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ChrischiD

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2017

Wissenschaft trifft auf Übernatürliches

Brandmal
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Nachdem es in mehreren Ländern zu spontanen Selbstentzündungen kommt, dauert es nicht lange, bis klar ist, dass es sich hier um einen Fall für John Sinclair handelt. Die betreffenden Personen klagten im ...

Nachdem es in mehreren Ländern zu spontanen Selbstentzündungen kommt, dauert es nicht lange, bis klar ist, dass es sich hier um einen Fall für John Sinclair handelt. Die betreffenden Personen klagten im Vorfeld vor allem über Lichtempfindlichkeit, bei Tageslicht hatten sie ständig das Gefühl von innen heraus zu verbrennen – was schlussendlich auch passiert ist. In Berlin versuchen Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke und seine Mitarbeiterin Tina dasselbe Problem von der wissenschaftlichen Seite aus zu betrachten und im besten Fall zu bekämpfen. Nachforschungen ergeben, dass sämtliche Personen in der Slowakei Urlaub gemacht haben. Dort treffen das Londoner und das Berliner Team aufeinander, um dem Geheimnis des Ortes auf die Spur zu kommen und idealerweise den Kern des Bösen zu vernichten...

Wer kennt sie nicht – die John-Sinclair-Heftromane sind absoluter Kult, die Hörspielreihe(n) geradezu legendär. Ist es möglich mit einer Romanreihe nun noch einen draufzusetzen? Der Versuch ist in jedem Fall gestartet. Der Herausforderung stellen sich Mark Benecke, der nicht nur Autor sondern auch Protagonist ist, sowie Florian Hilleberg, der bereits diverse Heftromane Sinclairs verfasst hat.

Auch wenn der Leser bei den recht früh beschriebenen Symptomen sofort an Vampire denkt, ist das vorherrschende Problem etwas anderer Natur. Die Wechsel zwischen Orten und Sichtweisen, John Sinclair erzählt bekanntermaßen aus der Ich-Perspektive, sind an sich keine allzu große Sache, doch erhält man als Leser immer nur einen Bruchteil notwendiger Informationen, so dass man den einen Gedankengang noch nicht zu Ende denken konnte, bevor bereits der nächste in vollem Gange ist. Dadurch wirkt der Einstieg verwirrend, es scheint mehrere lose anstatt einen roten Faden zu geben, wodurch eine gewisse Struktur fehlt. Erst nach etwa einem Drittel stellt sich das Gefühl ein endlich angekommen zu sein, im Geschehen und an der Seite der Figuren.

Dann aber kommt es knüppeldick und hart auf hart. Das Tempo wird merklich angezogen, die Spannung steigt und auch der Anteil an Horrorelementen nimmt nochmals zu. Fern ab der Heimat und ohne eigene Waffen müssen sich John, Jane, Mark und Tina einem Gegner stellen, der mächtiger und hinterhältiger ist als erwartet. Zeit zum Pläne schmieden bleibt nicht, der Kampf ums nackte Überleben hat schon lange begonnen. Im Idealfall können noch einige Menschen gerettet werden. Der Leser fiebert regelrecht mit, würde sogar eingreifen, wenn möglich, denn es kann alles passieren, man ist vor unliebsamen und unvorhersehbaren Überraschungen nicht sicher, hinter jeder Ecke kann das Grauen lauern.

Das nun entstandene Niveau kann bis zum Schluss durchgehalten werden, der für sich genommen den Hinweis enthält, dass die Geschichte noch nicht unbedingt fertig erzählt ist, obwohl es sich um kein komplett offenes Ende handelt. Man darf also gespannt sein, ob Wissenschaft und Übernatürliches sich nochmals zusammenschließen werden.

Veröffentlicht am 10.03.2017

Solider Abschluss der Trilogie

Nightmares! Die Stunde der Ungeheuer
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Kaum, dass Charlie und seine Freunde es geschafft haben, ICK in der Anderwelt festzusetzen, taucht plötzlich ihre Zwillingsschwester INK an der Schule auf und gibt sich als neue Schülerin aus. Schlimmer ...

Kaum, dass Charlie und seine Freunde es geschafft haben, ICK in der Anderwelt festzusetzen, taucht plötzlich ihre Zwillingsschwester INK an der Schule auf und gibt sich als neue Schülerin aus. Schlimmer noch, sie versucht ein Vertrauensverhältnis zu Jack aufzubauen. Steht sie wirklich auf der guten Seite, wie sie vorgibt oder gehört dies alles zu einem ausgeklügelten Plan? Währenddessen findet Charlie sich des nächtens auf einer seltsamen Wiese wieder, mitten in ICKs schlimmstem Albtraum. Was hat das alles zu bedeuten? Gemeinsam setzt das eingeschworene Team alle Hebel in Bewegung, um nicht nur die wache Welt zu retten...

Mit „Die Stunde der Ungeheuer“ schließen Jason Segel und Kirsten Miller die Nightmares-Trilogie rund um Nachtmahre, Albträume und böse Zwillinge ab. Es ist zwingend erforderlich die Trilogie in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, um sämtliche Aspekte nachvollziehen zu können, da sich eine große Rahmenhandlung durch alle Teile zieht.

Bereits am Ende der Vorgängerbandes stellte man sich die Frage, ob die Gefahr wirklich gebannt wäre. Hier zeigt sich schnell, dass die Zwillinge noch lange nicht geschlagen sind. Doch was haben sie vor? Unschlüssig versucht man als Leser herauszufinden, was es nun mit ICK und INK tatsächlich auf sich hat. Hat man sich womöglich geirrt und die Mädchen führen überhaupt nichts Schreckliches im Schilde. Oder halten sie gar alle zum Narren, um am Ende überraschend zuzuschlagen. Immer wieder gerät man ins Wanken, wägt Für und Wider ab, kommt aber zu keiner konkreten Lösung, dafür ist im Vorfeld einfach zu viel passiert.

Ein bisschen schade ist es, dass die Nachtmahre dieses Mal keinen großen Auftritt haben, auch die Angst vor Albträumen im Allgemeinen rückt immer weiter in den Hintergrund. Sicherlich befinden Charlie und seine Freunde sich auf einer wichtigen Mission, die über die Zukunft und das Fortbestehen der Welt entscheiden wird, dennoch hätte man sich ein etwas längeres Wiedersehen mit dem ein oder anderen gewünscht. Auch der Abschluss, so stimmig er auch im Gesamtbild ist, hätte ein wenig mehr zu bieten gehabt. Nichtsdestotrotz wurden am Ende keine relevanten Fragen offen gelassen, außer vielleicht, ob es nicht doch noch einen weiteren Band geben wird...

Alles in allem handelt es sich bei „Nightmares“ um eine gelungene Trilogie, die den Leser erschaudern und in sein Innerstes blicken lässt. Man hofft inständig auf einen guten Ausgang, um (wieder) beruhigt schlafen zu können und sich vielleicht der ein oder anderen Angst zu stellen.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Vorkenntnisse notwendig

Skulduggery Pleasant - Auferstehung
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Nachdem Skelettdetektiv Skulduggery Pleasant seine (ehemalige) Partnerin Walküre Unruh zumindest zur kurzfristigen Zusammenarbeit bewegen konnte, steht er nun vor dem Problem eine weitere Person rekrutieren ...

Nachdem Skelettdetektiv Skulduggery Pleasant seine (ehemalige) Partnerin Walküre Unruh zumindest zur kurzfristigen Zusammenarbeit bewegen konnte, steht er nun vor dem Problem eine weitere Person rekrutieren zu müssen. Die Wahl fällt auf Omen Darkly, einen eher unauffälligen Schüler, der perfekt in der Masse untergeht. Er soll Augen und Ohren offenhalten, denn an seiner Schule geht etwas vor sich, das die gesamte Weltordnung gefährden kann. Doch obwohl Omen sich von gefährlichen Situationen ausdrücklich fern halten soll, befindet er sich schon bald inmitten des brodelnden Hexenkessels...

Glaubt man den Ankündigungen, so soll „Auferstehung“ für jeden verständlich sein, auch wenn man zuvor mit der Reihe rund um den außergewöhnlichen Detektiv nichts zu tun hatte. Schließlich handele es sich um den Auftakt einer neuen Staffel. Tatsächlich jedoch sieht es ein wenig anders aus. Abgesehen davon, dass der Band im englischen Original als 10. der Reihe geführt wird, so muss man sich zumindest mit den Gegebenheiten rund um das Sanktuarium und ähnlichem auseinandersetzen, ansonsten ist man heillos überfordert. Zudem wird auf vergangene Ereignisse eingegangen, die aber nicht nochmals großartig erläutert werden, so dass auch hier Vorkenntnisse von Vorteil wären. Glücklicherweise gibt es zumindest ein Personenverzeichnis innerhalb des Booklets.

Sicherlich findet man sich auch als Neuling im Laufe der Zeit ins Geschehen ein, doch dauert dies deutlich länger als wenn man zuvor zumindest ein wenig recherchiert hätte was die Charaktere und auch das Umfeld angeht. Demzufolge ist höchste Konzentration gefragt, zu schnell kann man auf der Strecke bleiben, denn sämtliche Hinweise sind wichtig, um im weiteren Verlauf mögliche Zusammenhänge zu erkennen und Verbindungen zu konstruieren. Die von Derek Landy erschaffene Welt hat durchaus ihren Reiz, man muss ihr nur mit Offenheit und gesunder Neugier begegnen.

Sprecher Rainer Strecker gibt alles, um den Hörer in eine Geschichte zu entführen, die einige Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzt und doch absolut real erscheint. Er lässt die Figuren lebendig werden und vor dem inneren Auge des Hörers erscheinen, die geschaffene Atmosphäre springt ebenfalls recht schnell über. Man wird quasi an die Hand genommen und durch das Geschehen geführt, damit man sich nicht total verloren fühlt. Schön, dass auf diese Basis Verlass ist.

Inhaltlich betritt man ein Labyrinth, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Die eingeschlagene Richtung wird nie lange beibehalten, Alles und Nichts ist möglich, allein der Versuch Vorhersagen treffen zu wollen ist zum Scheitern verurteilt. Dadurch wird ein hohes Maß an Spannung erzeugt, der Hörer versucht indes eigene Theorien zu entwickeln, ahnt aber schnell, dass sich immer wieder neue Wege eröffnen werden und plötzlich jemand anderes die Zügel in die Hand nimmt. Somit ist man besser beraten sich ein wenig zurückzuziehen, um das Gesamte nicht aus dem Blick zu verlieren.

Nicht der ideale Einstieg, um Skulduggery Pleasants Refugium das erste Mal zu betreten, aber doch interessant genug, um weiteren Abenteuern nicht abgeneigt zu sein.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Das Geheimnis der Villa

Die Duftapotheke (1).
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Als Luzie mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Benno in die alte Villa zieht, schlägt ihr sofort ein eigenartiger Geruch entgegen, der weder zu lokalisieren noch zu selektieren ist. Es scheint sich ...

Als Luzie mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Benno in die alte Villa zieht, schlägt ihr sofort ein eigenartiger Geruch entgegen, der weder zu lokalisieren noch zu selektieren ist. Es scheint sich um eine absonderliche Mischung zu handeln. Luzie ist fest entschlossen das Rätsel der Villa zu lüften, immer an ihrer Seite Benno sowie der Nachbarsjunge Mats, der sein ganz eigenes Ziel verfolgt. Und tatsächlich entdecken sie einen verborgenen Gebäudeteil, der mehr beinhaltet als das Grüppchen sich je hätte vorstellen können.

Bereits durch den Reihentitel wird deutlich, wonach hier eigentlich gesucht wird: Die Duftapotheke versteckt sich in den Mauern der Villa, die zugleich Luzies neues Zuhause ist. So richtig etwas darunter vorstellen kann der Hörer sich zunächst jedoch nicht. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass es sich mitnichten um die Herstellung (bekannter) Parfüms handelt, sondern etwas größeres und gefährlicheres beinhaltet. Luzie und ihre Freunde sind drauf und dran das Geheimnis zu lüften, doch immer wieder müssen sie sich zur Wehr setzen oder Hindernisse überwinden, die ihnen von der gegnerischen Seite vor die Füße geworfen werden. Hinzu kommen seltsame Vorkommnisse, die nicht alle rational erklärbar sind.

Schon allein die Grundidee klingt interessant und auch wenn der Einstieg ein wenig langatmig gerät, ist man danach schnell gefesselt vom Geschehen, was nicht zuletzt der Sprecherleistung zu verdanken ist. Uta Dänekamp liest mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die den Hörer schon bald in den Bann zieht und auch während ernsthafterer Passagen die Hoffnung nicht vollends verlieren lässt. Sie fängt die Atmosphäre gekonnt ein und hält die Erzählung auf Grund ihrer Interpretation der Figuren lebendig und authentisch. Der magische Touch, der dem Werk zugrunde liegt, hüllt alles in einen wahren Kokon aus Realität und Fiktion, dabei verschwimmen die Grenzen und die Elemente gehen nahtlos ineinander über.

Gebannt verfolgt der Hörer Luzis, Bennos und Mats' Suche, wobei man dem Trio ab und an gerne davon abraten würde sich erneut in Gefahr zu begeben. Sicherlich kann man sämtliche Beweggründe nachvollziehen, hin und wieder erscheint ihr Verhalten jedoch zu naiv. Auch wenn es sich bei den Hauptprotagonisten natürlich noch um Kinder handelt, so täte ein wenig mehr Weitsicht manchmal gut, denn andererseits handeln sie durchaus überlegt und besonnen. Nichtsdestotrotz kann der Auftakt überzeugen, so dass man schon jetzt auf das nächste Abenteuer gespannt ist.

Veröffentlicht am 11.02.2018

Duell der Küchenmeister

Zu viele Köche
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Nicht nur die besten Küchenmeister der Welt kommen zusammen, sie haben auch noch den bekannten Privatermittler und Gourmet Nero Wolfe eingeladen, der Tagung beizuwohnen. Dass es just während dieser Zusammenkunft ...

Nicht nur die besten Küchenmeister der Welt kommen zusammen, sie haben auch noch den bekannten Privatermittler und Gourmet Nero Wolfe eingeladen, der Tagung beizuwohnen. Dass es just während dieser Zusammenkunft zu einem Mord kommt, konnte wohl niemand ahnen. Da Wolfe aber mehr darauf bedacht ist seinen Zug nach Hause denn den Täter zu erwischen, reagiert er zunächst unwillig auf die Bitte den Fall zu übernehmen. Besondere Umstände jedoch bewirken ein Umdenken, so dass Wolfe und sein treuer Begleiter Archie schon bald inmitten neuer Ermittlungen stecken.

Dass zu viele Köche den Brei verderben ist gemeinhin bekannt, doch dass in ihrer Mitte einer ermordet wird ist doch eher ungewöhnlich, selbst wenn dem Opfer Ablehnung von sämtlichen Seiten entgegenstieß. Schnell wird klar, dass der zuständige Ermittler keinen Blick für das Ganze hat, und zudem noch klischeehafte Vorurteile, so dass viele Hinweise auf der Strecke bleiben. Somit ist der Leser erleichtert zu erfahren, dass Wolfe sich, entgegen seiner vorherigen Aussage, nun doch mit dem Fall beschäftigen wird. Allerdings ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand, dass er nun selbst ins Visier des Täters gerät.

Neben allerlei schmackhaften Gerichten, die dem Leser allein auf Grund ihrer Beschreibung das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, bleibt die Lösung des Falls lange Zeit im Verborgenen. Hin und wieder bekommt man kleine Häppchen vorgesetzt, die zwar einerseits interessante Informationen bereit halten, andererseits aber scheinbar keine allzu relevante Funktion haben. Obwohl sich eine Theorie immer weiter in den Vordergrund drängt, tappt man ob der Ausführung noch länger im Dunkeln. Schlussendlich aber lichtet sich der Nebel und alles erscheint glasklar.

Mit „Zu viele Köche“ ist nun die zweite Neuübersetzung des Werks von Rex Stout erschienen. Die tiefgründigere Thematik mag eine andere sein als man zunächst erwartet, und doch erscheint im Nachhinein alles schlüssig und vor allem zeitgemäß. Denn auch wenn das Geschehen in einer anderen Zeit entstanden ist, so ist der Inhalt noch immer beziehungsweise wieder aktuell.