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Veröffentlicht am 03.09.2025

Zweite Chancen

Versprich mir, dass du tanzt
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Dani Atkins erzählt in „Versprich mir, dass du tanzt“ die berührende Geschichte von Lilly, die nach dem Tod ihres Mannes Adam lernen muss, mit ihrer Trauer umzugehen. Auf dessen letzten Wunsch hin nimmt ...

Dani Atkins erzählt in „Versprich mir, dass du tanzt“ die berührende Geschichte von Lilly, die nach dem Tod ihres Mannes Adam lernen muss, mit ihrer Trauer umzugehen. Auf dessen letzten Wunsch hin nimmt sie den Kontakt zu ihrem Jugendfreund Josh wieder auf – ein Mann, zu dem sie seit Jahren ein kompliziertes Verhältnis hat. In Rückblenden entfaltet sich, wie Lillys Beziehungen zu Adam und Josh entstanden sind, wie die drei sich kennengelernt haben und welche schicksalhaften Wendungen sie auseinandergeführt haben.

Besonders der Anfang und das Ende des Romans haben mich emotional stark berührt – die Szenen sind voller Intensität und haben mich tief bewegt, teils sogar zu Tränen gerührt. Dazwischen allerdings hätte ich mir mehr Tiefgang und emotionale Nuancen gewünscht. Zwar war der Roman spannend genug, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, was in der Vergangenheit geschehen war, dennoch blieb manches für mich an der Oberfläche.

Vor allem Josh’ schwierige Kindheit, die lange Zeit als Grund für sein Verhalten gegenüber Lilly dient, hätte ich gerne noch besser ausgearbeitet gesehen. Ebenso hätte ich mir mehr leichte, unbeschwerte Momente zwischen Lilly und Josh gewünscht. Zwar wirkten alle Figuren grundsätzlich sympathisch, aber ihr Verhalten war nicht immer nachvollziehbar und besonders Josh machte sich das Leben (und damit auch den anderen) unnötig schwer.

Trotz einiger Vorhersehbarkeiten und Passagen, in denen ich Entwicklungen schon früh erahnte, konnte mich der Roman insgesamt fesseln. Atkins gelingt es, eine gefühlvolle Geschichte über Liebe, Verlust und zweite Chancen zu erzählen, die in ihrer Anlage ein wenig an "PS: Ich liebe dich" oder "Für immer vielleicht erinnert" – auch wenn "Versprich mir, dass du tanzt" für mich nicht ganz an deren emotionales Niveau heranreicht.

Fazit:
Ein bewegender Roman über zwei große Lieben, Trauer und Neubeginn. Wer berührende Liebesgeschichten mag, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln, wird hier auf seine Kosten kommen – auch wenn man stellenweise etwas mehr Tiefe hätte erwarten dürfen.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Sind wir nicht alle mal ein bisschen Grizzly?

GRRRIZZLY
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Das tolle Wetter lockt, im Wald aktiv zu sein, doch der Grizzlybär will eigentlich nur seine Ruhe. Sein bester Freund der Waschbär motiviert ihn trotzdem, am Spaziergang, am Schwimmen und am Essen teilzunehmen. ...

Das tolle Wetter lockt, im Wald aktiv zu sein, doch der Grizzlybär will eigentlich nur seine Ruhe. Sein bester Freund der Waschbär motiviert ihn trotzdem, am Spaziergang, am Schwimmen und am Essen teilzunehmen. Obwohl der Grizzlybär erstmal nörgelt, macht er alles brav mit - und findet es dann doch gar nicht so schlimm, oder?

Das Bilderbuch „Grrrizly“ von Hervé Le Goff besticht vor allem durch seine hinreißenden Illustrationen. Die Bilder sind so atmosphärisch, dass man sich manche davon am liebsten als Kunstdruck an die Wand hängen würde. Dank des großzügigen Formats lassen sich viele Details entdecken, was den Zauber der Illustrationen noch verstärkt. Besonders gelungen ist die Farbgebung: nicht grell, sondern harmonisch und ruhig – sie strahlt eine Gelassenheit aus, die beim Anschauen unmittelbar entspannend wirkt.

Die Darstellung des Bären ist wunderschön geworden: Seine wechselnde Mimik macht den Unterschied zwischen dem mürrischen „Grrrizly“ und dem fröhlich-grinsenden Gefährten sofort sichtbar. Da der Text bewusst sparsam eingesetzt ist, trägt die Bildsprache die Geschichte. Kinder sind eingeladen, durch genaues Hinsehen die Gefühle der Figuren zu entschlüsseln und zu interpretieren – eine wunderbare Übung für Empathie und Wahrnehmung.

Auch Humor kommt nicht zu kurz: Ein Höhepunkt ist etwa die Szene, in der der Bär beim Mittagsschlaf so laut schnarcht, dass sich die Äste einer Weide im Rhythmus seiner Atemzüge bewegen. Solche Details machen die Geschichte lebendig und sorgen fürs Schmunzeln.

Besonders schön ist die Botschaft: Obwohl der Bär anfangs brummig wirkt, findet er Freude an den gemeinsamen Aktivitäten. Seine Körperhaltung und Mimik verraten, dass er das Zusammensein mit seinem Freund mehr schätzt als alles andere. Am Ende bleibt das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, manchmal ein „kleiner Grrrizly“ zu sein – solange man es nicht übertreibt und gute Freunde an seiner Seite hat.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der Text hätte für meinen Geschmack etwas umfangreicher sein dürfen. Hintergrundinformationen wie „Wo leben die beiden?“ oder kleine zusätzliche Erzählpassagen hätten das Leseerlebnis abgerundet. So bleibt einiges der Fantasie und Interpretation überlassen (und einem/r engagierten Vorleser/in), was je nach Lesesituation Vor- oder Nachteil sein kann.

Fazit:
„Grrrizly“ ist ein poetisch illustriertes, kurzweiliges Bilderbuch voller Wärme, Humor und leiser Lebensweisheit. Es lädt zum Schauen, Schmunzeln und Mitfühlen ein – und erinnert daran, dass Freundschaft selbst die grummeligsten Gemüter besänftigt ;)

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Und wöchentlich grüßt das Chaos

Love On Repeat
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Lara hat nach dem Ende ihres Studiums ein Sabbatical genommen, um einen Thriller zu schreiben. Doof nur, dass ihre Auszeit in wenigen Wochen endet und sie immer noch nicht fertig ist mit ihrem Werk. Als ...

Lara hat nach dem Ende ihres Studiums ein Sabbatical genommen, um einen Thriller zu schreiben. Doof nur, dass ihre Auszeit in wenigen Wochen endet und sie immer noch nicht fertig ist mit ihrem Werk. Als ihr dann auch noch Henry in der Bibliothek das überlebenswichtige Buch zur Rechtsmedizin wegschnappt, steht sie am Rande einer Katastrophe. Da der Rest der Woche ebenfalls suboptimal verläuft, freut Lara sich, diese endlich hinter sich zu bringen. Doch das Universum will es anders und als sie am Montag aufwacht, beginnt ihre elendige Woche von vorn! Zeitschleife! Was soll sie denn damit anfangen?

Love on Repeat hat mich mit gemischten Gefühlen starten lassen – und mit einem Lächeln enden! Denn zu Beginn hatte ich ein bisschen meine Schwierigkeiten: Der Schreibstil wirkte auf mich anfangs etwas zu gewollt, und die weibliche Hauptfigur erschien mir sehr anstrengend und fast schon überehrgeizig und verkrampft. Doch je weiter ich las, desto mehr habe ich mich in die Geschichte hineingefunden, was einerseits an der angenehmen Tiefe der Geschichte lag und andererseits an dem wunderbaren männlichen Love Interest Leo. Er war für mich das Herzstück des Buches und hat sich ganz leise, aber bestimmt, in mein Leserherz geschlichen.

Der magische Anteil der Handlung erinnert stark an "Und täglich grüßt das Murmeltier." Für mich persönlich hätte es diesen Kniff gar nicht gebraucht. Die Figuren und ihre Entwicklung hätten die Geschichte auch ohne diesen Aspekt getragen. Umso mehr hat mich gefreut, wie liebevoll und detailliert die Charaktere ausgearbeitet waren. So waren neben Love Interest Leo auch Laras Vermieter wirklich herzallerliebst.

Besonders die sanfte, beinahe zärtliche Art, mit der Angela Kirchner ihre Worte wählt, hat mich im Verlauf immer mehr berührt. Das Ende empfand ich als emotional, mitreißend und einfach stimmig. Es hat mich vollkommen abgeholt und trotz seiner Tragik mit einem wohligen Gefühl zurückgelassen.

Fazit: Ein Buch, das zwar etwas Anlaufzeit brauchte, mich aber letztlich mit einer warmen, gefühlvollen Geschichte und wunderbaren Figuren belohnt hat.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Dämonenhotel

How to Feed a Demon
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Als Marie von zu Hause abhaut, weil sich weder ihre Eltern, noch ihre Klassenkameraden wirklich für sie interessieren, ist sie allein und hoffnungslos. Über Nacht schlüpft sie heimlich in ein Herrenhaus, ...

Als Marie von zu Hause abhaut, weil sich weder ihre Eltern, noch ihre Klassenkameraden wirklich für sie interessieren, ist sie allein und hoffnungslos. Über Nacht schlüpft sie heimlich in ein Herrenhaus, das sie für verlassen hält. Um Mitternacht begegnen ihr jedoch diverse Fantasy-Wesen, die ihr freudig erklären, dass sie nun die neue Hotelbesitzerin sei. Marie würde sich am liebsten sofort wieder vom Acker machen, doch nach und nach lernt sie die Hotelbewohner kennen und es entstehen zarte Bande der Freundschaft. Wäre da nur nicht der missgünstige Nachbar, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt und das Hotel schon seit Jahrzehnten in seinen Besitz bringen will…

How to feed a Demon hat mich mit seinem Klappentext zunächst eine etwas ältere Zielgruppe erwarten lassen, tatsächlich richtet sich die Geschichte aber eher an ein jüngeres Publikum. Das hat meiner Lesefreude jedoch keinen Abbruch getan, denn die Autorin entfaltet hier eine bunte Fantasy-Welt voller origineller Ideen und Wesen, die man nicht in jedem Fantasy-Roman trifft wie z.B. ein Basilisk oder auch ein Blutschink, was ich besonders erfrischend fand.

Die Figuren sind mit viel Liebe gezeichnet, einige Charaktere habe ich richtig ins Herz geschlossen. Gerade dieser Aspekt hat für mich viel von dem Zauber der Geschichte ausgemacht. An manchen Stellen wirkte die Handlung zwar etwas ungelenk und ich war mir nicht immer sicher, wohin die Reise gehen soll, doch am Ende fügte sich alles zu einer schönen Geschichte über Zusammenhalt und Freundschaft. Besonders gefallen hat mir, wie die Erzählung zeigt, wie Fremde nach und nach zusammenwachsen und echte Freunde werden.

Alles in allem ein fantasievolles Buch mit viel Herz, das vor allem jüngere Leser*innen begeistern dürfte.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Leise und gefühlvoll

Passion Project
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Bennet steckt in tiefer Trauer seitdem ihr Freund vor wenigen Jahren durch einen Unfall ums Leben kam. In New York wollte sie versuchen, das Leben zu führen, das die beiden geplant hatten, müht sich nun ...

Bennet steckt in tiefer Trauer seitdem ihr Freund vor wenigen Jahren durch einen Unfall ums Leben kam. In New York wollte sie versuchen, das Leben zu führen, das die beiden geplant hatten, müht sich nun aber mit Jobs der Zeitarbeitsfirma ab und distanziert sich von Freunden und Familie. Als sie auf Anraten ihrer besten Freundin auf ein Date geht, kriegt sie Panik und lernt bei ihrer Flucht den optimistischen, strahlenden Henry kennen. Ihm gesteht sie unter Alkoholeinfluss ihre Orientierungslosigkeit und gemeinsam wagen sie sich an ein Projekt: Bennets Leidenschaft zu finden. Zusammen erleben sie kleine Abenteuer, um herauszukitzeln, wofür Bennet sich begeistern kann. Doch was, wenn Henry ihre Passion ist? Ist sie schon bereit für eine neue Liebe?

„Passion Project“ ist ein einfühlsamer Roman von der Autorin London Sperry. Die Handlung wird aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur Bennet wiedergegeben und ist in New York angesiedelt, was mir sehr gut gefallen hat. Der Roman hat viel Tiefe und behandelt Themen wie Trauer und Selbstfindung.

Insgesamt habe ich leider etwas gebraucht, um mit der Protagonistin Bennet warm zu werden. Sie steckt so tief in Trauer und Depression, blockt jede Hilfe ab und sucht sich selbst keine professionelle Unterstützung. Das fand ich auf Dauer etwas anstrengend und distanzierend. Doch ab der Hälfte macht Bennet eine schöne Entwicklung durch, weshalb mich die Geschichte dann doch noch packen konnte.

Im Gegensatz zu Bennet mochte ich den männlichen Part Henry auf Anhieb. Er ist eine wandelnde Green Flag, der viel Wärme in die Geschichte bringt. Die Nebenfiguren bleiben zwar etwas blass, dafür überzeugt aber die sanfte Friends-to-Lovers-Dynamik zwischen Bennet und Henry. Die beiden als Paar empfand ich als sehr niedlich und habe die gemeinsamen Szenen sehr genossen.

Fazit: Ein leises, gefühlvolles Buch mit einem herzerwärmenden männlichen Protagonisten, das sich Zeit nimmt. Auch, wenn das erste Drittel etwas zäh war.

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