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Veröffentlicht am 28.10.2018

Eine fantastische Charakterstudie

Hemingway und ich
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Worum es geht

Durch Zufall lernt die angehende Schriftstellerin Martha Gellhorn ihr großes Idol Ernest Hemingway kennen und folgt ihm nach Spanien in den Bürgerkrieg. Dort beginnt nicht nur ihre Karriere ...

Worum es geht

Durch Zufall lernt die angehende Schriftstellerin Martha Gellhorn ihr großes Idol Ernest Hemingway kennen und folgt ihm nach Spanien in den Bürgerkrieg. Dort beginnt nicht nur ihre Karriere als eine der ersten weiblichen Kriegsberichterstatterinnen, sondern auch die Liebe zwischen ihr und dem Autor.
Beide lassen sich auf eine Beziehung ein – mit all ihren Folgen. Mit der Zeit fällt es Martha immer schwerer, aus Hemingways Schatten herauszutreten und um ihrer selbst Willen Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen. Die Konflikte zwischen den beiden häufen sich und ihre Liebe unterliegt einer harten Prüfung.

Was ich über das Buch denke

Paula McLain hat mich von der ersten Seite an in die Welt von Martha und Ernest mitgenommen. Die Geschichte behandelt die Zeitspanne von 1936 - 1945, vom Kennenlernen über die Heirat von Ernest und Martha, bis hin zum Ende ihrer Beziehung. Die Autorin hat ihren Roman auf biografischen Fakten und wirklichen Begebenheiten aufgebaut. Beim Lesen darf aber nie vergessen werden, dass letztendlich die Figuren, so wie sie im Roman dargestellt werden, rein fiktiv sind. Es ist nicht immer leicht diesen Unterschied zu machen, da das Buch so hervorragend geschrieben ist, als hätte sich alles genaus abgespielt.
Die Handlung ist aus der Sicht von Martha in der Ich-Erzähl-Perspektive geschrieben. Ihre Figur bildet den Dreh- und Angelpunkt des Buches. Daneben ist Ernest Hemingway eine weitere Hauptfigur. Alle anderen Personen, die im Verlauf der Geschichte genannt werden, haben eine sehr untergeordnete Rolle. Aber diese Geschichte braucht auch nur Martha und Ernest. Beide sind so außergewöhnliche und gewaltige Charaktere, dass sie das Buch mit Leichtigkeit ausfüllen.

Martha Gellhorn ist eine Frau, die mir Respekt und Bewunderung abverlangt. Für die damalige Zeit sind ihre Liebe zur Unabhängigkeit und ihre leidenschaftliche Arbeit als Kriegsreporterin außergewöhnlich. Sie brennt dafür und sie lebt dafür. Allerdings ist mir die fiktive Martha bis zum Ende des Buches nicht wirklich sympathisch geworden. Viele ihrer Denkweisen waren für mich schwer nachvollziehbar und oft habe ich sie als kühl und ambivalent empfunden.
Ähnlich ging es mir auch mit Hemingway. Er wird ebenfalls nicht als leichter Charakter dargestellt und der fiktive Ernest im Buch hat mich, genauso wie Martha, des Öfteren in die Verzweiflung getrieben.
Diese beiden Menschen waren Naturgewalten, die aufeinanander getroffen sind. Daraus resultierte eine große Leidenschaft aber auch unendliches Chaos und am Ende blieb nur noch Schmerz und Leid übrig.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist Marthas Gefühl neben Ernest nicht als Schriftstellerin bestehen zu können. Sein Erfolg schiebt sich oft zwischen beide und lässt Martha teilweise sogar eifersüchtig werden. Anders herum geht es Ernest auch nicht besser. Er leidet unter Marthas Reisen als Kriegreporterin und reagiert darauf mit Trotz und Erpressung.
Paula McLain beleuchtet mit feinem Gespür die einzelnen Etappen der Beziehung und lässt uns sozusagen hinter die Kulissen der Ehe dieses berühmten Paares blicken.

