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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2020

Von Eisbären, Gammelhai und Blutlachen

Kalmann
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Im Nordosten von Island, einige Autostunden von Reykjavik entfernt liegt das Dorf Raufarhöfn mit 173 Bewohnern, davon etwa 20 Kinder. Zu klein und unbedeutend, um eine eigene Polizeistation zu besitzen. ...

Im Nordosten von Island, einige Autostunden von Reykjavik entfernt liegt das Dorf Raufarhöfn mit 173 Bewohnern, davon etwa 20 Kinder. Zu klein und unbedeutend, um eine eigene Polizeistation zu besitzen. Deshalb sorgt im Dorf der selbsternannte Sheriff Kalmann für Ordnung. Er hat alles im Griff. Keine Sorge. Bis er eines Winters Blutflecken entdeckt. Zu wenig für ein geschossenes Tier, zu viel für einen Menschen, um die Verletzung zu überleben. Doch wer ist das Opfer? Wer der Täter? Kalmann fängt an zu ermitteln….
Kalmann ist ein komischer Kauz. Er ist Anfang 30 und in der geistigen Entwicklung etwas „zurück geblieben“, wobei die Behinderung bzw. Krankheit nicht näher benannt wird. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er als Produzent des zweitbesten Gammelhais von Island. Er hat durch seinen Opa von klein auf alles wichtige gelernt z.B. wie man jagt und Haie ausnimmt. Somit kennt er die Umgebung wie kein anderer und stößt dabei auf die Blutflecken. Bei den Ermittlungen bekommt er die echte Polizistin Birna zur Seite gestellt. Seine Expertise und Aussagen und ihre Fachkenntnisse bringen sie auf die Spur des Täters. Dabei ist es alles andere als leicht zu ermitteln, denn Kalmanns Krankheit erschwert die Ermittlungen. Er denkt einfach anders als ein „normaler“ Mensch und sehnt sich in der Einöde vor allem nach einer Frau.n
Das Buch hat sein ganz eigenes Tempo. Es ist wie Island weitläufig und sehr ruhig, mit einer Art stoischen Gelassenheit. Jeder kennt jeden und mit Kalmann ist es nicht so einfach. Es kommt zwar ein Mord drin vor, ist aber kein Krimi, sondern ein Roman.
Der Autor hat die andersartige Denkweise von ihm gut rübergebracht und auch Probleme und Einsamkeit, die damit zusammenhängen. Größten Respekt hatte ich vor Kalmann`s Mutter, die „nur mal eben“ ein paar Stunden nach der Arbeit zu ihrem Sohn gefahren ist, um nach dem Rechten zu sehen. Die ein oder anderen Ereignisse hätten für mich gerne noch etwas mehr aufgeklärt werden können. Aber das wesentliche wurde aufgelöst.
Fazit:
Ein ruhiges Buch das das isländische Leben gut beschreibt und einen außergewöhnlichen Protagonisten hat. Das Ende wurde zum Großteil aufgelöst. Die „offenen“ Punkte kann man, muß man aber nicht zwangsläufig aufklären. Insgesamt ein schönes Buch für eine kurze, gedankliche Reise nach Island.

  • Cover
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Veröffentlicht am 09.09.2020

Bin einfach nur begeistert

Das Buch der gelöschten Wörter - Die letzten Zeilen
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Zur Story möchte ich eigentlich gar nichts schreiben. Die Gefahr aus versehen zu spoilern ist einfach zu groß. Stattdessen erzähle ich euch lieber, WIE begeistert ich vom dritten Teil der Reihe bin. Wobei ...

