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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2020

Privatleben vs. Job

Falsche Austern
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Als Albert Barat, Leiter des Kunstmuseums, ermordet aufgefunden, und Kommissar Leblanc mit dem Fall betraut wird, ahnt dieser noch nicht was ihn erwartet. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit verschiedener ...

Als Albert Barat, Leiter des Kunstmuseums, ermordet aufgefunden, und Kommissar Leblanc mit dem Fall betraut wird, ahnt dieser noch nicht was ihn erwartet. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit verschiedener Kommissariate gefördert werden soll und Leblanc sich mit einem unliebsamen Kollegen herumschlagen muss, auch privat gerät gerade alles aus den Fugen.

Kommissar Leblanc folgt gerne seinem Instinkt und bedient sich durchaus der ein oder anderen unkonventionellen Methode. So ist es nicht verwunderlich, dass er – plötzlich in eine Art Teamarbeit gezwungen – häufiger denn je aneckt. Seine Stimmung verschlechtert sich zusehends als auch sein privates Glück, das er glaubte gefunden zu haben, ins Schwanken gerät. Sicherlich kann der Leser Leblancs Gedanken und Handlungen weitestgehend nachvollziehen, hin und wieder aber scheint er sich, auf Grund der inneren Unausgeglichenheit, zu verrennen.

Das Geschehen bleibt von Anfang bis Ende undurchsichtig. Ein paar wenige Fragen werden hinlänglich beantwortet, einiges aber scheint lieber vertuscht zu werden. Somit bleibt allerdings auch die Spannung leider zunehmend auf der Strecke. Zunächst eröffnen sich diverse Theorien, denen nachzugehen mal mehr mal weniger erfolgversprechend erscheint. Doch mit der Zeit flacht die Kurve immer weiter ab, je mehr Hindernisse den Ermittlern in den Weg gelegt werden und je kürzer die ein oder andere Recherche abgefertigt wird.

Welcher „Fall“ dem Kommissar nun wichtiger ist – der private oder der dienstliche – sei einmal dahingestellt, schlussendlich wird man als Leser nicht so ganz zufriedengestellt. Sicherlich gibt es eine offizielle Version der Geschehnisse und vieles klingt auch plausibel, nichtsdestotrotz fragt man sich unweigerlich wer da im Hinter- oder Untergrund tatsächlich die Fäden zieht. Da es sich zumeist jedoch um kaum belegbare, theoretische Ansätze handelt, lässt man es schließlich gut sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2020

Venedigs Untergrund

Der freie Hund
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Commissario Morello, besser bekannt als „Der freie Hund“, wird kurzerhand aus dem Verkehr gezogen und nach Venedig versetzt. In Sizilien hat er nicht nur zu viel Staub aufgewirbelt, sondern sich auch mit ...

Commissario Morello, besser bekannt als „Der freie Hund“, wird kurzerhand aus dem Verkehr gezogen und nach Venedig versetzt. In Sizilien hat er nicht nur zu viel Staub aufgewirbelt, sondern sich auch mit diversen Mächten angelegt, die ihn lieber tot sehen wollen. Allerdings zeigt er schnell und offen, dass er die Stadt nicht mag und auch sein Team steht dem neuen Chef nicht unbedingt wohlgesonnen gegenüber. Dann aber kommt es zu einem tragischen Todesfall, dessen Ermittlungen Morello nicht nur in Beschlag nehmen, sondern auch diverse Unstimmigkeiten offenbaren..

Kleinganoven, Kreuzfahrtschiffe, Korruption, Mafia und Antonio Morello mittendrin. Verständlich, dass er sich nie ganz wird von Sizilien lösen können, aber lassen sich manche Gegebenheiten wirklich 1:1 auf Venedig übertragen oder handelt es sich dabei um Hirngespinste des neuen Commissarios? Schnell wird nicht nur dem Leser klar, das Morello seinem Instinkt folgt, in der Regel ohne Rücksicht auf Verluste, selbst wenn sein Job am seidenen Faden hängt. Doch genau das macht ihn und sein Denken auf gewisse Art und Weise authentisch, so dass es durchaus lohnenswert sein kann der ein oder anderen Spur zu folgen, die zunächst absolut abwegig erschien. Ob und inwiefern man der Lösung damit näher kommt, wird sich allerdings erst im weiteren Verlauf zeigen.

Die Spannungskurve ist gekonnt angelegt, der Leser wird gewissermaßen von ihr durch das Geschehen getragen. Bedeutet zwar nicht, dass sie sich nicht hin und wieder leicht zurücknimmt, weitestgehend aber kann man sich auf diese Basis verlassen und folgt der Geschichte somit bereitwillig, schließlich wird die Neugierde nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich immer weiter geschürt. Trotzdem kann der Fall mit tatsächlichen Überraschungsmomenten leider nicht aufwarten, dafür wird angedachten Wendungen zu weit vorgegriffen, so dass sie relativ früh ersichtlich sind.

Es entsteht eine gute Mischung aus Land, Leuten und Ermittlungen, so dass auch die Stimmung der Stadt und ihrer Bewohner auf den Leser übergeht. Dadurch ist man gleich näher am Geschehen und den Protagonisten. Weitere Fälle für den freien Hund dürfen sich gerne anschließen, ausreichend Stoff scheint vorhanden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2020

Von Menschen und Elfen

Lia Sturmgold – Die Macht der Kristalle
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Durch einen missglückten Zauber kommt es zu einem Körpertausch der etwas anderen Art, denn plötzlich steckt Lia in einem Elfenkörper, einem Wesen, von dem sie bis gerade keine Kenntnis hatte, dass es wahrhaftig ...

Durch einen missglückten Zauber kommt es zu einem Körpertausch der etwas anderen Art, denn plötzlich steckt Lia in einem Elfenkörper, einem Wesen, von dem sie bis gerade keine Kenntnis hatte, dass es wahrhaftig existiert. Und doch muss sie nun wohl oder übel mit der neuen Situation umgehen, denn Prinzessin Asalia fühlt sich pudelwohl in Lias Menschenkörper und hat nicht vor den Platz so schnell wieder zu räumen. Gemeinsam mit Asalias Bruder macht Lia sich auf in die Welt der Elfen, die die ein oder andere Überraschung für sie bereit hält – in der aber auch Gefahren lauern..

Sehr schnell und unweigerlich fragt man sich als Leser, ob Lias Mutter tatsächlich nicht merkt, dass ihre Tochter sich innerlich verändert hat, obwohl sie äußerlich augenscheinlich dieselbe ist. Schließlich besitzt die Prinzessin einen deutlich ausgeprägteren Charakter, den sie auch gerne zur Schau stellt. Andererseits handelt es sich dabei schlussendlich um einen Nebenaspekt, weshalb dieser womöglich nicht in Gänze logisch erscheinen muss.

Auch der Körpertausch als solcher steht gar nicht unbedingt im Vordergrund, vielmehr ist es diese besondere Welt, in die Lia eintaucht und die ihr die Wichtigkeit mancher Dinge aufzeigt. Auch der Leser lässt sich gerne entführen auf diese magische Reise, die auf humorvolle und natürliche Art und Weise für Unterhaltung sorgt, gleichzeitig aber auch nachdenkliche Töne anschlägt. Entsprechend wird auch die Fantasie entfesselt und die Rationalität beiseite geschoben. Und doch lassen sich einige Passagen ohne weiteres in die Menschenwelt übertragen, wenn sie dort vielleicht auch von anderer Tragweite sind.

Auch wenn nicht alle Charaktere den Leser für sich einnehmen können – vermutlich besteht dieser Anspruch auch gar nicht – handelt es sich doch um einen zauberhaften Auftakt, der bereits Möglichkeiten erahnen lässt inwiefern es vor allem im Zusammenspiel der verschiedenen Lebensformen weitergehen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2020

Gefährliche Kreise

Todestreue
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Eigentlich ist Polizeiseelsorger Martin Bauer mit seiner Entscheidung für die Elternzeit rundum zufrieden. Ausgerechnet durch seine Frau, die in der Vergangenheit mehr als einmal Ängste um ihren Mann ausgestanden ...

Eigentlich ist Polizeiseelsorger Martin Bauer mit seiner Entscheidung für die Elternzeit rundum zufrieden. Ausgerechnet durch seine Frau, die in der Vergangenheit mehr als einmal Ängste um ihren Mann ausgestanden hat, gerät er an einen jungen Mann, der unbedingt Unterstützung benötigt. Er ist während der Ermittlungen in einem besonders brutalen Mordfall ins Visier der Ermittler geraten und weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann. Bauer verstrickt sich immer mehr in den Fall, der zahlreiche mysteriöse Aspekte beinhaltet..

Martin Bauer ist ein treusorgender Familienvater, keine Frage, nichtsdestotrotz kann man sich als Leser kaum vorstellen, dass er sich wirklich raushält, sobald ihm Ungerechtigkeiten zu Ohren kommen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er schon bald mitten in einem neuen Fall steckt – polizeilich mal mehr mal weniger geduldet.

Es ist ein Milieu, in dem man sich besser keine Feinde macht, in das Leon Berger hineingeraten ist. Leider kommt diese Erkenntnis etwas zu spät, so dass es für ihn schlussendlich nur noch ums nackte Überleben geht. Der Leser ist ganz nah dabei und je besser man den jungen Mann kennenlernt, desto weniger glaubt man, dass er die ihm zur Last gelegten Gräueltaten tatsächlich begangen hat. Leider fehlen entlastende wie entscheidende Hinweise, weshalb Martin Bauer händeringend auf der Suche nach ebenjenen ist. Dabei begibt er sich wieder einmal an die Front und in Gefahrensituationen, die kaum zu überblicken oder gar im Vorfeld zu analysieren sind. Überhaupt geschieht viel aus einem Bauchgefühl heraus, weshalb der Verstand ein wenig hinterherhinkt.

Spannungsgeladenes Geschehen, gespickt mit diversen Unwägbarkeiten, zumindest teilweise unvorhersehbar, und doch in gewisser Weise geradlinig. Es gibt durchaus Passagen, in denen das Tempo eine Zeit lang heruntergefahren wird, doch am Fortgang der Handlung wird stetig gearbeitet, eine Weiterentwicklung der Charaktere findet ebenfalls statt. Es ist und bleibt wie gehabt eine Frage der Zeit, bis Martin Bauer erneut auf den Plan tritt und dem geneigten Leser einen neuen Fall präsentiert – ganz sicher.

Veröffentlicht am 19.07.2020

Alltägliches

Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein
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Über Torsten Sträter braucht man wohl nicht viele Worte verlieren. Er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und somit vielen Menschen direkt aus der Seele, Ruhrpott durch und durch. Vielleicht weiß ...

Über Torsten Sträter braucht man wohl nicht viele Worte verlieren. Er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und somit vielen Menschen direkt aus der Seele, Ruhrpott durch und durch. Vielleicht weiß man nicht immer sofort worauf er hinauswill, womöglich runzelt man innerlich die Stirn, aber schlussendlich gibt es immer einen Aha-Effekt, der nicht selten in unkontrolliertem Gesichtsmuskelzucken endet.

In seinem neuesten Werk „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“, finden sich – wie im Vorwort vom Autor selbst erwähnt – gesammelte Anekdoten und Gedankenergüsse, die zwar zumeist bisher nicht verschriftlicht wurden, aber doch bereits zur Aufführung gekommen sind. So kann es durchaus sein, dass dem geneigten Leser die ein oder andere Situation bekannt vorkommt, und das nicht, weil er sie selbst erlebt hat.. Schlimm ist dies aber keinesfalls, denn erstens wurde man noch vor der Lektüre gewarnt und zweitens wird man manchen Stories einfach nicht überdrüssig.

Thematisch gesehen ist alles dabei was den Alltag der Menschheit berührt – oder auch nicht. Vor allem aber hat man als Leser die ganze Zeit die Stimme des Autors im Ohr. Könnte man während der Lektüre die Augen schließen, würde man ihn glatt vor sich sehen. Der typisch trockene Humor, verbunden mit einem gewissen Scharfsinn, lässt dem Niveau viel Spielraum zur eigenen Entfaltung. Ob in kleinen Häppchen zwischendurch oder meterweise am Stück, Sträter bietet abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltung.