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Veröffentlicht am 16.06.2020

Eine Kindheit im Krieg

Der Hütejunge
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„Oft meinte er die Anwesenheit der Einsamkeit körperlich zu spüren. Eine alte Frau war sie, triefäugig und mit roter Nase. Sie hielt den Blick stets gesenkt und trug einen langen dunklen Rock, den sie ...

„Oft meinte er die Anwesenheit der Einsamkeit körperlich zu spüren. Eine alte Frau war sie, triefäugig und mit roter Nase. Sie hielt den Blick stets gesenkt und trug einen langen dunklen Rock, den sie schwer hinter sich herschleifte, so dass sich kleine Äste und Tannenzapfen in seinem Saum verfingen. Hüstelnd ging sie ihrer Wege, grüßte niemanden, und keiner wollte etwas mit ihr zu tun haben. Das war die Einsamkeit, und sie hatte die Langweile mit dabei, die klebte an ihren Schultern, zäh wie hundertjährige Spinnweben.“ (Seite 121)

1934 wird der „Junge“ geboren. Er trägt den Namen des vor kurzem verstorbenen Vaters. Doch der Schmerz sitzt bei der Mutter so tief dass sie den Namen nicht über die Lippen bekommt. Der namenlose Junge ist das Nesthäkchen und Kind Nummer 6, wirkliche Beachtung erhält er nicht, aber das stört ihn nicht mal sonderlich. Der Junge kann sich sehr gut alleine beschäftigen, er fällt in der Gemeinschaft des Dorfes gar nicht groß auf. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändert auch die Gemeinschaft des Dorfes.

Erst mal besticht die Autorin Ulrike Blatter mit ihrem absolut tiefgehenden und fantastisch umgesetzten Schreibstil. Sie hebt Dinge hervor wo wir darüber hinwegsehen würden, sie lässt die Umgebung bildlich entstehen und gibt Einblicke in die Dorfgemeinschaft in der Eifel. Auch der Dialekt bringt viel Realismus hinein und ist eine feine Beigabe zu diesem Buch.

Obwohl der Name bis zum Ende hin erst mal namenlos bleibt so konnte ich ihn doch sofort in mein Herz schließen und empfinde ihn als sensible und ruhige Seele. Der Junge hat dieses Talent zuzuhören, genauer hinzusehen, er kann sich an den verschiedenen Farben seiner Natur erfreuen, hat eine lebhafte Fantasie und hält sich eher im Hintergrund. Als Nesthäkchen läuft er so mit, ich bewundere ihn dass er dies so hinnimmt und damit leben kann. Hier erhält man als Leser auch die tiefe Möglichkeit sich ausgiebig mit dem Jungen zu beschäftigen.

Das Leben auf dem Land ist nicht immer leicht, trotz Schule und Hausaufgaben hat man daheim anzupacken, schon recht früh gehen die Kinder einer Tätigkeit nach die ihnen etwas Geld oder Lebensmittel ermöglicht um die Familie zu unterstützen.

Die Veränderung durch die Machtergreifung von Hitler und seinen Nationalsozialisten macht auch vor dem Dorf nicht Halt. Davor war man nicht unbedingt glücklicher, aber man konnte frei heraus reden und sagen was man denkt. Das Leben war nicht einfach aber doch frei. Durch die Umstände des Zweiten Weltkrieges entsteht eine Blase die das Dorf von der Außenwelt abgrenzt, das Misstrauen erstarkt zwischen Nachbarn und Bekannten, Familie und Freunden. Trotz der ganzen Entwicklung, auch dass ihre Männer und Söhne eingezogen werden ist die Beschaffungen von Informationen dürftig.

Der Junge wird genau in diesen weltumgreifenden Konflikt hineingeboren. Er bekommt in jungen Jahren mit als die älteren Brüder in die HJ gehen, von einem Soldatenleben schwärmen, unbedingt in den Krieg ziehen möchten, als Held zurückkommen mit Ruhm und Geld in der Tasche. Hoffentlich hält der Krieg noch so lange an bis ich auch Soldat werden kann….

In ihrem Buch spricht die Autorin viele Themen die man sich heute so gar nicht mehr vorstellen kann. Nicht nur die Gemeinschaft des Dorfes, das Leben in einer Großfamilie. Nein, auch welche Rolle, eine sehr wichtige Rolle, die Kirche damals spielte, man stellte viele Dinge, die man gesehen aber für ungerecht gehalten hatte, nicht in Frage.

Die Frauen waren oft alleine, ohne ihre Söhne und Männer, haben den Hof bewirtschaftet, die Familie zusammengehalten, ernährt, sind an ihre Grenzen gestossen und waren doch nur die Frauen die daheim bleiben sollen, keine Rechte, keine Anerkennung für die Arbeiten die sie geleistet haben.

Die Jahre des Krieges waren für alle schwer, nicht auszuhalten, begrenzt an Möglichkeiten, Freiheit und Chancen. Zu Beginn ist der Junge noch Feuer und Flamme für den Krieg, für das Soldatenleben…dies ändert sich jedoch, spätestens als Bombenangriffe auch das Dorf erreichen, man mit Kriegsgefangenen in Kontakt kommt, Flüchtlingsströme durch das Dorf ziehen.

Mit Bildern, die Aufstellung der Familie des Jungen, einer Zeittafel und Glossar kann sich der Leser rund herum absichern, fallen lassen, die Geschichte in sich aufnehmen.

Ein Buch über die Kindheit im Krieg und ein Buch an unsere Zeit die eben auch aufzeigt – wir sollten uns glücklich schätzen dass wir jeden Morgen aufwachen ohne Bomben in der Nacht, in Freiheit und Demokratie, dass wir die Möglichkeiten haben, die wir heute haben. Ich bin von diesem Buch sehr bewegt und angetan und empfehle es daher dringend weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Geht doch!

Kleiner Löwe, großer Mut
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Tobe ist ein kleiner Löwe, er fühlt sich normal, doch die anderen Tiere möchten Tobe lieber schonen. Tobe hat ein Bein verloren, durch eine Krankheit und die anderen Tiere sind lieber vorsichtiger. Doch ...

Tobe ist ein kleiner Löwe, er fühlt sich normal, doch die anderen Tiere möchten Tobe lieber schonen. Tobe hat ein Bein verloren, durch eine Krankheit und die anderen Tiere sind lieber vorsichtiger. Doch Tobe ist Tobe geblieben und möchte weiterhin um die Wette brüllen, springen, toben, spielen. Und um zu beweisen dass er immer noch alles kann möchte er den höchsten Berg besteigen…

Jeder kennt es, egal ob klein oder groß – es gibt Dinge die uns verändern, oft sind es Krankheiten. Krankheiten die man sieht, wie beim Löwe Tobe der ein Bein verloren hat durch eine Erkrankung. Oder Erkrankungen die man nicht sieht, die aber einen trotzdem traurig, wütend, müde oder schwerfälliger werden lässt. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug und dass man täglich mit sich selbst kämpfen muss, die Mitmenschen möchten einen entweder schonen oder sie haben keine freundlichen Worte übrig.

Und hier werden sich viele Leser in Tobe wiedererkennen. Denn auch Tobe hat einen Verlust erlitten – ein Bein – und doch möchte er weiterhin als Tobe wahrgenommen werden. Er hat es geschafft, er kann mit diesem Einschnitt im Leben umgehen und möchte das tun was er am liebsten hat.

Die ganze Gestaltung des Buches ist bunt, fröhlich, zauberhaft, lehrreich und vor allem glaubhaft. Der Autor Tom Belz kann bei diesem Buch sehr viel mitsprechen denn auch er hat in sehr jungen Jahren ein Bein durch den Krebs verloren. Und doch hat er nie aufgegeben und sogar, auf Krücken, Berge bestiegen. Seine Inspiration steckt vollkommen und überzeugend in Tobe fest.

Die Schriftgröße passt sich perfekt in das Gesamtbild ein, es eignet sich hervorragend zum Vorlesen aber auch selbst lesen.

Ebenso eine wichtige Message des Buches – es ist okay wenn du Hilfe benötigst. Und dies richtet sich nicht danach ob man durch eine Krankheit „gezeichnet“ ist oder ob man diese im Alltag, beim lernen oder anderen Dingen, benötigt. Es ist nie schwach und dumm nach Hilfe zu fragen, es ist nur schwach und dumm wenn man dich auslacht und dir keine Hilfe anbietet. Durch gemeinsam stark sein und helfen können wir alle noch viel mehr lernen und vor allem – uns alle noch besser kennenlernen.

Dieses Buch ist in seiner Gesamtheit sehr inspirierend, überzeugend und vor allem sehr liebevoll. Voller Mut, Hoffnung, Freundschaft und Akzeptanz. Wie Tobe sagen würde:“ Geht doch!“

Ich empfehle dieses Buch allen denn hier kann jeder kleine und große Leser noch viel lernen, lachen, staunen und stark werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Loredana und der Papst

Der Papst und das Mädchen
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Loredana vermisst ihren Vater, nun muss sie mit dem neuen Freund ihrer Mutter, Kai, sich anfreunden. Dies passt ihr natürlich gar nicht! Zusammen mit ihrer Klasse ist ein Besuch in der Vatikanstadt geplant, ...

Loredana vermisst ihren Vater, nun muss sie mit dem neuen Freund ihrer Mutter, Kai, sich anfreunden. Dies passt ihr natürlich gar nicht! Zusammen mit ihrer Klasse ist ein Besuch in der Vatikanstadt geplant, doch Loredana und ein paar Mitschüler spielen lieber Verstecken in den Räumen als der Gruppe zu folgen….dann verläuft sich Loredana und steht plötzlich in den privaten Räumen des Papstes Silvester IV…

Im Jahr 2001 wurde die Novelle dieses Buches von Robert Schneider veröffentlicht. Nun wird sie, durch diese Neuauflage, neu verfasst.

Wie viel Tiefgang kann man in einem Buch erwarten welches „nur“ 110 Seiten umfasst? Nun, das muss jeder für sich selbst herausfinden, ich persönlich von diesem kleinen Buch sehr angetan.

Wir lernen die junge Loredana kennen, die ihren Vater schrecklich vermisst. Und nun mit dem neuen Freund ihrer Mutter, Kai, sich anfreunden soll. Doch Loredana hofft weiter dass ihr Vater wieder zur Familie zurückkommt und alles gut wird. Ich konnte Loredana sehr gut verstehen und fand sie in ihrer Überzeugung, im kindlichen Denken, sehr realistisch und nahe am Leser.

Es gibt die Klassenkameraden „Hasenrosa“ und Grillo, beide spielen hier, neben Loredana, eine interessante Nebenrolle. Während Loredana mit ihrer Familie doch ein gut gesichertes Leben führt und behütet aufwächst, sieht es bei „Hasenrosa“ und Grillo ganz anders aus. Die zwei finden ihr Leben womöglich so spannender und interessanter, aufregender, doch als Aussenstehender und Leser sieht man diese Entwicklung ganz anders, mit einem eher unguten Gefühl.

Der Papst Silvester IV. lebt eher zurückgezogen, er tritt nicht so selbstsicher auf und spricht auch nicht in aller Welt von seiner Kirche. Er gibt schon bei seiner Krönung zum Papst ein sehr genaues Bild der aktuellen Situation ab, was natürlich auf fassungslose Zuhörer trifft. Aber genau das macht ihn so sympathisch und besonders, denn er gibt ein sehr reales Bild der Kirche ab. Papst Silvester ist bescheiden, möchte keine großen Reisen unternehmen, leidet unter den Verlusten und trotzdem kann er es den Gläubigen nicht Recht machen.

Loredana trifft auf den Papst. Ihr Gespräch handelt von einigen Dingen, aber am ehesten setzt sich ein Bild durch – wie sehr beide die Vaterfigur vermissen. Und da trifft mich dieses Buch genau ins Herz denn ich kann dieses Gefühl sehr gut nachvollziehen. Durch die Erzählungen von Papst Silvester IV. erhält man den Einblick in seine Familie und was sie zerbrechen ließ. Wie sehr diese Vaterfigur geschätzt wurde und wie schwer Veränderungen damit fielen und fallen.

Ich finde dieses Buch persönlich sehr wertvoll weil es aufzeigt wie wichtig und schätzenswert es ist auch einen Vater zu haben der der Familie beiwohnt, sie unterstützt, dass er ebenso eine tragende und stützende Rolle in der Familienkonstellation spielt wie eine Mutter oder die Großeltern.

Vieles wird angedeutet, wenig offenbart, aber wenn man mit offenen Augen dieses Buch liest, dann kann man sich vieles zusammenreimen und bemerkt was vorgefallen sein könnte. Der Autor selbst gibt dazu keinen Kommentar ab. Das Ende hat mich hier und da berührt, aber auch etwas fraglich zurückgelassen. Trotzdem hat mir das Buch in seiner stillen Weise und dem schönen und ruhigen Schreibstil äusserst zugesagt und ich kann es nur weiterempfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Der erste Fall für Korner und Werner

Krokodilwächter
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Warum musste die junge Studentin Julie so grausam sterben? Wer hat sie in ihrer eigenen Wohnung so brutal ermordet? Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner tappen völlig im Dunkeln. Julie war zwar ...

Warum musste die junge Studentin Julie so grausam sterben? Wer hat sie in ihrer eigenen Wohnung so brutal ermordet? Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner tappen völlig im Dunkeln. Julie war zwar beliebt aber eine feste Beziehung hatte sie nicht. War es der eigene Vater der sie abgöttisch liebte? Der heimliche Verehrer? Oder doch eine zerbrochene Beziehung? Und was hat der Schreibclub der älteren Hausbesitzerin Esther de Laurenti damit zu tun?
„Du hast selbst gesagt, Korner, dass er die Dramatik mag. Er ergreift jede Gelegenheit, um den maximalen Effekt zu erzielen.“ (Seite 262)
Eine neue Serie aus Kopenhagen von der Autorin Katrine Engberg.
Katrine Engberg schreibt sehr detailliert, beschreibt ihr Dänemark, seine Orte, seine Sehenswürdigkeiten und die ganze Umgebung mit, es lädt zum Träumen ein, aber manchmal ist es auch etwas langatmig. Der Humor, zeitweise in Ironie gehend, hat mir hingegen sehr gut gefallen. Auch die Wahl ihrer Worte hat mich faszinierend.
Jeppe Korner und Anette Werner leiten ihre Abteilung, sind seit Jahren ein eingespieltes Team und doch würde ich es als eine Art Hassliebe beschreiben. Sie schätzen sich, aber sind von dem jeweils anderen auch öfters sehr genervt und machen diesem Umstand hier und da Luft. Ich mag diesen Umstand der beiden aber, denn ein Team das sich immer und überall sympathisch ist und ohne den Anderen nicht mehr kann, das habe ich doch zu Genüge gelesen. Jedoch sind mir beide Protagonisten zu blass geblieben, eine ganze Zeit lang. Auch das restliche Team, was einen Großteil der Arbeit, mit erledigt, war eher im Hintergrund.
Esther de Laurenti spielt den Ermittlern zu, denn ihr Krimi den sie in einem Schreibclub über eine gemeinsame Datei veröffentlicht, hat Aufsehen bei den Ermittlern erregt. Auch sie hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, sie ist ebenso kein Sonnenschein. Es sind Protagonisten die mit ihrem Leben ebenso zu kämpfen und zu hadern haben wie jeder andere auch, das gab bei mir ein großes Plus.
Ein Thriller, der etwas ruhiger ist. Die Tat an sich hatte es in sich, aber die Autorin verweilt nicht ewig bei dieser Tat und schlachtet das Bild aus. Durch Einblicke in den Krimi den die Hausbesitzerin Esther de Laurenti geschrieben hat ergeben sich die Eindrücke was wohl, in ungefähr, passiert ist. Das steigert die Spannung, auf Dauer, enorm.
Um was geht es in diesem Thriller? Das Cover sowie Titel bezieht sich auf die Tat und die Personen die hier involviert sind. Es geht um Entscheidungen in jungen Jahren die nicht immer die besten waren, dass es Menschen betroffen hat die nun einen Weg mit den getroffenen Entscheidungen wählen müssen. Das System der Kinderheime, der Adoptionsmöglichkeiten in Dänemark wird hier beleuchtet und die Autorin hat, in meinen Augen, ein sehr gelungenes Bild dargestellt. Denn wie oft muss man hören oder lesen – in den nordischen Ländern ist alles besser. Dass eine Autorin, die dort geboren ist und lebt einen ganz anderen, internen Blick aufzeigen kann, das ist brillant und realistisch umgesetzt.
Neben den blassen Protagonisten, gerade die Ermittler, war der Einstieg nicht leicht. Ich war auch hin und wieder am überlegen ob ich das Buch zur Seite legen soll. Die ersten 102 Seiten waren eher nichtaussagend, sehr träge, langweilig und ich musste mich regelrecht durchkämpfen. Und dann kam dieser Schalter den die Autorin umlegte und ehe ich es mich versah war ich in dieser Geschichte gefangen.
Ob diese neue Kopenhagen Serie etwas für Jedermann ist muss fast jeder für sich selbst herausfinden. Ich hatte zu Beginn meine Probleme, muss aber sagen dass mich die Autorin doch überzeugen konnte die weiteren Bände von ihr zu lesen. Für Thrillerfans die sich für den hohen Norden interessieren ist es auf jeden Fall sicherlich eine spannende Story.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Wie krank ist das Gesundheitssystem?

Glasflügel
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Ein erneuter Todesfall der auf Mord hindeutet – eine Leiche wird in einem öffentlichen Brunnen nackt aufgefunden. Der Tod war langsam und grausam, die ist an einigen Schnitten, die ihr zugefügt wurden, ...

Ein erneuter Todesfall der auf Mord hindeutet – eine Leiche wird in einem öffentlichen Brunnen nackt aufgefunden. Der Tod war langsam und grausam, die ist an einigen Schnitten, die ihr zugefügt wurden, verblutet. Doch warum? Wer könnte ein Motiv haben? Und diesmal muss Jeppe Korner alleine ermitteln denn seine Kollegen Anette Werne ist im Mutterschutz…. Noch während er sich mit dem Team auf die Suche macht passieren weitere Morde nach dem gleichen Schema und auch Anette kann daheim nicht mehr die Füsse ruhig halten….
„Wer ist krank, und wer ist gesund? Man kann argumentieren, dass jede Abweichung von gesellschaftlichen Normen krankhaft ist. Es lassen sich aber auch für das Gegenteil Argumente finden.“(Seite 228)
„Glasflügel“ ist der dritte Band der Kopenhagener Thriller Reihe der Autorin Katrine Engberg. Auch hier besticht das Cover mit einem Schmetterlingsflügel sowie dem roten Cover.
Ihrem Schreibstil bleibt die Autorin treu, baut zu Beginn gleich einen Spannungsbogen hinein der eventuell vermuten lässt wohin dieses Buch führen wird bzw. könnte. Die ein oder andere gekonnte, humorvolle Einlage lässt nicht auf sich warten und ist, wie gewohnt, nicht zu flapsig oder plump geführt.
Hier sollte man am Buch dran bleiben da einige Protagonisten auftauchen und miteinander verbunden sind. Durch längere Pausen kann man den Faden verlieren.
Für das Team ist es nun neu da Anette Werner im Mutterschutz ist. Somit ist Jeppe Korner alleine unterwegs bzw. immer mit anderen Kollegen aus dem Team und dieser Fall hat es in sich. Wie schon in „Blutmond“ wird auch hier das Team eingebunden, hier noch stärker da Anette Werner ausfällt. Die Dynamik verteilt sich und der ein oder andere Kollege, der schon immer mehr handeln wollte, erhält hier seine neue Chance.
Interessant fand ich hier die Situation von Anette Werner die mit Leib und Seele Polizistin ist und nun, durch die Geburt, sich im Mutterschutz, befindet. Ihre Rolle können wohl viele nachvollziehen denn eine Frau die Mutter geworden ist wird auf das „Kinder behüten“ reduziert, in den Job zurück bzw. vorzeitig wieder mitwirken ist nicht gerne gesehen. Aber wie ergeht es den Müttern die auch ihre Arbeit noch immer gerne verrichten, trotz oder mit Kindern? Alleine der Spannungsbogen und die „kleinen“ Ermittlungen von Anette Werner drehen sich, zum Ende, ziemlich hoch.
Das Gesundheitssystem in Dänemark ist in diesem Buch das große Thema. Von vielen hochgelobt als sehr systemrelevant und modern zeigt die Autorin einen ganz eigenen, anderen Blick auf dieses System. Auch hier wird während dem Lesen klar dass nicht alles gut durchdacht ist und viele Menschen, die wirklich Hilfe benötigen, in diesem System untergehen, alleine gelassen werden oder es keinerlei Kontrollen gibt die sich der Sicherheit der Patienten gewährleisten soll. Was angespannte Situationen für Folgen haben können.
Bis zum Ende war es wieder ein Spiel aus Überraschungen und neuen Wendungen, die Auflösung hatte mich überrascht. Weiterhin eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere