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Veröffentlicht am 11.10.2019

Wendungen am laufenden Band

Die Stille vor dem Sturm
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Mit einem unspektakulären, dann aber sehr passenden Cover kommt der Thriller aus dem Pendragon Verlag daher. Ganz klassisch hat die Autorin ihre Figuren auf einem sehr engen Raum eingepfercht, aus dem ...

Mit einem unspektakulären, dann aber sehr passenden Cover kommt der Thriller aus dem Pendragon Verlag daher. Ganz klassisch hat die Autorin ihre Figuren auf einem sehr engen Raum eingepfercht, aus dem es kein Entrinnen gibt. Aus Filmen und Romanen sind ähnliche Konstellationen bekannt, dennoch liest sich dieser Roman erneut sehr spannend und klammert die Leser in seinem Bann.

Was passiert? Eine Gruppe gut bemittelter junger Leute plant auf einer Party einen Segeltörn. Die meisten von ihnen (Brüder) sind von Beruf Sohn. Ihr Vater ist Millionär. Der Segeltörn soll in Las Palmas beginnen und über den Atlantik bis zu den Cayman Islands führen, wo sie der Vater zu einer Geburtstagsparty erwartet. Neben den Söhnen, sind auch Freundinnen und Freunde dabei. Doch schon als es an Bord geht, läuft nicht alles so, wie geplant. Der jüngste Bruder fehlt. Er hat sich mit einer SMS entschuldigt und müsse mit einer Band touren. Seine Freundin, nun allein auf Gran Canaria, wird dann aber trotzdem mit auf den Segeltörn genommen. Keiner mochte sie abstoßen, denn schließlich konnte sie ja nichts für das wegbleiben des Bruders. Dieser Vorfall und das Verhältnis der Brüder untereinander sorgen für Spannungen unter der Crew. Doch es bleibt nicht dabei. Wie es sich für ein Thriller gehört, kommt immer ein neues Ereignis, welches das gedankliche Seil beim Leser zum Zerreißen spannt.

Die zunehmende Spannung hat mir besonders gut gefallen. Da sich fast alles auf dieser Yacht mitten auf dem Atlantik abspielt, weiß man, dass es kein Entkommen für die einzelnen Mitglieder der Mannschaft gibt. Und auch nach dem Mord können sie noch soviel ermitteln und spekulieren, wie sie wollen. Einer von ihnen muss der Mörder sein. Auch der Leser wird nicht in das Geheimnis eingeweiht. Aus einer Parallelhandlung erfährt der Leser zwar, dass der jüngste Bruder nicht freiwillig auf den Segeltörn verzichtet hat, aber wer dahinter steckt, bleibt ein Rätsel. Sehr gut gemacht. Auch die Atmosphäre auf dem Meer kommt gut an, man spürt die Seeluft, die Sonne, den Wind.

Eine Wendung ist keine Wendung. Deshalb gibt es auch Wendungen am laufenden Band in sonniger Meeresbrise. Spannung und Unterhaltung pur. Ich wünsche diesem Thriller ganz viele Leser. Er lässt sich nicht nur im Urlaub gut lesen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 04.10.2019

Die Waringham-Saga geht weiter.

Teufelskrone
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Die Waringham-Saga geht weiter. Drei Männer kehren in ein Wirtshaus ein. Sie sind auf der Flucht. Doch die findet hier ein Ende, als andere Männer ins Haus stürmen und sie festsetzen. Bei den drei von ...

Die Waringham-Saga geht weiter. Drei Männer kehren in ein Wirtshaus ein. Sie sind auf der Flucht. Doch die findet hier ein Ende, als andere Männer ins Haus stürmen und sie festsetzen. Bei den drei von Herzog Leopold von Österreich Festgenommenen handelt es sich um König Richard Löwenherz, der nach dem Fall der Festung Akkon im Heiligen Land nicht mehr auf See fliehen konnte. Er musste den Landweg beschreiten und wird dabei von zwei seiner treuen Vasallen begleitet. Richard gelangt so in den Kerker eines seiner Erzrivalen. Das ist der Moment für seinen Bruder John Ohneland in England die Krone an sich zu reißen. Er führt einen Aufstand an. Während Guillaume of Woringham einer der beiden Begleiter König Richards ist und als sein treuer Vasall gilt, wird indes sein jüngerer Bruder Ivain an den Hof von Prinz John zur Ausbildung verpflichtet. Der Vater der beiden Jungs will es sich sowohl mit dem noch-König Richard als auch mit dem vielleicht-König John nicht verscherzen und hat für diese unselige Trennung der beiden Söhne gesorgt.

Allein dies ist schon spannend genug, um unbedingt bis ans Ende des Romans lesen zu wollen. Zwischendurch gibt es natürlich immer wieder kleinere Geschichten und Konflikte, die den jungen Ivain du Entscheidungen zwingen, die er nicht möchte. Doch so begleitet der Leser ihn auf seinem Weg zum Erwachsenwerden. Wie nicht anders zu erwarten, liest sich der Roman wie eine Fernsehserie. Wegen des immensen Umfangs an Seiten muss man immer wieder unterbrechen und wartet nur darauf, dass man ihn bald wieder in die Hand nehmen kann.

Die Figuren sind mit so vielen Eigenschaften und Gefühlen ausgearbeitet, dass sie den Lesern sehr nahe kommen. Man meint den Protagonisten Ivain schon bald so gut zu kennen, dass man sich schließlich aber doch über so manche Entscheidung wundert und andere voraussehen konnte.

Die Löcher in den Geschichtsbüchern wurden von der Autorin mit sehr plausibler und authentischer Fiktion gefühlt. So dass man von solch einem Geschehen in der Realität gerne ausgehen möchte. Ihre Beschreibungen der Burgen und Gebäude, aber auch der Kleidung der Figuren, der Handlungsabläufe in deren Alltag sind detailliert wie Fachbücher, aber Gablés Stil lässt diesen Eindruck nie entstehen. Details sind dort gesetzt und durch Vergleiche, Metaphern und andere Bilder dargeboten, wo sie passen und nicht störend wirken. An keiner Stelle hat man den Eindruck eines Lehrbuches. Und dennoch entnimmt man ihm viele Details.

Ich habe mich gefreut, erneut einen Roman von Rebecca Gablé lesen zu dürfen und kann diesen genauso wie alle anderen wärmstens empfehlen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 27.09.2019

Die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen der Menschen

Südlichter
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»Freunde sind diejenigen, die am Ende immer noch da sind und sagen: Ach, scheiß drauf. Gehen wir was trinken«, sagt Nina George in diesem Roman, bei dem es um Liebe in all ihren Schattierungen geht. Freundschaft ...

»Freunde sind diejenigen, die am Ende immer noch da sind und sagen: Ach, scheiß drauf. Gehen wir was trinken«, sagt Nina George in diesem Roman, bei dem es um Liebe in all ihren Schattierungen geht. Freundschaft ist eine davon. Für mich ist dies der Schlüsselsatz, ich fühle mich diesem Satz besonders hingezogen.

Als George vor wenigen Jahren den Bestseller »Das Lavendelzimmer« platzierte, hatte sie in dem Roman, bei dem es ebenfalls um Liebe geht, von »Südlicher« gesprochen, als einem Buch, welches das Thema Liebe als essentiellen Grundstein hatte. Was folgte, waren nie aufhörende Anfragen aus aller Welt, wo man das Buch denn kaufen könne und wer es geschrieben hätte. Doch sie musste stets antworten, dass es sich beim »Lavendelzimmer« um einen fiktiver Roman handele und nicht alles darin wirklich existiere. Sie war diese Antwort zu geben überdrüssig und hat Roman »Südlichter« selbst geschrieben und kann fortan jedem Leser des ersten Buches mitteilen, wo er das zweite treffen kann. Damit hat sie ein Versprechen gegenüber ihren Lesern eingelöst.

Der Roman handelt von der Weise Marie-Jeanne, deren Wiege unter einem Olivenbaum stand. Sie wird von liebenden Pflegeeltern gefunden und aufgenommen. Sie wächst wohlbehütet auf, ist enorm wissbegierig und hilft ihrem Vater beim Aufbau einer fahrenden Bibliothek. Und immer hofft sie, eines Tages einen Partner für ihr ruheloses Leben zu finden, wie es bei allen Freunden um sie herum geschieht. George hat wie gewohnt eine sehr sinnliche Sprache gefunden. Dabei kommt das Buch fast wie ein Sachbuch daher. Jedes Kapitel mit der Handlung wird teils auch mehrmals durch einen, wie eine Erklärung wirkenden Einschub unterbrochen. Erzähler der Geschichte sind die wohl ungewöhnlichste Figuren, die in dieser Form kaum vorkommen: die Liebe und das Schicksal. Ja, richtig. Erzählt wird alles von der Liebe und vom Schicksal. Ein Wortspiel, welches besonders anrührt. Wer sollte sich auch besser mit allen Varianten der Liebe auskennen, wenn nicht die Liebe selbst und das Schicksal? Diese Idee rundet das Thema des Romans außergewöhnlich ab.

Handlungsort ist ein kleiner Ort mitten in Frankreich. Die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen der Menschen sind unterhaltsam und machen neugierig. Das Wachsen und Werden der kleinen Marie-Jeanne als Leser mitzuerleben und sie auf ihrer Suche nach der Liebe zu begleiten, ist spannend bis zum Schluss. Nina George hat mich mitgenommen auf eine spannende Reise in Sachen Liebe. Ich wünschte, dass sich viele Leserinnen und Leser meiner Empfehlung anschließen könnten, um die Vielfältigkeit der Liebe ebenso fasziniert zu finden. Danke für das tolle Buch!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 18.09.2019

Die Goldenen Zwanziger mit einem Quäntchen Romantik und einer Portion Verbrechen

Die schwarze Fee
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Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, ...


Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, die nicht viel Hoffnung in eine Zukunft hatten.

Getrennt voneinander werden zwei männliche Leichen aufgefunden. Eine auf einem Ausflugsdampfer, die andere in einem Bus. Beide wirken, als würden sie schlafen oder nachdenken. Der Tod scheint weit entfernt von ihnen. Doch sie rühren sich tatsächlich nicht und geben keinen Mucks von sich.

Kerstin Ehmer entführt mit diesem Roman ähnlich wie Volker Kutscher in das Babylon Berlin, wie es einigen aus der Fernsehserie bekannt sein dürfte. Es ist ein Berlin voller Russen, die vor der Revolution und Lenin geflohen sind und auf eine Rückkehr hoffen. Behutsam führt die Autorin in die Kriminalhandlung ein. Breit gefächert präsentiert sie den Lesern zunächst das Milieu, stellt es mittels ihrer Figuren vor. So lernt man Jugendbanden, Gelehrte, Schriftsteller, Politiker und Architekten kennen. Kommissar Ariel Spiro ermittelt hier zum zweiten Mal (siehe „Der weiße Affe") und muss sich nicht nur mit Verbrechern auseinandersetzen, sondern sich auch gegenüber seinen Kollegen behaupten.

Die Autorin beschreibt das Berlin der damaligen Zeit sehr detailgenau und authentisch. Diese Detailverliebtheit lässt sie weit ausholen und den Kriminalfall in den Hintergrund rücken. Und doch meint man, selbst als Leser das Gekreische und Gegackere an der Panke von der Schönwalder Brücke herunter zu hören. Man ist fasziniert von den Bildern im Kopf, die bei ihren Beschreibung der Straßenzüge und des Alltagslebens entstehen. Obwohl die ersten Toten den Spannungsbogen bis zum Schluss bilden, bleibt es nicht bei diesen Verbrechen als einziges Spannungsmittel. Die Armut treibt die Figuren zu weiteren Untaten an, die gerade erstarkenden Nazis tragen ebenfalls dazu bei. Und die Brunftigkeit einiger männlicher Figuren schafft mit dem Kampf um die attraktiven Frauenfiguren einen spannenden Wettbewerb.

Eine Milieustudie der Goldenen Zwanziger, die mit einem Quäntchen Romantik und einer kräftigen Portion Verbrechen gewürzt ist, empfehle ich sehr gerne! So viel Berlin in einem Buch, dass es einfach nur Spaß machen muss.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 13.09.2019

Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen

Der Panther
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Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen. Im Frankfurter Stadtpark wurde ein Pärchen tot aufgefunden. Die Toten geben Julia Durant und Ihrem Team schwere Rätsel auf. Sie müssen sich die Fragen stellen, ...

Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen. Im Frankfurter Stadtpark wurde ein Pärchen tot aufgefunden. Die Toten geben Julia Durant und Ihrem Team schwere Rätsel auf. Sie müssen sich die Fragen stellen, ob es sich um eine Beziehungstat, ein Sexualdelikt oder einen Raubmord handelt. Die Spuren weisen in alle Richtungen. Welchen sollte zuerst nachgegangen werden? Lyrische Verse weisen auf das Gedicht „Der Panther" von Rilke hin. Von der Presse wird dieser Begriff nur zu gerne als Bezeichnung für den Mörder aufgegriffen.

In diesen Kriminalroman hat mir besonders der spannende Einstieg gefallen. Schnell wird klar, dass hierbei jemand in flagranti erwischt wurde. Doch erst in weiteren Kapiteln wird aufgelöst, um wen es sich in dieser Szene handelt. Ganz Klasse!

Obwohl der Leser mehrfach im Roman auf die Handlungsorte Frankfurt und Offenbach hingewiesen wird, handelt es sich keinesfalls um ein Regionalkrimi im herkömmlichen Sinne. Er kann tatsächlich so oder so ähnlich auch in einer anderen Großstadt spielen, selbst New York und Central Park würden funktionieren. Die Orts- und Straßennamen sind hier Schall und Rauch. Es ist eben der 19. Julia-Durant-Krimi, eine Reihe, die Andreas Franz begonnen und nach dessen bedauerlichen Tode von Daniel Holbe weitergeführt wurde. Aber keinesfalls muss man die vorhergehenden Fälle mit Julia Durant kennen. Man kann mit »Der Panther« einfach loslegen. Die Figuren sind so gut angelegt, dass sie dem Leser sympathisch oder unsympathisch sein können, er lernt sie mit diesem Roman kennen. Obwohl sie offenbar eine Vergangenheit haben. Die spielt im vorliegenden Fall aber nur eine Nebenrolle. Zum Beispiel, dass die Ermittlerin vor Jahren selbst ein Entführungsopfer, gefoltert und vergewaltigt worden war. Diese Szene erinnerte mich lediglich daran, dass ich den Fall vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren gelesen hatte. Im vorliegenden Roman ist es eine Hintergrundinfo, die zum besseren Verständnis von Durants Entscheidungen beiträgt.

Es ist das Können des Autors, die Welt von Julia Durant authentisch und losgelöst von den vorherigen Bänden erscheinen zu lassen. Das dabei auch noch ein spannender Kriminalfall gelöst wird, toppt das Ganze. Höchste Empfehlung von mir!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019