Profilbild von Buecherseele79

Buecherseele79

Lesejury Profi
offline

Buecherseele79 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buecherseele79 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2020

Ein letztes Mal in Eisenland

Drachendüster
0

Die Katastrophe für Eisenland konnte verhindert werden. Nun heisst es ein letztes Mal kämpfen, für die Liebe, die Freiheit, für Eisenland. Rayka macht sich mit ihrem Liebsten Targoin, ihrem Geisterwarg ...

Die Katastrophe für Eisenland konnte verhindert werden. Nun heisst es ein letztes Mal kämpfen, für die Liebe, die Freiheit, für Eisenland. Rayka macht sich mit ihrem Liebsten Targoin, ihrem Geisterwarg sowie Bruna und der Lichtelbin Lavilija auf um im magischen Netz ihre Freunde zu finden. Gleichzeitig rüstet sich der dunkle Herrscher Morren für den Angriff auf Eisenland und die Stadt Silbrarillia. Und auch Bael hat noch einen Pakt mit dem Drachen Schwarzschwinge zu erledigen… doch wer wird Erfolg haben? Und was wird mit Eisenland passieren?

„Was hatten die weisen Tzchamalas einst sagt, die von den Lehren der Geistheilerin gesprochen hat? „Jeder kann sein Schicksal ändern. Mit der Kraft der Gedanken und der Gefühle formt jeder die Welt.“ (Seite 259)

Mit „Drachendüster“ hat die Autorin Ruth Mühlau ihre High- Fantasy- Reihe um die Zauberschmiedin beendet und wenn man alle Bücher fleissig mit verfolgt und gelesen hat so fällt auch dem Leser dieser Abschied schwer.

Wenn man nach längerem Warten in das Buch zurückfinden muss bzw. in die Geschichte, das fällt schwer. Da nun alle Bücher zu kaufen sind empfiehlt es sich auch alle zu holen und nach der Reihe zu lesen. Sollte man einen längeren Abstand dazwischen lassen könnte der Wiedereinstieg, wie auch hier, etwas schwer fallen. Durch die ein oder andere eingebaute Rückblende kommt man nach ein paar Seiten doch wieder gut in Eisenland an.

Lobenswert ist hier das Glossar über die Zauberschmiedin am Ende welches die Protagonisten, Orte und ein paar Begebenheiten nochmals zusammenfasst und das Lesen und wieder einfinden in die Geschichte erleichtert.

Der Schreibstil ist auch wieder hier sehr fantastisch, gut aufgebaut, er packt, er zieht einen mit, es gibt Wendungen und Überraschungen, alte Feinde die zu neuen Freunden werden und umgekehrt, allerlei düstere und helle Gestalten bekommen ihren Platz und im Ganzen hat mich der letzte Band auch wieder mitreissen und packen können.

Rayka ist die feurige Zauberschmiedin die die Macht hat Eisenland nun endgültig zu retten, aber auch ihren Liebsten und ihre totbringende Magie bei sich zu behalten. Rayka war schon immer anders, schon immer interessant und von feurigem Temperament, sie schleicht sich sehr schnell in das Herz der Leser und natürlich möchte man nun wissen wie es für Rayka und ihren Liebesten Targoin ausgeht.

Viele Protagonisten die schon länger mit Rayka unterwegs sind, die man in den Geschichten kennengelernt hat, die man kurz erblickte, die einen Weg mit gegangen sind, die man hier und da wieder trifft – sie alle tauchen in dem letzten Band der Zauberschmiedin nochmals auf. Hier wird sich zeigen wer welche Gefühle für Eisenland und für die Gemeinschaft von Gut oder Böse hat. Denn der dunkle Herrscher möchte neue Machtverhältnisse in Eisenland haben und so mischen sich die Würfel neu.

Es wird düster, es wird spannend, es geht um Liebe und Hass, um Verrat und Neubeginn, um alte Freunde und neue Feinde die sich in diesen schweren und dunklen Zeiten wieder neu finden müssen. Mit Wendungen und Überraschungen konnte mich die Autorin hier vollends überzeugen und begeistern.

Allerdings war mir das Ende, nach so einem großen und unglaublich spannenden Bogen zu kurz, zu schnell, zu einfach, zu ja, unspektakulär. Dafür ist der Epilog wiederum vielversprechend und macht neugierig was eventuell in neuer Form noch folgen könnte.

Im Ganzen möchte ich die Reihe der Zauberschmiedin jedem großen oder kleinen Fantasyfan ans Herz legen denn hier bekommt man wirklich alles – fantastische Wesen in hellen und düsteren Gewändern, aussergewöhnliche Protagonisten, Liebe und Verrat, Freundschaft und Feindschaft in einer wundersamen Welt namens Eisenland.

Ich spreche für alle Bände auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung aus!

„Noch eins. Damit die Welt eine gute wird, ist es wichtig, wer das Siebte bricht. Böses gebiert Böses.“(Seite 202)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Nicht ganz perfekt umgesetzt!

Dark Web
0

Oliver hat sich bei der Börse verkalkuliert. Sein Kumpel Marc macht ihm ein unglaubliches Angebot – er möchte, zusammen mit Oliver, einen Drogenshop im Dark Net eröffnen. Schnelles Geld, guter Umsatz ...

Oliver hat sich bei der Börse verkalkuliert. Sein Kumpel Marc macht ihm ein unglaubliches Angebot – er möchte, zusammen mit Oliver, einen Drogenshop im Dark Net eröffnen. Schnelles Geld, guter Umsatz und keiner kann ihnen etwas nachweisen…. Doch durch ihre Idee wird die russische Mafia auf sie aufmerksam…
Nina, die Frau von Oliver, kommt nicht damit klar dass ihr Mann sich so verändert hat und engagiert einen Privatdetektiv. Auf einer Ausstellung lernt sich Jasmin kennen, die beim deutschen Geheimdienst arbeitet und durch Gespräche mit Nina auf ihren Mann Oliver aufmerksam wird…
In Russland entsteht ein neues, geheimes Projekt, größer und besser als Google – das Holos. In Deutschland entsteht die große Firma ohne dass jemand aus der Politik, Wirtschaft oder Bevölkerung etwas geahnt hätte… doch was hat Holos wirklich vor? Was können Jasmin und ihr Chef dieser Firma nachweisen? Und wer wird sie unterstützen?

Man merkt sehr schnell- hier laufen viele Stränge zusammen, begegnen sich, trennen sich wieder und beginnen neue Wege. Vorteilhaft ist das Personenregister zu Beginn des Buches. Ich persönlich habe es nicht wirklich gebraucht da es doch, weitgehend, klar war wer hier wer ist und wer für wen arbeitet und wie handelt.
Der Einstieg war sehr schwer, die ersten 260 Seiten passiert nicht wirklich etwas, es kommt keine Spannung auf und man lernt im Prinzip den Aufbau des Dark Net, was darin möglich ist, wie es funktioniert, was man alles beachten muss, welche Typen und Organisationen sich dort bereichern und andere Leute bestechen.
Und um diese Thematik wird die Geschichte gespannt. Es geht aber nicht nur um das Dark Net, sondern auch um das Perverse was darin möglich ist, hier also Vorsicht! – für zarte Leserseelen ist dies bestimmt kein Buch! Es hat das Wort Thriller trotzdem verdient!
Russland möchte wieder zu neuer Stärke, mit einer eigene Suchmaschine und dem Westen eine Lektion erteilen. Sie agieren im Verborgenen, man erhält eine gute Einsicht wie die Politik in Russland funktioniert, wer hier am längeren Hebel sitzt und sich seine Macht durch Erpressung und Co. sichert. Da Geld eine wichtige Rolle bei allen spielt wird die EZB Bank ebenso mit einbezogen und auch hier werden die Geschäfte erklärt und deutlich gemacht.
Für mich war es zeitweise sehr viel Theorie, hier und da spannend und informativ, auf der anderen Seite aber auch langatmig und belastend, nicht ganz zu verstehen, zu durchschauen und einiges blieb im Dunkeln. Man muss sich für die Gesamtthematik auf jeden Fall interessieren, sonst wir das Buch im Gesamtbild ein Reinfall.
Sympathisch waren für mich die Protagonisten nicht wirklich. Muss es aber auch nicht, denn so erhält das Buch einen großen Kick Realismus. Interessant fand ich eigentlich Oliver und Nina, das Ehepaar, welches durch die dunklen Geschäfte von Oliver eine starke Veränderung mitmachen musste. Die Entwicklung von Oliver fand ich dann doch sehr erschreckend und wohl auch realistisch umgesetzt. Was Macht und Geld mit den Menschen anstellen kann und wie schnell man bei dunklen Geschäften in die falschen Kreise geraten kann… perfekt umgesetzt.
Nach den ersten 260 Seiten zog die Geschichte im Allgemeinen auch an und wurde sehr spannend, fassungslos, ja man möchte fast schon sagen menschlich abstossend, ekelerregend und grausam was im Dark Net für Gestalten sich herumtreiben, ihre „Ware“ verkaufen ohne Gewissen, Skrupel oder Gefühle. Und es geht hier nicht nur um Drogen, Waffen oder Menschenhandel, es geht um mehr und das schockt extrem. Im Prinzip wird durch das Buch über das Dark Net schnell klar – hier ist alles möglich, von Drogen über Menschenhandel, Pädophilie, Waffen, Erpressung, Geldwäsche zu Mord als Auftrag.
Das Ende bleibt jedem selbst überlassen, ob er es nun gut heisst oder nicht. Ich persönlich finde dass es zu der ganzen Geschichte passt, denn wäre es anders, dann hätte der Autor, in meinen Augen, unglaubwürdig, gehandelt. Das Dark Net kann man eben nicht so einfach durchforsten, schließen und beenden. Wird durch die aktuellen Nachrichten auch immer deutlicher.
Trotz dass mich das Buch noch packen konnte, hat es mir persönlich zu lange gedauert bis die eigentliche Geschichte mal zum Zug kam. Von daher sollte man sich vorher überlegen ob man dieses Buch wirklich lesen möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Rache unter dem Blutmond

Blutmond
0

Nach einer Modenshow wird der berühmte Designer und Fernsehstar Alpha Bartholdy tot aufgefunden. Durch seine Säure wurde sein Inneres verätzt und er fand einen qualvollen Tod. Jeppe Korner und seine Kollegin ...

Nach einer Modenshow wird der berühmte Designer und Fernsehstar Alpha Bartholdy tot aufgefunden. Durch seine Säure wurde sein Inneres verätzt und er fand einen qualvollen Tod. Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner nehmen sich diesem Fall an. Während sie sich mit dem Leben und der Umgebung von Bartholdy beschäftigen wird eine berühmte Sängerin ebenfalls mit Säure vergiftet…doch wer hat einen Grund diese grausamen Anschläge zu verüben? Und was hat Jeppe Korner sein bester Freund und Schauspieler Johannes damit zu tun?
„Die Energie der bevorstehenden Mondfinsternis vibrierte in ihr, eine alchimistische Hochzeit zwischen der Sonne und dem Mond, eine Metamorphose, Tod und Wiedergeburt.“ (Seite 198)
Der zweite Band der Autorin Katrine Engberg mit ihrer Kopenhagen Reihe und dieser Thriller konnte mich nun wirklich begeistern!
Während im ersten Buch noch der Einstieg sehr schwer fiel, die Autorin sich mit vielen langweiligen Details aufhielt, ist es hier flotter, spannender und von Beginn an interessant. Natürlich bleibt die Autorin ihren bildhaften Beschreibungen treu, auch der Schreibstil im Allgemeinen ist einfach sehr interessant und angenehm zu verfolgen.
Was für mich großes Pluspunkte im zweiten Buch sind, im Gegensatz zum Ersten – es gibt Veränderungen. Im Team allgemein, aber auch im Umfeld. Erstmal sind die Hauptermittler Werner und Korner nicht mehr so blass, auch ihr Privatleben erhält mehr Einblick und sie bleiben weiterhin ebenso Mensch wie jeder andere auch. Das Team im Allgemeinen wird in diesem Buch und seinem Fall mehr eingebunden, wir erleben die Protagonisten mit ihrem Team zusammen auf Verbrecherjagd und das ist sehr überzeugend und eingespielt.
Auch hat sich gerade Korner, zum ersten Buch her, gewandelt und gefangen, das war sehr toll zu lesen. Die Ironie, der Humor kommt hier nicht zu kurz, wirkt aber nicht aufgesetzt oder übertrieben, sondern lockert zur gegebenen Zeit die Situation etwas auf.
Um was geht es in diesem Thriller? In diesem Thriller steht das Ereignis des Blutmonds an, davor werden viele gesellschaftliche Events gefeiert, gerade im Modebereich. Doch die Modewelt ist alles andere als gutgelaunt, ausgeglichen und fair und das zeigt die Autorin in ihrem Thriller sehr gekonnt auf. Menschen wollen noch mehr Geld, noch mehr Ruhm, sie wollen alles was sie begehren, egal was es kostet. Und sollte es nicht so klappen wie gewünscht bleibt immer noch die Möglichkeit des Betrugs und der Erpressung. Und manch Empfehlung oder Hilfe hat mehr Nachsehen als man sich erstmal vorzustellen vermag.
Der Blick hinter die Kulissen der Modewelt war manch bizarr und doch etwas was man in vielen Zeitungen und Klatschmagazinen vorgesetzt bekommt. Dass sie manch komische Anwandlung haben die von anderen Menschen ausgenutzt wird um Geld und ein bisschen Macht zu erhalten.
Die Wendungen, Überraschungen, die vermeidlichen Verdächtigen werden auch hier dem Leser vor die Nase gesetzt und man ist freiwillig dabei und ermittelt selbst im Hintergrund mit und macht sich seine gedanklichen Notizen und Schlüsse. Und doch schafft es die Autorin auch hier mich, zum Ende hin, erneut zu überraschen, Ansätze verwerfend und die Auflösung logisch dargestellt zu packen.
Mittlerweile bin ich von Korner und Anette mehr als überzeugt und Fan und spreche für den anspruchsvollen Thrillerfan und jeder der einfach mal was Neues lesen möchte, eine klare Leseempfehlung aus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Der siebte Fall von Vidalis

Blutgott
0

Das Team des LKA Berlin um die Ermittlerin Clara Vidalis wird zu einem grausamen Tatort gerufen. Eine junge Frau wurde brutal in ihrem Zugabteil getötet. Während Clara und ihr Team nach den Hintergründen ...

Das Team des LKA Berlin um die Ermittlerin Clara Vidalis wird zu einem grausamen Tatort gerufen. Eine junge Frau wurde brutal in ihrem Zugabteil getötet. Während Clara und ihr Team nach den Hintergründen suchen wird ein Verdächtiger festgenommen. Das Perfide an dieser Tat – der Täter ist unter 14 Jahren, sprich, er kann in Deutschland nicht verurteilt werden für seine Tat. Im Internet ruft der „Blutgott“ zu neuen Taten auf die überraschen, die ihn huldigen sollen, die neu sein müssen….
Ich liebe die Reihe rund um die Ermittlerin Clara Vidalis. Mit dem Buch „Blutgott“ ist der 7.te Band um das LKA Team in Berlin erschienen.
Vorweg möchte ich eines sagen – für sensible Leute ist die Reihe wohl nicht leicht zu ertragen. Und ich hatte mit diesem Buch auch so meine Probleme, musste es hin und wieder auf die Seite legen.
Der Schreibstil ist wie gewohnt spannend, baut gekonnt seinen Bogen auf, er geht ans Eingemachte und lässt einen doch nicht los.
Wenn man eine Reihe verfolgt dann wachsen einem auch die Protagonisten ans Herz. Man ist bei ihren Entscheidungen dabei, wenn sich Wege kreuzen oder trennen, man wächst mit ihnen, erleidet die Rückschläge, es ist auch hier, trotz heftiger Themen, immer wieder ein „Heim kommen“ und sich freuen wieder mit den Protagonisten einen neuen Fall lösen zu dürfen.
Ich würde behaupten dass Clara Vidalis und ihr Team schon einige kranke Typen am jagen waren, aber der „Blutgott“ übersteigt, in meinen Augen alles bisher da gewesene. Hier werden die Medien, gerade die Sozialen, auch das Dark Web, stark mit eingebunden. Es hat vieles seine Vorteile, aber ebenso gibt es genügend Nachteile die der Autor gekonnt, ohne Panik schüren zu wollen, aufzeigt. Auch dass viele Eltern heute gar nicht mehr genau wissen was ihre Kinder im Netz machen, wo sie surfen und unterwegs sind, was sie hören und sehen. Dass aber auch die Politik und die Konzerne mit den Kontrollen sehr nachlässig sind.
Die Fälle die der Blutgott verüben lässt, die gehen wirklich an die Substanz, anders kann ich es nicht sagen. Nebenher etwas essen würde ich bei diesem Buch nicht empfehlen. Und doch trifft der Blutgott, durch seine Recherchen, auf die richtigen Kinder, die sich von ihm bedingungslos anstacheln lassen und wenn das nicht wirkt dann erpresst er sie mit gewissen Dingen. Ein absolut perfider und gnadenloser Kerl.
Wer jetzt meint dass der Autor hier eine Schlacht in den Vordergrund rückt und alles andere ohne Sinn und Verstand von Statten geht, der täuscht. Denn der Autor wirft hier eine ganz gezielte Frage auf – was ist wenn Kinder, die noch nicht strafmündig sind, grausame Mobs oder Morde begehen? Wie kann da die Polizei, die Ermittler, die Gerichte dagegen vorgehen? Was ist heute schon Realität? Und wohin könnte dies führen? Wie sieht es in anderen, europäischen Ländern aus? Und alleine diese ganze Tatsache verursacht eine ganz gewaltige Gänsehaut und lässt einem hier und da das Blut in den Adern gefrieren.
Das Ende war nicht so wie ich es erwartet habe, es hat mit überrascht, geschockt und endet mit einem ganz fiesen Cliffhanger und ja…ich bin sowas von gespannt, mehr möchte ich auch nicht dazu sagen. Wer wirklich knallharte Thriller sucht mit sympathischen Ermittlern und Tätern die vieles übersteigen was man sich selbst nicht ausdenken kann – der ist mit Veit Etzold auf jeden Fall bedient. Und trotzdem schafft der Autor immer die knallharte Realität hineinfliessen zu lassen, ein großer Pluspunkt von meiner Seite aus und eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Für mich das emotionalste Buch des Autors

Ada, das Mädchen aus Berlin
0

Die Anwältin Catherine Lockhart und ihr Mann Liam werden von ihrem Freund gebeten seiner Tante Gabriella Vincenzo in der Toskana zu helfen. Sie hat ein schönes Weingut mit Villa und nun wird es ihr streitig ...

