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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2021

Auf der Suche nach Antworten

Sylvester und der Gespensterdoktor
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Geflohen aus dem Waisenhaus und auf der Suche nach Antworten, braucht Sylvester in einer Gewitternacht schnellstmöglich einen Unterschlupf. Er findet eine einsame Scheune, die allerdings alles andere als ...

Geflohen aus dem Waisenhaus und auf der Suche nach Antworten, braucht Sylvester in einer Gewitternacht schnellstmöglich einen Unterschlupf. Er findet eine einsame Scheune, die allerdings alles andere als verlassen ist. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Doktor, auf den er dort trifft, weicht schnell einer Neugierde, mit der Sylvester nicht gerechnet hätte, schon gar nicht bei der Thematik. Es gibt tatsächlich Gespenster? Und Gespenster können genauso krank werden wie Menschen?

Allein auf Grund des Titels ahnt der Leser zumindest auf was für eine Geschichte er sich hier einlässt. Und doch verhält sich einiges komplett anders als erwartet, überhaupt sollte man niemals vorschnell urteilen, weder über Figuren noch über Situationen. Schon mit dem ersten Satz bleibt dem Leser nichts anderes übrig als mitten ins Geschehen zu stolpern, denn nicht nur zu Beginn, sondern über die gesamte Distanz, wird man einbezogen wo es nur geht. Das mag ein wenig unfair erscheinen, schließlich hat man keine Chance zur Gegenwehr, meist allerdings geht eine solche Taktik vorzüglich auf – so auch hier.

Zunächst zieht Sylvester die Sympathien nicht unbedingt an, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr Details werden offengelegt, die zum Teil selbst für ihn absolut überraschend sind. Dadurch verändert sich einerseits sein Verhalten merklich, andererseits auch die Sichtweise des Lesers auf ihn.

Mitnichten handelt es sich hier um eine ‘typische’ Gespenstergeschichte, wie man vielleicht annehmen könnte. Teilweise düsterer als gedacht, aber definitiv auch tiefgründiger. Hin und wieder hätte man sich weiterführende Erläuterungen gewünscht, denn so werden einzelne Aspekte recht schnell abgehakt, als wären sie einfach ein notwendiges Anhängsel. Nichtsdestotrotz überwiegt der Spannungsgehalt des Inhalts, der den Leser förmlich in den Bann zieht. Die Richtung ist klar, aber trotz allem ein Lesevergnügen für Groß und Klein.

Veröffentlicht am 18.04.2021

Verstrickungen

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Duell im Vermissa Valley oder Das Tal der Angst (Fall 9)
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Im neunten und vermeintlich vorletzten Fall der zweiten Staffel wird der Disput zwischen Holmes und Moriarty greifbarer, nicht zuletzt auf Grund des konkreten Aufeinandertreffens der Kontrahenten. ‘Das ...

Im neunten und vermeintlich vorletzten Fall der zweiten Staffel wird der Disput zwischen Holmes und Moriarty greifbarer, nicht zuletzt auf Grund des konkreten Aufeinandertreffens der Kontrahenten. ‘Das Tal der Angst’, übertragen in die Neuzeit, spielt mit den Möglichkeiten des Digitalen, weshalb es nicht überrascht, dass einerseits ein groß angelegter Hackerangriff im Raum steht, andererseits John Watson in der Gegenwart – in der er von den damaligen Vorkommnissen auf seinem Blog berichtet – auf der Suche nach versteckten Daten ist, die Holmes für ihn hinterlegt hat.

In dieser zweiten Staffel wird generell deutlich, dass sämtliche Ereignisse, die Holmes und Watson bisher erlebt haben, und vielleicht sogar noch erleben werden, in irgendeiner Weise miteinander verwoben sind, mal mehr mal weniger. Somit sollte neben der Haupthandlung weder der Schlagabtausch zwischen Watson und den Lesern seines Blogs, noch der Ausblick auf das weitere Geschehen vernachlässigt behandelt werden. Überall können Hinweise versteckt sein, die nicht nur für den aktuellen Fall relevant sind. So wird man womöglich sogar mit Erkenntnissen konfrontiert, die Antworten auf längst vergessene Fragen aus vorangegangenen Fällen liefern.

Brisante Informationen erreichen Sherlock Holmes, der diese selbstverständlich nicht ignorieren kann und somit unerschrocken seinem Gegenspieler gegenübertritt. Drohende Gefahren, diffuse Halbwahrheiten oder Verschwörungstheorien, dem Hörer bleibt wenig Zeit um das Gehörte zu ordnen, denn es geht ziemlich temporeich zur Sache. Kaum glaubt man einen Aspekt erfasst zu haben, befindet man sich schon mindestens zwei Schritte weiter. Ein Stück weit muss man einfach auf die Fähigkeiten der Protagonisten vertrauen, um sich nicht abschütteln zu lassen.

Wer ist Freund, wer Feind? Die Frage stellt man sich nahezu unentwegt, nicht zuletzt da sie selbst unterschwellig ebenfalls durchweg versucht sich Gehör zu verschaffen. Gebannt und konzentriert verfolgt man das Geschehen, das gleichzeitig verwirrend, aber auch erleuchtend erscheint. Hat man die wohldosierten Fakten erst einmal selektiert und entschlüsselt, darf man auf den Showdown nochmal richtig gespannt sein.

Veröffentlicht am 18.04.2021

Geschichte lebendig erzählt

Fred im alten Rom
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In und um Rom rankt sich so mancher Mythos und manche Legende. Gleichzeitig zeugen zahlreiche Plätze und Bauten von historischen Ereignissen, die in ihrer Gänze zu erfassen Stoff für mehr als eine Reise ...

In und um Rom rankt sich so mancher Mythos und manche Legende. Gleichzeitig zeugen zahlreiche Plätze und Bauten von historischen Ereignissen, die in ihrer Gänze zu erfassen Stoff für mehr als eine Reise bieten. Besonders eindrucksvoll sticht das Kolosseum hervor, zu dem auch Fred und sein Opa Alfred zielstrebig unterwegs sind.

Wer Fred bereits auf anderen Abenteuer begleitet hat weiß, dass er früher oder später in die Vergangenheit katapultiert wird. Der Auslöser ist jedes Mal ein anderer, ebenso der Zeitpunkt, weshalb sowohl Protagonisten als auch Hörer immer wieder überrascht sind. Zudem ist ein ordentliches Improvisationstalent notwendig, schließlich darf Fred nicht mehr auffallen als er es ohnehin tut, wenn er plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht.

Auch in Rom, genauer gesagt im Untergeschoss des Kolosseums, ist Anpassungsfähigkeit gefragt. Über ihm in der Arena dröhnt und brüllt es, Gladiatoren bereiten sich auf ihre Kämpfe vor. Glücklicherweise hat Fred Grundkenntnisse in medizinischer Wundversorgung und wird kurzerhand als Gehilfe des Medicus rekrutiert. Nicht nur während seiner Einsätze lernt er die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und ihre Geschichten kennen.

Vielleicht hat man bereits die ein oder andere Reportage gesehen, den ein oder anderen Artikel gelesen, doch so lebendig wie hier wird Geschichte selten erzählt. Selbst eintauchen können in ebenjene Zeit und Ereignisse hautnah mitverfolgen, das wäre die höchste zu erreichende Stufe. Mit den Hörspielen rund um Fred und seine Abenteuer ist man aber immerhin schon ganz nah am Ziel. Eh man sich versieht ist man völlig versunken in den Erzählungen über den Imperator und die ausgerichteten Festspiele.

Im beiliegenden Booklet gibt es wie gehabt weiterführende Informationen zur Geschichte Roms, die innerhalb des Hörspiels nur ansatzweise zur Sprache kommt. Somit kann man sich aber entweder im Vorfeld oder im Nachgang noch umfangreich informieren, was ja nicht zwanghaft ausschließlich aufs Booklet begrenzt ist. Womöglich ist man nach der mitreißenden Geschichte so neugierig auf die Stadt und ihre Vergangenheit, dass man nach anderweitigen Quellen forscht. Den Anstoß allerdings wird ganz sicher – wie schon häufig – das (inzwischen achte) Fred-Hörspiel geben.

Veröffentlicht am 10.04.2021

Das Phantom

London Dark: Die ersten Fälle des Scotland Yard - Folge 02
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Nahtlos anknüpfend an die Ereignisse der ersten Folge, ist Graham Cluskey auf der Suche nach dem Verantwortlichen für die Vorkommnisse am englischen Königshof. Auch steht noch immer die Frage im Raum was ...

Nahtlos anknüpfend an die Ereignisse der ersten Folge, ist Graham Cluskey auf der Suche nach dem Verantwortlichen für die Vorkommnisse am englischen Königshof. Auch steht noch immer die Frage im Raum was genau dort eigentlich vorgefallen ist. Die Raserei, die Grausamkeiten, nur sehr langsam verblasst der Schrecken und weicht einer unbedingt notwendigen Objektivität und Professionalität. Die Drahtzieher ausfindig zu machen – und dass es welche gibt, steht außer Frage – hat oberste Priorität.

Nicht zuletzt auf Grund des gewählten Titels dieser zweiten Folge, ist dem Hörer schon im Vorfeld klar auf welches Terrain man sich nun begibt. Dennoch ahnt vermutlich niemand in welche Tiefen es hinabzusteigen, in welche Abgründe es zu schauen und welchen Abscheulichkeiten es sich gegenüberzustellen gilt. Immer wieder prescht Cluskey voran, aller Gefahren und Risiken zum Trotz. Ist er nur übereifrig oder schon überheblich?

Finstere Gestalten und undurchdringliche Charaktere scheinen just zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das können nicht allesamt Zufälle sein, hier sind Mächte am Werk, die aufzuscheuchen einem Todesurteil gleichkommt. Das Schrillen der Alarmsirenen im Kopf des Hörers nimmt gar kein Ende mehr, fast schon unverständlich, dass den Protagonisten, allen voran Cluskey, nicht ähnliches widerfährt. Zielstrebig, fast schon verbissen wird die Suche nach dem bisher nicht näher identifizierten Phantom fortgesetzt, zur Not im Alleingang.

Scotland Yard formiert sich gerade und bekommt es gleich zu Beginn mit mysteriösen Ereignissen zu tun. Einerseits verständlich, dass noch nicht alles in geordneten Bahnen verläuft, andererseits nimmt aber auch die Verwirrung zu. Sicherlich, die abschließende Enthüllung ist durchaus überraschend und bietet schlussendlich ausreichend Potential für den weiteren Fortgang der Reihe.

Veröffentlicht am 10.04.2021

Gemeinsam gut?

Fair Play
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Eine gewagte Idee, und doch ein Schritt in die richtige Richtung. Eine App, entwickelt, um der Klimakrise entgegenzutreten, nicht einzeln, sondern als Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz wird offengelegt, wer ...

Eine gewagte Idee, und doch ein Schritt in die richtige Richtung. Eine App, entwickelt, um der Klimakrise entgegenzutreten, nicht einzeln, sondern als Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz wird offengelegt, wer sein Klimakonto überzieht, was wiederum dazu führt, dass alle anderen sich weiter einschränken müssen, um das Gemeinschaftsicon im grünen Bereich zu halten. Doch was passiert, wenn nicht alle an einem Strang ziehen, wenn das Experiment die Menschen mehr entzweit als dass es sie zusammenbringt, um für dieselbe Sache zu kämpfen?

Das Ziel ist immer, die Welt zu retten – zumindest einen kleinen Teil dazu beizutragen. Meistens steckt Überzeugung dahinter, wenn man sich an etwas Großem versucht, doch manchmal sind die Intentionen so vielfältig wie die Menschheit selbst. Die Autorin wählt vier ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aus, die das Experiment nicht nur abwechselnd aus ihrer Sicht darlegen, sondern dem Leser zudem Gefühle und Gedanken offenbaren, die den Mitstreitern häufig verborgen bleiben. Dabei wird allerdings ziemlich schnell deutlich, dass es um weitaus mehr als eine App und die Klimakrise geht.

Zunehmend wird die Grundthematik zur Nebensache, jede Figur hat ihre ganz eigenen Probleme, die es zu bewältigen gilt. Dadurch rückt gleichzeitig das Gemeinschaftsziel in den Hintergrund, überhaupt von ‘Gemeinschaft’ zu sprechen ist in weiten Teilen unangebracht. Eher liest man von vier Einzelkämpfern, die nicht einmal großartige Sympathien auf sich ziehen.

Die Hauptaspekte, mit denen das Buch beworben wird, sind sicherlich aktuell und absolut wichtig und sollten sich daher nicht auf Grund privater Befindlichkeiten verdrängen lassen. Ansonsten ist der Weg, den die Handlung einschlägt, weitestgehend vorgezeichnet, großartige Überraschungen sind nicht zu erwarten. Zudem sind einzelne Ereignisse wie auch diverse Charaktere recht klischeebehaftet, fast schon überladen. Auch der emotionale Funke will nicht so recht überspringen, was den Leser durchweg auf Distanz hält.

Eine spannende und interessante Grundidee, die in ihrer Umsetzung leider nicht überzeugen konnte, obwohl ausreichend Potenzial vorhanden ist.