Zur Story möchte ich eigentlich gar nichts schreiben. Die Gefahr aus versehen zu spoilern ist einfach zu groß. Stattdessen erzähle ich euch lieber, WIE begeistert ich vom dritten Teil der Reihe bin. Wobei ich finde, dass dieser Teil der Schwächste ist, aber immer noch auf hohem Niveau.
Ich liebe die Reihe! Wenn ihr sie lest werdet ihr auf viele Bekannte aus diversen Märchen und anderen Klassikern stoßen. Egal ob Bambi, Anne auf Green Gables, Schneewittchen?, Dornröschen, Sturmhöhe,….und viele mehr. Dabei handeln sie nicht unbedingt wie erwartet. Auch so manche Überraschung wen man sympathisch findet und wen nicht ist drin. Eine wirklich tolle Idee und Umsetzung, die einfach nur Spaß macht zu lesen. Und wenn ihr dann das nächste Mal eine böse Nachricht verschicken möchte euch aber noch kurzfristig umentscheidet und sie unversendet wieder löscht, jaaaa, dann denkt ihr vielleicht an das Buch zurück.
Ich jedenfalls habe von Anfang bis Ende mitgefiebert, wurde prächtig unterhalten und kann euch dieses Sahnestück an Buchreihe nur wärmstens empfehlen.
Fazit:
Für alle buchverrückten Leser, die gerne mal wissen möchten, was Anne auf Green Gables so in ihrer Freizeit macht oder mit wem sich Dornröschen trifft, wenn sie nicht zwischen den Buchdeckeln eingeklemmt ist. Und auch wenn wir es nicht wahrhaben möchten – bald ist Weihnachten wink mit dem Zaunpfahl

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2020

Carpe diem!

Vielleicht auf einem anderen Stern
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Als Eve in der Mitte des Lebens angekommen ist, das Leben sortiert und ein bisschen zur Ruhe gekommen ist, schlägt es hinterrücks wieder zu. Maddy, Eve´s 16 jährige Tochter, bekommt Leukämie. Maddy reflektiert ...

Als Eve in der Mitte des Lebens angekommen ist, das Leben sortiert und ein bisschen zur Ruhe gekommen ist, schlägt es hinterrücks wieder zu. Maddy, Eve´s 16 jährige Tochter, bekommt Leukämie. Maddy reflektiert ihr bisheriges Leben und macht sich über diverse Dinge, wie z.B. den Tod oder ihren Vater, Gedanken. Sie ergreift ihre vielleicht einzige Chance und schreibt ihren leiblichen Vater nach kurzer Recherche an, verheimlicht es aber ihrer Mutter.
Das Buch fängt an zu erzählen, als Maddy bereits seit einigen Monaten Krebs hat und in Behandlung ist. Es gibt dabei mehrere Erzählstränge und zwei Zeiten. Die Geschehnisse werden aus zwei Perspektiven (Eve und Maddy) geschildert. Hört sich im ersten Moment kompliziert an, ist es aber nicht.
Maddy muß sehr schnell erwachsen werden. Sie hinterfragt viele Dinge wie eben den Tod, Liebe, etc. und findet in klassischer Musik Entspannung, die ihre komplexe Gefühlswelt sehr gut wiedergibt. Und doch ist sie ein typischer Teenager geblieben, der die erste Liebe entdeckt und sich für eine Schulkampagne engagiert. Ich mochte ihren Charakter sehr.
Eve ist eine aufopferungsvolle Mutter, die ihre Tochter unterstützt und sie auch Kind sein lässt. Bei ihr merkt man, wie sehr sie die Situation mitnimmt und wie sehr ihr eigenes Leben darunter leidet. Statt das sie mehr Freiheiten bekommt, weil ihre Tochter erwachsen wird „muss“ sie sich wieder um sie kümmern und für sie da sein. Ihr zur Seite steht der Stiefvater Robin mit dem sie einen Glücksgriff getätigt hat.
Neben Eve, Maddy und Robin gibt es noch ein paar Nebencharaktere. Manche davon hätte es meines Erachtens nach nicht gebraucht. Die Gespräche mit diesen Personen waren teilweise uninteressant, so dass sich das Buch an diesen Stellen in die Länge zog. Die jeweilige Stelle hat die Geschichte nach meinem dafür halten nicht weitergebracht. Auch der Fokus der Geschichte war nicht 100 Prozent meins. Zuerst standen Maddy und Eve im Mittelpunkt. Später dann Eve und Antonio, Maddys Vater. Die Beziehung zwischen Eve und Antonio kam mir mindestens genauso lang vor wie die zwischen Eve und Maddy. Das passt m.E. nicht zu einem Mutter-Tochter-Roman und ich hätte mir stattdessen noch mehr Gefühle von Eve und mehr rund um Maddy und ihre Krankheit gewünscht.
Fazit:
Ein schwieriges Thema, das gut umgesetzt wurde, aber den Fokus etwas verschoben hat. Wer es nicht so mag, dass auf die Tränendrüse gedrückt wird und mit ein paar kleineren Längen leben kann ist bei diesem Familien-Roman genau richtig.

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Veröffentlicht am 27.08.2020

Ein Blick hinter die Kulissen

SOKO Erle
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Noch relativ frisch sind die Erinnerungen an den Mord einer 27-jährigen Joggerin aus Emmendingen im Jahr 2016. Der Pressesprecher Walter Roth war selbst an den Ermittlungen der SoKo Erle beteiligt und ...

Noch relativ frisch sind die Erinnerungen an den Mord einer 27-jährigen Joggerin aus Emmendingen im Jahr 2016. Der Pressesprecher Walter Roth war selbst an den Ermittlungen der SoKo Erle beteiligt und erzählt die Geschehnisse in der Reihenfolge, wie sie damals die Polizei erreicht haben. Dabei trifft er genau den richtigen „Ton“ – sachlich, aber keinesfalls nüchtern. Wer nun aber erwartet, dass blutige Details genannt werden, dem sei gesagt – NEIN. Das ist zum einen nicht notwendig und zum anderen möchte der Autor auch die Angehörigen schützen, die nicht jedes Mal die schwer ertragbaren Details neu hören möchten.
Das Hörbuch, das von Erich Wittenberg gelesen wird, ist vom ersten Wort an spannend und gewährt einen Blick in die langwierigen und komplizierten Ermittlungen der Polizei. Als Hörer kann man danach wirklich verstehen, warum die Polizei nicht zwei Tage nach einem Mord bereits den Täter gefasst hat. Gefühlt ist es wie Puzzeln mit Reiskörner. Sisyphusarbeit. Nervenaufreibend. Frustrierend. Emotional. Es zeigt auch auf, wie wichtig Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen, Abteilungen und Ländern ist.
Erich Wittenberg hat eine angenehme Stimmfarbe und ein gutes Sprechtempo. Er setzt die Betonungen genau richtig, ist nicht reißerisch, einfach gut gelesen. Ich wüsste aktuell keinen geeigneteren Sprecher für ein True Crime Hörbuch.
Fazit:
Ein würdiges „Denkmal“ für die Opfer und deren Angehörigen, das anhand eines realen Ereignisses einen Einblick in die tatsächliche, ungeschönte Polizeiarbeit gewährt. Mal abgesehen davon, dass ich gerne auf Mordfälle, etc. verzichten würde, würde ich gerne mehr von dieser Darstellung von Ereignissen hören. Von mir eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 12.08.2020

Agenda Klimarettung

Klima im Wandel. Was wir jetzt tun können
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Die „Arena Bibliotvhek des Wissens“ ist eine Reihe zur Allgemeinbildung, die in erster Linie auf junge Leser abzielt und Sachinhalte verständlich erklärt.
„Klima im Wandel – Was wir jetzt tun können“ erklärt ...

Die „Arena Bibliotvhek des Wissens“ ist eine Reihe zur Allgemeinbildung, die in erster Linie auf junge Leser abzielt und Sachinhalte verständlich erklärt.
„Klima im Wandel – Was wir jetzt tun können“ erklärt anschaulich und leicht verständlich den Zusammenhang von z.B. Treibhausgasen, Wetter und Überschwemmungen. Was ist Klima? Wodurch wird es beeinflusst? Was sind die Auswirkungen? Was müssten wir wie ändern, um einen positiven Einfluß aufs Klima zu haben? Das alles wird durch aktuelle Beispiele und wissenschaftlich fundiert erklärt. Auf 155 Seiten kann so ein komplexes Thema nur angeschnitten werden. Somit geht es nicht zu sehr in die Tiefe. Natürlich darf das El Nino Phänomen nicht fehlen, genauso wie Fridays for Future oder die verheerenden Waldbrände in Australien Anfang 2020. Visuell unterstützt werden die Fakten mit schwarz-weißen Bildern und Grafiken, sowie kleinen Einschüben zu interessanten Themen wie z.B. dem Kyoto – Weltklimagipfel. Falls mal ein Begriff nicht geläufig sein sollte so befindet sich am Ende des Buches auch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen.

Fazit:
Ein hochaktuelles, interessantes Buch zum Thema Klimawandel für junge Menschen. Das Buch ist zielgruppengerecht aufgebaut und geschrieben und eignet sich gut als Grundlage für naturwissenschaftliche Fächer in der Schule. Aber auch „ältere“ am Umweltschutz interessierte Menschen kommen auf ihre Kosten.

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