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Veröffentlicht am 24.08.2022

Von der Rose namens Liebe, mit spitzen Dornen

Die Schuhe meines Vaters
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Andreas Schäfer hat eine griechische Mutter und einen deutschen Vater. Er ist 1969 in Hamburg geboren. Dieses Werk hier ist autobiographisch.

Im Sommer 2018 besucht ihn jener Vater in der Hauptstadt. ...

Andreas Schäfer hat eine griechische Mutter und einen deutschen Vater. Er ist 1969 in Hamburg geboren. Dieses Werk hier ist autobiographisch.

Im Sommer 2018 besucht ihn jener Vater in der Hauptstadt. Er hatte Krebs, aber der ist als Rezidiv erneut im Vater aktiv.

Er kehrt wieder nach Frankfurt am Main zurück und lebt schon lange allein, nachdem er sich vor geraumer Zeit von Andreas' Mutter getrennt hatte.

Nach einer Biopsie erleidet er eine Hirnblutung und der Oberarzt der Neurochirurgie teilt Andreas mit, dass keine Hoffnung mehr bestünde.

So steht Andreas vor der diffizilen Frage, ob er die lebenserhaltenden Maschinen abschalten lassen soll.

Eine Reise beginnt, in mehreren Verästelungen. Nicht nur, dass Andreas endgültig sich vom Vater verabschieden muss, nein, es wird ebenso zu einer Reise in die Vergangenheit, als die Reminiszenzen an den Vater als einzigartiges Individuum erwachen.

Feinfühlig und sehr emotional erschüttert dieses Buch und geht unter die Haut. Der Autor ist ein exzellenter Seismograph für all die kleinsten Ausschläge auf der Richterskala, verfügt über einen scharfsinnigen Blick. Er ist aber weder sarkastisch bzw. zynisch, noch verklärt er.

Empathisch erweist er seinem Vater die Reverenz, ohne seine Schwächen auszulassen und dennoch nicht seine Liebe zu ihm zu verleugnen. Trotz oder gerade, weil wir alle fehlbare Menschen sind.

Es ist Trauerarbeit und Therapie, Poesie und ein Hymnus auf die Vergänglichkeit. Denn trotzdem ist die Vergangenheit an sich nie reell vorbei, sondern wirkt unablässig in die Gegenwart und Zukunft hinein. Wer das leugnet und die Vergangenheit als monolithischen Block ansieht, verkennt die dynamischen Prozesse. Vergangenheit kann nicht nur inspirierend nachwirken, sondern ebenso fatal, wie man aktuell auf der Weltbühne als auch Individuen sehen kann.

Das Werk hat 187:Seiten, ist aber durch seine Verdichtung von ungeheurer, beeindruckender Präsenz. Stimmt durchaus nachdenklich sowie melancholisch, aber ohne bleiern zu sein. Danke, efcharisto, Andreas Schäfer und Dumont!

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Veröffentlicht am 24.08.2022

Wohlige Wărme

Abgeheftet
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Liquide Worte, die die Seele benetzen und es schaffen, während des Lesens die ausgedörrte Seele mit Zuversicht und Aufmunterung zu tränken.

Von Beginn an versteht es die Autorin, einen in den wortenen ...

Liquide Worte, die die Seele benetzen und es schaffen, während des Lesens die ausgedörrte Seele mit Zuversicht und Aufmunterung zu tränken.

Von Beginn an versteht es die Autorin, einen in den wortenen Bann zu ziehen. Zudem ist das Buch noch mit wunderbaren, stimmungsvollen Bildern von Heike Niderehe illustriert.

Diese Synergie der Poeme und der Abbildungen generieren ein kostbares Werk, das Balsam beim Lesen ist.

Das Buch ist zudem noch ein herrliches Geschenk für alls, die Gedichte lieben. Ein Werk, das auf gar keinen Fall verpasst werden sollte, weil sonst definitiv ein Höhepunkt an einem vorbeigeht. Danke, Stefanie Steenken!

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Veröffentlicht am 24.08.2022

Hass gebiert Hass ...

Der Wald der Gehenkten
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Das heutige Ardeal ist ein Teil Rumäniens, so war es aber nicht immer. Vielen wohl als Transsylvanien oder Siebenbürgen besser bekannt, war dieses lange Teil Ungarns, bzw. Kakaniens. Bis Ungarn große Gebiete ...

Das heutige Ardeal ist ein Teil Rumäniens, so war es aber nicht immer. Vielen wohl als Transsylvanien oder Siebenbürgen besser bekannt, war dieses lange Teil Ungarns, bzw. Kakaniens. Bis Ungarn große Gebiete durch den Vertrag von Trianon nach dem Ersten Weltkrieg verlor.

Liviu Rebreanu ist ein sehr bekannter, rumänischer Autor und ein Klassiker. Er lebte von 1885 bis 1944 und wurde im Dorf Târlișua in Siebenbürgen geboren. Er war also zunächst Ungar, österreichischer Untertan, bevor er offiziell Rumäne wurde.

Rumänen aus Siebenbürgen waren zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg nicht verpflichtet. Livius Bruder Emil meldete sich aber dennoch. Tragischerweise wurde Emil Rebreanu von den Österreicher-Ungarn am 12./13. Mai 1917 gehängt, als angeblicher Deserteur und Spion.

Darauf beruht dieses Buch hier. Apostol Bologa, Siebenbürger, meldet sich aus einem nichtigen Grund zur Armee. Zunächst in Russland stationiert, wirkt er mit großem Eifer mit, dass ein Verräter hingerichtet wird.

Allerdings wird er dann mit seiner Einheit nach Siebenbürgen versetzt und soll als Rumäne gegen die feindlichen Rumänen kämpfen, die Ungarn, Österreich und Deutschland bekämpfen.

Nachdem er bei einem Fluchtversuch schwer verletzt wurde, aber das niemand ahnt, wird er in die Etappe versetzt, Logistik. Er hatte sich von seiner bisherigen Verlobten getrennt und verliebt sich in die Ungarin Ilona, Tochter des Totengräbers vor Ort, wo er stationiert ist.

Immer mehr und mehr Leute werden hingerichtet. Rumänische Bauern, als angebliche Spione. Apostol kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, auf sein eigenes Volk zu schießen und heckt einen waghalsigen Plan aus ...

Der Erste Weltkrieg schon produzierte schon eine unendliche Kaskade der Grausamkeiten, die von allen Seiten belegt ist. Inhumanität regierte bereits und wer hätte gedacht, dass diese im Zweiten Weltkrieg noch bei weitem übertroffen werden würde.

Der Autor besitzt eine scharfe Beobachtungsgabe und schreibt zudem noch sehr poetisch. Das Buch ist nicht nur ein Requiem für seinen Bruder Emil, sondern auch eine erschütternde Anklage, die sich gegen Unmenschlichkeit wendet.

Ein Buch, das einen zutiefst berührt und nicht kalt läßt. Emotional packend, psychologisch stimmig, mit langer Nachwirkung. Unvergesslich!

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Veröffentlicht am 02.07.2022

Wir haben nur eine Erde

Genius
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Antonias Welt steht ohnehin Kopf, denn als 17jährige ist sie bereits Vollwaise, noch nicht lange allerdings.

Sie kann sich nicht erklären, warum sie mysteriösen Angriffen ausgesetzt ist. Tiere verhalten ...

Antonias Welt steht ohnehin Kopf, denn als 17jährige ist sie bereits Vollwaise, noch nicht lange allerdings.

Sie kann sich nicht erklären, warum sie mysteriösen Angriffen ausgesetzt ist. Tiere verhalten sich ihr gegenüber atypisch. Und warum folgt ihr ununterbrochen ein Greifvogel?

Die Wahrheit ist ungeheuerlich wunderbar, aber auch Gefahr ist ihrem Dasein immanent. Und auch Flinn verdreht ihr den Kopf ... Aber es kommt noch mehr ...

Plastisch, von Anfang an packend, poetisch geschrieben bannt das Buch. Die Protagonisten sind differenziert und tiefgründig, ebenso wie die Handlung.

Es gibt weder Klischees noch plumpe Schwarzweiß-Malerei. Dass sich die Protagonisten zudem für Tier- und Umweltschutz engagieren, kommt unaufdringlich elegant angeschwebt, ohne erhobenen Zeigefinger.

Das Buch ist spannend und in sich abgeschlossen, also durchaus für alle geeignet, die Mehrteilern gegenüber eher abgeneigt sind.

Tja, wir haben nun einmal nur eine Erde und je mehr aus echter, innerer Überzeugung handeln, ohne verbissen sowie dogmatisch andere Personen abzuschrecken, desto besser.

Zudem hat dieses Buch eine edle Aufmachung, mit einer verschließenden, äußeren, beschrifteten Klappe. Das Papier ist haptisch hochwertig. Und das Allerbeste: sehr hochwertig edel und dennoch nachhaltig hergestellt. Es geht also! Danke, Heike Grulich!!!

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Veröffentlicht am 02.07.2022

Leid und Freude

Der Strom des Lebens
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Der siebte und letzte Band der Saga rund um zwei Familien, leider, leider. Das hinterlässt einen gewissen Schmerz und Wehmut, bei mir, der geneigten Leserin.

Jetzt feiern ja demnächst sowohl Indien als ...

Der siebte und letzte Band der Saga rund um zwei Familien, leider, leider. Das hinterlässt einen gewissen Schmerz und Wehmut, bei mir, der geneigten Leserin.

Jetzt feiern ja demnächst sowohl Indien als auch Pakistan 75jähriges Bestehen. Jedoch hat das einstige Empire noch weit andere Wunden hinterlassen. Eines dieser Zankäpfel ist Kashmir. Eine Region mit noch immer ungewissem Status, nicht wirklich zu Indien oder Pakistan gehörend, obwohl beide Länder Anspruch darauf erheben.

Das ändert aber nichts daran, dass trotzdem verschiedene Ethnien und Konfessionen dort größtenteils und immer wieder periodisch in Frieden zusammenleben, obwohl es Terror gibt.

In diesem Spannungsfeld lebt Ex-Agent Vikram Sandeep und seine Frau Sameera. Das Waisenhaus Dar-as-Salam bei Srinagar leitet nun sein Protégé und Sohn Yussuf Sadaq. Der war einst selbst einer der Waisen. Raja Sharma, bester Freund Vikrams ist glücklicherweise ebenfalls dort.

Es könnte alles so schön sein und die drei helfen selbstredend, wann immer nötig, Yussuf und Co.

Jedoch gibt es ja nach wie vor eben Unruhe in Kashmir und alte Antagonisten schlafen nicht ...

Sehr schade, dass nun das Epos zu Ende geht. Das Ende ist durchaus sehr befriedigend. Tragik und Glück liegen, wie so oft im Leben, wieder eng beieinander.

Es gibt unverhoffte Wendungen, packende Emotionen, Tiefe und psychologische Feinzeichnung. Wieder einmal exzellent recheriert. Ein Verzeichnis der Dramatis Personae sowie ein Glossar sind sehr hilfreich.

Den Autorinnen gelingt es sehr gut, den menschlichen Faktor, das allzu Humane im Negativen wie im Positiven spannend wie ergreifend darzustellen.

Man bekommt auch, als schönen Nebeneffekt, auch wieder Lust Kashmir von Led Zeppelin zu hören. Danke, Simone Dorra und Ingrid Zellner!!!

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