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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2019

Nicht nur für Fans lesenwert

Das Leben ist großartig – von einfach war nie die Rede
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Nachdem ich das erste Buch von Gaby Köster über ihren Schlaganfall gelesen hatte, war ich von ihrem ungebrochenen Lebensmut und ihrem unvergleichlichen Humor begeistert. Genau dieses Gefühl hat sie bei ...

Nachdem ich das erste Buch von Gaby Köster über ihren Schlaganfall gelesen hatte, war ich von ihrem ungebrochenen Lebensmut und ihrem unvergleichlichen Humor begeistert. Genau dieses Gefühl hat sie bei mir auch mit ihrem Nachfolgeband ausgelöst. Schon nach den ersten Seiten, konnte mich ihr schnodderiger Schreibstil, mit dem man ihre Stimme unmittelbar im Kopf hört, wieder in seinen Bann ziehen. Ihre kölsche und manchmal ungewöhnliche, aber sehr anschauliche Ausdrucksweise ist ihr Markenzeichen und so erkennt man ihre unverwechselbare Art auf jeder Seite wieder.

Sie packt die Herausforderungen, die das Leben ihr bieten an, ohne groß darüber nachzudenken oder zu jammern, beschreibt aber auch ehrlich die Probleme, die ihr Handicap mit sich bringen. Ich bewundere ihre positive Einstellung, die sie sich trotzdem bewahrt hat und allen Mut macht, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Natürlich kommen aber auch die lustigen Sprüche von ihr nicht zu kurz, über die ich mich herrlich amüsieren konnte.

Mir hat besonders gut gefallen, wie sie das Verhältnis zu ihrem Sohn beschreibt und ihre Gefühle, als sie ihn ziehen lassen musste. Man spürt die tiefe Verbundenheit, den gegenseitigen Respekt und die Liebe zueinander. Auch wie offen sie über viele private Dinge berichtet hat mich überrascht und gefreut, denn man sieht hier den Menschen, mit dem man sich verbunden fühlt und nicht nur eine aus den Medien bekannte Persönlichkeit.

Ein sehr bewegendes, interessantes und humorvolles Buch, das nicht nur für Fans lesenswert ist.

Veröffentlicht am 14.10.2019

Historische Thematik lebendig verpackt

Die Täuferin
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Die Geschichte um die Täuferin Kristina beginnt 1517 in einem kleinen Dorf in Böhmen. Dorthin hat sie sich geflüchtet, nachdem ihre gesamte Familie als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Unter ...

Die Geschichte um die Täuferin Kristina beginnt 1517 in einem kleinen Dorf in Böhmen. Dorthin hat sie sich geflüchtet, nachdem ihre gesamte Familie als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Unter Gleichgesinnten und von der übrigen Welt unbehelligt, lebt sie dort sicher und arbeitet an dem gemeinsamen Ziel, möglichst vielen Menschen das Lesen beizubringen und eigene Bibeln zu drucken. Sie verliebt sich in ihren Lehrmeister Berthold und willigt ein, seine Frau zu werden. Mit einer kleinen Gruppe ihres Dorfes ziehen sie nun in Richtung Mainz, um dort ihr Werk fortzuführen. Unterwegs geraten sie in eine Kriegsschlacht gegen die Türken und werden selbst zu Gefangenen. Der Anführer der Bauernkrieger Lud beschützt sie und ihre Leute, die als Ketzer erkannt, nirgendwo mehr sicher sind...

Mir persönlich waren die sogenannten Ketzer und ihre Ziele bisher unbekannt. Deshalb fand ich es sehr interessant, zu lesen, dass sie unter Anderem gegen die Kindstaufe waren, da jeder Mensch, das Recht haben sollte, frei darüber zu entscheiden, ob und wann er getauft werden möchte. Ebenso die geistige Sklaverei durch die Priester, die sich das alleinige Recht herausnahmen, die Bibel zu interpretieren, wie es ihnen passte, war mir vorher nicht so bewusst. Deshalb war das Lesenlernen auch nur dem Klerus und dem Adel vorbehalten und jeder aus dem gemeinen Volk, der das konnte, war verdächtig.

Diese Thematik in einen lebendigen Roman zu verpacken, finde ich sehr gelungen, nur waren mir manche Beschreibungen und Dialoge zu ausführlich und erzeugten Längen. Über jedem Kapitel steht der Name des Charakters, aus dessen Sicht gerade erzählt wird. Das finde ich sehr hilfreich, um sich in die einzelnen Personen hineinzuversetzen. Allerdings habe ich das bei Berthold vergeblich versucht. Er blieb einfach zu blass und die Beziehung zu seiner Frau Kristina wurde viel zu wenig beleuchtet, um seine Handlungsweise zu verstehen. Da hätte ich mir mehr gewünscht.

Im weiteren Verlauf der Handlung erfährt man nebenbei noch Wissenswertes über den Buchdruck bzw. die Herstellung von Büchern. Ebenso erstaunt hat mich, das es wohl schon zu dieser Zeit bei den orientalischen Völkern ein Wissen über die Wirkung von Pockenschutzimpfungen gab.

Ein Personenverzeichnis sowie eine Karte der Handlungsschauplätze am Anfang des Buches erleichtern die Orientierung und kurze, historische Anmerkungen veranschaulichen die zu dieser Zeit herrschenden Verhältnisse.

Insgesamt ist das Buch interessant zu lesen, wobei man erwähnen muss, dass es der Beginn einer Reihe ist und somit das Ende offen bleibt.

Veröffentlicht am 14.10.2019

Zeitgemäßer Geschwisterzoff

Tapper Twins - Ziemlich beste Feinde
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Schon nach den ersten Seiten war ich ganz gefangen in diesem fesselnden Streit zwischen den Zwillingen. Leni und Ben schaffen es, aus nichtigen Kleinigkeiten einen wahren Krieg unter sich zu entfachen, ...

Schon nach den ersten Seiten war ich ganz gefangen in diesem fesselnden Streit zwischen den Zwillingen. Leni und Ben schaffen es, aus nichtigen Kleinigkeiten einen wahren Krieg unter sich zu entfachen, in den sie auch ihr Umfeld rücksichtslos hineinziehen. Der Geschwisterzoff schaukelt sich im Laufe der Zeit dermaßen hoch, dass zum Schluss sogar die Polizei hinzugezogen werden muss. Dabei bleiben sie trotzdem liebenswerte Kinder, deren alltägliche Sorgen und Befindlichkeiten man gut nachvollziehen kann.

Das Buch ist sehr ansprechend und aufgelockert gestaltet. Die großen Zeilenabstände, Fotos, Zeichnungen und Chatprotokolle sorgen für leichte Lesbarkeit und viel Abwechslung. Es ist von Leni in Form einer Chronik der Ereignisse geschrieben, die auch Ben und die anderen Protagonisten zu Wort kommen lässt. So erfährt man, wie die Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln wahrgenommen wurden.

Obwohl man ab und zu über die Racheaktionen der Zwillinge schmunzeln kann, wird hier doch ein ernstes und modernes Thema, das Cybermobbing, ohne erhobenen Zeigefinger behandelt. Man erfährt, wie sich das Opfer fühlt und wie der/die Täter dazu gekommen sind. So werden den Lesern ganz elegant und anschaulich wichtige Lebenslektionen vermittelt. Deshalb könnte ich mir dieses Buch gut als zeitgemäße Pflichtlektüre (die auch noch Spaß macht) an Schulen vorstellen.

Die Geschichte von der kleinen Ursache mit großer Auswirkung hat mir als Erwachsene auch sehr viel Freude bereitet und ich kann es für ältere Kinder und Teenies uneingeschränkt weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 10.10.2019

Aktuelles Thema spannend verpackt

Zersplittert
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Die Handlung des zweiten Teils fängt bereits wieder sehr eindrucksvoll mit einer wichtigen Schlüsselszene an, die genau an das Ende des ersten Teils anschließt.
Kyla konnte sich gegen Wayne wehren, der ...

Die Handlung des zweiten Teils fängt bereits wieder sehr eindrucksvoll mit einer wichtigen Schlüsselszene an, die genau an das Ende des ersten Teils anschließt.
Kyla konnte sich gegen Wayne wehren, der sie bedroht hat, obwohl Slater eigentlich keine Gewalt anwenden können. Und auch ihr Levo, zeigt nicht das an, was es sollte, wenn sie sich in einem solchen Zustand befindet. Nun hat sie Angst, dass die Lorder sie finden und mitnehmen. Außerdem erinnert sie sich an eine besondere Bedeutung, die der Regen für sie hat, doch welche genau das ist, entgleitet ihren Gedanken vorerst noch... Nach und nach bekommt Kyla immer mehr von ihrem Gedächtnis zurück, obwohl das bei Slatern nie der Fall sein sollte. Damit erhält der Leser auch Stück für Stück immer mehr Informationen über ihre Vergangenheit, an die sie sich, als ein Mädchen namens "Lucy", zurückerinnert. Damals wurde ihre Hand zertrümmert und man fragt sich, was der Mann namens Nico damit zu tun hat, den sie in ihren Flashbacks sieht. Dieser ist nun in ihrem jetzigen Leben ihr Lehrer!
Mir gefällt an der Art des Buches vor Allem, dass es nicht so viele brutale Actionszenen gibt und mehr auf die Gefühlswelt der Charaktere eingegangen wird. Ebenso ist die Atmosphäre eher von rätselhaften Ereignissen geprägt, die Kyla beschäftigen.
Kyla und auch ihre neue Adoptivmutter sind zwischen ihren Gefühlen geliebten Menschen gegenüber und dem Kampf gegen das totalitäre Regime der Lorder, hin- und hergerissen. Spannend ist auch, wem man überhaupt noch trauen kann, welche Freunde sich als Verräter entpuppen und ob man wirklich um jeden Preis terroristischen Widerstand leisten sollte. Diese Fragen stellt sich nicht nur Kyla, sondern auch der Leser. Man fragt sich, wie man selbst handeln würde, wenn man in dieser Situation wäre und deshalb lässt einen dieses Buch auch nach dem vorläufigen, offenen Ende nicht so schnell wieder los!
Viele Fragen werden diesmal geklärt, doch es bleibt noch genügend Stoff für einen weiteren Teil. Ein schwieriges und auch in unserer Zeit aktuelles Thema, das in eine spannende Rahmenhandlung verpackt ist und in einem mitreißenden Schreibstil präsentiert wird. Für mich gehört diese Dystopie zu den Besten aus diesem Genre!

Veröffentlicht am 04.10.2019

Abenteuerlustige Nager mit berühmten Vorbildern

Die Muskeltiere
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Die Geschichte der "Muskeltiere", einer dicklichen Feinkostladenmaus, die nach und nach noch eine weiße Ratte mit Gedächtnisverlust, eine mutige Kneipenmaus und einen abenteuerlustigen Hamster kennenlernt, ...

Die Geschichte der "Muskeltiere", einer dicklichen Feinkostladenmaus, die nach und nach noch eine weiße Ratte mit Gedächtnisverlust, eine mutige Kneipenmaus und einen abenteuerlustigen Hamster kennenlernt, ist lustig, spannend und abwechslungsreich zu lesen.

Allerdings bin ich immer wieder über die komplizierten, französischen Käsenamen gestolpert (die sie sich selbst gegeben haben) in Anlehnung an die berühmten Musketiere, die ja auch französische Namen haben. Ich kann mir vorstellen, dass es Kindern schwer fällt, hier die Übersicht zu behalten. Vor Allem, weil man zwei der Freunde zuerst unter ihrem ursprünglichen Namen kennenlernt.

Trotzdem macht es Spaß die temporeichen Abenteuer mitzuerleben und die liebevollen Zeichnungen auf fast jeder Seite machen das Geschehen gut vorstellbar. Besonders haben es mir die kleinen Details angetan, die für eine authentische Welt aus der Mausperspektive sorgen, wie z.B. das Schwammbett, die Briefmarken als Wandschmuck oder die Plastikdegen, die eigentlich Cocktailspießchen sind.

Außerdem wird hier so ganz nebenbei der Wert der Freundschaft, die über alle Grenzen hinweggeht, vermittelt. Egal ob man Maus, Ratte oder Hamster ist, man kann alles erreichen, wenn man zusammenhält!

Das Buch ist zum Vorlesen oder für ältere, lesesichere Kinder sehr zu empfehlen und wirklich ein Erlebnis, was auch Erwachsenen Freude macht.