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Veröffentlicht am 25.10.2018

Leidenschaft vor winterlicher Kulisse

Schneeflockenzauber
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Worum geht es
Alexa arbeitet im Büro eines Begleitservice. Sie besteht darauf, nur und ausschließlich im Büro zu arbeiten, bis sie eines Tages doch gezwungen ist, als Begleitung einzuspringen. Eine Woche ...

Worum geht es
Alexa arbeitet im Büro eines Begleitservice. Sie besteht darauf, nur und ausschließlich im Büro zu arbeiten, bis sie eines Tages doch gezwungen ist, als Begleitung einzuspringen. Eine Woche Skiurlaub in den verschneiten Bergen Österreichs klingt zwar nach dem großen Los, wenn da nicht ihr mürrischer und arroganter Auftraggeber Noah Kronberg wäre.
Beide können sich nicht ausstehen und sollen das perfekte Paar geben, um einen großen Auftrag für Noahs Agentur an Land zu ziehen. Aus scheinbarer anfänglicher Abneigung wird schnell eine knisternde Leidenschaft, die jeglichen Schnee zum Schmelzen bringt.

Was ich über das Buch denke
"Schneeflockenzauber" lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Dank dem sehr zauberhaften Cover habe ich mich auf eine romantische Winter-Weihnachtsgeschichte eingestellt, die mich ein wenig in den ganz besonderen Charme dieser Jahreszeit mitnimmt und auch etwas Tiefgang besitzt. Während dem Lesen habe ich mich durchaus gut amüsiert, an einigen Stellen sogar schallend gelacht, aber leider habe ich die gesamte Zeit ein wenig die Handlung vermisst, die für meine Begriffe zu kurz kam. Tiefgang war auch nicht wirklich vorhanden, denn es ging einzig und allein um die Beziehung von Alexa und Noah.
Ich denke, meine Enttäuschung ist auch zum großen Teil auf meine Voraberwartung zurück zu führen. Wäre ich sofort mit der Einstellung rangegangen, ausschließlich einen Liebesroman vorzufinden, wäre es anders gewesen.

Denn das Buch ist sehr gut geschrieben. Der flüssige und bildhafte Ausdruck von Sophie Merz trägt ganz leicht durch die Geschichte und lässt die Figuren lebendig werden. Die Personen sind gut gearbeitet. Jede Figur hat ihre besonderen Eigenschaften, die sie einzigartig macht und zu einem oft lustigen Zusammenspiel aller beiträgt.
Eine herrliche Szene ist das Entsetzen der Männer, als ihnen klar wird, welche intimen Details ihre Frauen untereinander austauschen. Die Dialoge waren zu köstlich. An dieser Stelle sollte ich wohl auch hinzufügen, dass "Schneeflockenzauber" ein reiner Frauenroman ist.

Wie bereits erwähnt, kommt für mich die Handlung des Buches ein wenig zu kurz. Alles rotiert um Alexa und Noah und einigen immer wiederkehrenden Motiven, wie Alexas Selbstzweifel und Noahs Charakter und vor allem das gegenseitige Anschmachten. In bin durchaus nicht prüde und habe nichts gegen gut beschriebene Liebesszenen. Schließlich gehören die zu einer romantischen Liebesgeschichte dazu. Aber wenn ab dem zweiten Drittel des Buches die beiden Hauptpersonen auf jeder zweiten Seite über einander herfallen, finde ich das persönlich ein wenig zu viel des Gutens. Nicht das ich es ihnen nicht gegönnt hätte.

Im letzten Drittel hat mich die Autorin dann doch noch ein wenig versöhnt, indem sie die Liebe der beiden Hauptfiguren vor ein etwas größeres Problem gestellt hat und die Spannung bis zum Ende noch einmal anstieg.

Trotzdem werde ich weiter nach meiner perfekten Weihnachtsliebesgeschichte suchen.

Mein Fazit
Ich persönlich bin leider nicht "verzaubert" worden. Aber es ist eine durchaus unterhaltsame Geschichte um Liebe und viel (sehr viel) Leidenschaft. In der richtigen Stimmung und zum Entspannen der Gehirnzellen ein guter Lesestoff.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Unterhaltsamer Lesespaß

Der Himmel über den Black Mountains
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Worum es geht

Emma hat ein geordnetes Leben mit Job und Freund in London, als sie vom Tod ihrer Tante Milly erfährt, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Trotzdem erbt Emma den Bauernhof ...

