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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2021

Brüder

Ihr Königreich
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Zwei Brüder, die sich nicht erst seit dem Tod ihrer Eltern gegenseitig brauchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und für die die Familie über allem steht. Roy bewohnt den elterlichen Hof in der ...

Zwei Brüder, die sich nicht erst seit dem Tod ihrer Eltern gegenseitig brauchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und für die die Familie über allem steht. Roy bewohnt den elterlichen Hof in der Einöde bereits jahrelang alleine, doch plötzlich steht sein kleiner Bruder wieder vor der Tür, mit seiner Frau und einer Geschäftsidee. Um das Projekt zu einem Erfolg zu machen, müssen die Bewohner Os’ alle an einem Strang ziehen. Besitzt Carl immer noch die Fähigkeit alles und jeden für sich einzunehmen? Und was passiert, wenn auf einmal längst vergangene, aber niemals vergessene, Ereignisse wieder neu aufgerollt werden?

Die Erzählung betrachtet die Geschehnisse nicht chronologisch, sondern eher in der Reihenfolge, in der es dem Autor notwendig erscheint, dem Leser einige Hintergrundinformationen mitzugeben. So hat man zwar von Beginn an häufiger das Gefühl, dass sich vor allem in der Vergangenheit längst nicht alles so abgespielt hat wie zunächst dargestellt, konkrete Erläuterungen aber folgen erst mit der Zeit. Diese wiederum lassen dann aber auch wirklich nichts aus, die knallharten Fakten werden benannt, lassen den Leser häufig verstört und entgeistert zurück.

Gleichwohl wird dadurch einiges an Spannung eingebüßt, denn großartige Überraschungsmomente oder gar Wendungen gibt es nicht. Es handelt sich sicherlich auch nicht um einen klassischen Kriminalroman, nichtsdestotrotz hätte der Spannungsbogen noch weiter ausgebaut werden können. So aber neigen einige Passagen dazu recht langatmig zu werden, so dass man sich mitunter die Frage stellt, ob solch ausschweifende Beschreibungen tatsächlich unbedingt vonnöten sind. Gerade bei Ereignissen, die schon einmal ähnlich dargestellt wurden.

Bizarr und düster sind die Adjektive, die subjektiv gesehen sofort mit dem Geschehen in Verbindung gebracht werden. Trotz dessen, dass man jedes Wort versteht, lässt sich die Geschichte nicht so recht fassen. Will hier jemand provozieren oder ist es wahrhaftig so einfach, dass getan werden muss was nötig ist?

Veröffentlicht am 10.01.2021

Langeoog ruht nicht

Insel-Krimi 15: Tödliches Langeoog
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Dass seine Bilder einmal ausgestellt würden und er dann auch noch gleich zwei an einen Interessenten verkaufen kann, davon hat Steffen Wiesner schon lange geträumt. Als er den Käufer jedoch daraufhin aufsuchen ...

Dass seine Bilder einmal ausgestellt würden und er dann auch noch gleich zwei an einen Interessenten verkaufen kann, davon hat Steffen Wiesner schon lange geträumt. Als er den Käufer jedoch daraufhin aufsuchen und beliefern möchte, stößt er auf die Leiche des Mannes. Womit er wieder einmal mitten in einen bizarren Mordfall stolpert, obwohl seine To-Do-Liste eigentlich keine Extratouren zulässt..

Die Figuren Steffen Wiesner und seine Frau Lena Roehl-Wiesner kennt man bereits aus vorangegangenen Insel-Krimis, die jedoch inhaltlich beziehungsweise falltechnisch nicht aneinander anknüpfen. Sicherlich sind vergangene Ereignisse immer wieder einmal Thema, haben mit der vordergründigen Handlung im Allgemeinen jedoch nichts zu tun, wodurch Vorkenntnisse nicht unbedingt notwendig sind. Einzig zur Nachverfolgung der Entwicklung des ein oder anderen Charakters sind diese interessant.

Der eigenartige Mord beschäftigt nicht nur die neue Kommissarin und andere Protagonisten, sondern auch den Hörer. Ein kurzer Einblick in die Tatnacht wird letzterem gewährt, allerdings fehlen natürlich notwendige Informationen, um den kompletten Hergang bereits darlegen zu können. Da ist man auf die Mithilfe der Figuren angewiesen, die zunächst ohne Anhaltspunkt im Trüben fischen. Dem Hörer jedoch können womöglich bereits die kleinsten Hinweise – denen innerhalb des Geschehens zunächst wenig Bedeutung beigemessen wird – eine Hilfe sein, um eine sinnvolle Theorie zu entwickeln, die schlussendlich dann selbstverständlich auch standhalten muss.

Trotz der vorliegenden Brutalität und aufgeheizten Atmosphäre, handelt es sich um eine eher ruhige Geschichte, bei der es sicher nicht verkehrt ist aufmerksam auf das zu hören was zwischen den Zeilen mitschwingt. Man darf sicherlich gespannt sein, ob Langeoog auch in Zukunft von Verbrechern heimgesucht wird.

Veröffentlicht am 10.01.2021

Anderswelt

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende
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Nachdem ihre Mutter den eigentlich gemeinsam geplanten Urlaub absagen muss, soll Portia die Ferien in Wales bei ihren Großtanten verbringen. Zunächst begegnet sie diesem Vorhaben wenig enthusiastisch, ...

Nachdem ihre Mutter den eigentlich gemeinsam geplanten Urlaub absagen muss, soll Portia die Ferien in Wales bei ihren Großtanten verbringen. Zunächst begegnet sie diesem Vorhaben wenig enthusiastisch, doch schnell entwickelt sich wahrhaftige Begeisterung, als nicht nur ein Fuchs immer wieder in der Nähe des Hauses herumschleicht, sondern dieser Portia schließlich auch noch zu einer verwitterten Tür inmitten einer Brombeerhecke führt. Dass dahinter grausame Gefahren lauern, ist lange in Vergessenheit geraten und wurde dem Mädchen bisher nicht überliefert. Die Neugierde ist groß und das Abenteuer beginnt..

Wer von einem inneren Drang übermannt wird, dem ist sicherlich nichts vorzuwerfen, zumal Portia in diesem speziellen Fall gar nicht hätte wissen können was beziehungsweise wen sie mit ihrem Handeln heraufbeschwört. Als ihr dies Gewahr wird, kommen die Selbstvorwürfe ohne weiteres Zutun, wodurch jedoch die Bedrohung mitnichten kleiner wird. Glücklicherweise muss sie sich dieser nicht alleine stellen, denn Unterstützung ist bereits unterwegs.

Bildgewaltig und zielgruppengerecht, ohne dabei zu zurückhaltend zu agieren, verströmt die Geschichte sofort einen gewissen Zauber. Ein magisches Knistern kündigt sich erst vorsichtig und leise an, bevor es mit voller Kraft zuschlägt. Was atmosphärisch absolut stimmig ist, schließlich werden inhaltlich einige walisische Sagen zugrunde gelegt und mit den gegenwärtigen Ereignissen verwoben. Auch Themen wie Freundschaft und Vertrauen spielen eine große Rolle, wobei sie immer in Abhängigkeit zueinander stehen, wodurch sich ein fein gewebtes Gesamtbild ergibt. Sicherlich handelt es sich bei den Hauptfiguren trotz allem noch immer um Kinder, die mal mehr mal weniger ihrem Alter entsprechend agieren. Zuweilen kommt es aber dennoch vor, dass man kurz innehält, da der ein oder andere Gedanke einem Erwachsenen womöglich nicht in den Sinn gekommen wäre.

Insgesamt hätte man sich trotz brodelnder Spannung ein My mehr Unvorhersehbarkeit gewünscht, ein Lesegenuss ist die Erzählung aber allemal und klingt auch noch ein Weilchen nach.

Veröffentlicht am 03.01.2021

Rache verjährt nicht

Ohne Schuld
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Kate Linvilles Neuanfang steht unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass Caleb Hale, der sie zur North Yorkshire Police geholt hat, suspendiert wurde, im Zug nach York herrscht plötzlich helle Aufregung ...

Kate Linvilles Neuanfang steht unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass Caleb Hale, der sie zur North Yorkshire Police geholt hat, suspendiert wurde, im Zug nach York herrscht plötzlich helle Aufregung als ein Fremder versucht eine Frau zu erschießen. Ziemlich vertrackt wird der Fall, als es zu einem weiteren Attentat kommt, das in keinerlei Verbindung zu den vorherigen Ereignissen zu stehen scheint – außer, dass dieselbe Waffe verwendet wurde. Kate, von Anfang an involviert, verstrickt sich immer tiefer in den Ermittlungen und gerät schlussendlich selbst ins Visier.

Der Einstieg ins Geschehen nimmt den Leser sofort mit, sowohl auf Calebs als auch auf Kates Seite, da sie zunächst noch nicht aufeinandertreffen und auch die Handlungsstränge voneinander unabhängig sind. Recht bald jedoch gerät die emotional aufgeladene Atmosphäre ins Wanken und wird abgelöst von einer eher nüchternen Erzählweise. Sicherlich spürt der Leser, dass hinter den Ereignissen mehr steckt als die Protagonisten bisher bereit sind darzulegen, gleichzeitig fehlt aber auch die Nähe, die zu Beginn noch regelrecht greifbar war. Sämtliche Figuren ziehen sich mehr und mehr zurück, wodurch es mitunter nicht nur den Ermittlern schwer fällt Anhaltspunkte zur Lösung des Falls aufzugreifen, sondern auch dem Leser am Ball zu bleiben.

Da man als außenstehender Beobachter einige Hinweise mehr erhält als der Polizei zur Verfügung stehen, formt sich nach und nach eine mögliche Theorie, die allerdings auf ziemlich wackligen Füßen steht. Zu viele Unbekannte säumen noch immer den Weg, die Handlung selbst gerät zeitweise ins Stocken. Nur langsam beginnen die Nachforschungen Sinn zu ergeben, von Durchbruch kann aber trotz allem noch keine Rede sein. Konzentration ist ein immens wichtiges Gut, um keinen Hinweis zu übersehen, und doch kommt die Kehrtwende fast ohne Vorwarnung. Obwohl das Tempo anzieht und sämtliche Puzzleteile fast schon auf dem Silbertablett serviert werden, stehen der Polizei bereits die nächsten Hürden im Weg, als seien sie just immer eine Sekunde zu spät. Nichtsdestotrotz glüht der Spannungsbogen förmlich und die lang ersehnte, gebannte Atmosphäre stellt sich ein.

Insgesamt leider ein bisschen zäh was das Fortschreiten der Handlung betrifft, da hätten durchaus ein paar Seiten gekürzt werden dürfen. Positiv zu betrachten ist aber in jedem Fall, dass der Band, trotz dessen, dass er zu einer Reihe gehört, komplett unabhängig gelesen und nachvollzogen werden kann. Inwiefern man nach der Lektüre Interesse an den Vorgängerbänden hegt – so sie bisher nicht bekannt sind – muss jeder Leser selbst entscheiden.

Veröffentlicht am 03.01.2021

Wenig Spannung, zu konstruiert

Die Djurkovic und ihr Metzger
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Des Metzgers großer Tag steht kurz bevor, doch trotz des seinerseits ausgesprochenen Antrags beginnt er insgeheim zu zweifeln. Seine Auserwählte, Danjela, hat sich verändert, schmeißt kurz vor der Hochzeit ...

Des Metzgers großer Tag steht kurz bevor, doch trotz des seinerseits ausgesprochenen Antrags beginnt er insgeheim zu zweifeln. Seine Auserwählte, Danjela, hat sich verändert, schmeißt kurz vor der Hochzeit nochmals sämtliche Pläne der geplanten Feierlichkeiten um und den Metzger aus der gemeinsamen Wohnung. Dass hier etwas ganz anderes läuft, teils im Verborgenen, bekommt zunächst hauptsächlich der Leser mit. Man wundert sich aber doch ab und an, weshalb die Hauptfigur ziemlich passiv bleibt. Innerlich gerät der Metzger sicherlich mitunter in Aufruhr, bis sich dies jedoch nach außen Bahn bricht, vergeht eine ganze Zeit.

Zeit, in der der Leser immer wieder hofft, doch noch auf die lang ersehnte Spannung zu stoßen. Zwar gibt es diverse Handlungsebenen und -perspektiven, die mal mehr mal weniger verknüpft zu sein scheinen und immer einen kleinen Bruchteil des Gesamtbildes offenbaren, nichtsdestotrotz lässt einen das Gelesene häufig verwirrt zurück. Mit seinem verschwurbelten Schreibstil erreicht der Autor meist das Gegenteil dessen, was er vermutlich beabsichtigte. So verfolgt man das Geschehen eher genervt denn gebannt, innerlich mit sich ringend, ob sich ein Durchhalten lohnt.

Als die Zusammenhänge deutlicher und die eingeschlagene Richtung sichtbar werden, erhöht sich zuweilen auch das Tempo. Gleichzeitig aber erscheinen einige Lösungsansätze zu absurd und fadenscheinig, so dass leider weiterhin ein Beigeschmack haften bleibt. Zumal es den Eindruck macht als hätten die losen Enden schnell einer Erklärung bedurft, um offenen Fragen vorzubeugen. Egal ob Schreibstil, Figuren oder die dargestellten Ereignisse, mit nichts und niemandem wird man so richtig warm. Was ziemlich schade ist, hatte man im Vorfeld – ohne Vorkenntnisse den Metzger und sein Umfeld betreffend – doch bisher nur Gutes zu hören bekommen.