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ChrischiD

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.05.2021

Oft zu langatmig

Die Stille des Todes
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Es geht wieder los, etwas wiederholt sich, etwas, das die gesamte Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Mit der Inhaftierung des mutmaßlichen Täters vor 20 Jahren gab es ein kollektives Aufatmen, ...

Es geht wieder los, etwas wiederholt sich, etwas, das die gesamte Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Mit der Inhaftierung des mutmaßlichen Täters vor 20 Jahren gab es ein kollektives Aufatmen, doch jetzt scheint die Serie weiterzugehen. Der Verbrecher – noch immer in Haft. Handelt es sich um einen Nachahmungstäter, gab es damals Ermittlungsfehler? Viele Fragen, kaum Antworten und ganz besonders wenig Zeit, denn die Anzahl der potentiellen weiteren Opfer ist hoch und die Chance sie alle schützen zu können verschwindend gering..

Rückblickend wird von den damaligen Taten und Ermittlungen erzählt, nichts deutet darauf hin, dass man den falschen geschnappt hat. Die ganze Stadt glaubt das Monster gut verwahrt hinter Gittern. Doch plötzlich stehen Inspector Ayala und sein Team vor einer schier unwirklich anmutenden Szenerie. Der Leser ist ähnlich ratlos und beginnt bereits ohne konkrete Hinweise sämtliche Möglichkeiten durchzuspielen. Dass es jemandem gibt, der geschickt die Fäden zieht und gekonnt zu manipulieren weiß, scheint offensichtlich und unumstritten. Doch wo ist derjenige zu suchen und vor allem zu finden? Eine Mammutaufgabe, die eigentlich viel Zeit in Anspruch nimmt, aber genau die ist knapp bemessen, denn das Morden geht weiter.

Neben den aktuellen Ereignissen und den vergangenen Taten, die erzählerisch in das gegenwärtige Geschehen eingewoben werden, erhält man durch tatsächliche Rückblenden noch einiges mehr an Hintergrundwissen. Zunächst weiß man dieses nicht genau einzuordnen, doch mit der Zeit ergibt sich ein Gesamtbild, das plötzlich erschreckend klar vor dem Auge des Betrachters erscheint.

So interessant und gut durchdacht die Idee hinter der Geschichte auch ist, in ihrer Umsetzung wirkt sie doch in weiten Teilen recht langwierig. Einzelne Passagen werden so lange durchgekaut, bis jedes noch so kleine Detail erläutert und jeder Winkel inspiziert wurde, obwohl es schon viel früher an der Zeit gewesen wäre endlich zum Punkt zu kommen. Bei weitem nicht alle ausführlich dargelegten Beschreibungen sind für die Handlung relevant, häufig ist man mitunter sogar genervt, wenn sich wieder einmal eine längliche Erklärung ankündigt. Dies hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Spannungskurve und das Lesevergnügen. Auch schafft man es so nicht den Charakteren auf emotionaler Ebene zu begegnen, eine gewisse Distanz bleibt vorhanden.

Ein Auftaktband, der maximal als solide zu betiteln ist und den Leser unschlüssig zurücklässt was das Weiterverfolgen der Reihe angeht.

Veröffentlicht am 29.05.2021

Die Reise endet..

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Die Wahrheit der Gloria Scott (Fall 10)
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Die zweite Staffel ist geprägt von Geheimnissen und mysteriösen Hinweisen, die, manchmal auf Umwegen, manchmal geradewegs, auf einen zentralen Punkt zusteuern. Zum Abschluss erwartet den Hörer und die ...

Die zweite Staffel ist geprägt von Geheimnissen und mysteriösen Hinweisen, die, manchmal auf Umwegen, manchmal geradewegs, auf einen zentralen Punkt zusteuern. Zum Abschluss erwartet den Hörer und die Protagonisten eine Reise in die Vergangenheit. Sherlock, damals noch Chemie-Student an der University of Edinburgh, trifft auf zwielichtige Gestalten und sieht sich unversehens mit seinem ersten Fall konfrontiert.

Langsam aber sicher beginnt auch Watson zu begreifen was die Schnitzeljagd der vorangegangenen Folgen zu bedeuten hat. Der Hörer sieht natürlich ebenfalls klarer, einige Aspekte hatte man allerdings bereits im Vorfeld auf dem Schirm und wartet nur auf die Bestätigung der sich daraus entwickelten Theorien. Nichtsdestotrotz wartet „Die Wahrheit der Gloria Scott“ durchaus mit der ein oder anderen Überraschung auf, die man so wohl nie vorhergesehen hätte. Entsprechend sinnvoll ist eine weiterhin konzentrierte Herangehensweise, um nicht noch auf den letzten Metern abgehängt zu werden.

Es ist wahrlich interessant zu verfolgen wie Sherlock als reiner Einzelkämpfer agiert – die Begegnung mit John Watson hat schließlich noch nicht stattgefunden. Auch scheint er im Vorfeld noch nie mit dem Gedanken gespielt zu haben eine detektivische Laufbahn einzuschlagen, wodurch er zwangsläufig unbedarfter erscheint. Außerdem ist man ständig versucht sein Handeln damals mit seinen aktuellen Fähigkeiten zu vergleichen, um die Weiterentwicklung nachvollziehen zu können.

Geschickt wird der Bogen immer wieder von den damaligen Ereignissen zur Gegenwart gelenkt, so dass sich ein Gesamtkonstrukt ergibt, das einiges zu bieten hat. Das erste Aufeinandertreffen mit inzwischen altbekannten Charakteren fügt sich ebenso ins Bild wie auch das Enttarnen von Kommentatoren auf Watsons Blog, die man bisher nicht unbedingt einordnen konnte. Ein absolut würdiger Abschluss dieser zweiten Staffel, aber doch sicher nicht das Ende der Serie .. Oder?

Veröffentlicht am 29.05.2021

Norderney in Aufruhr

Der tote Rittmeister
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Ein Jahr nach ihrem ersten Aufeinandertreffen, begegnen Viktoria Berg und Christian Hinrichs sich erneut auf Norderney, nachdem ihre Verbindung in heimischen Gefilden im Streit endete. Die junge Lehrerin ...

Ein Jahr nach ihrem ersten Aufeinandertreffen, begegnen Viktoria Berg und Christian Hinrichs sich erneut auf Norderney, nachdem ihre Verbindung in heimischen Gefilden im Streit endete. Die junge Lehrerin besucht eine Schülerin im Seehospiz, die Viktoria eindringlich bittet ihre verschwundene Freundin zu finden. Laut Aussage der Oberschwester soll das Mädchen jedoch gar nicht existieren. Christian hingegen sieht sich plötzlich als Hilfspolizist an der Seite des Badekommissars, inmitten der Ermittlungen rund um den Tod eines Rittmeisters der kaiserlichen Kavallerie.

Ein Jahr ist vergangen, seit Viktoria und Christian maßgeblich an der Aufklärung des Mordes an einem Zimmermädchen beteiligt waren. Nun treffen sie auf der Insel erneut aufeinander, die Atmosphäre ist spürbar aufgeladen, das Miteinander deutlich kühler als zum Abschluss des ersten Bandes. Der Leser erfährt in kurzen Episoden was in der Zwischenzeit vorgefallen ist, so dass man das Zusammenspiel richtig einordnen kann. Da eine Insel naturgemäß einen begrenzten Raum bietet, so ist es kaum verwunderlich, dass ihre Wege sich trotz allem regelmäßig kreuzen.

Der Leser wird somit von zwei Seiten an die Ereignisse herangeführt, denn dass die Handlungsstränge rund um das verschwundene Mädchen und den toten Rittmeister sich an irgendeiner Stelle überlappen, ist recht schnell klar. Worin genau allerdings die Verbindung liegt und welche Erkenntnisse daraus zu gewinnen sind, zeigt erst der weitere Verlauf. Hier gibt es ausreichend Platz für die Entwicklung eigener Theorien, die durchaus komplett voneinander abweichen können.

Erneut sind die Gegebenheiten der damaligen Zeit ein Thema, ebenso wie die persönliche Beziehung zwischen Viktoria und Christian. Die verschiedenen Aspekte werden geschickt miteinander verwoben, so dass ein spannendes und interessantes Gesamtkonstrukt entsteht, das den Leser in den Bann zu ziehen weiß. Nicht unbedingt temporeich, aber mit einer Verbissenheit, unbedingt für Gerechtigkeit zu sorgen, überwinden die Protagonisten diverse Hürden, die sich ihnen in den Weg stellen.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Die Fremdgänger-Morde

Schere 9
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Hauptkommissar Heinz Baldur und seinem Team offenbart sich ein grausames Bild, als sie den Tatort betreten. Dass die beiden Männer gefoltert wurden, steht außer Frage. Aber wo mit den Ermittlungen ansetzen? ...

Hauptkommissar Heinz Baldur und seinem Team offenbart sich ein grausames Bild, als sie den Tatort betreten. Dass die beiden Männer gefoltert wurden, steht außer Frage. Aber wo mit den Ermittlungen ansetzen? Einerseits haufenweise Spuren, andererseits viel zu wenige, ähnlich wie die Suche nach dem Motiv: die Nadel im Heuhaufen. Bald schon beginnt die Zeit gegen die Kommissare zu laufen, denn es kommt zu weiteren Morden, und eine erste mögliche Gemeinsamkeit zeichnet sich ab..

Plötzliche, teils dramatische Szenenwechsel prägen den Einstieg ins Geschehen, auf den man sich ganz bewusst konzentrieren muss, da noch nicht abzuschätzen ist in welche Richtung die Reise geht und welche Details womöglich noch relevant sein werden. Somit beginnt die Lektüre temporeich, aber auch recht verworren. Es werden diverse Figuren bereits eingeführt, ohne sie zunächst näher zu benennen oder zu charakterisieren. Unterbewusst merkt man sich zwangsläufig die Eckdaten, schließlich wird der ein oder andere auch im weiteren Verlauf eine Rolle innehaben.

Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto weiter scheint die Auflösung in weite Ferne zu rücken. Sicherlich hat man als Leser wissenstechnisch einen Vorsprung, dennoch erscheint die Arbeit des Teams immer zäher, ohne Aussicht auf Licht am Ende des Tunnels. Somit geht leider auch die Spannung ein Stück weit verloren, die sich im ersten Teil noch stetig aufgebaut, sogar richtiggehend aufgebäumt hat. Man entwickelt eine eigene Theorie, die mit jeder Seite wahrscheinlicher wird und deren Verifizierung schlussendlich eigentlich nur noch reine Formsache ist.

Sprachlich teilweise gewöhnungsbedürftig – gerade wenn man andere Werke der Autorin kennt – was aber nicht der ausschlaggebende Aspekt für die Gesamtbewertung ist. Im Großen und Ganzen eine interessante Grundidee, die in der Umsetzung allerdings nicht hundertprozentig funktioniert.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Auf dem Prüfstand

Sylt auf unserer Haut
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Der jährliche Sylt-Urlaub steht unter einem gänzlich anderen Stern. Normalerweise von Grund auf durchgetaktet, werden nicht nur Maja und Robert selbst, sondern auch ihre Ehe auf den Prüfstand gestellt. ...

Der jährliche Sylt-Urlaub steht unter einem gänzlich anderen Stern. Normalerweise von Grund auf durchgetaktet, werden nicht nur Maja und Robert selbst, sondern auch ihre Ehe auf den Prüfstand gestellt. Plötzlich müssen Eventualitäten bedacht werden und auch Spontaneität steht hoch im Kurs. Und alles nur, weil Roberts neuer Kollege kurzerhand entschieden hat, mit seiner Freundin ebenfalls auf Sylt zu urlauben. Majas Leben gerät mehr und mehr in Schieflage, doch vielleicht ist genau das notwendig, um endlich wieder geradeaus schauen zu können?

Der Leser spürt schnell, dass Maja in ihrer Beziehung nicht glücklich ist, zumindest momentan. Das kann sicherlich vielfältige Gründe haben und auch Lösungsansätze gibt es zuhauf, doch scheint sie unbedingt einen Schubs in die richtige Richtung zu benötigen. Ob dieser wirklich von einem anderen Mann kommen muss sei einmal dahingestellt, in jedem Fall wird sie zum Nachdenken, Analysieren und Reflektieren angeregt. Inwiefern man bestimmte Aktionen oder Gedanken nachvollziehen kann, muss ebenfalls jeder Leser eigenständig entscheiden, schlussendlich aber geht es nicht nur darum was geschrieben steht, sondern auch um das was nur zwischen den Zeilen sichtbar wird.

Es werden zahlreiche Klischees bedient, wodurch die meisten Passagen vorhersehbar und die Charaktere durchschaubar und berechenbar werden. Sicherlich, der eingängige Schreibstil wirkt mitreißend und manövriert den Leser gekonnt durch die Brandung, allzu tiefgründige Erwartungen sollte man jedoch tunlichst vermeiden. So kann man sich zumindest von einer gewissen Leichtigkeit, gepaart mit ein wenig Schwermut, berieseln lassen und für ein paar Stunden abschalten.

Es werden ein wenig zu romantische Vorstellungen vermittelt, überhaupt gibt es von allem ein bisschen zu viel, aber das wird vermutlich jeder etwas anders bewerten. Je nachdem in welcher Stimmung man das Buch gerade liest, in welcher Situation man sich selbst gerade befindet oder ähnliches. Die Aussage der Geschichte ist allerdings klar und deutlich und sollte nicht links liegen gelassen werden.