Worum es geht

Emma hat ein geordnetes Leben mit Job und Freund in London, als sie vom Tod ihrer Tante Milly erfährt, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Trotzdem erbt Emma den Bauernhof in den Black Mountains und Tante Millys Vermögen. Allerdings hat die Sache einen Haken. Emma muss zuerst ein ganzes Jahr auf der Farm verbringen, bevor sie das Erbe rechtmäßig antreten darf.
Sie beschließt sich auf das Abenteuer einzulassen. Schneller als gedacht verfällt Emma dem Landleben, das alles andere als langweilig ist. Während sie den alten Hof wieder auf Vordermann bringt, wird sie kräftig von ihren Nachbarn und der Dorfgemeinschaft unterstützt. Und schließlich gibt es da auch noch den netten Tierarzt Ben und den etwas undurchsichtigen Polizisten Jack. Es dauert nicht lange und schon beginnt es gewaltig zu knistern. Was Emma jedoch nicht weiß, Jack verbirgt Geheimnisse aus seiner Vergangenheit, die schon bald alle in Gefahr bringen könnten.

Was ich über das Buch denke

Dieses Buch zu lesen war von der ersten bis zur letzten Seite einfach ein Genuss. Sympathische Figuren, der flüssige Schreibstil der Autorin und immer wieder neue Entwicklungen und Enthüllungen ließen es nie langweilig werden und fesselten mich geradezu an das Buch.

Emma ist eine sehr energiegeladene, manchmal etwas sture, fröhliche und nette junge Frau, die Tiere über alles liebt und daher auch große Verfechterin der vegetarischen Nahrung ist. Am liebsten würde sie jeden von dieser Lebensart überzeugen, was manchmal ein ganz klein wenig nervig sein kann. Das ist auch mein einziger winziger Kritikpunkt zu diesem Buch, denn ich lasse mich ungern zu etwas "bekehren". Zu Emmas Chrakter passt das aber sehr gut, da es zeigt, wie sie immer voller Überzeugung und durchaus hartnäckig ihren Standpunkt vertritt.

Alle Hauptpersonen sind facettenreich und sehr gut vorstellbar. Egal ob Jack der strenge aber sehr charmante Polizist oder der knuffige Tierarzt Ben – sie alle sind sofort zu guten Freunden geworden.
Das gesamte Dorf Michaelchurch ist so dargestellt, dass man eigentlich sofort dorthin fahren möchte, um sich ein Bier im Pub zu gönnen und dann weiter auf einen kleinen Besuch bei Emma vorbei zu schauen.

Da Emma von den Dorfbewohnern zuerst als Stadtpflänzchen angesehen wird, kommt es zu einigen recht lustigen Situationen. Überhaupt konnte ich beim Lesen sehr häufig schmunzeln, da die Dialoge witzig und knackig geschrieben sind.
Die Autorin Alexandra Zöbeli hat einen einzigartigen Sinn für komische Szene, die sich fein dosiert durch das Buch ziehen und der Geschichte ihren besonderen Reiz verleihen. Dabei verliert sie in keiner Weise den roten Faden und kombiniert inhaltlich verschiedene Themen: eine Liebesgeschichte entspinnt sich, es gibt Geheimnisse und am Ende fast einen kleinen Actionkrimi. Die Spannung ist perfekt aufgebaut und erreicht auf den letzten 100 Seiten ihren Höhepunkt. Ich kann durchaus sagen, dass dieses Buch Suchtgefahr besitzt. Es war sehr schwer, es wieder aus der Hand zu legen.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass bestimmte Dinge sehr gut recherchiert waren und realistisch dargestellt wurden. Hierbei beziehe ich mich vor allem auf die Darstellung des Lebens der Farmer, mit ihren Problemen und Nöten. Ohne das ich den Inhalt vorwegnehmen will, kann ich sagen, dass es einige sehr ergreifende Szenen in dem Buch gibt. Sie beruhen auf wahren Begebenheiten und verdeutlichen den täglichen Überlebenskampf der Bauern. Alexander Zöbeli schafft es, mit den Nebensträngen des Buches zum Nachdenken anzuregen.

Mein Fazit

Dieses Buch ist mit seiner guten Mischung aus Liebesroman und Action eine gelungene Lektüre für unterhaltsame Stunden. Es macht sehr viel Spaß diese abwechslungsreiche Geschichte zu lesen und richtig Lust noch weitere Bücher der Autorin kennen zu lernen. Eine Fortsetzung, die ein Wiedersehen mit den Bewohnern der Black Mountains verspricht, ist in Arbeit.

Veröffentlicht am 02.09.2018

Leichte Krimiliteratur für entspannte Stunden

Die Toten von Paris
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Worum geht es

1944, nach der Befreiung Paris durch die Alliierten tritt Inspektor Jean Ricolet seinen neuen Posten bei der Pariser Kriminalpolizei an. Kurz darauf muss er im Todesfall eines unbekannten ...

Worum geht es

1944, nach der Befreiung Paris durch die Alliierten tritt Inspektor Jean Ricolet seinen neuen Posten bei der Pariser Kriminalpolizei an. Kurz darauf muss er im Todesfall eines unbekannten Deutschen ermitteln. Gegen den Wunsch seines Chefs legt er den Fall nicht zu den Akten und sucht heimlich weiter nach Hinweisen. Die Spuren führen ihn zur schönen Pauline und einem verschwunden Gemälde. Eine Jagd nach dem Mörder und dem Bild durch ganz Paris beginnt.


Was ich über das Buch denke

Dieses Buch gehört zu der Sorte, wo man bereits auf der ersten Seite mitten in der Handlung steckt und es von da an durchgehend interessant bleibt. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Es kommen häufig kurze, relativ gängige französische Floskeln in den Sätzen vor. Da ich Französisch spreche, stört es mich nicht, im Gegenteil, es gibt der Geschichte den entsprechenden französischen Anklang. Für jemanden der kein Französisch spricht, könnte es eventuell den Lesefluss leicht stören.

Inspektor Jean Ricolet ist eine sympathische Figur. Er kommt vom Land und ist zum ersten Mal in seinem Leben in der französischen Hauptstadt. Ein wenig unsicher zu Anfang und etwas eingeschüchtert von Paris, gewinnt er bald ein gesundes Selbstbewusstsein. Er besitzt einen guten Menschenverstand und lässt sich nicht durch Vorurteile beeinflussen. Beruflich könnte man ihn fast als ein wenig übereifrig sehen, wenn er nicht gleichzeitig eine ausgeprägte Loyalität gegenüber seinen Kollegen und eine gewisse Bescheidenheit an den Tag legen würde. Ein guter Charakter ohne große Ecken und Kanten. Bis zum Ende des Buch hat er nur eine kleine Weiterentwicklung durchlaufen. Sollte es einen zweiten Fall für Monsieur Ricolet geben, würde ich mir noch ein wenig mehr Tiefe bei ihm wünschen.

Ricolet gegenüber steht die weibliche Hauptperson des Buches – Pauline Drucrat. Sie ist Kunststudentin und musste zuvor für die Deutschen als Expertin arbeiten, um wertvolle Kunst aus Frankreich heraus, nach Deutschland zu schaffen. Gleichzeitig war sie jedoch für die Resistance tätig. Bei ihrer Arbeit stößt sie auf ein wertvolles Gemälde von Raffael, das einst ihrer Familie gehörte. Mit der Befreiung Paris verliert sie die Spur des Bildes. Da der Mord scheinbar mit dem verschwundenen Raffael zu tun hat, bekommt sie die Möglichkeit über die polizeilichen Ermittlungen, das Gemälde weiter zu suchen. Sie gerät in einen Gewissenskonflikt zwischen ihren Gefühlen für Ricolet und ihrem persönlichen Interesse an dem Fall. Dies lässt ihre Figur facettenreicher erscheinen.Die Geschichte begleitet abwechselnd Pauline und Ricolet, was eine gute Erzähltechnik ist, um die Spannung zu steigern.

Das Buch ist für mich ein klassischer Kriminalroman mit einem guten Plot, aber auch nicht mehr. Manchmal war es ein wenig wie Räuber und Gendarme und ich musste teilweise sogar nachsichtig schmunzeln.

