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Veröffentlicht am 15.09.2016

Idyllische Urlaubslektüre mit einem süßen heimlichen Star

Die kleine Bäckerei am Strandweg
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Idyllische Urlaubslektüre mit einem süßen heimlichen Star
...und damit meine ich jetzt nicht eins der leckeren (zum Teil auch süßen) Brotrezepte, die im Anhang zu diesem Buch versammelt sind. Nein, damit ...

Idyllische Urlaubslektüre mit einem süßen heimlichen Star
...und damit meine ich jetzt nicht eins der leckeren (zum Teil auch süßen) Brotrezepte, die im Anhang zu diesem Buch versammelt sind. Nein, damit meine ich den tierischen Begleiter dieses Romans, einen jungen Papageientaucher. Haben Sie schon mal einen "baby puffin" gesehen? Dies ist die Originalbezeichnung eines solchen knuffigen Kerlchens im Englischen und so niedlich wie das klingt, sieht es auch tatsächlich aus - einfach mal in die Suchmaschine im Internet eingeben und Herzchen in die Augen bekommen

Okay, ich schweife ab. Aber nur, weil ich Neill als heimlichen Star dieses Buchs empfand und ihn einfach nur soooo putzig fand. Eine zauberhafte Idee der Autorin, ihrer Protagonistin mal zur Abwechslung keine zugelaufene Katze oder einen Hund zur Seite zu stellen, sondern einen Papageientaucher. Und wie Neill zu Polly kommt, ist schon fast ein Krimi

Eigentlich geht es ja - wie so oft in solchen Büchern - um eine junge Frau, die an einem fremden Ort einen Neuanfang wagt. Nun ist der Ort in diesem Fall nicht soooo weit von Pollys Heimat weg, aber der Unterschiede zwischen der aufgeweckten Stadt und dem kleinen Hafenort in Cornwall könnten nicht bezeichnender sein. Besonders die etwas speziellen, alteingesessenen Einwohner des Ortes machen es Polly zu Anfang nicht leicht. Doch dann kristallisieren sich gleich zwei interessante Männer aus der Menge der neuen Bekanntschaften heraus und Polly gewöhnt sich immer mehr an dieses urige Örtchen.

Herz und Schmerz, Tierliebe und ein wenig Tragik, der süße Geschmack von Honig und der feine Duft von frischem Brot sind die Zutaten zu diesem unterhaltsamen Roman. Ein leichter Schmöker für laue Urlaubsabende, bei dem man fast die salzige Meeresluft riechen und die frische Brise der Küste Cornwalls spüren kann. Für 5 Sterne fehlte mir ein Tick Raffinesse im Plot, aber ein charmantes, liebenswertes Büchlein ist es auf jeden Fall.


PS: Ich habe das Buch als Hörbuch im englischen Original gehört. Während die Sprecherin grundsätzlich sehr klar und akzentuiert spricht, hat sie für verschiedene Charaktere recht schwierig zu verstehende Dialekte reserviert. Das war mir teilweise etwas viel des Guten und nahm dem Hörbuch ein wenig die "Geschmeidigkeit". Man sollte mit englischen Dialekten klarkommen, sonst wird die Freude am Hörbuch getrübt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das Buch über zweite Chancen…

Die Liebe ist ein schlechter Verlierer
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Viel Wirbel wurde bei der Veröffentlichung um dieses Buch gemacht und ich wollte wissen, ob es diesen Hype auch wert ist. Grundsätzlich: Ja. Mit ein paar Einschränkungen.

Katie Marsh erzählt die Geschichte ...

Viel Wirbel wurde bei der Veröffentlichung um dieses Buch gemacht und ich wollte wissen, ob es diesen Hype auch wert ist. Grundsätzlich: Ja. Mit ein paar Einschränkungen.

Katie Marsh erzählt die Geschichte von Tom und Hannah – er ein ständig Überstunden machender Anwalt in einer großen Londoner Kanzlei, sie die unzufriedene junge Ehefrau, die sich fragt: kann das schon alles in unserer Beziehung gewesen sein? Die Antwort erhält Hannah erst, als Tom eines Nachts mit nur 32 Jahren einen Schlaganfall erleidet und zunächst halbseitig gelähmt ist.