Die Anwältin Catherine Lockhart und ihr Mann Liam werden von ihrem Freund gebeten seiner Tante Gabriella Vincenzo in der Toskana zu helfen. Sie hat ein schönes Weingut mit Villa und nun wird es ihr streitig gemacht, angeblich hat sie es nicht rechtsmässig erworben. Ohne große Hoffnung reisen Catherine und Liam nach Italien und lernen dort die Geschichte von Ada kennen. Sie wurde 1918 in Berlin geboren und erbte das gleiche Talent wie ihr Vater – eine Meisterin an der Violine. Doch dann verschärfen sich die Gesetze durch die Machtergreifung von Hitler und die Familie Baumgarten muss um alles bangen da sie Juden sind. Doch wie soll die Geschichte von Ada aus den 30igern mit den aktuellen Geschehnissen von Gabriella Vincenzo zusammenpassen?
„Wir waren bester Laune und stießen auf meine Zukunft an. Diesen Augenblick habe ich in meinem Gedächtnis bewahrt, denn danach begann der allmähliche Untergang meiner Familie“. (Seite 167)
Ich habe alle Bücher die Roland H. Balson auf den Markt gebracht hat, gelesen. Durch die beginnende Reihe sind mir gerade Catherine und Liam sehr ans Herz gewachsen und ich bewundere ihre Zusammenarbeit und den Kampf für Gerechtigkeit. Durch den ersten Fall hat sich Catherine einen guten Ruf erworben Menschen zu helfen die durch die Nationalsozialisten damals vieles oder alles verloren haben.
Und doch muss ich sagen, dass mit diesem dritten Buch der Autor komplett ins Schwarze getroffen hat, da er viele Dinge die ich schätze und mag mit Themen verbunden hat die mich interessieren, bewegen und aktuell bleiben müssen! Und trotz der vielen ruhigen Stellen hat diese Geschichte mich am meisten mitgerissen, bewegt und zum Ende sind mir die Tränen gelaufen.
Der Schreibstil des Autors ist, wie immer, ruhig, angenehm, zu Beginn gibt es kein großes Aufsehen um den Fall, man sortiert die Sachlage und die Möglichkeiten. Es kommt der Punkt an der die Spannung, das emotionale Erlebnis der Geschichte so zunimmt dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ebenfalls beschreibt der Autor gerade die Umstände in Italien, die ländliche Gegend der Toskana so herrlich, bunt und duftend dass man das Gefühl hat man befinde sich dort.
Wie gesagt, durch die kleine Reihe sind mir Catherine und Liam sehr sympathisch geworden, sie sind ein eingespieltes Team und stehen auf der gleichen Seite, ergänzen sich ganz wundervoll.
Die Thematik des Autors hat nie an Brisanz, an Dringlichkeit verloren. Wie viele Firmen haben noch heute Länder, Gegenstände oder ähnliches in ihrem Besitz was sie damals, zur Zeit der Nationalsozialisten, nie rechtmässig „geerbt“ haben? Wer verschweigt, vertuscht noch heute? Und wird überhaupt noch genau hingesehen und für das Gerechte gekämpft? Wer musste was aufgeben um zu überleben?
Gabriella Vincenzo war für mich nicht einfach, sie ist eine ältere Dame die durch den Räumungsbefehl und das forsche Vorgehen der Gegenpartei erheblich seelischen Schaden erleidet und sich zurückzieht. Manchmal erinnerte mich ihr Verhalten an ein kleines, dickköpfiges Kind. Und doch wird das Verhalten zum Ende hin aufgeklärt.
Die Familie Baumgarten hat der Autor sehr wundervoll in ihre Zeit gesetzt. Und auch was er über die klassische Musik, den Aufbau eines Orchester, die Hierarchie von Musikern, die Aufgaben des Dirigenten, welche Oper zu welcher Zeit mit welchem Thema geschrieben wurde - zu erzählen hatte- die Liebe zu dieser einzigartigen Musik – das konnte mich unheimlich begeistern.
Ada steht mit ihrem Schicksal für viele Menschen die damals das gleiche oder ähnliche Schicksal erlitten wie ihre Familie und sie. Wir erleben durch Ada mit ihrer Familie den Aufschwung und das Umdenken in Deutschland, im Freundes – und Bekanntenkreis. Wie schwer es wurde eine „unerlaubte“ Liebe weiterhin zu halten, in diesen dunklen Zeiten. Wie schnell die Hoffnung zerschlagen wurde und neue Wege sich als Hoffnung oder Trugschluss erwiesen. Man fiebert mit jedem einzelnen Protagonisten mit, erlebt die Geschichte von Ada durch ihre Aufzeichnungen und bangt, hofft, leidet, lacht und liebt mit.
Das Ende war wieder von Überraschungen gesprenkelt, mit neuen Wendungen und war in seiner Umsetzung überzeugend und schlüssig. Und ich persönlich, von diesem Buch, mehr als angetan und ich empfehle seine Bücher unbedingt weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere