wichtigen Mission spricht und versucht fünf ganz bestimmte, magisch Begabte aus allen Regionen der Neuen Götterlande einzusammeln, bevor es zu spät ist. Laelia und Hadrian sind zwei davon. Eine abenteuerliche Reise beginnt, bei der sie mehr als nur einen Feind auf den Fersen haben …
Ein wahnsinnig tolles Debüt wie ich finde. Die Welt ist eine sehr interessante – die Aufteilung der Regionen nach den Göttern, jede Region für eine andere Fähigkeit bekannt: Seher, Lauscher, Heiler, Schattentänzer, Blutende. Generell das Konzept von Magie find ich spannend gemacht, wie sie vererbt wird, wie sie sich äußert etc. Dazu gibt’s noch ein Königshaus und die kriminelle Unterwelt. Das ist eine super Grundlage und sie wird meiner Meinung nach auch gut umgesetzt. Abgesehen vom guten Aufbau der Welt gefallen mir die Charaktere, ihre Dynamik, die verschiedenen Perspektiven, die eingenommen werden, um mehr Überblick zu verschaffen, und der Schreibstil. Die Ausdrucksweise und die Wortwahl ist wirklich sehr ansprechend. Die Autorin kann gut formulieren und das Buch liest sich flüssig. Es kommt auf den Punkt, verzichtet aber auch nicht auf Ausführungen, da wo sie nötig und gut sind.
Für mich ein rundum gelungenes Buch mit einem Kritikpunkt: An mancher Stelle hätte es für mich ein wenig ausführlicher sein können. Das betrifft z.B. die Gespräche zwischen den Protagonist*innen – da hätte durchaus mehr Interaktion kommen können, um die Gruppendynamik noch besser zu beleuchten und mehr Fragen, Vermutungen über ihre Mission und die Welt reinzubringen –, aber vor allem das Ende. Das kam für mich sehr plötzlich und ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu abrupt gewesen; die Mission kam am Ende ein wenig zu kurz. Aber das geht zurück auf meinen persönlichen Wunsch für ein abgeschlossenes Ende. Es steht außer Frage, dass auch das Ende gut geschrieben ist und ein Sinn dahinter steckt.
Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2020

Über die Macht der Sprache

Sprache und Sein
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Wie beeinflusst uns Sprache unsere Sicht auf die Welt, unsere Einstellung? Was kann Sprache auslösen? Was für Auswirkungen hat Sprache auf unser Sein und auf andere Menschen?

Diesen Fragen widmet sich ...

Wie beeinflusst uns Sprache unsere Sicht auf die Welt, unsere Einstellung? Was kann Sprache auslösen? Was für Auswirkungen hat Sprache auf unser Sein und auf andere Menschen?

Diesen Fragen widmet sich Kübra Gümüsay in ihrem Buch. Sie geht der Sprache als Solches auf den Grund, macht Unterschiede deutlich, zeigt unser aller Grenzen auf, schafft ein Bewusstsein für unser Handeln und unsere Worte.
Sie zeigt, wie selbst un- oder unterbewusst Äußerungen zu Diskriminierung in unserer Gesellschaft beitragen. Sie greift Beispiele aus ihrem und aus den Leben anderer auf. Teilt Erfahrungen. Sie gibt keine geradlinigen Lösungen, die gibt es auch gar nicht, aber sie weist einen Weg, den man gehen kann und sollte.
Und das alles ohne die Leserinnen anzuklagen, ihnen was vorzuwerfen. Sie sagt wie es ist und wie es sein könnte und was dafür getan werden muss. Und öffnet dabei unsere Augen. Auch wenn vieles nicht ganz neu war für mich, hat doch das Buch geholfen, meine Perspektive nochmal zu erweitern, sensibler für das Thema und die Macht von Sprache zu werden. Denn manchmal ist uns nicht klar, wie eingeschränkt unsere Perspektive ist und so sehr ich mich bemühe, ich sehe von meiner privilegierten Position aus vieles nicht in seiner Ganzheit. Umso wichtiger, dass man offen dafür ist, dazuzulernen. ‚Sprache und Sein‘ ist ein Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte.
Es ist gut strukturiert, geht vom großen Ganzen ‚Sprache‘ aus immer zielgerichteter ins Detail. Die Autorin kombiniert Wissenschaftliches, Gedanken, Erfahrungen. Es ist ein Sachbuch, aber zu keiner Zeit trocken, sondern eindringlich lehrreich. Ich für meinen Teil habe einiges dazugelernt, und das ist doch immerhin der erste Schritt.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.07.2020

Gelungene Adaption einer grandiosen Satire

QualityLand
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„Wer sich für OneKiss anmeldet, bekommt fortan alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, zugeschickt, ohne sie bestellen zu müssen. Das System errechnet für jeden Kunden eigenständig, was ...

„Wer sich für OneKiss anmeldet, bekommt fortan alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, zugeschickt, ohne sie bestellen zu müssen. Das System errechnet für jeden Kunden eigenständig, was er will und wann er es will. Von Anfang an war der Slogan von TheShop: WIR WISSEN, WAS DU WILLST!“

Willkommen in der Zukunft, willkommen in Qualityland. Wo der Mensch nicht mehr denken braucht und die Technologie das wichtigste Lebenselexier zu sein scheint.
In „Qualityland“ begleiten wir Peter Arbeitsloser, einen Bewohner der Unterschicht. Der führt ein eher trostloses Leben in einem Land, das vor Innovation nur so sprüht und in dem alles von Algorithmen vorgeschrieben wird. Aber irgendwie hat Peter das Gefühl, das System ist nicht ganz so perfekt wie es tut. Immerhin begegnet er als Maschinenverschrotter einigen Robotern mit Fehlfunktionen ...

„Qualityland“ ist großartige Satire und spielt in einer Zukunft, die sich wohl näher an unserer Zeit befindet als uns lieb ist. Als Roman gibt es die Geschichte schon länger, und der gleiche bittere Humor ist auch in der Graphic Novel zu finden. Mit viel Geschick und Einfallsreichtum kritisiert Marc-Uwe Kling unsere Gesellschaft, indem er das, wofür wir schon die Grundlagen haben, auf die Spitze treibt. Dabei finden Themen Beachtung wie Onlinehandel und Konsum generell, Berichterstattung, Umgang mit Social Media, Dating Apps, Politik und gesellschaftliche Hierarchien. Es ist pures Lesevergnügen, lässt einen aber auch etwas gruseln und über unsere heutige Gesellschaft nachdenken – zurecht.

Die Umsetzung als Graphic Novel finde ich gut gelungen. Die Bilder sind bunt und abwechslungsreich, ohne überladen zu wirken. Sie verbildlichen gut die Gesellschaft von Qualityland, die immer ein bisschen zu viel des Guten ist. Aber bei ruhigeren oder privaten Szenen sind die Farben weniger bunt und wild. Ich find das sehr angenehm, dass die Farbgebung zu den jeweiligen Szenen passt. Auch gefällt mir, dass die Mimik der Charaktere sehr lebendig ist.
Die Kapitel werden immer wieder unterbrochen – von Werbeanzeigen, Infotafeln oder auch mal Börseninfos. So bekommt man einen Überblick über die Welt an sich, was nicht alles in der Hauptstory selbst thematisiert werden kann. Da hatte ich am Anfang so meine Zweifel, wie man das alles unterkriegen will. Denn um Qualitland als Gesellschaft an sich zu verstehen, braucht man schon ziemlich viele Informationen. Und die alle in einer Graphic Novel unterzubringen, ist eine Herausforderung. Durch die Einschübe fand ich das aber gut gelöst. Teilweise finde ich die Bilder immer noch sehr überladen mit Text, was sie an der ein oder anderen Stelle in den Hintergrund rücken lässt. Aber da kann ich drüber hinwegsehen, weil es da dann einfach nötig ist.

So schafft es die Graphic Novel trotz ihres Formats den Leser*innen die ganze Welt vorzuführen. Mir hat das Lesen absolut Spaß gemacht und ich kann Qualityland nur jedem ans Herz legen. Ich freue mich, auf die Fortsetzung (denn das hier ist Band 1.1 des Romans).

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 04.06.2020

Absolut fesselnd, mit Vorahnungen. Keine Liebesgeschichte!

Follow Me Back
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Tessa kann ihr Zimmer nicht verlassen. Seit einem schrecklichen Vorfall hat sie Angst vor der Außenwelt. Ihre einzige Verbindung nach draußen ist Twitter, wo sie mit ihrem Account @TesseHeartsEric ihre ...

Tessa kann ihr Zimmer nicht verlassen. Seit einem schrecklichen Vorfall hat sie Angst vor der Außenwelt. Ihre einzige Verbindung nach draußen ist Twitter, wo sie mit ihrem Account @TesseHeartsEric ihre „Liebe“ zu Popstar Eric Thorn mit anderen Fans teilt.
Eric Thorn ist super erfolgreich und hat zahlreiche Bewunderer. Man könnte meinen, er hat alles was er braucht. Aber auch er ist unglücklich, denn seine Privatsphäre ist gleich Null und auch er hat Angst – seit einem Vorfall, der einem Kollegen passiert ist.
Die beiden lernen sich über Twitter kennen, ohne dass Tessa weiß, wer er wirklich ist. Sie kommen sich näher und ihre Beziehung wird immer intensiver, bis sie geradewegs in eine Katastrophe schlittern ...



Wow. „Follow me back“ hat mich absolut gefesselt. Von der ersten bis zur letzten Seite bekommt man eine ordentliche Portion Spannung und man möchte wissen, wie es weitergeht und was sich zwischen den beiden entwickelt. Außerdem gibt es immer wieder vage Hinweise darauf, was Tessa zugestoßen ist, die einen neugierig machen (aber auch etwas gruseln lassen, weil man eine Vorahnung bekommt). Zudem gibt es kurze Zwischenkapitel, die nach der Katastrophe, in die Eric und Tessa verwickelt werden, spielen. Die verraten nie zu viel, aber sorgen auch dafür, dass man an den Seiten klebt.
Der Plot ist (für mich) mal was neues und die Geschichte gut durchdacht. Es ist keine richtige Liebesgeschichte, wie man beim Kauf vielleicht denken könnte, das Buch hat schon ziemliche Thriller-Elemente, wenn auch nicht superdüster oder blutig o.ä. Aber die Beklemmung ist eindeutig da. Ein absoluter Page-Turner und ich mag diese Mischung aus „man bekommt Hinweise darauf, was passiert/passiert ist“ und „bis zum letzten Ende gibt es Wendungen, die einen in die Irre führen und man wird beim Schluss echt überrascht“.


Ich kann verstehen, dass manche Leser*innen von den Protagonisten nicht so überzeugt waren, weil diese verhältnismäßig sehr blass bleiben. Man erfährt wenig über sie als Personen, ihre Charaktereigenschaften, ihre Lebensumstände. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Vorantreiben der Handlung, nicht auf dem Charakter-Ausbau. Das kann stören und ist etwas schade, aber es hat trotzdem nichts daran geändert, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Und deswegen gibt es von mir gerade so 5/5 Sterne – unter kleinem Vorbehalt, dass ich mir mehr Tiefgang bei den Personen gewünscht hätte.
Aber ich hab mir sofort Teil 2 bestellt, weil ich wissen will, wie es weitergeht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere