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Curin

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2018

Spannender und etwas düsterer Liebesroman

Victorian Rebels - Mein schwarzes Herz
4 0

Als in einem Waisenhaus der ruppige kleine Junge Dougan auf das Mädchen Farah trifft, entsteht schon im frühen Kindesalter eine unschuldige Liebe. Jahre später arbeitet Farah Mackenzie als Sekretärin bei ...

Als in einem Waisenhaus der ruppige kleine Junge Dougan auf das Mädchen Farah trifft, entsteht schon im frühen Kindesalter eine unschuldige Liebe. Jahre später arbeitet Farah Mackenzie als Sekretärin bei Scotland Yard und begegnet dort während eines Verhörs dem gefährlichen Dorian Blackwell. Dieser scheint ein ungewöhnliches Interesse an ihr zu haben und entführt sie auf seine Insel, um sie angeblich vor einem Widersacher zu beschützen... .
Kerrigan Byrne hat hier einen spannenden und sehr atmosphärischen Roman geschrieben, der im viktorianischen England spielt und mich mit vielen Wendungen in der Handlung überzeugt hat. Man liest hier nicht nur eine etwas verwegene und dadurch umso wildere Liebesgeschichte, sondern erfährt auch viel über das damalige Leben in London mit seinen hellen, aber auch mit seinen Schattenseiten.
Von allen Figuren habe ich besonders Farah sehr liebgewonnen. Schon als kleines Mädchen lässt sie sich von der rauhen Art Dougans nicht abschrecken und hilft und unterstützt ihn. Selbst als junge Frau hat sie ihn nicht vergessen und ist ihm treu geblieben. Auch im Zusammenspiel im Blackwell zeigt sie immer wieder Courage und lässt sich nicht so einfach von ihm beherrschen. Mir hat besonders gefallen, wie die Autorin ihre Gefühlswelt beschreibt und damit deutlich macht, dass sie auf der einen Seite Blackwell fürchtet, aber sie sich andererseits stark zu ihm hingezogen fühlt. Ihren Charakter fand ich die meiste Zeit stimmig, nur ab und zu fällt Farah aus ihrer Rolle und tut Dinge, die sonst nicht zu ihrer Figur passen.
Die wohl unheimlichste und für mich auch spannendste Figur im Buch ist Blackwell, der zu den gefürchtetsten Menschen der Londoner Unterwelt zählt. Anfangs wirkte er auf mich sehr düster, doch nach und nach merkt man gemeinsam mit Farah, dass er eine nicht nur eine harte Seite hat, sondern innerlich einfach total zerbrochen und durch schlimme Erlebnisse geprägt worden ist.
Kerrigan Byrne schreibt flüssig und schafft es, immer wieder Spannung aufzubauen, diese zu halten und dann auch mit unvorhersehbaren Dingen den Leser zu überraschen. Was mir nicht so gut gefallen hat, sind die langgezogenen und doch sehr detailreichen erotischen Szenen. Während es in anderen Situationen im Buch schön knistert, aber nicht explizit etwas auf körperlicher Ebene passiert, sind die genannten Handlungen doch zu anzüglich für meinen Geschmack.
Insgesamt ist ,,Victorian Rebels - Mein schwarzes Herz" ein wunderbarer und spannender Roman mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Spannend, aber etwas zu überladen

Ich bin die Rache
2 0

Nachdem die Agentin Maggie während einer Ermittlung spurlos verschwindet, machen sich Francis Ackerman und sein Bruder Marcus auf die Suche. Inmitten eines Indianerreservats verfolgen sie eine heiße Spur, ...

Nachdem die Agentin Maggie während einer Ermittlung spurlos verschwindet, machen sich Francis Ackerman und sein Bruder Marcus auf die Suche. Inmitten eines Indianerreservats verfolgen sie eine heiße Spur, die sie in die Nähe des berüchtigten ,,Taker" führt... .
Es handelt sich hier um einen weiteren Teil aus der Reihe um den ehemaligen Serienmörder Francis Ackerman, der nun gemeinsam mit dem FBI schlimme Verbrecher aufspürt. Obwohl ich nicht alle Teile gelesen habe, konnte ich mich doch schnell wieder in die Handlung einfinden.
Ethan Cross schafft es einfach immer wieder, mich mit vielen Wendungen zu überraschen. Manchmal habe ich jedoch die Geschichte als zu spannungsüberladen empfunden. Dem Zuhörer wird kaum eine Pause gelassen und die Ereignisse überschlagen sich förmlich.
Wie immer hat Francis Ackermann einen guten und flotten Spruch auf den Lippen und lässt sich auch von der auswegslosesten Situation nicht bange machen. Er, der scheinbar überhaupt keine Furcht mehr kennt und dem Schmerz nichts mehr ausmacht, war mir manchmal schon etwas unheimlich.Mich hat aber sehr beeindruckt, wie viel Gefühl er gegenüber seinem Bruder und auch einer Polizistin im Reservat zeigen kann.
Gesprochen wird das Hörbuch von Thomas Balou Martin, der mit seiner tiefen Stimme, die er je nach Figur verstellt, alles wunderbar liest.
Für mich war die Geschichte bis zum Ende nicht durchschaubar und wer viel Action liebt und nicht zu zart besaitet ist, wird dieses Hörbuch lieben.
Insgesamt ist ,,Ich bin die Rache" eine spannende, wenn auch etwas zu überladene Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Gerne empfehle ich das Hörbuch hier weiter.

Veröffentlicht am 01.02.2019

Langatmig und für mich kein Thriller

Wer ist Michael Swann?
1 0

Als in einer New Yorker U-Bahnstation eine Bombe explodiert, ändert sich Julias Leben schlagartig. Eben hat sie noch mit ihrem Mann Michael telefoniert, der sich am Anschlagsort befand und erfährt dann, ...

Als in einer New Yorker U-Bahnstation eine Bombe explodiert, ändert sich Julias Leben schlagartig. Eben hat sie noch mit ihrem Mann Michael telefoniert, der sich am Anschlagsort befand und erfährt dann, dass man ihn für einen der Täter hält. Doch kann es wirklich sein, dass ausgerechnet ihr Ehemann zu so einer Tat fähig ist oder verdächtigt man den Falschen?
Bryan Reardon hat hier einen Roman mit einem sehr aktuellem Thema geschrieben, der mich neugierig gemacht hat, aber leider meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Statt eines spannenden und rasanten Thriller, den ich mir gewünscht hätte, zieht der Autor viele Teile der Handlung in die Länge. So war das Buch für mich teilweise sehr zäh zu lesen und konnte mich überhaupt nicht mitreißen.
Sehr detailliert wird erzählt, wie Julia auf die Nachricht reagiert, dass ihr Mann am Tatort war. Hier wird tatsächlich sehr realistisch dargestellt, wie sie erst an der Hoffnung festhält, dass Michael noch leben könnte und alles dafür tut, um ihn zu finden. Selbst als sie damit konfrontiert wird, er könnte der Täter gewesen sein, hält sie zu ihm. Für mich war Julia die einzige Figur, die wirklich glaubhaft und authentisch rüber kam.
Einen großen Teil der Handlung wird auch aus der Sicht von Michael Swann erzählt. Hier wird haarklein berichtet, wie er aus der U-Bahnstation läuft und scheinbar hilflos und mit einem Gedächtnisverlust durch die Straßen irrt. Dabei verpasst ihn Julia später immer wieder nur kurz. Gerade diese Szenen habe ich als langweilig empfunden.
Bryan Reardon schreibt flüssig, aber geht an vielen Stellen zu sehr ins Detail. Seine Idee zum Buch ist eigentlich sehr gut, aber leider schafft er es nicht, sie wirklich authentisch umzusetzen und verliert sich darin, zu beschreiben, was seine Figuren gerade machen und denken und bringt dabei die Handlung nicht voran. Erst zum Schluss des Thrillers entsteht etwas Spannung und es gibt eine Wendung, die ich so nicht erwartet hätte.
Insgesamt ist ,,Wer ist Michael Swann" ein langatmiger Roman, aber für mich definitiv kein richtiger Thriller. Daher empfehle ich das Buch hier auch nur bedingt weiter.

Veröffentlicht am 16.08.2017

Bis auf wenige Dinge überzeugend und unterhaltsam

Die Stadt des Zaren
1 0

1703: Zar Peter hat sich ein großes Ziel gesetzt. An einem sumpfigen Ort im Newadelta soll eine neue russische Hauptstadt entstehen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Um seinen waghalsigen ...

1703: Zar Peter hat sich ein großes Ziel gesetzt. An einem sumpfigen Ort im Newadelta soll eine neue russische Hauptstadt entstehen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Um seinen waghalsigen Plan zu verwirklichen, lädt er begabte Handwerker und andere Meister ihres Fachs aus ganz Europa ein... .
Martina Sahler hat hier einen großartigen Roman über die Erbauung von St. Petersburg geschrieben, indem sie verschiedene Handlungstränge
unterschiedlicher Figuren miteinander verknüpft, aber dabei nie den Bau der Stadt und die Rückschläge dabei aus den Augen verliert.
Anfangs habe ich mich mit der Geschichte und der Erzählweise von der Autorin etwas schwer getan und konnte lange nicht mit den Protagonisten warm werden. Erst nach ca. 100 Seiten hat das Buch mich gepackt, aber dann auch nicht mehr losgelassen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht neben dem Zaren meistens die deutsche Ärztefamilie Albrecht, die von der Ausländervorstadt Moskaus die Herausforderung annimmt und in die noch völlig unfertige Siedlung an der Newa zieht. Während der Mann unermüdlich in seiner Praxis schuftet und seine für den Zaren schwärmenden Frau Frieda ihm dabei tatkräftig Unterstützung zu kommen lässt, sind es vor allem die Lebenswege der beiden Töchter Paula und Helena, die die Geschichte spannend machen. Helena ist eine junge Frau, die sich aus meiner Sicht merkwürdig schnell in einen Kriegsgefangenen verliebt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Paula bleibt sie etwas farblos zurück und man kann bei ihr schon vorausahnen, wie es mit ihr ausgeht.
Auch die anderen Figuren wirken manchmal etwas konstruiert, wie die übermäßig bösartige und intrigante Gräfin Viktoria Bogdanowitsch, die ihre Leibeigenen fast zu Tode prügelt und die zwei ungleichen Brüder Matteo und Francesco, bei denen der eine ein Maul- und Frauenheld und der andere übermäßig begabt, aber schüchtern ist.
Besonders gut gefallen hat mir der sogenannte ,,Gottesnarr" Kostja, ein Zwerg, welcher seine Augen überall zu haben scheint und stets dem Zar berichtet, was in der Stadt vor sich geht.
Martina Sahler schreibt gut lesbar und schafft es, trotz einiger nicht ganz so überzeugenden Figuren, den Leser gut zu unterhalten. Beim lesen merkt man auch, dass sie sich wirklich intensiv mit der Geschichte der Erbauung St. Petersburgs auseinander gesetzt hat und dieses historische Wissen immer wieder einbringt. Auch verschweigt sie nicht, wie schwierig es für die Menschen am Newadelta war, überhaupt dort zu überleben und wie hart und grausam man mit Kriegsgefangenen und Leibeigenen dort umging.
Insgesamt hat mich ,,Die Stadt des Zaren" bis auf wenige Dinge überzeugt und mich gut unterhalten. Wer sich für Russland und auch gerade für die Zarenzeit interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Gerne empfehle ich es hier weiter.

Veröffentlicht am 20.01.2017

Berührendes Zeitzeugnis

Und du bist nicht zurückgekommen
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Marceline wird als junges Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt den Holocaust, doch ihr Vater stirbt und kehrt nie wieder nach Hause zurück.70 Jahre später schreibt ...

Marceline wird als junges Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt den Holocaust, doch ihr Vater stirbt und kehrt nie wieder nach Hause zurück.70 Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, der ihn nie erreichen wird… .
Marceline Loridan-Ivens hat hier einen bewegenden und sehr persönlichen Brief verfasst, der Zeugnis von den Schrecken der Lager, aber auch von dem Leben danach gibt. Besonders eindringlich beschreibt sie das einzige Zusammentreffen mit ihrem Vater in Auschwitz. Dieses Erlebnis und die verschwommene Erinnerung an eine Nachricht, die er ihr heimlich zukommen ließ, haben sie ihr ganzes Leben lang nicht losgelassen. Sie gibt auch einen tiefen Einblick in die Zeit nach Auschwitz, in der niemand ihre Geschichte hören wollte und sie zum Vergessen gedrängt wurde. Es ist tieftraurig zu lesen, wie sie von der mutigen jungen Frau, die im Holocaust jeden Tag um ihr Überleben gekämpft hat, innerlich daran zu zweifeln beginnt, ob sie überhaupt hätte zurückkehren sollen und ob sich ein Leben danach überhaupt noch lohnt.
Mich persönlich hat Marcelines Brief sehr berührt. Sie beschreibt eindrücklich das Leiden der KZ-Insassen und schafft es, dass erlebte Grauen mit all seinen Ausmaßen in Worte zu fassen und hat so auf ihre ganz eigene Weise ihre Vergangenheit literarisch verarbeitet.
Obwohl das Buch vom Umfang nicht sehr lang ist, kann man es nur Stück für Stück lesen, da es doch sehr bewegt und nachdenklich macht.
Insgesamt hat mich dieser eindrücklich geschriebene Zeitzeugnis von Marceline sehr berührt. Ich kann es daher an jeden empfehlen, der sich mit dem Holocaust auseinandersetzen möchte und starke Nerven mitbringt.