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Veröffentlicht am 23.05.2020

Eine bewegende Familiengeschichte

Das Mädchen aus der Severinstraße
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Die 17jährige Maria Reimer sitzt nur daheim, ihr Vater möchte nicht dass sie die Schule weiterhin besucht und auch so soll sie sich lieber von der Strasse fernhalten.
Es ist das Jahr 1937 und seit der ...

Die 17jährige Maria Reimer sitzt nur daheim, ihr Vater möchte nicht dass sie die Schule weiterhin besucht und auch so soll sie sich lieber von der Strasse fernhalten.
Es ist das Jahr 1937 und seit der Machtergreifung von Adolf Hitler sind die Strassen und Umstände unruhiger und gefährlicher geworden.
Doch Maria hat ihren eigenen Kopf und möchte unbedingt Fotomodel werden, sie fährt ohne Erlaubnis nach Düsseldorf zu seinem Atelier welches junge Damen für die Mode sucht.
Dort lernt sie den Fotografen und Juden Noah kennen...

Jahrzehnte später entdeckt die Enkelin Sabine bei Maria unter dem Teppich ein Vermögen in alten D-Mark Scheinen, auch Maria entdeckt Goldbarren in der Bar von ihrem verstorbenen Ehemann Heinrich.
Seitdem ist Maria zugeknöpft und weigert sich mit Sabine über die Vergangenheit zu reden, über ihre Zeit als Fotomodel, als Star für die Nationalsozialisten.
Doch Sabine lässt nicht locker und will die Wahrheit erfahren...

In diesem Buch arbeitet die Autorin wahre Ereignisse ihrer Familie ab und dies ist sehr bewegend, erschreckend und eindrücklich geschehen.
Ich war von dieser Geschichte, den Wendungen, dem Schrecken und dem Grauen aus dieser Zeit gepackt, geschockt und wurde einfach nur mitgerissen.

Der Schreibstil ist packend, wirft einen in die Zeit zurück, in das Köln von 1937.

Maria Reimer ist ein Wirbelwind die ihren Weg schon gerne gehen möchte, aber von ihrem Vater regelrecht ausgebremst wird.
Auf der einen Seite konnte ich Maria verstehen, die mir sehr eigensinnig aber sympathisch war, auf der anderen Seite aber auch ihren Vater der Geheimnisse vor Maria hatte und diese nie an – oder aussprach um seine Tochter zu schützen.
Maria hält vom Nationalsozialismus nicht viel, hält mit ihrer Meinung nicht immer hinter dem Berg und ist auch sonst oft eher unvorsichtig mit dem Umgang von Juden und Mitmenschen, die in den Augen der Nazis, Abschaum sind.

Dann die aktuelle Zeit mit der Enkelin Sabine die sich fast die Zähne an Maria ausbeißt.
Der hohe Geld und Goldbarren Fund lassen das ein oder andere erahnen aber man kann sich nicht sicher sein was wirklich geschehen ist.
Sabine und Maria sind sich, trotz 2 Zeitebenen, sehr ähnlich was ich an Familiengeschichte und Charakter sehr interessant fand.
Sie sind mit sich selbst oft überfordert und halten sich zurück, aber wenn es um Mitmenschen geht die Hilfe brauchen, dann stehen sie für diese ein.
Auch hat die Familie im Allgemeinen einige Schicksalsschläge erlitten, viele Ansichten und Erziehungen aus der damaligen Zeit spielen unterschwellig noch eine Rolle.

Nicht nur Charaktere sind überzeugend sondern auch die Geschichte von Köln zur damaligen Zeit.
Man dachte oft dass gerade in Köln der Widerstand tobte, aber durch Zeitgeschichte, Aufzeichnungen und Augenzeugen wird nun ein ganz anderes, sehr erdrückendes Bild von Köln gezeichnet.
Die Stadt hat sich damals als Hochburg gesehen, wollte gegen Berlin konkurrieren, die Industrie erhielt Einzug und viel Aufmerksamkeit, aber auch hatte diese Stadt Gefangenenlager in der Stadt selbst, die Leute sind also an diesen „Untermenschen“ vorbeigelaufen, haben sie gesehen, gehört, haben das grausame Schicksal mitbekommen und kaum einer hat gehandelt.

Mich hat das Buch sehr bewegt, man ist mit beiden Damen auf den Spuren der Vergangenheit und hinterfragt vieles.
Die Situation bei Maria als junge Frau spitzt sich dann sehr zu und es kamen Geschehnisse auf mich zu die mir trotzdem den Boden unter den Füssen weggezogen haben, das Buch musste dann kurz ruhen und ich neu Luft holen.

