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ChrischiD

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2019

Hält nicht was es verspricht

Insel-Krimi 9: Pekunien und Sylter Spitze
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Auf Grund einer glücklichen Fügung und mit mehr oder minder legalen Mitteln, konnten Hedwig und Marga eine kleine Pension auf Sylt eröffnen, die sie mit viel Herzblut gemeinsam betreiben. Als sich ein ...

Auf Grund einer glücklichen Fügung und mit mehr oder minder legalen Mitteln, konnten Hedwig und Marga eine kleine Pension auf Sylt eröffnen, die sie mit viel Herzblut gemeinsam betreiben. Als sich ein seltsam anmutendes Ehepaar bei ihnen einmietet, denken die Frauen sich zunächst nichts dabei. Doch die Störung der nächtlichen Ruhe, der sie sich bald ausgesetzt sehen, ist nur der Beginn einer Kette von mysteriösen Ereignissen.

Wer die Insel-Krimis regelmäßig verfolgt, kennt die beiden Damen und ihre Vorgeschichte bereits. Für alle anderen wird in einem Satz kurz erklärt wie es sich verhält und schon ist man im Bilde. Denn im Grunde stehen die beiden Geschichten nicht im direkten Verhältnis zueinander, sondern haben einzig einige Berührungspunkte.

Was sich in der Kurzbeschreibung und von der Grundidee gut anhört, erfährt allerdings schon in den Anfängen der Umsetzung erste Dämpfer. Alles wirkt ein wenig zu gestellt, und vor allem die beiden Damen agieren zum Teil reichlich albern, als handele es sich hier um eine Persiflage auf irgendetwas, das der Hörer nicht (er)kennt. Dadurch fällt es zunehmend schwer sich mit der gebotenen Konzentration dem Inhalt zu widmen, der durchaus etwas zu bieten hat.

Nichtsdestotrotz erkennt man als Außenstehender recht schnell das Muster und fragt sich einmal mehr warum die ein oder andere Figur den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Entsprechend stark spürt man in diesem Fall wie wichtig die Sprecherleistung beziehungsweise die Interpretation der Charaktere für die subjektive Meinungsbildung und die generelle Atmosphäre ist. Häufig gilt: Weniger ist mehr. So auch hier, denn die Erzählung bietet ausreichend Potential, kann aber auf Grund der Umsetzung leider nicht überzeugen. Schade.

Veröffentlicht am 26.10.2019

Fluch oder Segen?

Silberdrache
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Als Joss ein silbernes Ei regelrecht vor die Füße kullert und diesem kurze Zeit später ein Silberdrache entschlüpft, scheint ihm plötzlich alles möglich. Gemeinsam mit seiner Schwester Allie schmiedet ...

Als Joss ein silbernes Ei regelrecht vor die Füße kullert und diesem kurze Zeit später ein Silberdrache entschlüpft, scheint ihm plötzlich alles möglich. Gemeinsam mit seiner Schwester Allie schmiedet er Pläne, um der sklavischen Gefangenschaft, die sie vor einiger Zeit wohl oder übel wählen mussten, zu entkommen. Die Familie Lennix jedoch will den Geschwistern einen Strich durch die Rechnung machen, schließlich haben sie ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Einsatz eines Silberdrachen…

Angie Sage spielt auf verschiedenen Ebenen mit Legenden und Mythen, die das Geschehen von Beginn an lebendig halten. Durch diverse Perspektivwechsel sowie Sprünge zwischen den (Parallel)Welten ergibt sich im weiteren Verlauf ein rundes Bild. Natürlich muss augenscheinliches Verständnis für und Interesse an der Thematik vorhanden sein, allerdings würde man ansonsten vermutlich auch gar nicht zu diesem Werk greifen.

Obwohl die ein oder andere Passage etwas langatmiger daherkommt, bleibt doch durchweg der Drang vorhanden, erfahren zu wollen wie es weiter geht – zahlreiches Hände-vors-Gesicht-schlagen ob Joss’ offenkundiger Naivität inklusive. Sicherlich wird jeder Leser seine eigenen Vorstellungen und Wünsche bezüglich noch anstehender Ereignisse und vor allem des Ausgangs haben. Vom teilweise offenen Ende einmal abgesehen, denn es handelt sich um einen Reihenauftakt, darf man sich seinen Theorien niemals allzu sicher sein. Der ein oder andere Kniff gelingt Angie Sage wie von selbst, ohne dass man ihn unbedingt hätte kommen sehen.

Konkrete Spannungselemente allerdings sind eher rar gesät, vieles funktioniert hier über die Macht der Fantasie und tatsächlich über die einzigartigen Wesen, deren bloße Anwesenheit zu bestimmten emotionalen Verknüpfungen führt. Es ist ein riesengroßes Abenteuer, in das Joss und Allie stolpern, das jedoch auch einige Gefahren birgt und für sie beide nicht unbedingt positiv behaftet ist. Die Autorin beschönigt weder Vergangenheit, noch Gegenwart, noch Zukunft, weshalb zwar mitunter berechtigte Hoffnungen bestehen, nichtsdestotrotz das wirkliche kleine Finale schlussendlich nicht hundertprozentig abzusehen ist.

Es gibt noch die ein oder andere offene Frage, vor allem eine konkretere Verknüpfung zwischen den Welten wünscht man sich für den nächsten Band. Im Großen und Ganzen aber eine gut durchdachte und intelligent umgesetzte Geschichte, die nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe gut ankommt.

Veröffentlicht am 26.10.2019

Ängste und Manipulation

Das Rachespiel
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Nach einem verhängnisvollen Ereignis in ihrer Jugend hatte die Clique rund um Frank sich schnell entzweit. Doch jetzt, viele Jahre später, bekommt jeder von ihnen einen USB-Stick zugestellt, der entweder ...

Nach einem verhängnisvollen Ereignis in ihrer Jugend hatte die Clique rund um Frank sich schnell entzweit. Doch jetzt, viele Jahre später, bekommt jeder von ihnen einen USB-Stick zugestellt, der entweder einen makaberen Scherz oder ernsthafte Konsequenzen darstellt. Nicht nur ihr aller Leben wird bedroht, auch um das ihrer Liebsten ist zu fürchten. Als die vier ehemaligen Freunde nun erneut aufeinandertreffen, kommt es ziemlich schnell zu Spannungen, obwohl sie besser zusammenarbeiten sollten…

Arno Strobel ist bekannt für seine verworrenen Gedankengänge, die auf den ersten Blick scheinbar ganz und gar nicht zusammenpassen, im weiteren Verlauf dann aber doch Sinn ergeben. So ist auch „Das Rachespiel“ aufgebaut, das geschickt heutige wie vergangene Ereignisse miteinander verknüpft. Dadurch entsteht schnell ein regelrechter Sog, denn der Hörer möchte unbedingt verstehen was damals geschehen ist, um dies möglicherweise mit den aktuellen Vorkommnissen übereinbringen zu können.

Doch vor allem für die Protagonisten ist es ein langer, harter und steiniger Weg, ohne die Gewissheit am Ende mit dem Leben davonzukommen. Denn ihr Gegner ist unerbittlich, unsichtbar und launisch, da können die Spielregeln sich auch mal plötzlich ändern. Entsprechend verbreitet sich sehr schnell Unsicherheit innerhalb der Gruppe, aber auch Misstrauen gegenüber den ehemaligen Freunden. Spätestens als ein Hinweis lautet, dass eine Person falsch spielt, gibt es kein Halten mehr, der Kampf ums eigene Überleben wird noch wichtiger.

Der Hörer versucht ganz besonders zwischen den Zeilen zu lauschen, doch lässt der Autor sich absolut nicht in die Karten schauen. So ist es vielmehr ein Bauchgefühl, eine Ahnung, der man folgt und versucht mit konkreten Aktionen zu untermauern. Nichtsdestotrotz bleibt es lange Zeit bei theoretischer Auslegung, eine Bestätigung wird zusehends vermieden. Auch Sprecher Sascha Rotermund hält sich bedeckt und interpretiert das Geschehen als hätte er selbst keinerlei Hinweise auf den Täter und den Ausgang. Das führt dazu, dass der Hörer noch ein bisschen mehr eingebunden und von der Ehrlichkeit der Charaktere überzeugt werden soll. Allerdings ist ein gesundes Maß an Skepsis definitiv nicht verkehrt, dann gelingt auch keine hundertprozentige Täuschung.

„Das Rachespiel“ bietet spannende und kurzweilige Unterhaltung auf einem konstanten Level, das zugleich Neugierde wie Unruhe schürt. Über die Notwendigkeit einiger weniger Passagen, die etwas langatmig daherkommen, lässt sich streiten, im Großen und Ganzen aber blickt man in den Abgrund menschlichen Verhaltens, wodurch schlagartig diverse Instinkte angesprochen und aktiviert werden.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Die Jagd nach Vinyl

Murder Swing
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Aus einer Laune heraus hatte er sich als Berufsbezeichnung „Vinyl-Detektiv“ auf die Visitenkarten drucken lassen, aber niemals gedacht, dass jemand dies wirklich ernst nehmen könnte. Als jedoch eine Frau ...

Aus einer Laune heraus hatte er sich als Berufsbezeichnung „Vinyl-Detektiv“ auf die Visitenkarten drucken lassen, aber niemals gedacht, dass jemand dies wirklich ernst nehmen könnte. Als jedoch eine Frau namens Nevada Warren vor seiner Tür steht und ihre Bitte vorträgt, er solle eine ganz bestimmte Platte finden, überdenkt der leidenschaftliche Sammler sein Geschäft nochmal. Das Angebot erscheint ihm allzu verlockend, weshalb er einwilligt den Auftrag anzunehmen. Welche Gefahren dies jedoch birgt, soll sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Allerdings steht schnell fest, dass die Gegenseite nicht zimperlich ist.

Als Ich-Erzähler tritt der selbsternannte Vinyl-Detektiv zwar umfangreich in Erscheinung, schafft es aber gleichzeitig immer ein bisschen mysteriös zu wirken, so als könne man ihn dann doch nicht so leicht durchschauen wie es zunächst den Anschein macht. Ebenso wird auch mit den weiteren Charakteren verfahren, die man als Leser ausschließlich aus Protagonisten-Sicht, und somit subjektiv betrachtet, kennenlernt. Nichtsdestotrotz bleiben auch sie mal mehr, mal weniger undurchsichtig.

Die Idee liest sich recht interessant und nebenbei erfährt man noch einiges über Platten und Musik allgemein – Jazz im Speziellen – letzteres nimmt jedoch ziemlich schnell Überhand und verdrängt den Spannungsaspekt immer mehr. Zwischenzeitlich kommt es zwar zu Konfrontationen mit den Gegnern, innerhalb derer das Tempo merklich angezogen und auch der Ton unlängst rauer wird. Recht bald allerdings ist man dann aber auch wieder zurück in einer eher ruhigen Erzählung, die Spannungselemente schmerzlich vermissen lässt. Eine Kürzung der immerhin über 500 Seiten hätte in diesem Falle wohl nicht geschadet, und es gibt durchaus die ein oder andere Passage, die handlungstechnisch nicht unbedingt relevant ist.

Lässt man den Aspekt außen vor, dass es sich um einen Thriller handeln soll und geht entsprechend ohne Erwartungen an die Lektüre, wird man dennoch gut und kurzweilig unterhalten – trotz des Umfangs. Einzig die Frage nach der Fortführung der Reihe drängt sich auf. Das Privatleben des Sammlers bietet dafür noch ausreichend Potential, wie aber sieht es inhaltlich mit seiner Passion und der eigentlich im Vordergrund stehenden Tätigkeit aus?

Veröffentlicht am 19.10.2019

Auf Rettungsmission

Die Legende von Greg 1: Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache
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Dass er anders ist als die anderen, merkt Greg nicht nur daran, dass er kaum Anschluss unter Gleichaltrigen findet. Aber dass er ein Zwerg sein soll, verwirrt ihn dann doch ungemein. Hatte er doch von ...

Dass er anders ist als die anderen, merkt Greg nicht nur daran, dass er kaum Anschluss unter Gleichaltrigen findet. Aber dass er ein Zwerg sein soll, verwirrt ihn dann doch ungemein. Hatte er doch von den unterschiedlichsten Völkern bisher keine Ahnung. Jetzt aber muss alles ganz schnell gehen, denn sein Vater wurde entführt, es zählt jede Sekunde. Warum muss dann auch noch sein bester Freund unbedingt ein Elf sein und die ganze Angelegenheit noch verkomplizieren?

Zwergen, Elfen, Trolle und andere fantastische Geschöpfe kennt man inzwischen aus diversen Büchern und Filmen. Daher ist man leicht versucht direkte Vergleiche anzustellen, sollte aber unbedingt davon absehen gleich von einem „Abklatsch“ zu sprechen. Am besten sollte man jedes Werk für sich betrachten, was zugegebenermaßen nicht immer leicht ist. So auch hier, schon allein, weil innerhalb der Lektüre auf anderweitige Fantasy-Titel Bezug genommen wird. Nichtsdestotrotz werden individuelle Besonderheiten in den Vordergrund gestellt, wodurch gleichzeitig die Abgrenzung stattfindet.

Dass es sich hier um einen Reihenauftakt handelt wird sehr schnell deutlich, denn das Tempo wird lange Zeit zurückgenommen, als würde man mit angezogener Handbremse fahren. Außerdem dauert es eine geraume Zeit, bis der Autor endlich an der Stelle angekommen ist, die fast schon als Scheidepunkt betrachtet werden kann. Viele Wiederholungen wie auch langatmige Erklärungen verzögern den Fortgang des Geschehens zusätzlich, weshalb die Handlung häufig stagniert und auch das Spannungslevel nicht ausgebaut werden kann.

Erst im letzten Drittel scheint sich endlich etwas zu bewegen. Der grundsätzliche Stil wird zwar weiterverfolgt, dennoch erhält man doch eine Ahnung davon wo die Reise hingehen soll. „Der krass katastrophale Anfang der ganzen Sache“ ist genau das, ein Anfang, und wirkt fast wie eine reine Vorgeschichte. Entsprechend gespannt ist man natürlich gerade drum auf den nächsten Band.