Paula McLain hat eine überzeugende Charakterstudie auf Basis der Biografien zweier großer Persönlichkeiten geschrieben, die das Schicksal für einige Jahre zusammen gebracht hat. Zusammen mit dem politischen Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs und des zweiten Weltkriegs ergibt sich eine dynamische und dramatische Liebesgeschichte.
Das Buch ist fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Die nicht ganz einfache Lektüre, die Darstellungen des Krieges, aber auch die zwischenmenschlichen Emotionen von Ernest und Martha, haben mich immer wieder zum Innehalten und zum Nachdenken gezwungen. Auch der englische Titel "Love and ruin" (Liebe und Ruin) ist sehr passen, denn am Ende geht es genau darum: eine große Liebe und ihr Niedergang.

Diese Geschichte regt dazu an, mehr über Hemingway zu erfahren, diesen genialen Schriftsteller und doch zeitweise sehr eigenwillige Person und auch Martha Gellhorn. Oft wird sie nur als Hemingways dritte Ehefrau gehandelt und doch wollte sie genau das nicht sein. Sie wollte auf Grund ihrer Arbeit anerkannt werden und hat dafür alles gegeben. Dieses Buch gibt ihr eine eigene Stimme und sorgt dafür, dass sie nicht vergessen wird.

Mein Fazit

"Hemingway & ich" ist ein hervorragender Roman über die Beziehung zwischen Ernest Hemingway und Martha Gellhorn. Der Schreibstil von Paula McLain erweckt die damalige Zeit und die Figuren sehr anschaulich zum Leben. Es ist weniger ein Buch zum Entspannen, mehr zum Nachdenken. Aber es ist ein Buch, welches es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzähstil
  • Atmosphäre
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2018

Unterhaltsamer Lesespaß

Der Himmel über den Black Mountains
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Worum es geht

Emma hat ein geordnetes Leben mit Job und Freund in London, als sie vom Tod ihrer Tante Milly erfährt, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Trotzdem erbt Emma den Bauernhof ...

Worum es geht

Emma hat ein geordnetes Leben mit Job und Freund in London, als sie vom Tod ihrer Tante Milly erfährt, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Trotzdem erbt Emma den Bauernhof in den Black Mountains und Tante Millys Vermögen. Allerdings hat die Sache einen Haken. Emma muss zuerst ein ganzes Jahr auf der Farm verbringen, bevor sie das Erbe rechtmäßig antreten darf.
Sie beschließt sich auf das Abenteuer einzulassen. Schneller als gedacht verfällt Emma dem Landleben, das alles andere als langweilig ist. Während sie den alten Hof wieder auf Vordermann bringt, wird sie kräftig von ihren Nachbarn und der Dorfgemeinschaft unterstützt. Und schließlich gibt es da auch noch den netten Tierarzt Ben und den etwas undurchsichtigen Polizisten Jack. Es dauert nicht lange und schon beginnt es gewaltig zu knistern. Was Emma jedoch nicht weiß, Jack verbirgt Geheimnisse aus seiner Vergangenheit, die schon bald alle in Gefahr bringen könnten.

Was ich über das Buch denke

Dieses Buch zu lesen war von der ersten bis zur letzten Seite einfach ein Genuss. Sympathische Figuren, der flüssige Schreibstil der Autorin und immer wieder neue Entwicklungen und Enthüllungen ließen es nie langweilig werden und fesselten mich geradezu an das Buch.

Emma ist eine sehr energiegeladene, manchmal etwas sture, fröhliche und nette junge Frau, die Tiere über alles liebt und daher auch große Verfechterin der vegetarischen Nahrung ist. Am liebsten würde sie jeden von dieser Lebensart überzeugen, was manchmal ein ganz klein wenig nervig sein kann. Das ist auch mein einziger winziger Kritikpunkt zu diesem Buch, denn ich lasse mich ungern zu etwas "bekehren". Zu Emmas Chrakter passt das aber sehr gut, da es zeigt, wie sie immer voller Überzeugung und durchaus hartnäckig ihren Standpunkt vertritt.

Alle Hauptpersonen sind facettenreich und sehr gut vorstellbar. Egal ob Jack der strenge aber sehr charmante Polizist oder der knuffige Tierarzt Ben – sie alle sind sofort zu guten Freunden geworden.
Das gesamte Dorf Michaelchurch ist so dargestellt, dass man eigentlich sofort dorthin fahren möchte, um sich ein Bier im Pub zu gönnen und dann weiter auf einen kleinen Besuch bei Emma vorbei zu schauen.

Da Emma von den Dorfbewohnern zuerst als Stadtpflänzchen angesehen wird, kommt es zu einigen recht lustigen Situationen. Überhaupt konnte ich beim Lesen sehr häufig schmunzeln, da die Dialoge witzig und knackig geschrieben sind.
Die Autorin Alexandra Zöbeli hat einen einzigartigen Sinn für komische Szene, die sich fein dosiert durch das Buch ziehen und der Geschichte ihren besonderen Reiz verleihen. Dabei verliert sie in keiner Weise den roten Faden und kombiniert inhaltlich verschiedene Themen: eine Liebesgeschichte entspinnt sich, es gibt Geheimnisse und am Ende fast einen kleinen Actionkrimi. Die Spannung ist perfekt aufgebaut und erreicht auf den letzten 100 Seiten ihren Höhepunkt. Ich kann durchaus sagen, dass dieses Buch Suchtgefahr besitzt. Es war sehr schwer, es wieder aus der Hand zu legen.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass bestimmte Dinge sehr gut recherchiert waren und realistisch dargestellt wurden. Hierbei beziehe ich mich vor allem auf die Darstellung des Lebens der Farmer, mit ihren Problemen und Nöten. Ohne das ich den Inhalt vorwegnehmen will, kann ich sagen, dass es einige sehr ergreifende Szenen in dem Buch gibt. Sie beruhen auf wahren Begebenheiten und verdeutlichen den täglichen Überlebenskampf der Bauern. Alexander Zöbeli schafft es, mit den Nebensträngen des Buches zum Nachdenken anzuregen.

Mein Fazit

Dieses Buch ist mit seiner guten Mischung aus Liebesroman und Action eine gelungene Lektüre für unterhaltsame Stunden. Es macht sehr viel Spaß diese abwechslungsreiche Geschichte zu lesen und richtig Lust noch weitere Bücher der Autorin kennen zu lernen. Eine Fortsetzung, die ein Wiedersehen mit den Bewohnern der Black Mountains verspricht, ist in Arbeit.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Ein etwas anderes Buch

Beim Ruf der Eule
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Worum geht es

Maeve Maloney ist über Achtzig aber sie führt noch immer ihre kleine Pension im englischen Küstenort Morecambe, wo sie behinderte Menschen willkommen heißt. Die täglichen Aufgaben und das ...

Worum geht es

Maeve Maloney ist über Achtzig aber sie führt noch immer ihre kleine Pension im englischen Küstenort Morecambe, wo sie behinderte Menschen willkommen heißt. Die täglichen Aufgaben und das Bewirten der Gäste nehmen sie komplett in Beschlag, bis kurz vor Weihnachten auf einmal Vincent Roper vor der Tür steht. Ein Freund aus Maeves Jugendzeit und gleichzeitig der einzige, der noch ihre Zwillingsschwester Edith kannte, die an einer starken Behinderung litt. Vincent bringt die Schatten der Vergangenheit mit und Maeve ist gezwungen sich dieser nun endlich zu stellen.


Was ich über das Buch denke

Cover und Titel des Buches haben mich aufmerksam werden lassen. "Beim Ruf der Eule" klang für mich geheimnisvoll und irgendwie nach etwas nicht Alltäglichem.
Dies hat sich auch für mich während des Lesens bestätigt. Das Buch thematisiert das Leben von behinderten Menschen und zeigt, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, wenn sie auf einmal mit einer Behinderung konfrontiert werden.

Die Zwillinge Edith und Maeve werden in den Dreißiger-Jahren geboren, aber während Maeve ganz normal ist, stellen die Ärzte bei Edith starke körperliche und geistige Beeinträchtigungen fest. Die Geschichte zeigt sehr deutlich die damalige Haltung, dass Menschen, die anders sind, besser in eine Anstalt abgeschoben gehören. Das die Familie Maloney sich dafür entscheidet, Edith mit viel Liebe zu Hause groß zu ziehen, bringt ihnen nicht nur Befürworter.

Die Autorin arbeitet sehr gut heraus, wie groß die Verantwortung ist, die auf Maeve lastet, da sie sich viel um ihre Schwester kümmern muss und eigentlich nie hundertprozentig nur ihr eigenes Leben lebt. Als Leser spürt man Maeves Zerrissenheit gut. Immer öfter muss sie zwischen ihren eigenen Wünschen und Träumen und der Liebe zu ihrer Schwester und dem Pflichtgefühl sich um sie zu kümmern, entscheiden.
All das dürfte auch ihren Charakter geprägt haben, denn Maeve ist, als Hauptfigur des Buches, definitiv nicht einfach und es braucht Zeit, sie ins Herz zu schließen.

Die Achtzig-Jahre alte Maeve wirkt oft ruppig und unnahbar und scheint von den Menschen in ihrer Umgebung wenig zu halten und sich schwer zu tun, liebevolle Beziehungen aufzubauen. Mit dem fortschreiten der Erzählung kann man als Leser aber durchaus nachvollziehen, warum Maeve so ist, wie sie ist – eine etwas verbitterte alte Frau, die vielen verpassten Gelegenheiten nachweint, ohne zu merken, dass sie eigentlich bereits alles hat, was sie sich wünscht. Dies ist auch eine der Botschaften des Romans.

Eine sehr schöne Nebenhandlung bilden Len und Steph, die bei Maeve in der Pension arbeiten. Beide haben das Down-Syndrom aber sie lieben sich und möchten ihre Liebe auch gern zusammen leben. Ihr Kampf um etwas Autonomie, trotz ihrer Behinderung und die Sicht der Behörden, bilden den Gegenpol zur Geschichte in der Vergangenheit.
Mit Edith in der Vergangenheit und Len und Steph in der Gegenwart zeigt die Autorin wunderbar die Entwicklung, die die Gesellschaft im Umgang mit Behinderten vollzogen hat.

Eine Besonderheit des Buches ist sein Erzählstil. Die Geschichte spielt in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Beides geht jedoch fließend in einander über und ist nicht separat gekennzeichnet. Sich an diese Art des Erzählens zu gewöhnen, ist zu Beginn nicht einfach und kann den Lesefluss hemmen. Aber es passt zur Stimmung des Buches und zwingt einen, dieses Geschichte sehr aufmerksam und intensiv zu lesen. Maeve erzählt in der Ich-Form, was gerade in der Gegenwart passiert aber schweift gleichzeitig immer wieder mit ihren Gedanken in die Vergangenheit und erinnert sich an Ereignisse aus ihrer Kindheit und Jugend. Diese Erinnerungen sind nicht chronologisch, was es manchmal erschwert, der Geschichte zu folgen. Man könnte das Ganze auch wie eine Art Gedankentagebuch von Maeve empfinden.

Die Erzählung wird an mehreren Stellen durch Briefe und Berichte von Ärzten oder Sozialarbeitern unterbrochen.
Auch Edith kommt zu Wort und es ist passend, das die Autorin für sie einen sehr abgehackten, kindlichen Sprachstil verwendet. Edith kann sich auf Grund ihrer geistigen Behinderung nur sehr schwer artikulieren. Das wird in ihren kurzen Absätzen deutlich und unterstreicht gleichzeitig das Bedürfnis der Autorin, behinderte Menschen gleichberechtigt zu behandeln.


Mein Fazit

Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen. Inhaltlich hebt sich "Beim Ruf der Eule" nicht nur durch seine Themenwahl von anderen Büchern ab, sondern auch durch seine Art des Erzählens. Dieser Schreibstil könnte allerdings von vielen Lesern als kompliziert empfunden werden und daher den Spaß an der Lektüre nehmen. Es ist ein sehr einfühlsames Buch, bei dem viel zwischen den Zeilen gelesen werden sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Umsetzung
Veröffentlicht am 08.08.2018

Ein Buch das zu Herzen geht, vielschichtig, tiefsinnig, emotional und ergreifend

Ein Song bleibt für immer
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Normalerweise gehen ich beim Schreiben meiner Rezensionen immer nach einem gewissen Schema vor, um das gelesene Buch zu bewerten. Dieses Buch kann man jedoch in kein Schema pressen. Es ist einzigartig ...

Normalerweise gehen ich beim Schreiben meiner Rezensionen immer nach einem gewissen Schema vor, um das gelesene Buch zu bewerten. Dieses Buch kann man jedoch in kein Schema pressen. Es ist einzigartig und hat mich auf eine Weise berührt, die ich nur schwer in Worte fassen kann.

Worum geht es

“Ein Song bleibt für immer” gibt einen Einblick in das Leben der seit ihrer Geburt an Mukoviszidose erkrankten Alice. Mukoviszidose ist eine Lungenkrankheit, die den betroffenen Personen die Luft zum Atmen raubt und zum frühzeitigen Tod führt. Nur eine Lungentransplantation kann Alice noch retten. Trotz oder gerade wegen dieser Krankheit ist Alice eine Kämpfernatur, die ihr Leben in vollen Zügen lebt und alles daran setzt, ihren Traum zu verwirklichen – eine berühmte Sängerin zu werden und einen Plattenvertrag zu bekommen. Alice lernt Tom kennen und zwischen den beiden entwickelt sich eine romantische Liebesgeschichte. Doch die Krankheit drängt sich immer wieder in den Vordergrund.

Was ich über das Buch denke

Das Buch geht sehr geschickt und einfühlsam mit dem Thema Mukoviszidose um. Als Leser erfährt man sehr viele Details über diese genetisch bedingte Krankheit und was es bedeutet damit zu leben. An keiner Stelle wird es dabei langweilig, belehrend oder zu wissenschaftlich.

Alice ist eine unglaublich starke junge Frau. Sie erzählt den größten Teil der Geschichte aus ihrer persönlichen Perspektive und wird mit ihrer humorvollen, selbstironischen Art bereits nach wenigen Seiten zu einer guten Freundin, von der man meint, sie bereits eine Ewigkeit zu kennen. Ich habe mit ihr und ihrer Freundin Cat über Witze lachen können und habe mit ihr gelitten, wenn die Luft zum atmen fehlte oder sie einen ihrer Anfälle hatte.
Stellt euch vor, ihr lebt euer Leben in dem Wissen, dass ihr wahrscheinlich nicht älter als 30 werdet. Wie geht man mit diesem Damoklesschwert um, dem Tod der nur einen Atemzug weit entfernt ist. Wie lebt man damit, eigentlich keine Zukunft zu haben. Lieben, Heiraten, Kinder bekommen – ganz natürliche Dinge sind plötzlich unwahrscheinlich bis unmöglich. Das Buch beleuchtet verschiedene Varianten, wie die Betroffenen trotz allem ihr Leben leben.

Neben Alice Ich-Erzählung kommt auch ihre Mutter Mary zu Wort. In Tagebucheinträgen beschreibt sie ihre Sicht der Dinge. Diese Abschnitte sind sehr emotional und gehen ans Herz, gibt Mary doch einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und Ängste als Mutter.

Es wird sehr gut deutlich, dass Alice, die mit der Krankheit leben muss, nicht die Einzige ist, die darunter leidet. Ihre Familie, Eltern und ihr Bruder, aber auch ihre Freunde und sogar die Freunde ihrer Freunde werden alle auf die ein oder andere Weise mit der Krankheit konfrontiert und müssen damit klarkommen.
Es ist wunderschön, Zeuge der bedingungslosen Liebe und Fürsorge zwischen den Mitgliedern aus Alice Familie zu werden. Wie sie die harte Realität der Krankheit meistern und dabei nie aufgeben oder zusammenbrechen, finde ich unglaublich stark.

Dieses Buch ist voller Denkanstöße: der Umgang mit Menschen mit einer schweren Krankheit, Organspende und Organtransplantation, der Sinn des eigenen Lebens… und trotz all dieser ernsten und schweren Themen ist dieses Buch voll von schönen Momenten und lustigen Szenen, die einem den Ernst und die Traurigkeit wieder vergessen lassen. Hat man gerade noch einen Klos im Hals, weil Alice darum fleht, noch nicht sterben zu müssen, so lacht man bereits auf der nächsten Seite wieder über eine urkomische Bemerkung von ihrem Freund Tom.
Die Geschichte ist voll mit Liebe und Lebenslust und auf jeder Seite ist das Herzblut zu spüren, dass die Autorin, Alice Peterson, in dieses Buch hat fließen lassen.

Alice arbeitet verbissen an ihrem Musikprojekt. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als der Welt etwas von sich zu hinterlassen, für den Fall, dass ihre Krankheit das letzte Wort haben sollte. Das Cover des Buches greift diesen Aspekt sehr schön auf. Eine Schallplatte dreht sich mit einer jungen Frau in der Mitte. Vielleicht ist es Alice erstes Album.

Die Geschichte von Alice ist angelehnt, an das Leben der britischen Sängerin Alice Martineau. Ich würde davon abraten, sich vor dem Lesen über die Sängerin zu informieren, um so nichts vorweg zu nehmen. Aber am Ende sollten ihre Lieder erklingen und so der Alice aus dem Roman und der realen Alice, das letzte Wort und die letzte Melodie lassen.

Mein Fazit

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es wartet eine Achterbahnfahrt der Gefühle und es werden Tränen kullern vor lachen und vor weinen, aber genau das, macht dieses Buch so besonders. Ein wunderschönes Buch, vielschichtig, tiefsinnig, emotional, ergreifend

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Authentizität
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Thema
Veröffentlicht am 30.04.2018

Ein Buch wie Zitroneneis

Ein Sommer wie Limoneneis
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Der Biss in eine Zitrone weckt in uns ganz unterschiedliche Emotionen. Als erstes spüren wir den sauren Geschmack und es ziehen sich alle Muskeln im Gesicht zusammen. Gleichzeitig ist es aber auch ein ...

Der Biss in eine Zitrone weckt in uns ganz unterschiedliche Emotionen. Als erstes spüren wir den sauren Geschmack und es ziehen sich alle Muskeln im Gesicht zusammen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Erlebnis voll Frische und ein Hauch von Sommer. Gepaart mit den richtigen Zutaten, kann die Zitrone aber auch zum himmlischen Dessert werden.
So vielfältig wie den Genuss einer Zitrone ist auch mit einem Schlag das Leben von Marco Pantanella geworden.
Als erfolgreicher Immobilienanwalt in München kennt Marco nur seine Arbeit. Als seine Frau Angelika ihn um die Scheidung bittet und er gleichzeitig ein Burnout erleidet, wird Marco gezwungen, sich mit seiner gegenwärtigen Lebenssituation auseinander zu setzen. Um etwas klarer zu sehen, fährt er auf die Zitronenplantage seines Vaters nach Amalfi. Hier holen ihn die Erinnerungen an seine Jugend wieder ein. Aber auch die Nachfolgefrage der Familienplantage will geklärt werden. Und dann gibt es da noch Lisabetta, Marcos große Jugendliebe.

Noch bevor ich überhaupt angefangen habe das Buch zu lesen, hatte es mich bereits gefesselt. Ein wunderschönes Cover mit leuchtend gelben Zitronen stimmt sofort auf einen leichten Sommerroman ein. Auf der Innenseite des Umschlages befindet sich ein Rezept für Zitronensorbet, dass einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Jedes Kapitel ist mit kleinen Blütenzeichnungen verschönert. Optisch wurde hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.

Aber auch inhaltlich hat das Buch viel zu bieten. "Ein Sommer wie Limoneneis" ist nicht nur einfach eine seichte Sommerromanze. Selbstverständlich versetzt uns die Autorin Marie Matisek wunderbar in ein italienisches Urlaubsparadies, wo auch einige Klischees wie Pasta oder Urlaubsflirts nicht fehlen dürfen. Und trotzdem hat Marcos Geschichte einen Tiefgang, den man nicht unbedingt erwartet hätte. Marco steht vor der schwierigen Entscheidung, wie es nach seinem Burnout weiter gehen soll. Er muss erkennen, dass er durch die Arbeit, die sein Leben zu 100% bestimmte, vieles verpasst hat. Vor allem das Zusammensein mit seinen Kindern Sabrina und Luis. Auch das nicht immer leichte Verhältnis zwischen Marco und seinem Vater und den Erwartungen die der jeweils eine an den anderen stellt, spielen eine Rolle. Was ist wichtig im Leben? Arbeit und Geldverdienen oder auch einmal das Leben genießen und einfach nur mit Familie und Freunden glücklich sein?

Marie Matisek führt uns mit einer leichten und erfrischenden Schreibweise durch das Buch, die den Leser von Anfang an in die Geschichte hinein zieht. Die Personen sind klar gezeichnet und jeder hat so seinen kleinen Spleen der ihn oder sie sympathisch werden lässt.
Auch Marco macht eine interessante Veränderung im Laufe der Handlung durch.

Mit 300 Seiten ist "Ein Sommer wie Limoneneis" nicht allzu dick, also eine wunderbare Urlaubslektüre. Die Geschichte ist locker und erfrischend, nicht ohne aber auch die bitteren Seiten des Lebens zu vergessen - genau wie der Geschmack einer Zitrone. Das gibt dem Buch Tiefgang und regt durchaus zum Nachdenken an.