Auf jeden Fall ein Buch was heute noch wichtiger erscheint, wie soviele Bücher mit diesem Thema, ein Buch gegen das Vergessen und ein Buch was geschichtlich einiges zu bieten hat mit zwei starken Protagonistinnen die mich überzeugen konnten und die ich ins Herz geschlossen habe.

Ich empfehle dieses Buch dringend weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Die Geschichte der Familie Kleinmann

Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgte
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„Die Unterwelt hatte ihre Pforten aufgetan und ihre niedrigsten, scheußlichsten, unreinsten Geister losgelassen.... Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Missgunst, der Verbitterung, ...

„Die Unterwelt hatte ihre Pforten aufgetan und ihre niedrigsten, scheußlichsten, unreinsten Geister losgelassen.... Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Missgunst, der Verbitterung, der blinden böswilligen Rachsucht“. (Seite 33/34)


Für mich ist diese Beschreibung auf das ganze Buch auszulegen und trifft genau ins Auge.


Ich interessiere mich seit meiner Jugend für die Zeit der NSDAP, den zweiten Weltkrieg, für die Verbrechen die an der Menschlichkeit begangen wurden, denn für mich ist es klar und sehr einfach – sowas darf nie nie wieder geschehen.

Und wenn man sich dann heute das Europa ansieht, dann wird mir schlecht, alleine deswegen sind diese Bücher heute wieder wichtiger denn je.


Diese wahre Geschichte geht ganz schrecklich an die Substanz, ich weiß gar nicht wie oft ich das Buch kurz auf die Seite legen musste, die Tränen wegwischen, durchatmen und weiterlesen.

Ja, jedes Buch was über den Holocaust ist, ist das wahre Grauen, der menschliche Abgrund, aber dieses Buch toppt aktuell alles was ich bisher gelesen habe, denn der Aufbau, die Geschichte, diese Wahrheit hinter dem Geschehen übertrifft alles vorstellbare.


Wenn man das Wort Holocaust hört denken viele an das Schrecklichste aller Lager – Auschwitz.

Doch dieses Buch belehrt das es auch in anderen Lagern schrecklich oder schrecklicher zuging.


Die Familie Kleinmann lebt in Wien, Gustav und Tini haben 4 lebhafte Kinder – Fritz, Kurt, Herta und Edith.

Die Familie hat nicht viel an Geld, ist aber glücklich und zufrieden, sie kommen über die Runden.

Das ändert sich als die Abstimmung ob Österreich zum Deutschen Reich nicht demokratisch abgehalten wird sondern Hitler sich das Recht herausnimmt und den Anschluss, mit Drohung, durchsetzt.

Ab da ändert sich für Familie Kleinmann, die Juden sind, alles.


Während man in Deutschland lange versuchte die „Judenfrage“ auf Dauer zu lösen, nehmen sich die Nazis in Österreich nicht soviel Zeit und schon nach kurzer Zeit leben die Juden dort in Angst und Schrecken.


Im Jahr 1938 werden Gustav und sein ältester Sohn Fritz von der Gestapo abgeholt und in ein KZ gebracht, nach Buchenwald.

Daheim versucht Tini ihre 2 Töchter und den Jüngsten, Kurt, vor der Deportation in Sicherheit zu bringen und sie in die USA oder England schicken zu können.


Währenddessen erleben Gustav und Fritz das Schrecken und die Abgründe der Menschlichkeit im KZ Buchenwald.

Und wer dachte dass nur Auschwitz die Schrecklichsten der Schrecklichsten auf den Plan rief, der wird in diesem Buch, nach einer wahren Geschichte, eines Besseren belehrt.

Gustav und Fritz sind in der Hölle angekommen und nur durch ihre Liebe zueinander und dem Willen, dieses Grauen zu überleben, die Nazis nicht triumphieren zu lassen, machen sie weiter.


Wie schon bemerkt, dieses Buch geht an die Grenzen, nein, es darüber hinaus.

Da Gustav Tagebuch führte, die ganzen Jahre, die Fritz und er im KZ waren, ist dieses Buch die Geschichte der Familie Kleinmann.

Eine Geschichte die für viele Schicksale zur Zeit des 2. Weltkrieges stehen, denn nicht nur Juden wurden verfolgt und in die KZ´s gebracht, ebenso Asoziale, Behinderte, Kranke, Polen, Kriegsgefangene aus Russland, Ungarn und England, Deutsche die nicht den Sinn der Partei folgten, Roma, Sinti und so viele Menschen und Gruppierungen mehr.


Zwischen all dem Schrecken und seiner Grausamkeit erleben wir mit beiden Männern aber auch Zusammenhalt, die Überwindung von menschlichen Grenzen, Menschlichkeit, Freundschaft – alles kleine Hoffnungsschimmer die einen zum weitermachen und weiterleben bringen, die die Hoffnung nicht sterben lassen.


Durch Fotos und eben den authentischen Aufzeichnungen von Gustav Kleinmann, den Erzählungen von Fritz Kleinmann, die das ganze Bild abrunden, kommt man dieser kleinen aber netten Familie sehr nah, man ist in ihrem Alltag, kurz vor der Machtergreifung und dann während dieser Zeit der Grausamkeiten und pure Unmenschlichkeit.

Viele neue Abgründe stürzen auch den Leser oft in pure Verzweiflung, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, aber ebenso stützt diese Hoffnung, diese Gemeinschaft in den Lagern wieder das Gelesene.


Als Gustav nach Auschwitz deportiert werden soll beschließt Fritz ihm zu folgen, er will und wird seinen Vater nicht alleine lassen.

Dieser Zusammenhalt, diese Liebe und ja, dieses gegenseitig Hoffnung schenken, das berührt ungemein.


Ein Buch, gegen das Vergessen, in seiner Umsetzung sehr gelungen denn es bringt und das Schicksal der Familie Kleinmann, das Schicksal von so vielen Familien und Menschen dieser Zeit nahe und ist ganz einfach gesagt ein Buch gegen das Vergessen.

In meinen Augen sollte man dieses Buch auf jeden Fall gelesen haben, eigentlich gehört es in den Schulunterricht eingeführt.



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 23.05.2020

Freundschaft mit einem Gespenst

Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet
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Zuerst muss ich erstmal das loswerden – OH MEIN GOTT ist dieses Buch oberknuffig supersüss, ich finde keine Worte.

Alleine das Cover und der Titel sind so eine Augenweide und als ich das kleine Gespenst ...

Zuerst muss ich erstmal das loswerden – OH MEIN GOTT ist dieses Buch oberknuffig supersüss, ich finde keine Worte.

Alleine das Cover und der Titel sind so eine Augenweide und als ich das kleine Gespenst gesehen habe war ich umgehend schockverliebt.

Die ganze Aufmachung, die Zeichnungen, der feine Humor, der Versuch sich mit einem Gespenst auf Lebzeit anzufreunden ist so zauberhaft und unglaublich liebevoll umgesetzt.

Auch wenn man das Buch zu Ende gelesen hat greift man immer wieder darauf zurück und muss es sich anschauen, Passagen erneut lesen.


Ja, wie freundet man sich mit einem Gespenst an?
Das ist eigentlich ganz leicht wenn man ein netter Mensch mit reinem Herzen ist, das ist wohl das Wichtigste.

Und natürlich darf man nicht allzu viel Angst haben wenn man dann einem Gespenst begegnet.


Wir lernen das Geister 1x1, die Geisterpflege und Gemeinsam durchs Leben kennen.


Denn auch wenn man als Kind vielleicht Angst vor Gespenstern hat, so sind es doch ganz lustige, verspielte und humorvolle Wesen die aber auch sensibel reagieren, gerade wenn man laut aufschreit weil man ein Gespenst entdeckt hat.

Wenn man sich aber die Zeit nimmt und nach Anleitung handelt dann hat man einen Freund für das ganze Leben gefunden.

Und was noch Schöner ist – bis zum Ende und darüber hinaus.

Denn auch wenn man stirbt bleibt der Geist bzw. das Gespenst bei dir, eine Freundschaft für die Ewigkeit.


Hier liegt auch die ganze Stärke des Buches.

Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen, für jedes Alter denn Kinder haben ja bekanntlich sehr früh schon Angst vor Geräuschen im Dunkeln, der Kleiderschrank macht komische Geräusche und Laute, Gespenster sind gruselig und gemein – und hier, mit diesem kleinen aber so schönen Buch kann man diese Fantasiegestalten zu kleinen, zauberhaften, rotbäckigen Gespenster umgestalten.


Geht man genau nach Buch vor und hält sich an die Ratschläge von Dr. Phantomeus Spukheusern kann gar nichts mehr schiefgehen.

Richtig schön wird es eigentlich zum Ende da dieses Buch aufzeigt – eine Freundschaft mit einem Gespenst geht nie zu Ende.

Es nimmt den Kindern womöglich viele kleine und große Ängste und ist doch, in seiner absolut zauberhaften Art, toll umgesetzt.


Bedenke – auch Gespenster brauchen Freunde.

Und ich empfehle dieses Buch allen kleinen und großen Lesern.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Nachdem du Poppy gelesen hast, möchtest du das Mädchen nie wieder alleine lassen.

Poppy
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Poppy und ihre Mutter sind Glückspilze. Nachdem sie jahrelang nichts hatten, von Armut geplagt, leben sie nun in einem Schloss, mit großem Auto, viel Geld und Reichtum und Sorglosigkeit. Doch mit dem Umzug ...

Poppy und ihre Mutter sind Glückspilze. Nachdem sie jahrelang nichts hatten, von Armut geplagt, leben sie nun in einem Schloss, mit großem Auto, viel Geld und Reichtum und Sorglosigkeit. Doch mit dem Umzug zu „Pick- up“ beginnt für Poppy eine grausame Zeit, fernab von Sorglosigkeit und Kind sein. Denn „Pick- up“ liebt nicht Poppy´s Mutter, er liebt Poppy selbst....

Wer Astrid Korten kennt und ihre Bücher gerne liest weiß dass die Autorin viel Feingefühl für sehr harte Themen hat, dass sie diese nicht ausschlachtet sondern sich intensiv und intelligent damit befasst.

Ich würde „Poppy“ bei ihren Psychothrillern als bisher bestes und vor allem intensivstes Buch beschreiben, denn es geht an die innere Substanz und lässt einen nicht mehr los.

In der Danksagung am Ende des Buches erfährt man dann auch dass es Poppy damals wirklich gegeben hat, dass Frau Korten diese Freundin hatte die Schreckliches erlebt hat, die Umstände es Buches sind hier wiedergegeben. Alleine hinter diesen Tatsachen wird das Buch nochmals schwerer zu begreifen.

Wir erleben die Perspektive, die Erzählung aus Poppy ihrer Sicht, sprich, als der sexuelle Missbrauch mit 6 Jahren beginnt versucht es Poppy mit ihren eigenen Worten zu beschreiben, zu begreifen, zu fassen und steht doch vor einem schwarzen Loch.

Dieser Erzählstil zieht sich durch, immer aus der Sicht von Poppy, die Schreibweise und Stil gehen mit ihrem Alter, werden erwachsener, klarer und doch merkt man – Poppy kann es selbst nicht fassen.

Poppy ist 6 Jahre alt als das Leben sich schlagartig ändert, dass sie mit ihrer Mutter zu „Pick- up“ in sein braunes Schloss zieht. Im ganzen Buch steht man die ganze Seite an Poppy und schüttelt über die restliche Familie und deren Aufführen einfach nur den Kopf.

Ich war so oft von innerlicher Wut und Fassungslosigkeit zerrissen, dass ich hin und wieder das Buch kurz weglegen musste, ich hätte es wohl sonst an die Wand geworfen. Dieses „Blind sein“, ja diese fassungslose Dummheit von Poppy´s Mutter hat mich fast zum schreien gebracht. Aber auch die restliche Verwandtschaft von Poppy ist keinen Deut besser und schnell wird klar – das kleine Mädchen wird diesen Kampf wohl ganz alleine stemmen müssen. Denn wirklich zuhören, das will hier keiner, jeder ist nur auf seinen eigenen Bedarf ausgerichtet.

Von „Pick- up“ der „neue Vater“ von Poppy... ein Ekelpaket par excellence und das ist noch nett ausgewählt. Ihm wünscht man die Hölle und alles Schreckliche dieser Welt auf einmal an den Hals und doch reicht das nicht um diese Taten zu sühnen.

Das Ende...das hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen, hier zeigt sich auf einen Schlag und so deutlich, wie die Familie tickt und was Poppy alles ertragen musste und noch muss.

Nach dem Buch kann man sich nur den Worten des Schauspielers Tim Robbins anschließen:
„Nachdem du Poppy gelesen hast, möchtest du das Mädchen nie wieder allein lassen“.

Ich empfehle dieses Buch so dringend weiter!

Aber ja, es ist wahrlich nichts für schwache Gemüter, es geht an die Substanz!

Ich danke der Autorin für das Rezensionsexemplar.


  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Nur der Sekte verpflichtet

Die Sekte - Es gibt kein Entkommen
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Sofia hat ihr Studium beendet und weiß nicht so recht wie es weitergehen soll. Zusammen mit ihrer Freundin Wilma besucht Sofia einen Vortrag von Franz Oswald, ein charismatischer Mann der eine neue Bewegung ...

Sofia hat ihr Studium beendet und weiß nicht so recht wie es weitergehen soll. Zusammen mit ihrer Freundin Wilma besucht Sofia einen Vortrag von Franz Oswald, ein charismatischer Mann der eine neue Bewegung gegründet hat – die Via Terra. Mehr mit der Umwelt, mehr in Ruhe, entschleunigt leben, in einer Gemeinschaft auf einer abgelegenen Insel. Als Sofia noch das Angebot bekommt die Bibliothek in der neuen Gemeinschaft aufzubauen kann sie nicht widerstehen... doch sie ahnt nicht wie sehr sich die nächsten Zeiten verändern werden...

Vielleicht hätte ich mit dem Nachwort der Autorin beginnen sollen – dort schreibt sie dass sie selbst 25 Jahre lang in einer Sekte war. Man kann also davon ausgehen dass in ihrem Thriller Themen, Dinge und Geschehnisse niedergeschrieben sind die sie in ähnlicher Weise gehört, gesehen oder selbst erlebt hat.

Alleine das lässt einem nach dem Lesen nochmals über die ganze Thematik nachdenken.

Jetzt soll ich einen Thriller in Worte fassen der sich so gar nicht einfach einpacken lässt.

Vorweg, der Beginn ist sehr ruhig, sehr angenehm, interessant und man lernt Sofia kennen die mir schnell sympathisch war. Sie eher die ruhigere Person, aber packt an und kann gut organisieren, ist von Franz Oswald sehr angetan. Zu Beginn läuft auch alles irgendwie rund, aber sehr schnell merkt man dass der Anführer Oswald ganz eigene Ansichten zu seiner Gemeinschaft hat, schon da möchte man als Leser den Menschen zurufen dass sie ihre Füsse in die Hände nehmen sollen um sich von ihm zu entfernen.

Der große Umbruch kommt als ein Reporter, der sich die Sekte angesehen hat, von seinen Erlebnissen dort berichtet und natürlich ganz eigene und andere Ansichten hat als der Sektenführer Oswald selbst. Ab da kippt die Stimmung und immer wenn ich dachte – jetzt kann er keinen mehr drauf setzten, schlimmer geht, nicht, dann konnte Oswald dies sehr wohl und hier musste ich auch immer wieder das Buch kurz zur Seite legen weil dieses ganze Zusammenspiel von Oswald, der Gemeinschaft und Sofia an den Nerven zerrt, es ans Ertragbare und Fassbare geht und eigentlich darüber hinaus.

Für mich war irgendwann der Punkt erreicht an dem ich diese Abhängigkeit von Oswald, diesen blinden Gehorsam, nicht mehr verstehen konnte, wie Menschen alles menschlich gewesene abschalten und sich gegenseitig erniedrigen, es sich schwer machen, schuften, ihrem Führer anbetungswürdig und besinnungslos gehorsam ergeben sind.

Oft habe ich mich auch über Sofia erschrocken denn ihre Zwickmühle war stark nachvollziehbar und zu fühlen, man steht an ihrer Seite und denkt sie dann nur wie sie so handeln kann... und doch ist es als würde Sofia in einer anderen Welt leben, was sie eigentlich, auch irgendwie, tut.

Immer wieder wird in einer kursiven Schrift noch ein Weg angezeigt, wer diese Person ist, bleibt lange im Verborgenen, doch es findet sich zum Ende alles zusammen und dieses zusätzliche i – Tüpfelchen setzt der ganzen Geschichte noch die Krone auf.

Ein Thriller der auf jeden Fall durch seinen Hang zur Wahrheit besticht, denn ich möchte gerade nicht wissen was in Sekten passiert wenn Mitglieder nicht so springen wie es der Sektenführer verlangt, wie skrupellos und bestialisch Sektenführer sich benehmen und wie die Gemeinschaft sich gegen Ausgestoßene und Andersdenkende zusammenschließt.

Mit einer Insel die ohne Fähre nicht zu erreichen ist, die verflucht sein soll und die dem Meer und dem zugehörigen Wetter ausgesetzt ist hat die Autorin ein unheimlich düsteres und gelungenes Setting um die Geschichte der Sekte gesponnen.

Ich bin schon sehr auf Buch 2 gespannt was 2020 erscheinen wird und kann für diesen Teil auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen!

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