Nun müssen beide kämpfen – Hannah steckt plötzlich in der Rolle der treusorgenden Ehefrau, obwohl sie gerade den schweren Entschluss gefasst hatte, sich von Tom zu trennen. Und Tom stößt plötzlich an seine körperlichen Grenzen und muss hart arbeiten, um mit kleinen Schritten ins Leben zurückzufinden. Das schweißt das fremdelnde Paar wieder zusammen und die Liebe erlebt eine neue Blüte.

Zum Glück erzählt die Autorin halbwegs unsentimental von den schwierigen Monaten nach Toms Schlaganfall. Ich fand die Erzählweise mitunter schon grenzwertig nah an der Rührseligkeit, aber gerade die Szenen, in denen Tom in der Öffentlichkeit mit seiner neuen Situation umgehen muss, waren gut „aus dem Leben gegriffen“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Katie Marsh selbst mit Schlaganfallpatienten arbeitet und daher weiß, wovon sie spricht. Das waren für mich die Highlights des Buches, während die Schilderung der wiederauflebenden Beziehung zwischen Hannah und Tom mir ein wenig zu gefühlsbetont war.

Das Buch eröffnet aber einen guten Blick auf die (Beziehungs-)Welt nach einem Schicksalsschlag und gibt Impulse, nicht nur die offensichtlichen negativen Seiten zu sehen, sondern auch die Möglichkeit für zweite Chancen… und das hat die Autorin wirklich ziemlich gut hinbekommen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Immer noch hochaktuell und recht unkonventionell geschrieben

Ein toter Lehrer
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Das Thema ist auch 6 Jahre nach Erscheinen des Buches brisant: Ein Amoklauf an einer Schule lässt alle, die auch nur entfernt damit zu tun hatten, nicht mehr los… Das Buch beginnt mit der Beschreibung ...

Das Thema ist auch 6 Jahre nach Erscheinen des Buches brisant: Ein Amoklauf an einer Schule lässt alle, die auch nur entfernt damit zu tun hatten, nicht mehr los… Das Buch beginnt mit der Beschreibung zweier Schüler, die nicht dabei waren, sondern schildern, wie sie von der Tat erfahren haben. Der Leser bekommt mit, dass es sich hier wohl um die polizeiliche Befragung der Schüler handelt. Nach und nach – immer im Wechsel von erzählter Handlung um die Polizistin Lucia May und aneinandergereihten Zeugenaussagen – kristallisiert sich ein Bild heraus, das die Tat, den Täter und den Ort des Geschehens langsam aber sicher in ein anderes Licht rückt. Und man kommt nicht umhin sich zu fragen, wieviel Schuld auf welchem Beteiligten lastet.

Das Buch ist aus meiner Sicht nicht ganz einfach zu lesen. Denn gerade die Kapitel mit den Zeugenaussagen sind recht unkonventionell. Sie tragen keine Überschriften und erst anhand der getroffenen Aussagen wird deutlich, wer hier gerade befragt wird. Die Fragen der Polizei sind ebenfalls ausgeblendet, so dass nur der reine Aussagetext des Zeugen/Befragten niedergeschrieben ist. Das war für mich sehr gewöhnungsbedürftig.

Das Ende war leider nicht so spektakulär wie ich es mir erhofft habe. Zwar schien eine leichte Tendenz zu einem versöhnlichen Ende zu bestehen, aber irgendwie hatte ich mit etwas vollkommen anderem gerechnet – nicht mit einem Ende, das genauso gut eine Stelle mitten im Buch hätte sein können.

Ein außergewöhnliches Buch, das aber meinen Erwartungen nicht ganz gerecht wurde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schmökern und die Zeit vergessen...

Die Holunderschwestern
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Als die Zwillinge Fanny und Fritzi im Jahr 1900 im ländlichen Weiden zur Welt kommen, pflanzt ihre Familie einen Holunderstrauch. Er soll über die Mädchen wachen und dafür sorgen, dass ihnen das Glück ...

Als die Zwillinge Fanny und Fritzi im Jahr 1900 im ländlichen Weiden zur Welt kommen, pflanzt ihre Familie einen Holunderstrauch. Er soll über die Mädchen wachen und dafür sorgen, dass ihnen das Glück hold ist. Doch die beiden werden in stürmische Zeiten hineingeboren: Sie werden zwei Weltkriege miterleben, verschiedenste politische Systeme und Zeiten, die man als sehr entbehrungsreich beschreiben muss.

Als Katharina Raith im Jahr 2015 die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Fanny bekommt, ahnt sie nicht, dass diese ihre ganze Familie auf den Kopf stellen werden. Denn in Fannys unruhigen Lebensjahren in München mussten viele pragmatische Lösungen für persönliche Probleme geschaffen werden, die weitreichende Folgen hatten...

Für Teresa Simon war ihre eigene Großmutter und deren Lebenslauf grobes Vorbild für die Figur der Fanny. Dass hier ein realer Hintergrund für die Geschichte existiert, merkt man als Leser vor allem daran, dass Fannys Geschichte historisch und persönlich stimmig ist. Und: Frau Simon hat einen einnehmenden Schreibstil, der den Leser mitnimmt und das Buch damit zur idealen Urlaubslektüre macht. Es liest sich „hintereinander weg“ und man merkt gar nicht, wie schnell beim Schmökern die Zeit vergeht. So muss es sein.

Einzig eine Sache hat mich gestört (Achtung, Spoiler!): das aus meiner Sicht zu holundersirupsüße Happy End. In der Rahmenhandlung, die in der jetzigen Zeit spielt, gibt es sehr viele lose Fäden, wie z. B. eine restaurierte Ladeneinrichtung, für die ein (zahlungskräftiger) Käufer gefunden werden muss, zwei Singlefrauen, die an den Mann bzw. die Männer gebracht werden müssen, eine verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung usw. Ausnahmslos alles löst sich letztlich in Wohlgefallen auf und wird auf der letzten Seite sogar noch getoppt! Da muss ich sagen: für mich zu unrealistisch.

Was bleibt? Ein mitreißender 4-Sterne-Schmöker, bei dem man sogar noch einen kleinen Bonus bekommt: Fannys leckere Rezepte auf den letzten Seiten, die allesamt dem Kochbuch der Großmama von Frau Simon entstammen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Bill nicht ganz in Höchstform – trotzdem kurzweilig

It’s teatime, my dear!
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Ich war mal wieder „Reif für die Insel“ und es traf sich super, dass mein Freund Bill – dessen Bücher ich seit „Picknick mit Bären“ verehre – es auch war. Da ein tatsächlicher Urlaub in Großbritannien ...

Ich war mal wieder „Reif für die Insel“ und es traf sich super, dass mein Freund Bill – dessen Bücher ich seit „Picknick mit Bären“ verehre – es auch war. Da ein tatsächlicher Urlaub in Großbritannien nicht in greifbarer Nähe lag, freute ich mich darauf, mit seiner Hilfe den Inselstaat (wieder) zu entdecken.

Nur leider war Bill diesmal nicht ganz so gut in Form wie bei früheren Büchern. Natürlich, wie immer hörte ich viele Anekdoten und erfuhr eine Menge über Bills Sicht auf die Briten und ihre Eigenarten. Er selbst hat als Amerikaner und Wahl-Brite ja oft eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Aber irgendwie kam es mir diesmal trotzdem vor wie ein etwas beliebiges Sammelsurium von Kuriositäten, Landschaftsbeschreibungen und historischen Begebenheiten.

Bills Schreibstil ist auch diesmal wieder flott und amüsant, und seine launigen Kommentare zu manchen Themen entlockten mir auch oft ein Lächeln. Aber: die Spritzigkeit fehlte. Okay, man muss ihm zugute halten, dass er mittlerweile auch über 60 Lenze zählt. Dass ich das aber an seinen Geschichten irgendwie merken würde, hätte ich nicht vermutet. An vielen Stellen schaut er auf Begebenheiten aus seiner Jugend zurück (das sei ihm auch gegönnt). Die waren sicher oft ganz unterhaltsam, aber ich kann auch leben, ohne sie zu kennen… Mir persönlich war diesmal zu wenig lesenswerter Inhalt enthalten. Das Buch plätscherte vor sich hin.

Es ist natürlich auch schwer, bei dieser Fülle von Geschichten und Geschichtchen aus dem ganzen britischen Königreich Sachen wirklich langfristig zu behalten. Nach der Lektüre sitze ich eher da und kann mich an viele Bilder (die ich beim Lesen im Kopf hatte) erinnern, aber an wenige Zusammenhänge. Schade, denn das sagt mir, dass das Buch bei mir nicht nachwirkt und mich bei weitem nicht mehr so zum Staunen gebracht hat wie z. B. „Eine kurze Geschichte von fast allem“.

Es ist trotzdem zu empfehlen – als kurzweilige Lektüre für zwischendurch und vielleicht auch als amüsante Einstimmung auf einen Urlaub im UK.