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Veröffentlicht am 03.12.2022

Berührendes Portrait einer Dichterin

Die Suche nach Heimat
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Mascha Kaléko war ein Ausnahmetalent. Ihre lebendigen und fast prosaischen Gedichte haben noch immer Kraft und Esprit. Würde sie heute leben, wäre sie vielleicht eine berühmte Slam-Poetry-Ikone. Denn die ...

Mascha Kaléko war ein Ausnahmetalent. Ihre lebendigen und fast prosaischen Gedichte haben noch immer Kraft und Esprit. Würde sie heute leben, wäre sie vielleicht eine berühmte Slam-Poetry-Ikone. Denn die Frische, die ihre Texte ausstrahlen ist einfach besonders. Sie wirken modern und doch zeitlos.


Die Autorin, die hier unter ihrem Pseudomym ( Indra Maria Janos) schreibt, hat gut recherchiert und beschränkt sich auf die prägende Phase in Maschas Leben. Innerhalb weniger Jahre zwischen dem Ende der Weimarer Republik und den dunklen Wirren der Nazidiktatur erlebt die junge Frau im Rekordtempo und mit scheinbarer Mühelosigkeit ihr Debüt als Dichterin. Schnell wird sie bekannt und mit nur einundzwanzig Jahren eine Berühmtheit. Und das in einer Zeit, in der so viele Talente wirkten, noch dazu in Berlin. Ihren Stammplatz im berühmten Künstlertreff, dem Romanischen Café, muss sie nicht erkämpfen. Mit Ikonen wie Erich Kästner, Ringelnatz, Brecht, Tucholsky, Rohwolt teilt sie die fruchtbare Inspiration jener Tage U d trifft auf viele berühmte Zeitgenossen.


Verheiratet mit dem eher konservativen, neun Jahre älteren Saul, entdeckt Mascha bald, dass ihr Lebenshunger sehr viel größer ist als der seine und dass sie weit mehr will, als nur eine Ehefrau zu sein.


Mir haben Schreibstil und Geschichte sehr gut gefallen. Die Autorin vermittelt großartig die Zerrissenheit einer begabten Künstlerin, die in Konvention, Zeitgeist und Politik gefangen ist. Ihre Handlungsweisen mögen nicht immer heldenhaft gewesen sein, dennoch war Mascha Kalénko mutig und blieb sich selbst treu. Die sich langsam aufbauende Bedrohung der Juden durch Hitler und seine grauenhafte Ideologie, ist eindringlich und absolut nachvollziehbar geschildert. Man möchte Mascha zurufen, Deutschland sofort zu verlassen, aber sie harrt gefühlte Ewigkeiten aus. Ein wenig schade fand ich, dass die Zeit nach der Emigration in Amerika kaum Raum erhalten hat, aber dafür hat die Autorin sicher gute Gründe.


Auch so ist ihr ein wunderbares Zeitdokument und eine sehr emotionale Biographie gelungen. Mascha Kaléko hat das allemal verdient. Ich wünsche mir, dass noch viele Menschen ihre Gedichte lesen, den sie sind noch immer brandaktuell.

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Veröffentlicht am 21.11.2022

Atmosphärisch dichter Roman

Die dunklen Sommer
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Eine Sekte, viel tragische Vergangenheit, Verlust, Trauer, ein charismatischer, dunkler Führer, das ist der Stoff aus dem dieser düstere Roman besteht. Die Hauptfigur Saskia ist ein unglückliches Mädchen, ...

Eine Sekte, viel tragische Vergangenheit, Verlust, Trauer, ein charismatischer, dunkler Führer, das ist der Stoff aus dem dieser düstere Roman besteht. Die Hauptfigur Saskia ist ein unglückliches Mädchen, die nach einem Lebenssinn dürstet, den sie in der sektenähnlichen Gemeinschaft um den dogmatischen Abraham findet. Sowohl die Beschreibungen der Gruppe, als auch die Ideologie und die Naturbilder empfand ich als sehr stimmig. Der Schreibstil hebt sich wohltuend ab von zahlreichen einfach gestrickten Coming of Age Bücher. Ich empfand „Die dunklen Sommer“ nicht als ausgesprochenes Jugendbuch, denn es geht wohl um junge Menschen, aber mehr noch um die universellen Themen Schuld, Verantwortung und Erlösung. Der Autorin ist ein anspruchsvoller, spannender psychologisch interessanter Roman gelungen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.10.2022

Sympathischer Regionalkrimi

List und Lüge
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Britta Bendixens Reihe um die Kommissare Andresen und Weichert sind echte Regionalkrimis, denn sie zeichnen naturgetreu, Landschaft, Personen und Dialoge der nördlichen Region um Flensburg. Sowohl der ...

Britta Bendixens Reihe um die Kommissare Andresen und Weichert sind echte Regionalkrimis, denn sie zeichnen naturgetreu, Landschaft, Personen und Dialoge der nördlichen Region um Flensburg. Sowohl der örtliche Handballclub SG, als auch die Mundart bekommen ihren Raum, das ist inzwischen wahrscheinlich eine Art Markenzeichen. Diesmal bekommt aber ein recht unsympathischer Zeitgenosse eine Hauprolle: ein Unwesen namens Corona. Sehr ungern wurde ich an 2021 erinnert, aber ja, so war es nunmal. Maske auf, geimpft: ja oder nein, Test …, Ängste, Zwänge, Resignation, Ärger und Leid.

Der eigentliche Krimi entwickelte sich schlüssig, ich konnte wunderbar miträtseln, wurde immer wieder auf Abwege gelockt und hatte wirklich Spaß am Lesen. Die Männer-WG entwickelte unvorhersehbare Dynamik, die Kommissare folgten sowohl ihrer Intuition, als auch solider Ermittlungsarbeit. Alles sehr stimmig und gut ausgedacht.
Ich bewundere die Fähigkeit der Autorin so lebensechte Romane zu schreiben, ihre Figuren könnten wirklich jederzeit bei Eduscho auf einen Cafe reinschneien und auch als Nichtflensburgerin fühlte ich mich bald heimisch.
Mein Fazit: Für Liebhaber*innen relativ unblutiger Regionalkrimis mit viel Lokalkolorit und angenehm-leicht-lesbarer Romankost ist „List und Lüge“ genau das Richtige. Ideal für eine Ostsee-Urlaubsreise oder auch für abends vor dem Einschlafen. Dem nächsten Fall von Mirja, Andresen und Lutz würde ich gerne folgen.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Unterhaltsame Götterspeise

Der Funke der Götter
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Die Göttin steckt auch in dir
Die sympathische Autorin Tini Wider habe ich kürzlich erst kennengelernt und musste deshalb natürlich auch ihren neuesten Fantasy-Romantasy lesen, obwohl das ansonsten eher ...

Die Göttin steckt auch in dir
Die sympathische Autorin Tini Wider habe ich kürzlich erst kennengelernt und musste deshalb natürlich auch ihren neuesten Fantasy-Romantasy lesen, obwohl das ansonsten eher nicht mein Genre ist.

Es hat Spaß gemacht den locker-flockig geschriebenen Young-Adult Titel zu lesen. Ideal als leichten Buchsnack für zwischendurch. Die Götter müssen verrückt sein, dachte ich zwischendrin immer wieder, wenn die Protagonisten ihre neu erwachten Talente und das ein oder andere Göttergen in sich entdeckten. Kami, der kleine Zauberhund war mein Liebling. Aber es gibt auch einen bitterbösen Bösewicht, wie es sich gehört. Und natürlich eine Lovestory, mit Sternenstaub und allem was es braucht.

Eine rundum vergnügliche Geschichte für eher jüngere Leserinnen oder einfach romantisch-veranlagte Junggebliebene.

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Veröffentlicht am 09.10.2022

Vom Leben, Sein und Vergehen

Zehn Kaffeebohnen
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Jedes Mal, wenn du etwa Schönes erlebt hast, dann nimm eine Kaffeebohne aus der linken Tasche und stecke sie in die rechte. Und am Abend nimmst du die Bohne(n) aus der rechten Tasche und denkst nochmal ...

Jedes Mal, wenn du etwa Schönes erlebt hast, dann nimm eine Kaffeebohne aus der linken Tasche und stecke sie in die rechte. Und am Abend nimmst du die Bohne(n) aus der rechten Tasche und denkst nochmal an das Gute des Tages. So wird deine Trauer langsam vom Leben verdrängt. Das könnte der Beginn einer wirklich kitschige Story sein.

Aber die Geschichte von Elina ist nicht so platt. Die Endvierzigerin ist traurig, soviel ist wahr. Aber sie hat Grund dazu hat: da ist ihre verlorene Liebe und jung ist sie auch nicht mehr. Sie fühlt sich dem Leben entfremdet, ist nicht am richtigen Platz. Da kann frau schon ein paar Tränchen zerdrücken. Aber zum Glück gibt es den „eisernen“ Heinrich, eine weise Mentorenfigur wie sie jede/r gebrauchen könnte: verlässlich, liebevoll, klug. Seine Botschaft ist: du kannst alles, was du wirklich willst. Du musst es nur tun.

Christiane Schünemann schreibt einfach und klar. In ihrem Text ist die eigene Biographie, ist auch das Theater präsent, das Schreiben, ihre Prägung durch ein Aufwachsen im Osten Deutschlands. Sie findet dabei ganz eigene Worte und die berühren zart im Inneren. Die Geschichte spannt einen schönen, stimmigen Bogen. Es geht ums Werden, ums Sein und ums Vergehen. Ganz wie im richtigen Leben.

Da ich etwa im selben Alter bin wie die Autorin, verstehe ich die zahlreichen Anspielungen auf Märchen, Theaterstücke, Musiktitel, Gedichten. Wie es jüngeren Menschen bei der Lektüre ginge, das kann ich nicht sagen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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