Profilbild von Corinne

Corinne

Lesejury Star
offline

Corinne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Corinne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.10.2025

Love me in Late Summer

Love me in Autumn. Eine cinnamon spiced Romance
0

Laurie Gilmore entführt uns in" Love me in Autumn" erneut nach Dream Harbor und damit in eine cozy, charmante Welt – auch wenn der Titel hier ein wenig in die Irre führt. Vom Herbst ist nämlich kaum etwas ...

Laurie Gilmore entführt uns in" Love me in Autumn" erneut nach Dream Harbor und damit in eine cozy, charmante Welt – auch wenn der Titel hier ein wenig in die Irre führt. Vom Herbst ist nämlich kaum etwas zu spüren; die Geschichte spielt im Spätsommer, und so will sich das versprochene Herbstgefühl nie ganz einstellen. Trotzdem verbreitet das Buch eine wohlige, unaufgeregte Atmosphäre, perfekt für eine leichte Lektüre zwischendurch.

Hazel und Noah sind niedliche Charaktere, die Geschichte ist ingesamt eher oberflächlich angesiedelt und lässt sich leicht verfolgen. Was man allerdings sagen muss: Der Spice-Anteil ist hoch – zu hoch für meinen Geschmack. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. Die Geschichte selbst bleibt eher seicht, aber sie hat ihren niedlichen Charme und trifft genau das, was man von Chick Lit erwartet: locker, leicht, kurzweilig und mit einem cozy Setting, das zum Wegträumen einlädt.

Ich habe das Buch als Hörbuch, gesprochen von Victoria Schätzle, gehört – ihre Stimme hat wunderbar zu Hazels Charakter gepasst und das Ganze sehr angenehm gemacht.

Fazit: Ein süßes, leichtes Wohlfühlbuch für Zwischendurch – ohne große Tiefe, aber mit sympathischen Figuren und einer Prise Sommerromantik. Wer kein Problem mit etwas mehr Spice hat und einfach abschalten will, liegt hier richtig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2025

Kinderwunsch?

Im Leben nebenan
0

Anne Sauer erzählt in Im Leben nebenan eine Geschichte, die auf den ersten Blick spannend und leicht fantastisch wirkt, im Kern aber sehr stark um die Themen Kinderwunsch, Mutterschaft und gesellschaftliche ...

Anne Sauer erzählt in Im Leben nebenan eine Geschichte, die auf den ersten Blick spannend und leicht fantastisch wirkt, im Kern aber sehr stark um die Themen Kinderwunsch, Mutterschaft und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen kreist.

Im Zentrum stehen zwei Versionen von Antonia (Toni), die beide auf ihre Weise verzweifelt sind: die eine, weil sie seit Jahren versucht, mit ihrem gegenwärtigen Lebenspartner ein Kind zu bekommen, die andere, weil sie eines Tages aufwacht und plötzlich ein Neugeborenes vor sich hat, dessen Vater ihr "Ex"partner ist und mit dem sie als Familie wieder in ihrem Heimatdorf lebt.

Diese Gegenüberstellung war faszinierend, weil sie die Ambivalenz rund um das Thema Kinderwunsch und Mutterschaft schonungslos offenlegte. Anne Sauer nimmt die Leser*innen sehr nah mit in die Gefühlswelt beider Tonis und insbesondere durch Nebenfiguren wurde deutlich, wie einsam Toni eigentlich ist.

Stark fand ich auch den erzählerischen Kniff, dass Antonia in die Rolle der Mutter „hineingeworfen“ wurde, ohne sich bewusst dafür entschieden zu haben. Dadurch wird die Überforderung viel plastischer spürbar. Auch in anderen Szenen zeigte das Buch klar auf, wie Frauen zwischen Familie, Beruf und Erwartungen zerrieben werden: etwa wenn klar wird, dass Kolleginnen entlassen werden, während der männliche Kollege bleiben darf. Hier steckte viel Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und Müttern drin.

Ein Satz, der mir besonders nachhallt, ist: „Frausein ist immer zu viel von allem.“ Das fasst für mich das zentrale Spannungsfeld des Romans perfekt zusammen.

Was mir weniger gefallen hat, war das Ende. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Fokussierung auf das Thema Kinderwunsch im Klappentext deutlich gemacht wird. So empfand ich die Lektüre als thematisch etwas eindimensional. Nichtsdestotrotz war es gut gemacht und spannend. Ob kinderlos oder nicht - hier kann sich jede Frau wieder finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2025

Selbstfindungstrip durch die Hölle

Katabasis
0

Alice ist Doktorandin der analytischen Magie in Cambridge und steht kurz vor ihrem Abschluss bei dem berühmt-berüchtigten Professor Grimes. Als dieser durch ein von ihr verursachtes Unglück zu Tode kommt, ...

Alice ist Doktorandin der analytischen Magie in Cambridge und steht kurz vor ihrem Abschluss bei dem berühmt-berüchtigten Professor Grimes. Als dieser durch ein von ihr verursachtes Unglück zu Tode kommt, will Alice in die Hölle reisen, um ihn zurückzuholen. Problem 1: Das hat noch nie jemand geschafft. Problem 2: Ihr Rivale Peter will mitkommen.
Gemeinsam reisen sie in die Hölle und begegnen vor allem einem Abgrund: Dem in sich selbst.

Rebecca F. Kuang ist bekannt dafür, ihre Leserinnen herauszufordern, und mit „Katabasis“ ist ihr das einmal mehr gelungen. Ihr neuer Roman ist ebenso gnadenlos klug wie schonungslos in seiner Kritik – und er ist alles andere als leichte Kost.

Von Beginn an herrschte eine untergründige Spannung, die die Hölle, durch die die Figuren wandern, nicht nur zu einem physischen Ort, sondern auch zu einem psychischen Abstieg machte. Der Ton war insbesondere zu Beginn beißend sarkastisch, oft schneidend, und zugleich von einer intellektuellen Wucht, die mich an eine wissenschaftliche Abhandlung erinnerte – z.B. mit mathematischen und geometrischen Exkursen, die mich ehrlich gesagt mehrfach überfordert haben. Da musste ich manches zweimal lesen oder auch Recherchearbeit betreiben. Zwischen langen, philosophischen Passagen blitzten aber glücklicherweise immer wieder lockere Dialoge auf, die Leichtigkeit und Lesefreude zurückbrachten. Gerade dieser Kontrast machte für mich den Reiz aus, auch wenn ich mich streckenweise durch zähe Kapitel arbeiten musste. Es ist ein Roman, den man nicht verschlingt, sondern im Prinzip durcharbeiten muss.

Im Kern ist „Katabasis“ eine sezierende Auseinandersetzung mit der akademischen Welt: dem Leistungsdruck, dem Opfergedanken, dem toxischen Abhängigkeitsverhältnis zu Doktorvätern und der permanenten Selbstlüge, die nötig ist, um in diesem System bestehen zu können. Darüber hinaus verhandelt der Roman politische Fragen wie Migration und Armut, aber auch zutiefst persönliche wie Selbstwert, Schuld und Feminismus. Die Hölle erscheint dabei als Spiegel dieser Themen: wandelbar, individuell, unerbittlich. Mich hat dieses Potpourri an Themen sehr begeistern können, in vielen Punkten fühlte ich mich persönlich angesprochen. Einige sehr philosophisch-theoretische Passagen zogen sich jedoch zäh dahin und hätten für mich eingedampft werden können. Die Handlung blieb mir hier mehrfach zu sehr hinter den philosophischen Exkursen zurück.

Alice und Peter sind keine Figuren, die man sofort ins Herz schließt. Im Gegenteil: Sie sind widersprüchlich, unsympathisch, gebrochen. Alice ist ehrgeizig bis zur Selbstaufgabe, gefangen in der Hörigkeit gegenüber ihrem Professor, und voller Widersprüche und hat mich damit oft frustriert. Peter wirkte auf mich anfangs optimistischer, doch auch er blieb zwiespältig. Gerade diese Ambivalenz machte die Figuren für mich faszinierend: Sie müssen erst wachsen, Fehler machen, sich mit ihren Abgründen auseinandersetzen. Kuang verzichtet wie schon bei „Yellowface“ auf einfache Identifikationsfiguren und zwingt ihre Leser
innen, sich an Reibungspunkten abzuarbeiten. Das ist spannend, aber anstrengend, und warm wurde ich mit Alice trotz versöhnlichem Ende bis zuletzt nicht.

Fazit: „Katabasis“ ist ein gewaltiges, widersprüchliches Werk: philosophisch überbordend, stellenweise zäh, aber eben auch gnadenlos klug. Es hat mich Zeit, Konzentration und Geduld gekostet, und manchmal war es schlicht zu viel Philosophie auf einmal. Aber es war auch faszinierend, überraschend, und so anders als alles, was ich sonst gelesen habe. Es hat mich zum Nachdenken gebracht über Macht, über Wissenschaft, über Selbstlügen und über das, was wirklich zählt. Ich habe es nicht weg mit dem Gefühl weggelegt, eine spannende Höllengeschichte gelesen zu haben, sondern mit dem Eindruck, dass dieses Buch noch in mir weiterarbeiten wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 13.09.2025

Drachenliebe mit Längen

These Ancient Flames 1: Awake
0

Seit Jahrzehnten sind die Drachen aus dem Land Valtherra verschwunden und seither versiegen nach und nach die magischen Kraftlinien, die die Auguren benötigen, um Magie zu wirken. Augurin Mei ist als Leibwächterin ...

Seit Jahrzehnten sind die Drachen aus dem Land Valtherra verschwunden und seither versiegen nach und nach die magischen Kraftlinien, die die Auguren benötigen, um Magie zu wirken. Augurin Mei ist als Leibwächterin des 1. Kantons zum Schutz des Fürstensohns Tat berufen und sie würde alles tun, um ihren Clan zu beschützen. Als der Fürstensohn des 3. Kantons Raven sie vor einem Angriff warnt und einen Vorschlag hat, um einen drohenden Krieg zu verhindern, steht Mei vor einem Dilemma: kann sie dem abtrünnigen Fürstensohn wirklich trauen?

Bevor ich überhaupt mit dem Lesen begonnen habe, hat mich schon die Gestaltung begeistert – der versteckte Farbschnitt war für mich eine kleine Sensation und ist mir so noch nicht begegnet.

Der Einstieg ins Buch war intensiv: viele politische Strukturen, die Kantone, das Verhältnis zwischen Auguren und normalen Menschen – all das musste ich mir erst einmal sortieren. Ich war heilfroh über die Karte im Einband, die mir wirklich Orientierung geschenkt hat. Dass die Magie über eine Art Leylinien fließt und mystisch wirkt, fand ich sehr faszinierend. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es Zeit braucht, um in diese Welt hineinzufinden.

Mit Mei als Protagonistin habe ich mich direkt wohlgefühlt: sie ist hitzköpfig, stark, aber auch nahbar, und ihre Szenen mit Tao und später auch Raven haben mich oft zum Schmunzeln gebracht. Raven hingegen ist ein Charakter, der mich von Anfang an zwiespältig zurückgelassen hat: manipulativ, grausam, überheblich und trotzdem nicht ohne Faszination. Die Dynamik zwischen ihm und Mei entwickelte sich langsam, glaubwürdig und manchmal bittersüß.

Besonders stark fand ich die actionreichen Szenen, die Spannung in den Roman brachten. Auch die Idee, Mythologie mit technischem Fortschritt zu verweben, hebt das Buch für mich von anderen Fantasygeschichten ab. Manche Twists haben mich wirklich überrascht und an die Seiten gefesselt.

Gleichzeitig gab es aber auch Längen, die meinen Lesefluss gebremst haben. Manche Abschnitte der Reise wirkten auf mich eher wie ein unnötiger Umweg, manche Szenen überflüssig z.B. Kleidung einkaufen und insgesamt hätte die Geschichte für mich gut 150 Seiten kürzer und konzentrierter sein dürfen. Stellenweise war es zu viel Politik, zu viel Reisebeschreibung – während mir an anderer Stelle kleine, magische Details gefehlt haben. Auch hätte ich mir mehr Einblicke in Ravens direkte Erinnerungen gewünscht, statt immer nur von seinen Vorerfahrungen zu hören. So blieb er für mich manchmal zu distanziert.

Das Ende dagegen hatte es in sich: dramatisch, emotional, voller Wendungen und mit der richtigen Portion Schmerz und Hoffnung, die Lust auf Band 2 macht. Ob ich allerdings auf jeden Fall weiterlesen werde, weiß ich noch nicht, gerade weil mich die zähen Passagen zwischendurch doch sehr ausgebremst haben.

Fazit: "These Ancient Flames" ist für mich eine interessante Fantasygeschichte mit einer starken Heldin, einem komplexen, zwielichtigen Love-Interest und unerwarteten Twists. Es gibt Szenen, die ich absolut geliebt habe und andere, bei denen ich mir mehr Tempo gewünscht hätte. Ein Buch, das mich angesprochen, gefordert, manchmal aber auch frustriert hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2025

Ein turbulenter Sommer

Problematic Summer Romance – Die hitzige Unzulässigkeit der Liebe
0

Seit Jahren ersucht die 23-Jährige Maya, den 38-Jährigen Conor von sich zu überzeugen. So lange ist sie schon in ihn verliebt und doch kommt von seiner Seite immer: unser Alter liegt zu weit auseinander. ...

Seit Jahren ersucht die 23-Jährige Maya, den 38-Jährigen Conor von sich zu überzeugen. So lange ist sie schon in ihn verliebt und doch kommt von seiner Seite immer: unser Alter liegt zu weit auseinander. Als sie sich auf der Hochzeit von Mayas Bruder treffen und eine Woche lang unter einem Dach leben, will Maya eine letzte Chance nutzen, um Conor für sich zu gewinnen. Doch sind die Fronten inzwischen doch schon zu verhärtet?

Ali Hazelwood bleibt sich auch in „Problematik Summer Romance“ treu: Ein typisches Konzept, das ich unterhaltsam finde, gleichzeitig aber auch ein bisschen frustrierend. Die Hauptfiguren überzeugten mich diesmal nicht – Conor wirkte von Beginn an unsympathisch, kontrollierend und emotional blockiert, während Maya versuchte, als Erwachsene wahrgenommen zu werden, sich aber oft kindlich und bedürftig verhielt. Ihr ständiges „Betteln“ um Liebesbekundungen nervte mich, und die fadenscheinigen Ausreden bezüglich des Alters seitens Conor wirkten wenig glaubwürdig. Die Funken zwischen den beiden waren zwar spürbar, doch das ewige Hin und Her und Conors plötzlicher Sinneswandel im Verlauf des Romans war für mich schwer nachzuvollziehen.

Inhaltlich gibt es ebenfalls Kritikpunkte: Ich hatte vorab "Not in Love" nicht gelesen hat, weshalb mir Hintergrundinfos zu Mayas Bruder Eli und seiner Freundin fehlten. Ich finde es schade, dass die Reihen nicht deutlicher als fortlaufende Teile gekennzeichnet sind. Ein Punkt, für den die Autorin zwar nichts kann, der aber mein Leseerlebnis störte. Außerdem wurden sehr viele Figuren eingeführt, die nicht alle greifbar waren, was zusätzlich für Verwirrung sorgte. Auch manche Szenen wirkren auf mich unvollständig, und insgesamt empfand ich die Handlung als nicht ganz rund.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch das Setting: Sizilien wurde herrlich sommerlich und lebendig beschrieben. Der Schreibstil mit seinem ironisch-sarkastischen Unterton traf zudem wie immer genau meinen Humor. Die beruflich starken Frauenfiguren wie bei Ali Hazelwood gewohnt gefielen mir, auch wenn sie in der Persönlichkeit im Privaten oft zu zurückhaltend bleiben. Besonders die beste Freundin von Maya, die Anwältin ist, fand ich daher spannend – ich würde mir wünschen, dass Ali Hazelwood in Zukunft auch Charaktere schreibt, die auch im Privaten selbstbewusst und fordernd auftreten.

Trotz der Kritikpunkte hatte das Buch unterhaltsame Momente, und die Autorin versteht es, Humor und Sommerfeeling zu kombinieren. Wer Hazelwoods Stil mag, wird auch hier einige schöne Lesestunden finden – auch wenn die Figuren und das dramatische Hin und Her anstrengend sein können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere