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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2019

Gelungener Thriller, der rasant startet und die Spannung bis zuletzt aufrechterhält.

Psychospiel
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Inhalt: Die Kommissarin Emma Mendel wird zu einer ungewöhnlichen Geiselnahme gerufen: Ein Unbekannter hat sich in der Klinik eines Frauenarztes verschanzt und will, dass die Polizei kommt. Sobald Emma ...

Inhalt: Die Kommissarin Emma Mendel wird zu einer ungewöhnlichen Geiselnahme gerufen: Ein Unbekannter hat sich in der Klinik eines Frauenarztes verschanzt und will, dass die Polizei kommt. Sobald Emma am Tatort ankommt, nimmt er Kontakt mit ihr auf und stellt sie vor eine unmögliche Wahl: Er will sie zwingen, zwischen dem Leben zweier Geiseln zu entscheiden. Als Emma sich weigert, an seinem „Spiel“ teilzunehmen erschießt er beide. Was aber ist sein Motiv und warum nimmt er persönlich Kontakt zu Emma auf? Woher weiß er, dass sie ermittelt und woher hat er ihre persönliche Handynummer? Fieberhaft versucht Emma, Antworten zu finden und muss dafür mit ihrem Noch-Ehemann Ben zusammenarbeiten, als klar wird, dass es sich bei dem Täter wahrscheinlich um jemanden handelt, gegen den dieser schon ermittelt hat und der sich selbst der „Spielfreund“ nennt.
Schon im Prolog bekommt man es mit dem Spielfreund zu tun. In einem Chat-Verlauf lernt man ihn als manipulativ und grausam kennen. Im ersten Kapitel wird dann die Ermittlerin vorgestellt. Diese ist zwar durchaus sympathisch, blieb mir aber irgendwie fremd. Sie wird vor allem in den Kapiteln, die aus Bens Sicht geschrieben sind, als eine Art Übermensch präsentiert, obwohl sie an der Trennung der beiden Schuld trägt.
Die Spannung baut sich sehr schnell auf und man wird als Leser von Anfang an direkt mit dem Fall konfrontiert. Durch den flüssigen Schreibstil und den kontinuierlich hohen Spannungsbogen entsteht eine Sogwirkung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Fall und Personenkonstellationen sind so angelegt, dass es nicht schwer fällt, dem Geschehen zu folgen. Andererseits bleibt die Identität des Täters wirklich lange unklar, ich hatte nicht mal den leisesten Verdacht und das Ende kommt überraschend. Es kommt auch überraschend brutal und perfide daher und wird mir daher noch länger im Gedächtnis bleiben.
Motivation und Vorgehensweise des Täters sind eher ungewöhnlich aber durchaus glaubhaft. Ein Umstand in der Geschichte ist mir etwas zuviel des Zufalls (mehr kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern), aber darüber kann man zur Not hinwegsehen.
Gut gefallen hat mir auch das eingewebte Privatleben der Ermittler: Nicht zu viel, sodass es den Fall überdecken würde, aber gerade so viel, dass ich mit den beiden mitgefiebert habe und sehr gern mehr von ihnen lesen würde!

  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 06.02.2019

Sehr netter historischer Roman, der nur zum Ende zu etwas nachlässt.

Das Mätressenspiel
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Inhalt: Helena von Minnigerode und ihre Mutter kämpfen seit dem Tod des Vaters darum, den Hof solange über Wasser halten zu können, bis der Bruder ihn übernehmen kann und Helena mit Adrian verheiratet ...

Inhalt: Helena von Minnigerode und ihre Mutter kämpfen seit dem Tod des Vaters darum, den Hof solange über Wasser halten zu können, bis der Bruder ihn übernehmen kann und Helena mit Adrian verheiratet sein wird. Als aber der Bruder stirbt, verlieren sie nicht nur den Hof und die Ländereien an den Onkel, sondern auch Helenas Verlobung wird gelöst, weil sie ihrem Bräutigam jetzt zu mittellos ist. Helena sieht ihre einzige Chance darin, an den Hof des Hannoverschen Herzogs Ernst Augusts zu gehen, um dort als Hofdame Kontakte zu geeigneten Heiratskandidaten herzustellen. Helena, die auf dem kleinen Gut ihrer Eltern durchaus einige Freiheiten genossen hatte, kommt in der strengen höfischen Umgebung eher schlecht zurecht, erst recht, als sie in die intriganten Machenschaften von Clara von Platen, der Mätresse des Herzogs hineingezogen wird, die ihre eigenen Pläne für die junge Frau hat und sie skrupellos einzusetzen bereit ist.
Historisches und fiktives sind in diesem Roman geschickt miteinander verwoben. Besonderes High-light war für mich dabei das Personenglossar, das auch genau aufführt, welche Person tatsächlich historisch und welche rein fiktiv sind. Die Beschreibungen vom höfischen Leben sind bildlich und sehr glaubwürdig, man bekommt einen guten Eindruck über die Standards, die Probleme, die Machtverhältnisse und Machtspiele, aber auch die Feste der Zeit um 1680 und merkt dem Roman deutlich an, dass die Recherchen dazu sehr akribisch geführt wurden. Der Schreibstil ist trotz der eingewebten Informationen flüssig, man merkt beim Lesen quasi gar nicht, dass man etwas lernt.
Die Personen sind lebhaft beschrieben, sodass man die unterschiedlichen Charaktere gut einordnen kann. Am spannendsten fand ich dabei allerdings nicht die Protagonistin, der viele Dinge einfach „passieren“, sondern eigentlich deren Gegenspielerin Clara von Platen, die es so geschickt vermag, alles und jeden in ihrer Umgebung für ihre Zwecke zu gebrauchen, die immer den Überblick zu haben scheint und systematisch ihre Macht ausbaut. So unsympathisch sie angelegt ist, so interessant ist sie auch.
Besonderer Fokus liegt bei dieser Geschichte auch auf den prächtigen Gärten der Höfe zu dieser Zeit, der Prunk und Protz wird genauso beschrieben wie auch die mühselige Kleinarbeit, die von Seiten der Gärtner und Diener nötig war, um die perfekte Illusion zu erhalten. Die Beschreibungen dazu sind detailliert ohne allzu langatmig zu werden und sind auch für Leser, die kein gesteigertes Interesse an Gartenbau haben, als nette Ergänzung zur Geschichte „erduldbar“.
Zum Ende zu geht alles ein bisschen schnell. Innerhalb von wenigen Seiten werden alle Probleme gelöst und es kommt so schnell zu einem „alles-ist-gut-happy-end“, dass es unglaubhaft ist. Etwas mehr „Drama“ hätte hier nicht geschadet, ein Problem vielleicht, dass sich nicht lösen lässt.
Kritikpunkt für mich war auch das Cover, oder besser die Titelschrift: So schön die rote glänzende Schrift am Anfang auch aussieht, beim Lesen reibt sie sich so schnell ab, dass das Buch bei mir nach einem Mal lesen schon richtig alt aussieht und das Buch jetzt „Mätre sens iel“ heißt, obwohl ich mit meinen Büchern eigentlich recht pfleglich umgehe (dieses hier hat nicht mal Leserillen).

Veröffentlicht am 24.07.2018

Irreführender Klappentext

Racheopfer
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Ackermann jr. ist wegen mehrfachen Mordes verurteilt worden und sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis ein. Schon in der ersten Szene lernt der Leser, dass er es nicht mit einem „normalen“ Serienmörder ...

Ackermann jr. ist wegen mehrfachen Mordes verurteilt worden und sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis ein. Schon in der ersten Szene lernt der Leser, dass er es nicht mit einem „normalen“ Serienmörder zu tun hat, sondern dass Ackermann kaltblütig und sehr gerissen ist und außerdem über eine unglaubliche Beobachtungsgabe und Anpassungsfähigkeit verfügt. Genau diese Eigenschaften machen ihn so gefährlich, aber auch zu einem begehrten Forschungsobjekt für Dr. Kendrick, der mithilfe von Korrekturen im Hirn Psychopathen heilen will. Als Ackermann dann in die Anstalt von Dr. Kendrick verlegt wird und dort auf eine alte Bekannte trifft, die noch eine Rechnung mit ihm offen hat, beginnt er sein Spiel.
Dieser Kurzthriller aus der Feder von Ethan Cross verspricht laut Klappentext die Vorgeschichte von Serienkiller Francis Ackerman jr. Wenn man mit dieser Erwartung an das Buch herangeht, wird man enttäuscht werden. Man erfährt über die Kindheit/Jugend von Ackermann nicht mehr, als man nach dem ersten Buch der Shepard-Reihe nicht sowieso schon weiß. Es ist in keinster Weise die Erklärung dafür „wie das Töten begann“, sondern erzählt lediglich eine Episode aus Ackermanns Leben, als er schon für mehrfachen Mord verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt. Was dieses Buch aber ist, ist ein unterhaltsamer Kurzthriller für alle, die Francis Ackermann jr. noch nicht kennen und so den Einstieg in die Reihe suchen oder aber ein kurzer Appetithappen für alle eingefleischten Fans der Reihe. Der Schreibstil ist typisch für Ethan Cross, er liest sich flüssig, die Spannung wird aufgebaut, ohne dass es an irgend einer Stelle zu Längen kommt und die Charakterisierung von Ackermann fällt so aus, dass man ihn als Leser unglaublich faszinierend findet. Die Tatsache, dass Cross es schafft, dass einem als Leser dieser grausame, kaltblütige Serienmörder (beinahe) sympathisch wird, spricht für sich. Ein Kritikpunkt in der Geschichte ist Jenny, die zu naiv, zu unüberlegt handelt, um in irgend einer Weise ein würdiger Gegner für Ackermann zu sein, sodass sich das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden nicht so richtig entfalten kann. Da hätte ich mir eine etwas raffiniertere Persönlichkeit gewünscht. Auch Dr. Kendrick und seine Forschung am Gehirn von Schwerverbrechern bleiben eher blass, sie ist nur Rahmenprogramm für die „Ackermann-Show“, obwohl sie definitiv Stoff für mehr geboten hätte. Das mag der Kürze des Buches (etwa 150 Seiten) geschuldet sein, bewirkt aber auch, dass dem Ganzen „das gewisse Etwas“ fehlt. Dem ganzen Kurzthriller fehlt etwas die Raffinesse, die man sonst von Ethan Cross gewöhnt ist, und vieles wird so schnell und so überhastet abgearbeitet, dass einige Handlungen und Entscheidungen total unlogisch sind. Manche Details der Geschichte sind sehr vorhersehbar, andere nicht richtig ausgearbeitet.
Fazit: Punktabzug gibt es erstens einmal für den Klappentext. Selten einen so irreführenden und unpassenden Text zu einem Thriller gesehen, dem jeder Bezug zum tatsächlichen Inhalt fehlt. Trotz einiger Schwächen ist der Kurzthriller gut zu lesen und macht Lust auf mehr (vorallem weil ich ja weiß, dass Ethan Cross es noch besser kann!).

  • Cover
  • Action
  • Handlung
  • Spannung
  • Tempo
Veröffentlicht am 07.07.2018

ungewöhnliche Ermittler und krankhafte Täter

Immer wenn du tötest
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Immer wenn du tötest
Ein neuer Fall für eine besondere Ermittlerin: Weil Freya von Rittberg, die Hauptverdächtige in einer Reihe von bizarren Morden scheinbar von höchster Stelle geschützt wird und die ...

Immer wenn du tötest
Ein neuer Fall für eine besondere Ermittlerin: Weil Freya von Rittberg, die Hauptverdächtige in einer Reihe von bizarren Morden scheinbar von höchster Stelle geschützt wird und die Polizei ihr die Verbrechen nicht eindeutig zuordnen kann, soll Targa Hendricks in das Umfeld der Künstlerin eingeschleust werden. Je näher Targa der exzentrischen Freya kommt, die ihre Gemälde mit dem Blut ihrer Anhänger malt, umso mehr erfährt man auch als Leser von ihrer traumatischen Vergangenheit. Aber wie weit geht ihre Obsession? Reicht es ihr tatsächlich aus, dass ihre Fans für sie bluten oder geht sie weiter?
Wer ungewöhnliche Ermittler und krankhafte Täter mag, der ist mit diesem Thriller bestens beraten. Besonders für dieses Genre ist, dass sehr früh feststeht, wer der Hauptverdächtige ist und sich der Thrill hauptsächlich darüber aufbaut, dass sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Protagonisten entwickelt. Beide Protagonisten sind starke Frauenfiguren, die beide extrem von ihrer Vergangenheit geprägt sind. Während Targa, anschließend an den ersten Band, versucht, das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu lösen, verwendet Freya ihre als Rechtfertigung für ihre Andersartigkeit. Dem Autorenduo ist es sehr gut gelungen, diese Vergangenheiten in Rückblenden, Erzählungen und Erinnerungen in den Text einzuflechten, ohne dass es den Fortgang der Geschichte behindet.
Trotz aller Brutalität und Krankhaftigkeiten in diesem Thriller gibt es auch recht lustige Szenen, nämlich immer dann, wenn Targa, die Probleme mit sozialen Kontakten hat, versucht, sich wie ein „normaler“ Mensch zu verhalten. Da sie sich die Umgangsformen allerdings erst in Recherchen anlesen muss, wirken ihre Versuche unbeholfen und bizarr, sodass man als Leser das eine oder andere Mal schmunzeln muss. Diese Versuche machen aber Targa umso liebenswürdiger.
Der Schreibstil wirkt manchmal etwas abgehackt, was einerseits Beschreibungen etwas weniger bildlich werden lässt, an anderen Stellen aber ganz gut passt, wenn es zB zum Ende zu immer rasanter dem Showdown entgegen geht, entsteht dadurch eine Art atemlose Spannung. Die Geschichte besteht aus drei Handlungssträngen, die nach und nach geschickt zusammen geführt werden, auch wenn bei einem eine Meiner Meinung nach überflüssige Person auftaucht. Pfleger Niklas bringt die Geschichte für mich in keinster Weise weiter und hat mich auf Dauer eigentlich eher genervt. Die Charakterbeschreibungen sind meist schlüssig, aber auch etwas unpersönlich, was im Fall von Targa ihre „Sozialprobleme“ unterstreicht, aber im Fall von Freya hätte ich mir fast etwas mehr „Einblick“ gewünscht, weil sie doch durch Widersprüche geprägt ist und es interessant gewesen wäre, wie sie die vor sich selbst erklärt.
Bei diesem Thriller handelt es sich um den zweiten Band einer Reihe, der aber auch gut ohne den Vorgänger gelesen werden kann. Aber auch Fans der Reihe kommen auf ihre Kosten, da einige Charaktere des ersten Bands auch hier wieder vorkommen.

Veröffentlicht am 28.06.2018

Chaotische "Ermittlungen"

Der einsame Bote
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Thommy Bergmann will sich nicht damit abfinden, dass die vermisste Amanda als tot gilt. Auch den Tod ihres Mörders Farberg zweifelt er an, da die DANN-Analyse des verbrannten Leichnams noch ausstehen. ...

Thommy Bergmann will sich nicht damit abfinden, dass die vermisste Amanda als tot gilt. Auch den Tod ihres Mörders Farberg zweifelt er an, da die DANN-Analyse des verbrannten Leichnams noch ausstehen. Daher beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln, um während der Ermittlungen auf alte Verdächtige und neue Bedrohungen zu stoßen.
Ohne die Vorgänger zu kennen, macht es wenig Sinn, diesen Kriminalroman zu lesen, aber auch, wenn man davon absieht, dass einem als Leser viele Vorinformationen fehlen, wirken die Ermittlungen oft chaotisch, neue Erkenntnisse und Verdächtige scheinen oft willkürlich und zufällig aufzutauchen und die Entscheidungen, die sowohl der Hauptagierende Kommissar Thommy Bergmann, wie auch Bergmanns Kollegin Bech machen, sind so oft irrational und nicht nachvollziehbar (warum muss sie zB alleine ins Haus des Verdächtigen gehen? Was soll der komplette Alleingang von Bergmann? Und warum muss eine Prosituierte mit von der Partie sein, wenn er auf den Hof eines Hauptverdächtigen fährt?). Der Eindruck des Chaotischen wird noch dadurch verstärkt, dass die Kapitel sehr kurz sind und daher irgendwie gehetzt wirken und es ohne erkennbares System zu Perspektivwechseln kommt. Die Idee hinter der Geschichte ist sehr gut und auch an Grausamkeit und menschlichen Abgründen wurde nicht gespart, aber insgesamt wirkt die Ausführung fast lieblos. Der Schreibstil ist aber eigentlich ganz angenehm, sodass sich das Buch ziemlich schnell durchlesen lässt, obwohl die Spannung etwas fehlt. Vielleicht für Fans der Reihe um Thommy Bergmann ganz interessant zu lesen, um einen Abschluss zu den vorhergegangenen Büchern zu haben, aber nicht unbedingt ein Buch, dass ich weiter empfehlen würde.
Sehr schade, vor allem, weil ich vom ersten Band der Reihe nur gutes gehört habe…