Was ich wiederum als sehr gut gelungen empfunden habe, ist das Einbetten der Handlung in die Zeit nach der Befreiung Paris. Die Autorin stellt sehr gut die Konflikte der französischen Bevölkerung nach dem Abzug der Deutschen heraus. Wer mit den Deutschen zusammen gearbeitet hat, ist jetzt ein Kollaborateur, egal ob diese Zusammenarbeit freiwillig stattgefunden hat oder nicht. Diejenigen, die noch zuvor mit dem Gutheißen der Vichy-Regierung Mitglieder der Resistance gejagt haben, müssen nun selber fliehen. Frankreich ist ohne Regierung und muss sich neu organisieren. Es zeigt ein wenig die zwei unterschiedlichen politischen Haltungen, die von Franzosen während des 2. Weltkrieges eingenommen wurden.


Mein Fazit

Die Toten von Paris ist ein unterhaltsamer Kriminalroman mit französischem Flair. Die Geschichte ist flüssig erzählt und hat ihren Reiz. Wer absolute Spannung und psychologische Ermittlungsarbeit sucht, ist hier jedoch falsch.
Eine gute Krimilektüre für entspannte Stunden.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Ein etwas anderes Buch

Beim Ruf der Eule
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Worum geht es

Maeve Maloney ist über Achtzig aber sie führt noch immer ihre kleine Pension im englischen Küstenort Morecambe, wo sie behinderte Menschen willkommen heißt. Die täglichen Aufgaben und das ...

Worum geht es

Maeve Maloney ist über Achtzig aber sie führt noch immer ihre kleine Pension im englischen Küstenort Morecambe, wo sie behinderte Menschen willkommen heißt. Die täglichen Aufgaben und das Bewirten der Gäste nehmen sie komplett in Beschlag, bis kurz vor Weihnachten auf einmal Vincent Roper vor der Tür steht. Ein Freund aus Maeves Jugendzeit und gleichzeitig der einzige, der noch ihre Zwillingsschwester Edith kannte, die an einer starken Behinderung litt. Vincent bringt die Schatten der Vergangenheit mit und Maeve ist gezwungen sich dieser nun endlich zu stellen.


Was ich über das Buch denke

Cover und Titel des Buches haben mich aufmerksam werden lassen. "Beim Ruf der Eule" klang für mich geheimnisvoll und irgendwie nach etwas nicht Alltäglichem.
Dies hat sich auch für mich während des Lesens bestätigt. Das Buch thematisiert das Leben von behinderten Menschen und zeigt, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, wenn sie auf einmal mit einer Behinderung konfrontiert werden.

Die Zwillinge Edith und Maeve werden in den Dreißiger-Jahren geboren, aber während Maeve ganz normal ist, stellen die Ärzte bei Edith starke körperliche und geistige Beeinträchtigungen fest. Die Geschichte zeigt sehr deutlich die damalige Haltung, dass Menschen, die anders sind, besser in eine Anstalt abgeschoben gehören. Das die Familie Maloney sich dafür entscheidet, Edith mit viel Liebe zu Hause groß zu ziehen, bringt ihnen nicht nur Befürworter.

Die Autorin arbeitet sehr gut heraus, wie groß die Verantwortung ist, die auf Maeve lastet, da sie sich viel um ihre Schwester kümmern muss und eigentlich nie hundertprozentig nur ihr eigenes Leben lebt. Als Leser spürt man Maeves Zerrissenheit gut. Immer öfter muss sie zwischen ihren eigenen Wünschen und Träumen und der Liebe zu ihrer Schwester und dem Pflichtgefühl sich um sie zu kümmern, entscheiden.
All das dürfte auch ihren Charakter geprägt haben, denn Maeve ist, als Hauptfigur des Buches, definitiv nicht einfach und es braucht Zeit, sie ins Herz zu schließen.

Die Achtzig-Jahre alte Maeve wirkt oft ruppig und unnahbar und scheint von den Menschen in ihrer Umgebung wenig zu halten und sich schwer zu tun, liebevolle Beziehungen aufzubauen. Mit dem fortschreiten der Erzählung kann man als Leser aber durchaus nachvollziehen, warum Maeve so ist, wie sie ist – eine etwas verbitterte alte Frau, die vielen verpassten Gelegenheiten nachweint, ohne zu merken, dass sie eigentlich bereits alles hat, was sie sich wünscht. Dies ist auch eine der Botschaften des Romans.

Eine sehr schöne Nebenhandlung bilden Len und Steph, die bei Maeve in der Pension arbeiten. Beide haben das Down-Syndrom aber sie lieben sich und möchten ihre Liebe auch gern zusammen leben. Ihr Kampf um etwas Autonomie, trotz ihrer Behinderung und die Sicht der Behörden, bilden den Gegenpol zur Geschichte in der Vergangenheit.
Mit Edith in der Vergangenheit und Len und Steph in der Gegenwart zeigt die Autorin wunderbar die Entwicklung, die die Gesellschaft im Umgang mit Behinderten vollzogen hat.

Eine Besonderheit des Buches ist sein Erzählstil. Die Geschichte spielt in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Beides geht jedoch fließend in einander über und ist nicht separat gekennzeichnet. Sich an diese Art des Erzählens zu gewöhnen, ist zu Beginn nicht einfach und kann den Lesefluss hemmen. Aber es passt zur Stimmung des Buches und zwingt einen, dieses Geschichte sehr aufmerksam und intensiv zu lesen. Maeve erzählt in der Ich-Form, was gerade in der Gegenwart passiert aber schweift gleichzeitig immer wieder mit ihren Gedanken in die Vergangenheit und erinnert sich an Ereignisse aus ihrer Kindheit und Jugend. Diese Erinnerungen sind nicht chronologisch, was es manchmal erschwert, der Geschichte zu folgen. Man könnte das Ganze auch wie eine Art Gedankentagebuch von Maeve empfinden.

Die Erzählung wird an mehreren Stellen durch Briefe und Berichte von Ärzten oder Sozialarbeitern unterbrochen.
Auch Edith kommt zu Wort und es ist passend, das die Autorin für sie einen sehr abgehackten, kindlichen Sprachstil verwendet. Edith kann sich auf Grund ihrer geistigen Behinderung nur sehr schwer artikulieren. Das wird in ihren kurzen Absätzen deutlich und unterstreicht gleichzeitig das Bedürfnis der Autorin, behinderte Menschen gleichberechtigt zu behandeln.


Mein Fazit

Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen. Inhaltlich hebt sich "Beim Ruf der Eule" nicht nur durch seine Themenwahl von anderen Büchern ab, sondern auch durch seine Art des Erzählens. Dieser Schreibstil könnte allerdings von vielen Lesern als kompliziert empfunden werden und daher den Spaß an der Lektüre nehmen. Es ist ein sehr einfühlsames Buch, bei dem viel zwischen den Zeilen gelesen werden sollte.

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  • Erzählstil
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  • Umsetzung
Veröffentlicht am 08.08.2018

Ein Buch das zu Herzen geht, vielschichtig, tiefsinnig, emotional und ergreifend

Ein Song bleibt für immer
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Normalerweise gehen ich beim Schreiben meiner Rezensionen immer nach einem gewissen Schema vor, um das gelesene Buch zu bewerten. Dieses Buch kann man jedoch in kein Schema pressen. Es ist einzigartig ...

Normalerweise gehen ich beim Schreiben meiner Rezensionen immer nach einem gewissen Schema vor, um das gelesene Buch zu bewerten. Dieses Buch kann man jedoch in kein Schema pressen. Es ist einzigartig und hat mich auf eine Weise berührt, die ich nur schwer in Worte fassen kann.

Worum geht es

“Ein Song bleibt für immer” gibt einen Einblick in das Leben der seit ihrer Geburt an Mukoviszidose erkrankten Alice. Mukoviszidose ist eine Lungenkrankheit, die den betroffenen Personen die Luft zum Atmen raubt und zum frühzeitigen Tod führt. Nur eine Lungentransplantation kann Alice noch retten. Trotz oder gerade wegen dieser Krankheit ist Alice eine Kämpfernatur, die ihr Leben in vollen Zügen lebt und alles daran setzt, ihren Traum zu verwirklichen – eine berühmte Sängerin zu werden und einen Plattenvertrag zu bekommen. Alice lernt Tom kennen und zwischen den beiden entwickelt sich eine romantische Liebesgeschichte. Doch die Krankheit drängt sich immer wieder in den Vordergrund.

Was ich über das Buch denke

Das Buch geht sehr geschickt und einfühlsam mit dem Thema Mukoviszidose um. Als Leser erfährt man sehr viele Details über diese genetisch bedingte Krankheit und was es bedeutet damit zu leben. An keiner Stelle wird es dabei langweilig, belehrend oder zu wissenschaftlich.

Alice ist eine unglaublich starke junge Frau. Sie erzählt den größten Teil der Geschichte aus ihrer persönlichen Perspektive und wird mit ihrer humorvollen, selbstironischen Art bereits nach wenigen Seiten zu einer guten Freundin, von der man meint, sie bereits eine Ewigkeit zu kennen. Ich habe mit ihr und ihrer Freundin Cat über Witze lachen können und habe mit ihr gelitten, wenn die Luft zum atmen fehlte oder sie einen ihrer Anfälle hatte.
Stellt euch vor, ihr lebt euer Leben in dem Wissen, dass ihr wahrscheinlich nicht älter als 30 werdet. Wie geht man mit diesem Damoklesschwert um, dem Tod der nur einen Atemzug weit entfernt ist. Wie lebt man damit, eigentlich keine Zukunft zu haben. Lieben, Heiraten, Kinder bekommen – ganz natürliche Dinge sind plötzlich unwahrscheinlich bis unmöglich. Das Buch beleuchtet verschiedene Varianten, wie die Betroffenen trotz allem ihr Leben leben.

Neben Alice Ich-Erzählung kommt auch ihre Mutter Mary zu Wort. In Tagebucheinträgen beschreibt sie ihre Sicht der Dinge. Diese Abschnitte sind sehr emotional und gehen ans Herz, gibt Mary doch einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und Ängste als Mutter.

Es wird sehr gut deutlich, dass Alice, die mit der Krankheit leben muss, nicht die Einzige ist, die darunter leidet. Ihre Familie, Eltern und ihr Bruder, aber auch ihre Freunde und sogar die Freunde ihrer Freunde werden alle auf die ein oder andere Weise mit der Krankheit konfrontiert und müssen damit klarkommen.
Es ist wunderschön, Zeuge der bedingungslosen Liebe und Fürsorge zwischen den Mitgliedern aus Alice Familie zu werden. Wie sie die harte Realität der Krankheit meistern und dabei nie aufgeben oder zusammenbrechen, finde ich unglaublich stark.

Dieses Buch ist voller Denkanstöße: der Umgang mit Menschen mit einer schweren Krankheit, Organspende und Organtransplantation, der Sinn des eigenen Lebens… und trotz all dieser ernsten und schweren Themen ist dieses Buch voll von schönen Momenten und lustigen Szenen, die einem den Ernst und die Traurigkeit wieder vergessen lassen. Hat man gerade noch einen Klos im Hals, weil Alice darum fleht, noch nicht sterben zu müssen, so lacht man bereits auf der nächsten Seite wieder über eine urkomische Bemerkung von ihrem Freund Tom.
Die Geschichte ist voll mit Liebe und Lebenslust und auf jeder Seite ist das Herzblut zu spüren, dass die Autorin, Alice Peterson, in dieses Buch hat fließen lassen.

Alice arbeitet verbissen an ihrem Musikprojekt. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als der Welt etwas von sich zu hinterlassen, für den Fall, dass ihre Krankheit das letzte Wort haben sollte. Das Cover des Buches greift diesen Aspekt sehr schön auf. Eine Schallplatte dreht sich mit einer jungen Frau in der Mitte. Vielleicht ist es Alice erstes Album.

Die Geschichte von Alice ist angelehnt, an das Leben der britischen Sängerin Alice Martineau. Ich würde davon abraten, sich vor dem Lesen über die Sängerin zu informieren, um so nichts vorweg zu nehmen. Aber am Ende sollten ihre Lieder erklingen und so der Alice aus dem Roman und der realen Alice, das letzte Wort und die letzte Melodie lassen.

Mein Fazit

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es wartet eine Achterbahnfahrt der Gefühle und es werden Tränen kullern vor lachen und vor weinen, aber genau das, macht dieses Buch so besonders. Ein wunderschönes Buch, vielschichtig, tiefsinnig, emotional, ergreifend

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