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Veröffentlicht am 17.11.2025

Auf der Suche nach Wahrheit, Vergangenheit und Identität

Töchter der verlorenen Heimat
3

1961: Paula arbeitet als Ärztin an einer renommierten Klinik. Sie musste hart kämpfen, um in der Welt der Männer anerkannt zu werden. Trotzdem wird sie bei Beförderungen immer übergangen. Während erneut ...

1961: Paula arbeitet als Ärztin an einer renommierten Klinik. Sie musste hart kämpfen, um in der Welt der Männer anerkannt zu werden. Trotzdem wird sie bei Beförderungen immer übergangen. Während erneut ein Kollege bevorzugt wird, beginnt sie, ihr Leben und ihre Zukunft in München infrage zu stellen.
Als der Großvater stirbt, überzeugt sie ihre Mutter Johanna, zur Beerdigung in deren Südtiroler Heimatdorf zu fahren. Doch sie sind nicht willkommen und stoßen auf eine Mauer des Schweigens.
Paulas Suche nach ihren eigenen Wurzeln deckt ein streng gehütetes, düsteres Familiengeheimnis auf, das weit in die Vergangenheit reicht und ihre eigene Zukunft entscheidend zu verändern droht.
Paula lebt in einer Zeit, in der arbeitende Frauen selten sind. In den 60er Jahren waren Frauen für die Versorgung des Ehemanns, der Kinder und des Haushalts verantwortlich. Sie trugen schöne Kleider und Schuhe, das Haar war perfekt frisiert. Sie durften kein anderes Ziel haben, als an der Seite ihres Mannes zu glänzen. Eine alleinstehende Frau hatte es schwer, sie wurde bedauert, belächelt und nicht ernst genommen. Die Frauen waren unmündig, mussten klaglos ihr Schicksal annehmen. Doch Paula hat sich mit viel Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und Fleiß durchgesetzt, promoviert und wurde Ärztin.
Ihre Mutter Johanna wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod der Mutter musste sie mit nur 14 Jahren Verantwortung für die Familie übernehmen. In ihren Augen ein geduldig zu ertragendes Schicksal. Sie hat ihren Mann verlassen, ein Skandal und eine Schande für die Familie. Sie erwartet nichts mehr vom Leben, ist gefangen in einer konservativen, von Regeln strukturierten Welt. Über ihre Vergangenheit und ihre Familie in Südtirol schweigt sie beharrlich.
Die Zeit Mussolinis, der faschistischen Bewegung, der Aufstände und des Befreiungs- und Identitätskampfes von Südtirol wurde sehr gut beschrieben. Südtirol sucht die Unabhängigkeit, Autonomie und will sich wieder Österreich angliedern.
Besonders gut hat mir der flüssige Wechsel zwischen den 20er und 60er Jahren gefallen, die unterschiedlichen Zeitebenen gingen nahtlos ineinander über. Die Hintergründe waren sorgfältig ausgearbeitet und brachten mich Stück für Stück der Aufklärung des Familiengeheimnisses näher. Es war spannend bis zum unerwarteten Ende.
Trotz der Düsternis des Geschehens hat mich der Roman gefesselt und das Ende mehr als überrascht.
Ich kann den Roman nur empfehlen, er geht ans Herz, macht traurig, wütend, hinterlässt Unverständnis, spendet aber auch Hoffnung.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 06.10.2025

Ein spannender Thriller mit raffinierten Wendungen

Narbenkünstler #Thriller
5

Chris Dominik ist ein Thriller Autor aus Frankfurt am Main. Im Schatten der Skyline, zwischen Bankentürmen und Rotlicht, ermitteln seine Kommissare Marc Davids und Zoé Martin von der Sondereinheit AS9. ...

Chris Dominik ist ein Thriller Autor aus Frankfurt am Main. Im Schatten der Skyline, zwischen Bankentürmen und Rotlicht, ermitteln seine Kommissare Marc Davids und Zoé Martin von der Sondereinheit AS9. Seine Thriller vermischen gekonnt Realität und Fiktion, schaffen düstere und unvorhersehbare Geschichten. In den Hochhausschluchten Frankfurts gibt es mehr als nur Verbrechen; es gibt Wahrheiten, die seine Charaktere an den Rand ihres Verstandes bringen.
Marc Davids und Zoé Martin von der Abteilung für Sonderermittlungen müssen einen besonders grausamen Fall aufklären. In Frankfurt werden Leichen ohne Kopf gefunden, die offensichtlich lebendig eingefroren wurden. Zu jedem Opfer gibt es ein Buch mit persönlicher Widmung. Die Spur führt sie zum Campus einer Eliteschule, die Zoé früher selbst besuchte. Jeder auf dem Campus ist verdächtig, jeder hütet ein Geheimnis.
Zoé findet sich im Strudel der Ereignisse gefangen, sie ist persönlich betroffen und dunkle Schatten ihrer Vergangenheit kommen ans Licht. Die Geschehnisse des aktuellen Falls überschatten jede schöne Erinnerung an ihre Schulzeit. Nichts ist mehr, wie es war, und alles scheint miteinander verbunden.
Die attraktive 32-jährige Kriminaloberkommissarin Zoé Martin hat eine französiche Mutter. Sie begeistert sich für Kunst, ist zielstrebig, mutig, diszipliniert, empathisch und intuitiv. Stets an der Seite von Marc Davids, um den sie sich mehr als einmal sorgen muss, kämpft sie gegen das Verbrechen und arbeitet bis an ihre Grenzen unermüdlich an der Aufklärung der Fälle.
Kriminalhauptkommissar Marc Davids, 45, leitet die AS9, die Abteilung für Sonderermittlungen in Frankfurt, eine Abteilung, die selbstständig ermittelt, aber auch vom LKA für besonders brutale Fälle herangezogen wird. Er leidet unter beängstigenden und lebensbedrohenden Panikattacken. Zur Linderung besorgt er sich Benzodiazepine auf dem Schwarzmarkt, die er akribisch rationiert, um auch die Entzugserscheinungen zu mindern. Eigentlich bräuchte er eine Therapie, aber er hat Angst, was diese zutage fördern könnte.
Der selbstverliebte Performancekünstler Zhalar Miguel, bürgerlicher Name Sascha Kaminski ist ein Enfant terrible der internationalen Kunstszene. Sein Genie und seine Selbstinszenierungen suchen ihresgleichen. Er steht außerhalb jeder Norm und ist nur schwer zu durchschauen.
Ich war auf den dritten Thriller von Chris Dominik mehr als gespannt und war sofort wieder gefesselt und musste immer weiterlesen. Der Thriller ist komplex strukturiert, die Handlung akribisch aufgebaut. Die Protagonisten sind sehr gut durchdacht, und die Zusammensetzung des Teams, der unterschiedlichen Charaktere, hat mir sehr gut gefallen.
Der Thriller fängt schon heftig an und steigert sich von Kapitel zu Kapitel, obwohl man denkt, noch mehr Spannung geht nicht. Ich war überzeugt, den Täter zu kennen, doch bis zum Schluss war ich auf der falschen Spur. Ein mehr als spannender Thriller voller raffinierter Wendungen, geschickter Züge, aber auch brutal und beängstigend.
Ganz besonders hat mir die Idee vom Buch im Buch gefallen, das der Täter den Opfern vorliest. Dadurch wurde ein Teil der Vergangenheit aufgegriffen und Hintergründe durchleuchtet, die das Finale schlüssig werden ließen. Ein geschickter Coup, der sehr zur Entwicklung und Dramatik beiträgt.
Ich habe stellenweise den Atem angehalten und mitgefiebert. Definitiv eine absolute Leseempfehlung! Man braucht aber starke Nerven.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 06.10.2025

Loslesen und wohlfühlen

Das Kamelienhaus
6

Nach ihrem Studium kehrt Lucy auf die Kamelieninsel in der Bretagne zurück. Endlich wird ihr Traum wahr, sie wird in der Kosmetikmanufaktur Fleur de Camélia mitarbeiten. Als die Lieferung des dringend ...

Nach ihrem Studium kehrt Lucy auf die Kamelieninsel in der Bretagne zurück. Endlich wird ihr Traum wahr, sie wird in der Kosmetikmanufaktur Fleur de Camélia mitarbeiten. Als die Lieferung des dringend gebrauchten wertvollen Kamelienöls ausbleibt, reist Lucy nach Japan. Am Flughafen lernt sie den attraktiven Finn kennen, und sie verbringen wunderbare Stunden in Tokio. Lucy ist verliebt. Doch Finn, ein mysteriöser Fremder voller Widersprüche, scheint ein Geheimnis zu umgeben, das es schwer macht, ihm zu vertrauen.
Auf der Insel Soshima angekommen, erfährt Lucy, daß die Kooperative nicht mehr produziert. Der Inhaber ist verstorben und die Schuldenlast erdrückend. Lucy muss nun eine Lösung sowohl für ihre Manufaktur als auch für die Kooperative finden.
Lucy ist hin und hergerissen zwischen ihrer Heimat auf der Kamelien-Insel und der weiten Welt. Eigentlich wollte sie schon immer die Kosmetikfirma ihre Mutter übernehmen und ins neue Zeitalter führen, weiß aber nicht, ob sie die Erwartungen erfüllen kann, oder ob die große weite Welt doch lockt.
Ihr Vater Maël ist Gärtner mit Leib und Seele, ein Wissenschaftler und Züchter von Weltrang. Ihre energiegeladene Mutter Sylvia hat die Kosmetikmanufaktur Fleur de Camélia gegründet. Lucys Halbbruder Noah wurde mit 7 Jahren von seiner Mutter auf der Insel bei seinem Vater Maël zurückgelassen. Er ist still und in sich gekehrt, nennt keinen Ort sein Zuhause.
Die naturbelassene japanische Insel Soshima mit ihren wilden Kamelien, dem Wasserfall und den alten Bäumen ist wunderschön beschrieben. Dort wird das wertvolle Tsubaki-Kamelienöl noch nach alter Handwerkskunst hergestellt. Die der Kooperative angehörenden Familien leben traditionsverbunden in und mit der Natur.
Nach den drei vorherigen Bänden „Die Kamelineninsel“ beginnt der Weg der nächsten Generation. Die Kamelienhaus-Reihe baut zwar auf der Kamelieninsel-Saga auf, ist aber völlig unabhängig davon lesbar.
Tabea Bach hat es geschafft, die japanische Kultur, die Bräuche, Etiketten, Sitten und Konventionen verständlich und einfühlsam zu beschreiben. Sie gibt Einblick in die Verhaltensweisen, Rituale und sozialen Regeln, die den Alltag in Japan prägen. Der Leser fühlt sich auf eine fernöstliche Reise mitgenommen und in Bildern gefangen. Man glaubt die Kamelien zu riechen und das Essen zu schmecken.
Spannung und Dramatik kommen nicht zu kurz, die Protagonisten sind gut durchdacht und ausgearbeitet. Die eingeschobenen kurzen Kapitel „Aus Sylvias Tagebuch“ entwickeln die Geschichte in der Bretagne weiter und fügen sich nahtlos in Lucys Erlebnisse ein.
Das Ende des Romans ist rund, lässt aber Raum für Spekulationen und weckt Vorfreude auf die Folgebände. Ich habe den Roman von Anfang bis Ende sehr gern gelesen und kann ihn nur empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 01.09.2025

Tanz der Gefühle

Honeybridge. All Mine
2

Isabella Tucci will sich endlich ihren langjährigen Traum vom eigenen Restaurant erfüllen. Sie hat noch knapp 3 Monate Zeit, um das aus dem Ertrag ihrer Scheidungsvereinbarung gekaufte Gebäude in Honeybridge ...

Isabella Tucci will sich endlich ihren langjährigen Traum vom eigenen Restaurant erfüllen. Sie hat noch knapp 3 Monate Zeit, um das aus dem Ertrag ihrer Scheidungsvereinbarung gekaufte Gebäude in Honeybridge zu renovieren. Sie will endlich ihren eigenen Weg beschreiten und mit Gerichten nach Familienrezepten im Tutto Mio überzeugen. Nach der Trennung von ihrem Ex-Mann hat sie sich eine einjährige Sexpause verordnet, Zeit ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und sich vollständig auf ihre Pläne zu konzentrieren.
Trotz extremer Arbeitsbelastung hat sie für andere immer ein offenes Ohr und setzt ihre Mitmenschen an erste Stelle. Sie sprüht vor Ideen und kann so viele Einwohner von Honeybridge aus ihrer Notlage befreien.
Doch die Verlockung ist groß, direkt gegenüber befindet sich Etiennes Bistro. Etienne ist ein mehr als gutaussehender, charmanter Mann, ein wahrer Leckerbissen, dem bisher keine Frau widerstehen konnte. Auch Isabella kann seine Ausstrahlung und Anziehungskraft nicht leugnen.
Bisher bevorzugte er One-Night-Stands und scheute jede feste Bindung. Trotzdem ist er ein zuverlässiger, warmherziger und treuer Freund für alle, die ihn brauchen.
Beide kämpfen mit den Schatten ihrer Vergangenheit.
Honeybridge all mine von Pippa Nixon ist der erste Band der spicy Romance-Serie mit stimmungsvollem Smalltown-Charme und goldenem Herbstglanz - zum Einkuscheln und Träumen.
Der eingängige Erzählstil aus zwei Perspektiven vermittelt die Geschichte, Entwicklung und Gefühle beider Protagonisten auf authentische überzeugende Weise. Der innere Kampf, der Zwiespalt, das Sehnen und Hoffen ist wunderbar nachfühlbar dargestellt. Die schönen Wortspielereien sind einfach zum Schmunzeln und Genießen. Die gute Gemeinschaft und der Zusammenhalt im liebenswerten Honeybridge wurden sehr bildlich beschrieben und wecken den Wunsch, auch dort zu wohnen. Ein Roman voller Emotionen und ans Herz gehender Momente, den man einfach genießen muss.

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  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 18.08.2025

Exotisch, spannend und berührend

Der Duft der fernen Insel
4

Eve Goodall tritt eine außergewöhnliche Stelle an. Der Sultan von Sansibar sucht eine Gouvernante für seine blinde Tochter Nunu. Für Eve beginnt ein neues Leben in einer exotischen Welt: in einem prächtigen ...

Eve Goodall tritt eine außergewöhnliche Stelle an. Der Sultan von Sansibar sucht eine Gouvernante für seine blinde Tochter Nunu. Für Eve beginnt ein neues Leben in einer exotischen Welt: in einem prächtigen Palast trifft sie auf ihr bisher unbekannte Sitten, Bräuche, Menschen und Düfte.
Als ein Machtkampf um die Nachfolge des verstorbenen Sultans entbrennt, zieht Eve mit Nunu auf eine Gewürzplantage. Dort fördert sie Nunus Talent, Düfte herzustellen. Doch die friedliche Zeit endet als sich Nunu und Eve in denselben Mann verlieben.
Eve Goodall arbeitet seit 13 Jahren an der Blindenschule, die sie selbst als Schülerin besuchte. Ihr Traum ist ein eigener Haushalt, ein Mann und Kinder. Sie folgt dem unerwarteten Ruf in eine fremde Welt, in der sie sich vielen Herausforderungen stellen muss. Eve ist eine unerschrockene und tapfere Frau, die sich nicht scheut, für andere einzutreten.
Der sympathische Engländer Ethan Collins arbeitet im Gewürzhandel. Er ist auf einer Plantage in Sansibar aufgewachsen, die seine Eltern aber verkaufen mussten, da die Sklavenhaltung für Europäer verboten wurde.
Nunu ist ein schwieriges Kind, gewöhnt, ihren Kopf durchzusetzen und terrorisiert die ganze Familie. Sie kann sich mit ihrer Blindheit nicht abfinden und versucht, sich an ihren sehenden Geschwistern dafür zu rächen. Eve soll ihr eine allgemeine Bildung und Benehmen vermitteln. Nunu liebt Gerüche und lernt schnell, Duftkissen herzustellen. Voller Begeisterung verfolgt sie beharrlich ihren Weg, Düfte herzustellen.
Alphonse de Poirou, eine Nase aus Grasse, wird auf Nunus Parfüm aufmerksam. Er hat nur ein Ziel vor Augen: Nunus Düfte. Diese will er mit allen Mitteln bekommen. Ein mehr als unsympathischer und egozentrischer Charakter.
Der Duft der fernen Insel ist ein Roman, der ab der ersten Seite fesselt und ins weit entfernte exotische Sansibar entführt. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und durchweg authentisch dargestellt. Durch die flüssige und eingehende Schreibweise konnte ich die Atmosphäre regelrecht spüren und die Geschichte miterleben. Es wurden aber nicht nur die schönen Seiten Sansibars gezeichnet, man wird auch mit den damaligen menschenverachtenden Umständen wie Sklaverei und dem teilweise herzergreifenden Schicksal der Protagonisten konfrontiert.
Der Roman ist so gefühlvoll und spannend geschrieben, daß ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Der Autorin ist es gelungen, mich in vergangene Zeiten, exotische Welten und eine ganz andere Kultur zu entführen und ab der ersten Seite zu fesseln.
Ein richtiger Wohlfühlroman, der mir sehr viel Freude bereitet hat, und deshalb eine Leseempfehlung!

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