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ChrischiD

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2017

Späte Rache?

Morgan & Bailey 6: Auge um Auge
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Als Pfarrer Morgan abgeführt und des Mordes verdächtigt wird, steht die gesamte Gemeinde unter Schock. Natürlich zweifelt niemand an der Unschuld des Geistlichen, und doch sieht Rose Bailey sich sofort ...

Als Pfarrer Morgan abgeführt und des Mordes verdächtigt wird, steht die gesamte Gemeinde unter Schock. Natürlich zweifelt niemand an der Unschuld des Geistlichen, und doch sieht Rose Bailey sich sofort gezwungen in die Bresche zu springen. Gemeinsam mit ihrem Neffen Liam macht sie sich daran die Wahrheit zu ergründen, wobei ziemlich schnell deutlich wird, dass sie jemandem gehörig auf die Füße getreten sind. Glücklicherweise lassen sich weder die Pastorin und ihr Enkel, noch der Rest der Dorfbewohner so schnell einschüchtern, so dass zumindest Hoffnung auf Gerechtigkeit besteht...

Als Hörer, der man die Reihe bis hierher verfolgt hat, hegt man ebenfalls keinen Zweifel daran, dass der Pfarrer unschuldig ist. Und doch gibt es einige Ungereimtheiten, die berechtigterweise darauf schließen lassen könnten, dass Charles Morgan mehr weiß als er zuzugeben bereit ist. Zumindest scheint es eindeutig, dass ihm jemand das ihm vorgeworfene Verbrechen anhängen will. Wer aber sollte so sehr auf Rache sinnen und warum gerade jetzt? Hat die Tat womöglich etwas mit seiner Vergangenheit, über die er kaum bis gar nicht spricht, zu tun?

Gebannt verfolgt der Hörer die Ermittlungen von Rose Bailey und Liam, die sich einmal mehr als Dreamteam herausstellen, wenn sie auch das ein oder andere Mal ein wenig plump agieren. Nichtsdestotrotz wirkt der vermittelte Kampfgeist sich positiv auf die Atmosphäre auf, die gleich um einige Grad wärmer und somit hoffnungsvoller erscheint. Aufgeben ist definitiv keine Option, auch nicht als das Gespann selbst Opfer diverser Angriffe wird.

Auch wenn versucht wird einige Spuren einzustreuen so wird doch relativ schnell klar wer für den Mord verantwortlich ist. Das Motiv scheint ebenso schnell gefunden, obwohl noch die ein oder andere kleine Frage offen bleibt. Die Hobbyermittler lassen sich ebenso wenig wie der Hörer in die Irre führen, so dass nur noch ein Schlupfloch gefunden werden muss, den wahren Verbrecher zur Strecke zu bringen. Hier allerdings ist nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Kreativität gefragt.

Trotz einer recht vorhersehbaren Geschichte wieder eine gelungene Folge, die zwar diesmal in der Hauptsache nicht mit Spannung, sondern mehr mit Teamgeist besticht. Außerdem gibt es Einblicke privater Natur in Pfarrer Morgans Vergangenheit, durch die das bisher von ihm entstandene Bild noch um einige Erkenntnisse erweitert wird.

Veröffentlicht am 21.05.2017

Wenn die Vergangenheit dich einholt...

Die unbekannte Schwester
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Von der einfachen Kaufhausdetektivin zur Wiener Polizei, ganz ohne Ausbildung? Das gelingt nur einer Lotta Fiore, obwohl sie damals von der Polizeischule geworfen wurde. Über die Hintergründe wissen allerdings ...

Von der einfachen Kaufhausdetektivin zur Wiener Polizei, ganz ohne Ausbildung? Das gelingt nur einer Lotta Fiore, obwohl sie damals von der Polizeischule geworfen wurde. Über die Hintergründe wissen allerdings nur die Wenigsten Bescheid, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass sie von den Kollegen nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Gleich der erste Fall bringt sie dann auch direkt gehörig ins Schwitzen, denn es scheint als hätte das Opfer Informationen über Lottas Vergangenheit, die ein ebenso gut gehütetes Geheimnis ist wie vieles andere. Obwohl alles daran gesetzt wird Lotta Fiore und Konrad Fürst aufs Abstellgleis zu verfrachten, knien sie sich mehr denn je in den Fall rein, denn es könnte weitere Opfer geben...

Der Todestag der großen Maria Fiore jährt sich zum sechsten Mal, und wieder einmal zeigt sich, dass die einstige Operndiva noch lange nicht in Vergessenheit geraten ist. Carlotta Fiore sieht diesem Ereignis jedes Mal aufs Neue mit gemischten Gefühlen entgegen. Wie recht sie auch in diesem Jahr behalten soll zeigt sich bereits an ihrem ersten Tag bei der Polizei. Sollte ihr Geheimnis tatsächlich gelüftet worden sein? Und wenn ja, wer hat noch Kenntnis davon?

Eine Entführung, die bereits mehrere Jahrzehnte zurück liegt und niemals als solche erkannt wurde? Ein Szenario, welches mehr als unglaublich erscheint, zumal die entführte Person sich frei bewegen kann. Dennoch ist es geschehen und wird immer authentischer und nachvollziehbarer je mehr Hintergrundinformationen erhält. Auch Lotta erhält diese Hinweise auf ihre Vergangenheit, von denen sie viele verdrängt hatte, aber nach wie vor in ihrem Unterbewusstsein vorhanden sind. Somit ermittelt sie zugleich in ihrem ersten (offiziellen) und persönlichsten Fall. Dabei lässt sie sich von nichts und niemandem unterkriegen, auch wenn Rückschläger zu verzeichnen sind, nach kurzen Durchhängern muss es mit doppelter Kraft weiter gehen.

Gemeinsam mit einer toughen Hauptprotagonisten begibt der Leser sich auf Spurensuche, die komplizierter ist als zunächst gedacht. Kollegen und Vorgesetzte pflastern den Weg mit Hürden und Hindernissen, die es mitunter in sich haben. Doch Lotta und Konrad finden einen Weg, sei er noch so unkonventionell. Dabei kommt es durchaus zu diversen urkomischen Situationen, die allein im Kopf des Lesers Lachsalven entfachen, obgleich ernsthafte Ereignisse vonstatten gehen. Zudem ist ein stetiger Spannungsaufbau vorhanden, der sich zu Beginn noch etwas kräftiger hätte durchsetzen dürfen, im Verlauf aber immer stärker wird.

„Die unbekannte Schwester“ ist der dritte Krimi rund um Lotta Fiore, der jedoch auch vollkommen unabhängig von den Vorgängern gelesen und verstanden werden kann. Es gibt kurze Rückblenden auf vergangene Ereignisse, wenn dies für die Handlung notwendig ist, ansonsten ist das Geschehen in sich abgeschlossen.

Veröffentlicht am 08.05.2017

Gute Idee, leider in der Ausführung nicht komplett überzeugend

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor
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Bereits häufiger wurde Stephanie von ihrer Freundin Emily gebeten, deren Sohn Nicky nach der Vorschule mit zu sich nach Hause zu nehmen. Doch niemals hat sie ihn nicht abgeholt oder sich gar nicht erst ...

Bereits häufiger wurde Stephanie von ihrer Freundin Emily gebeten, deren Sohn Nicky nach der Vorschule mit zu sich nach Hause zu nehmen. Doch niemals hat sie ihn nicht abgeholt oder sich gar nicht erst gemeldet. Stephanie ist außer sich vor Sorge, zumal sie nicht einmal eine Kontaktnummer von Nickys Vater Sean besitzt, der häufig auf Geschäftsreise ist. Als Emily nach einigen Tagen noch immer nicht erreichbar ist, und auch Sean endlich zu Hause ist, der sich ebenfalls keinen Reim auf das Vorgehen seiner Frau machen kann, wird die Polizei eingeschaltet, die schon bald mit einer schrecklichen Nachricht vor der Tür steht...

Eine grauenhafte Vorstellung, dass die beste Freundin plötzlich spurlos verschwindet. Noch unglaublicher, wenn man weiß, dass sie ihr Kind mehr als alles andere liebt. Genau das tut Emily, da ist Stephanie sich sicher, weshalb sie auch weiß, dass etwas Schreckliches passiert sein muss, denn Emily würde Nicky niemals allein lassen. Und doch ist es geschehen. Auf der Frage nach dem Warum begibt Stephanie sich mit jedem Tag tiefer in einen Abgrund, der für sie noch gar nicht ersichtlich, für den Leser aber durchaus bereits erkennbar ist. Deutlich zeichnet sich ab, dass die Erklärung nicht so einfach ist wie zunächst vermutet, es müssen noch einige lose Fäden miteinander verbunden werden.

Mit Hilfe diverser Blogeinträge versucht Stephanie die Müttergemeinschaft zu mobilisieren, um zu erfahren was mit ihrer Freundin geschehen ist. Auch der Leser erhält diesen Einblick, gleichzeitig aber auch jenen der Hintergründe, die oftmals von der Darstellung nach außen abweichen. Nichtsdestotrotz bleibt die Betrachtung lange Zeit einseitig, da ausschließlich Stephanie zu Wort kommt, wodurch sich das Geschehen in die Länge zieht und Spannung nur sporadisch aufkommen kann. Erst als auch andere Perspektiven hinzu kommen, die die Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lassen, ergibt sich ein komplexes Konstrukt, welches den Leser mitzureißen vermag. Allerdings auch dies nur zeitweilig, da man auch hier wieder durch langwierige Passagen ausgebremst wird.

Im Großen und Ganzen steckt hinter „Nur ein kleiner Gefallen“ eine gute Idee, die leider in der Umsetzung noch Defizite aufweist. Dabei gibt es diverse Sequenzen, die nicht nur das vorhandene Potential offenbaren, sondern auch aufzeigen was mit dem vorliegenden Stoff alles möglich gewesen wäre. Schade, dass sich dies nicht über die gesamte Lektüre ausweiten konnte, somit zwar ein solider Roman entstanden ist, der jedoch ein paar Thrillerelemente vermissen lässt.

Veröffentlicht am 07.05.2017

Sommer in Finale

Brausepulverherz
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Für Jiara sind die Sommer in Finale, bei ihrem besten Freund Dario, fester Bestandteil ihres Lebens. Doch dieses Jahr ist alles anders. Auch Milo, Musiker aus Leidenschaft und ebenfalls ein enger Vertrauter ...

Für Jiara sind die Sommer in Finale, bei ihrem besten Freund Dario, fester Bestandteil ihres Lebens. Doch dieses Jahr ist alles anders. Auch Milo, Musiker aus Leidenschaft und ebenfalls ein enger Vertrauter Darios, kehrt zurück. Die erste Begegnung der beiden gleicht einem Donnerschlag, der noch einiges nach sich ziehen wird. Obgleich Jiara in der Heimat mit ihrem Freund Jonas bereits die Zukunft vor Augen hat, beschließt ihr Herz eine völlig andere Richtung einzuschlagen. Aber was ist mit Milo, den es nie lange an einem Ort hält?

Liebe auf den ersten Blick - gibt es sie wirklich? Oder handelt es sich bei solchen Impulsen eher um Anziehungskraft, vielleicht sogar Neugierde oder den reinen Wunsch nach Veränderungen? Pauschal beantworten lässt sich dies sicher nicht, jeder der einen solchen Moment schon erlebt hat oder noch erleben wird, geht anders damit um, und das ist auch gut so. Auch Jiara und Milo beschäftigen sich lange mit ihrem ersten Augenblick. Mal gemeinsam, mal allein, aber immer auf der Suche nach Hinweisen sich selbst und den Gegenüber zu analysieren.

Ganz wundervoll ist der ständig vorherrschende Perspektivwechsel, denn erzählt wird die Geschichte abwechselnd von Jiara oder Milo. So wird die Handlung einerseits stetig vorangetrieben, andererseits ist es aber auch möglich ein- und dieselbe Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ebenso wird dem Leser natürlich die Möglichkeit geboten beide Charaktere auf Einzelmissionen zu begleiten, auch wenn der andere dennoch immer präsent ist, sei es bewusst oder unbewusst. Ein klein wenig negativ zu bewerten sind diverse Zeitsprünge, die sich ergeben, häufig aber nur in einem Nebensatz angedeutet werden, den Leser daher fast schon kalt erwischen. Hier würde man sich innerhalb einiger Passagen ein bisschen mehr Input wünschen. Vielleicht hätte es sogar schon geholfen, wenn die Kapitel zusätzlich mit einer Zeitangabe versehen gewesen wären, damit man sich daran hätte orientieren können.

Es knistert gewaltig, und doch ist "Brausepulverherz" kein kitschiger Herz-Schmerz-Roman, der sämtliche Klischees bedient. Sicherlich gibt es vorhersehbare Situationen, und auch durchaus das ein oder andere typische Element, nichtsdestotrotz kann das Werk mit Tiefgründigkeit punkten. Neben Spaß und Freiheit, stehen Entscheidungen an, die nicht nur wohl überlegt sein wollen, sondern wirklich alles verändern können. Der Leser ist absolut bereit den Weg mit den Protagonisten gemeinsam zu beschreiten, auch wenn man häufig nicht mit ihnen konform geht, sondern sie lieber schütteln und auf den richtigen Weg leiten möchte...

Veröffentlicht am 07.05.2017

Ein Klick, der alles verändert

Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte
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Flo hasst es, öffentlich vor der Klasse zu sprechen, auch auf kleine Seitenhiebe ihrer Mitschüler hat sie erst Antworten parat, wenn der Moment bereits vorbei ist. Wohingegen sie sich bei ihren besten ...

Flo hasst es, öffentlich vor der Klasse zu sprechen, auch auf kleine Seitenhiebe ihrer Mitschüler hat sie erst Antworten parat, wenn der Moment bereits vorbei ist. Wohingegen sie sich bei ihren besten Freundinnen Anouk und Julia wohl fühlt und so sein kann wie sie ist. Doch plötzlich wird alles ganz anders. Anouk hat die unausgesprochene Regel gebrochen, niemals etwas mit dem Schwarm der besten Freundin anzufangen. Flo ist mehr als nur sauer und maßlos enttäuscht. Gemeinsam mit Julia verfasst sie einen regelrechten Hetzbrief, in dem sie alles aufschreibt, was sie seit Jahren bedrückt. Dieser sollte natürlich niemals an die Öffentlichkeit gelangen, doch ein falscher Klick und die Sachen stehen im Netz. Während alle gegen sie sind, kann Flo sich wenigstens noch auf Julia verlassen … Oder?

Es gab und gibt immer Menschen, die sich schwer damit tun vor anderen etwas vorzutragen. Ebenso gab und gibt es immer diejenigen, die sich darüber lustig machen. Schade, dass sich dieses Bild trotz sämtlicher Aufklärung bis heute nicht geändert hat, es sogar noch schlimmer geworden ist. Kein Wunder also, dass ein großes Thema, schon bevor die Maus verrutscht, das (Cyber)Mobbing ist. Es ist gut und wichtig, dass an der Schule darüber gesprochen und konkret darauf aufmerksam gemacht wird. Ob sich wirklich etwas ändern lässt sei dahingestellt, nichtsdestotrotz müssen solche und ähnliche Thematiken in den Köpfen der Menschen (egal welcher Generation) manifestiert werden.

Sicherlich ist der Verlauf des Geschehens weitestgehend vorhersehbar, kaum dass sich mit einem unbedachten Klick alles verändert. Dennoch verfolgt man das Geschehen rund um Flo gebannt und mit einem Blick, der nicht nur das Offensichtliche erfasst. Immer wieder stellt man sich als Leser die Frage, wie man selbst reagieren und auf welcher Seite man stehen würde. Welches Verhalten der Protagonisten prangert man an, welche Verbesserungsvorschläge hätte man für sie? Das Thema bietet ein breites Spektrum an (Selbst)Reflexion.

Neben all der Ernsthaftigkeit darf man dennoch den Humor nicht vergessen, welcher ebenfalls zugrunde liegt. Freundschaften sind nicht immer leicht und müssen überdies gepflegt werden, Freude und Leid liegen nahe beieinander. Wenn man sich aber vollends auf den anderen verlassen kann, sind sie umso kostbarer, man steht vieles zusammen durch und ganz wichtig: Man lacht sämtliche Sorgen einfach weg. Bis man jedoch soweit ist, müssen ebenfalls Hürden überwunden werden, vor allem diejenige, dass man lernen muss, miteinander zu reden. Denn dann ist und wird alles viel einfacher...

Ein wundervolles Jugendbuch, das nicht nur der eigentlichen Zielgruppe Spaß machen und zum Nachdenken anregen wird.