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Veröffentlicht am 29.05.2018

Ein wunderbares Buch darüber, was wirklich im Leben zählt

Wie man die Zeit anhält
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Kennt ihr das? Ihr seid unglaublich begeistert von einem Buch oder einer anderen Sache und dann hört ihr andere Leute darüber reden und die sind nicht so begeistert. Dann stellt ihr alles in Frage. Liegt ...


Kennt ihr das? Ihr seid unglaublich begeistert von einem Buch oder einer anderen Sache und dann hört ihr andere Leute darüber reden und die sind nicht so begeistert. Dann stellt ihr alles in Frage. Liegt ihr mit eurer Meinung wirklich so daneben? „Wie man die Zeit anhält“ spaltet die Leser extrem. Entweder man liebt dieses Buch aus der Feder von Matt Haig, findet den Schreibstil und die Erzählung großartig, oder man findet es einfach furchtbar, beschwert sich über Plattitüden und versteht nicht, um was es hier gehen soll. Deswegen hab ich gegrübelt und gegrübelt. Aber ganz ehrlich? Meine Meinung hat sich nicht geändert. Kein Stück. Ich liebe dieses Buch. Ich habe wunderschöne Zitate in diesem Buch lesen dürfen, die mir die Seele erhellt und das Herz geöffnet haben. Mit seinem wunderschönen Schreibstil hat Matt Haig mich gleichzeitig träumen und wach werden lassen. Mich hat "Wie man die Zeit anhält" einfach abgeholt. Und deswegen werde ich versuchen, dich, lieber Leser meiner Rezension, so auf dieses Buch vorzubereiten, dass du dich auch in dieses Buch verlieben kannst.

Ich liebe Zeitreisen. Ob in Filmen, in Büchern oder einfach nur durch das Betrachten von Fotos. Die Menschen haben sich unter anderem technologisch und modisch so weit entwickelt und doch sind ihre Herzen gleich geblieben. Das Leben ist immer ein Wechselspiel aus Angst, Sicherheit, Macht und Liebe. Ich finde das faszinierend. In "Wie man die Zeit anhält" lädt der Protagonist Tom Hazard den Leser dazu ein in seinen über 400 Jahre alten Erinnerungen durch die Zeit zu reisen. Und es wird klar, dass Matt Haig darüber nachdenkt, was nach 400 Jahren noch wichtig im Leben ist. Wie verändert ein so langes Leben? Nach Matt Haigs Überlegungen verstärken sich alle Emotionen über so ein langes Leben hinweg. Siegt die Angst vor der Ohnmacht, weil man merkt, dass das eigene Leben nur ein kleines Sandkorn ist? Oder siegt die Liebe, weil man in 400 Jahren versteht, dass Liebe das einzige ist, was zählt? Gleich zu Beginn erzählt Tom Hazard, dass ihm verboten wurde sich zu verlieben, als er sich einer Organisation angeschlossen hat, die ihm dafür seine Sicherheit versprochen hat. Aber ist das wirklich ein Leben, ohne Liebe? Lohnt es sich, sich selbst aufzugeben, um ein derartiges Leben in dieser Art Sicherheit zu leben?

400 Jahre hat Tom Hazard schon gelebt. Was zählt da noch? Das geschichtliche wird unwichtig. Es sind nur Erinnerungen, die den Protagonisten auf dem Weg zu sich selbst geprägt haben. Was bleibt nach 400 Jahren noch? Tom Hazard hat Kopfschmerzen als wäre es eine Art Kater. Als fehle ihm etwas wichtiges.

Ich habe dieses Buch als philosophischen Diskurs mit einer für mich sehr wichtigen Botschaft gelesen. Ja, es kam mir sogar vor, als würde ich mit Matt Haig in einen Dialog treten. Was andere Leser als Platitüden lesen, war für mich Matt Haigs Versuch altbekanntes in neues, 400 Jahre altes, Licht zu rücken. Dieses Buch ist ein Gedankenspiel mit der Frage: Was ist im Leben wirklich wichtig? Matt Haig nimmt einen 400 Jahre alten Protagonisten um das Leben wie unter einem Mikroskop zu vergrößern, damit deutlicher wird, worum es ihm geht. Das könnte natürlich enttäuschend für die Leser werden, die erwarten, dass sie Geschichte hier hautnah miterleben dürfen. Das kann der Leser zwar auch, aber es steht nicht im Fokus.

Wenn man uralt ist und all das erlebte nichtig wird, weil sich alles, was passiert, scheinbar wiederholt, ist Liebe das Einzige, was wichtig ist, weil diese die Zeit anhalten kann und ihr einen Sinn verleiht. Liebe hilft einem im Moment zu bleiben und gibt ihm die nötige Bedeutung. Liebe bekämpft die Angst und macht Sicherheit unwichtig. Darum geht es in diesem Buch.

Am Schluss ist die übermächtige Sicherheit der Organisation doch nicht so groß und die Frage ist: Was bedeutet das für das Buch? Wird es einen zweiten Teil geben? Oder ist dies Matt Haigs Weg zu sagen, dass es diese Sicherheit niemals gegeben hat? Ich hab es auf die zweite Art gelesen, hätte aber nichts gegen einen zweiten Teil einzuwenden.

Im Nachhinein denke ich, dass ich hier keine Rezension sondern eine Liebeserklärung geschrieben habe. Das liegt daran, dass meiner Meinung nach "Wie man die Zeit anhält" ein wunderbares Gedankenspiel ist. Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen und kann es nur jedem ans Herz legen

Veröffentlicht am 06.05.2018

Es hätte so gut werden können!

Das Böse in deinen Augen
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Jenny Blackhurst hat mit „Das Böse in deinen Augen“ einen Thriller geliefert, der mit seiner Grundidee, seinem Schreibstil, seinem Spannungsaufbau überzeugen könnte, wenn nicht das letzte Drittel wäre. ...

Jenny Blackhurst hat mit „Das Böse in deinen Augen“ einen Thriller geliefert, der mit seiner Grundidee, seinem Schreibstil, seinem Spannungsaufbau überzeugen könnte, wenn nicht das letzte Drittel wäre. Denn das letzte Drittel lässt die Leser größtenteils ratlos zurück. Es gibt nur eine geringe Anzahl Leser, die angibt, dass sie das Ende verstanden haben und den Thriller großartig fanden. Dieser Thriller ist also eine Büchse der Pandora und lässt sich deswegen nur eingeschränkt empfehlen.

Dabei fängt „Das Böse in deinen Augen“ so vielversprechend an. Man fühlt mit Ellie mit, findet Imogen sympathisch und fragt sich, was hier wirklich vor sich geht. Ist Ellie Opfer oder Täter? Gut geschriebene wechselnde Perspektiven verstärken das Verständnis für die einzelnen Protagonisten. Schnell zieht Ellie den Leser auf ihre Seite. Aber es bleibt immer ein Restzweifel übrig. Und das sorgt für fesselnde Spannung. Die größte Spannung erzeugt jedoch die Wut, weil das kleine Mädchen Ellie, welches seine Eltern verloren hat, von allen Leuten so ungerecht behandelt wird und man sich eine gerechte Bestrafung der betreffenden Leute wünscht.

Jedoch verstärkt dieses Mitfühlen mit den Protagonisten das Unverständnis für das Ende. Da das Thema „Mobbing“ ein wirklich wichtiges Thema ist, hinterlässt das Ende einen schalen Beigeschmack, da es alles vorher gelesene auf den Kopf stellt und damit dem Thema „Mobbing“ seine Bedeutung entzieht. Gleichzeitig ist das Ende so verschiedenartig auslegbar, dass man als Leser das Gefühl hat, dass sich die Autorin hier übernommen hat.

Lobend möchte ich hiermit einmal das Cover erwähnen, welches sehr gut zum Buch passt. Hier wird schon die Unschuld in Frage gestellt. Gleichzeitig lässt das Cover genug Fragen offen, um neugierig auf die Geschichte zu machen. Düster anmutend lädt es zum Lesen des Buches ein.

Bis zum letzten Drittel war ich begeistert von diesem Buch. Die ersten zwei Drittel von „Das Böse in deinen Augen“ lasen sich so spannend, dass ich von Seite zu Seite flog. Der Schreibstil gefiel mir, die Protagonisten waren sympathisch und ich hatte große Hoffnungen für das Ende. Doch dann kam das letzte Drittel, welches so ganz und gar nicht zum Rest des Buches passen wollte. Und dieses letzte Drittel mündete in ein für mich katastrophales Ende.

  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Geschichte
Veröffentlicht am 18.04.2018

Glaspalast

Palace of Glass - Die Wächterin
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Rea ist eine Magdalene. Das bedeutet, dass ihr durch eine Berührung die komplette Seele eines Menschen offen liegt. Aber nicht nur das! Sie kann auch die Gedankenwelt ihres Gegenübers manipulieren. Als ...

Rea ist eine Magdalene. Das bedeutet, dass ihr durch eine Berührung die komplette Seele eines Menschen offen liegt. Aber nicht nur das! Sie kann auch die Gedankenwelt ihres Gegenübers manipulieren. Als die Gesellschaft, in der sie lebt, vor Jahren herausfand, dass es Menschen wie Rea gibt, hat diese Berührungen verboten. Die Angst vor Manipulation ist zu groß. Das ist schlimm für Rea, denn ihre Art ist süchtig nach Berührungen. Einzige Linderung verschafft ihr ein rotes Band Seide, welches sie von ihrer Mutter geerbt hat. Ihre Mutter ist verschwunden, seit bekannt wurde, dass sie eine Magdalene war. Denn dies passiert mit Magdalenen. Sie verschwinden in Zuchthäusern oder werden hingerichtet. Eiserner Verfechter der Magdalenenjagd ist der König. Dieser geht sogar so weit, dass er Theaterstücke aus Angst vor Manipulation verbietet. Deshalb ist es unglaublich gefährlich für Rea, als sie als Leibwächter für den Prinzen eingesetzt wird, denn wenn sie auffliegt, kann es ihren Tod bedeuten. Wird sie auffliegen? Und wenn ja, was passiert dann mit ihr?


Mir ist es sehr schwer gefallen eine Rezension für dieses Buch zu schreiben. Einerseits las sich „Palace of Glass - Die Wächterin“ einfach nur großartig und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Andererseits habe ich das Gefühl, dass hier noch sehr viel Potential nach oben ist.

So ist mir die Liebesgeschichte zum Beispiel nicht langsam genug. Ein langsames ineinander verlieben hätte dem Buch sehr gut getan. Rea ist zwar ausgehungert nach Berührungen, aber das bedeutet ja nicht unbedingt, dass sie sie auch so schnell zulassen muss. Ich hätte besser gefunden, wenn die Beiden erst einmal einander kennengelernt hätten. Besonders störend empfand ich die Heftigkeit der Liebesgeschichte, die mich teilweise schon eine erotische Geschichte befürchten hat lassen.

Außerdem erscheinen einige Charaktere sehr flach. So zum Beispiel der Charakter des Prinzen. Das fällt besonders auf, weil andere Charaktere sehr gut ausgearbeitet sind und dieser Charakter sehr wichtig für die Geschichte ist. Aus diesem Grund wirken auch einige der Handlungen des Prinzen merkwürdig verzerrt und fehl am Platz. Der Prinz wirkt flatterhaft und zwiegespalten, beinahe verwirrt. Ebenso flach erscheinen zunächst die Charaktere der Königin und des Königs. Diese gewinnen jedoch im Laufe des Buches mehr Tiefe.

Der Realismus des Settings hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte spielt im London der Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2054, also 36 Jahre in der Zukunft. Die Mode hat sich, wegen der Entdeckung der Magdalenen drastisch verändert und teilweise ist London heruntergekommen und dann wieder sehr fortschrittlich. Die Mode und die heruntergekommen Ecken Londons erinnern an die shakespearische Zeit und dieser Eindruck wird noch durch das häufige Zitieren von Shakespeare Zitaten verstärkt. Mir, als Shakespeare Fan, hat das sehr großen Spaß gemacht zu lesen. Großartig fand ich auch die versteckten Quize à la „Na, wo kommt das Zitat her, weißt du es?“

Auch sehr interessant, da sehr realistisch beschrieben und dadurch gleichzeitig furchtbar und spannend, finde ich die Schilderung der Verfolgung der Magdalenen. Da man sich mit Rea identifiziert, kann man die Ängste der Magdalenen sehr gut mitfühlen. Ständig lebt Rea in der Angst entdeckt zu werden. Nicht nur die Mode wiederholt sich, sondern auch die furchtbaren geschichtlichen Ereignisse, hier geschieht eine Art Hexenverfolgung. Die Geschichte hat ja gezeigt, dass es genau so im realen Leben abläuft, deswegen finde ich das sehr gut geschrieben.

Der Schreibstil hat mir auch sonst sehr gut gefallen. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und wurde in das London des Jahres 2054 entführt. Schnell flog ich von Seite zu Seite. Auch die Charaktere haben mir sehr gefallen, auch, wenn ich noch keine Lieblingsprotagonisten habe, weil ich das Gefühl habe, dass ich die einzelnen Figuren noch nicht gut genug kenne. Aber ich freue mich auf die weiteren Bände, um mehr von ihnen zu lesen.

Ingesamt ist „Palace of Glass“ ein sehr spannender erster Teil einer sehr verheißungsvollen Trilogie. Da dieser erste Teil noch sehr viel Potential ungenutzt lässt, hoffe ich, dass sich dies in den weiteren Büchern ändert, und sich C.E. Bernard mit jedem Buch ihrer Trilogie steigert, um dann die „Palace of Glass“ Serie in ein großartiges Ende münden zu lassen. Das Setting, der Schreibstil und die Charakterkonstellation gäben das auf jeden Fall her.

Veröffentlicht am 04.03.2018

Spannender erster Teil

Das Vermächtnis des Künstlers
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Eine mysteriöse Folge von seltsamen Toden hängt irgendwie mit Bragolin Gemälden zusammen. Ist etwas dämonisches in den Bildern? Dr. George Mallory, Dozent für Psychologie, genauer Parapsychologie, an der ...

Eine mysteriöse Folge von seltsamen Toden hängt irgendwie mit Bragolin Gemälden zusammen. Ist etwas dämonisches in den Bildern? Dr. George Mallory, Dozent für Psychologie, genauer Parapsychologie, an der Universität von Virginia, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, übernatürlichen Geschichten nachzuspüren und ihre natürlichen Ursachen herauszufinden. Ist dieses Mal tatsächlich eine dämonische Macht am Werk oder findet Dr. Mallory wieder einen natürlichen Grund?
In „Das Vermächtnis des Künstlers“ passiert auf 376 Seiten tatsächlich genau so viel, wie anderswo im ersten Drittel eines ganzen Buches. Es ist also keine Trilogie, sondern ein Krimi, welcher in drei Teile zerstückelt wurde. Ob das jetzt so sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten. Denn „Das Vermächtnis des Künstlers“ist teilweise so extrem ausführlich, dass man schon das Interesse verlieren kann. Jedoch sind die Charaktere so interessant, die Idee so spannend und der Schreibstil so gut zu lesen, dass man weiter liest.
Schnell hab ich einen Lieblingscharakter gefunden, denn Amanda, die Adoptivtochter Dr. Josephine Caninos, einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin am privaten venezianischen Kunstmuseum, welches eine Bragolin- Sammlung beherbergt, ist trotz ihrer Pubertät sehr sympathisch, weil sie quirlig und frech ist. Besonders gefällt sie mir im Umgang mit Dr. George Mallory. Der wiederum ist sehr interessant, weil man durch ihn und seinen Beruf Ideen zur Erklärung von übernatürlich erscheinenden Phänomenen erfährt. Dr. Josephine Canino ist ebenfalls ein sehr ansprechender Charakter, da man durch ihre Augen die gruselige Seite des Thrillers sieht, denn sie erinnert sich, weil sie von alptraumhaften Erscheinungen verfolgt wird, an ihre Vergangenheit.
Den Künstler Bragolin gibt es wirklich. Es ist interessant sich seine Bilder im Internet anzuschauen und sich zu fragen, über welches seiner Gemälde gerade gesprochen wird. Der Künstler und seine Geschichte werden dadurch sehr attraktiv. Wieso hat er zum Beispiel so viele weinende Kinder gemalt?
Insgesamt ist „Das Vermächtnis des Künstlers“ ein gut zu lesender, spannender erster Teil. Zwei Sterne in der Bewertung ziehe ich ab, weil ich nicht finde, dass man ein Buch so zerstückeln darf und dadurch einige Teile der Geschichte künstlich lang gezogen wirken. Jedoch möchte ich „Das Vermächtnis des Künstlers“ trotzdem gerne weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Nur zusammen

Nur zusammen ist man nicht allein
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Meine Liebe für Mike Gayle Bücher fing mit „Dinner for Two“ an. Ich habe das Buch vor Jahren verschlungen und wollte sofort mehr von ihm lesen. Leider war meine Suche nach weiteren Büchern des Autors aus ...

Meine Liebe für Mike Gayle Bücher fing mit „Dinner for Two“ an. Ich habe das Buch vor Jahren verschlungen und wollte sofort mehr von ihm lesen. Leider war meine Suche nach weiteren Büchern des Autors aus irgendeinem Grund damals nicht erfolgreich. Dann geriet der Autor für mich in Vergessenheit. Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, als ich dieses Buch auf lovelybooks in einer Leserunde entdeckt habe.

In „Nur zusammen ist man nicht allein“ geht es um die Hope Familie. Anfangs scheint diese Familie perfekt zu sein. Tom und Laura haben zwei tolle Kinder und die haben eine nette Großmutter. Doch dann stirbt Laura. Tom und seine Schwiegermutter Linda stehen vor einem Scherbenhaufen und beide gehen anders mit ihrer Trauer um. Tom stürzt sich in Arbeit und ist nicht mehr für seine Töchter da, Linda stürzt sich in die Rolle einer Ersatzmutter. Schließlich entscheidet Linda, dass es genug ist, Tom soll sich endlich auch um seine Töchter kümmern. „Nur zusammen ist man nicht allein“ handelt von Trauer, Verlust, dem Umgang mit Beidem und dem Neuanfang als Familie nach einem furchtbaren Schicksalsschlag.

Von Anfang an sah ich Tom und Linda, die beide die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen, auf einer Couch sitzen, einander anlächeln, ab und zu bei bestimmten Erinnerungen den Kopf über ihr damaliges Verhalten schütteln und im Allgemeinen beim Erzählen ihrer Geschichte richtig aufgehen. Als würden sie bei einem großen Familientreffen von letztem Jahr erzählen. Obwohl die Ausgangslage denkbar traurig ist, gibt es auch Szenen, in denen man schmunzeln muss. Locker und gut zu lesen regt das Buch zum Nachdenken darüber an, wie das Leben nach dem Tod eines geliebten Menschen weitergeht.

Mike Gayle hat einen großartigen Schreibstil. Er schreibt so, dass man sich selbst beim Lesen schnell als Teil der Familie Hope empfindet. Realitätsnah beschreibt er das Leben der Hopes und schreibt von Charakteren, die man gerne kennenlernen würde, oder die Personen ähnlich sind, die man bereits kennt. Sie sind nicht perfekt , sondern haben Fehler und Schwächen. Es gibt große Geheimnisse und Selbsterkenntnis. Die Emotionen der Protagonisten werden zu den eigenen und kreieren so die Atmosphäre einer familiären Zugehörigkeit.

Mike Gayle schreibt auch poetische, wunderschöne Sätze. Etwas, das einen Roman in meinen Augen aufwertet, ist, wenn dem Leser keine Emotionen oder philosophischen Gedanken aufgezwungen werden, sondern diese im Buch ihren Platz haben, weil sie eingebunden werden und so nicht mehr wegzudenken sind. Einer dieser poetischen Sätze in „Nur zusammen ist man nicht allein“ ist dieser:

"Die Vergangenheit mag vergangen und nicht zu ändern sein, doch die Zukunft kann alles sein, was wir uns wünschen, solange wir nur die Hoffnung nicht aufgeben." (Seite 378)

So endet das Buch. Besonders schön ist hier die Verbindung zum Familiennamen. Es zeigt, wie gut das Buch durchdacht ist.

Normalerweise bin ich kein großer Romanleser, auch wenn ich das gerne wäre. Ich lese lieber Psychothriller und Fantasy. Deswegen muss ein Roman wirklich gut sein, damit ich ihn lese und liebe. Mike Gayle schafft dies mit „Nur zusammen ist man nicht allein“. Es gelingt ihm erneut mich zu überzeugen. Nicht nur mit einem wunderschönen Schreibstil, sondern auch mit sympathischen Protagonisten. Deswegen möchte ich diesen Roman sehr gerne weiterempfehlen.