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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2018

Liebhaber von Stephen King aufgepasst!

Totenrache
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Liebhaber von Stephen King werden sich bestimmt auch mit den Romanen von Amanda Stevens anfreunden können. Paranormale Ereignisse, wie sie aus Serien wie „X-Akten" oder „Supernatural" bekannt sind, bilden ...

Liebhaber von Stephen King werden sich bestimmt auch mit den Romanen von Amanda Stevens anfreunden können. Paranormale Ereignisse, wie sie aus Serien wie „X-Akten" oder „Supernatural" bekannt sind, bilden das Fundament ihrer Roman. So auch der hier vorgestellte.

Die Friedhofsrestauratorin Amelia Gray lebt in Charleston und besitzt eine besondere Gabe: Sie kann Geister sehen. An ihrer Seite ist Detective John Devlin. (Warum denke ich bei Devlin sofort an Devil?) Im Haus findet Amelia ein Stereoskop, durch welches Stereofotos in 3D betrachtet werden können. Es ist ein uraltes Teil. Sie kann sich nicht erklären, wie dieses Gerät in ihr Haus gekommen ist, macht sich auf den Weg in einen Kuriositätenladen, um mehr darüber zu erfahren. In dem Laden ist sie offenbar bei dem Chef an der richtigen Stelle. Ihre Recherchen führen Sie auf einen verlassenen Friedhof, sie erfährt von Rose Gray, die schon viele Jahre tot ist. Amelia glaubt nicht, dass sie etwas mit Rose zu tun hat. Nachnamen sind durchaus mehrfach vertreten, ohne verwandtschaftlich verbunden sein zu müssen. Wenn da nicht der Umstand wäre, dass Amelia mit ihrem zweiten Vornamen auch Rose heißt. Außerdem ist sie der Rose von damals wie aus dem Gesicht geschnitten. Wie eine Zwillingsschwester sieht sie nach Meinung der Bekannten aus.

Stevens macht hat einen spannenden Mysterie-Roman geschrieben. Mit sommerlichen Temperaturen liest man sich durch South Carolina, eine besondere Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes umfängt den Leser. Die Recherche zunächst um das Stereoskop, dann um Rose, später um die Familienverhältnisse und das eigenartige Geschehen in der Vergangenheit führt von einem Spannungspunkt zum nächsten.

Kritikpunkte gibt es dennoch, die den Spaß mindern: Mehr als in anderen Büchern ist dieses mit Tippfehlern gepflastert. Fehlende oder zu viele Buchstaben oder Wörter sind an der Tagesordnung. Und die Übersetzerin und/oder Lektorin müssen noch viel über Verwandtschaftsverhältnisse lernen. Denn bei Sätzen wie »Sie war Papas Mutter. Meine Urgroßmutter.« oder »„Sie wird Calebs Enkelin sein" – „Sie kannten Papa?"« frag ich mich, wo denn die Großmutter geblieben ist. Dies ist störend, weil man als Leser das Gefühl bekommt, etwas überlesen zu haben. Man recherchiert, liest erneut und wird einfach nur aufgehalten.

Veröffentlicht am 08.11.2017

Sympathie für viele Figuren

Sea Detective: Der Sog der Tiefe
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Mit seinem zweiten Roman schafft der Autor erneut einen spannenden Kriminalroman, in welchem es in erster Linie nicht um Ermittlungen geht. Trotzdem wird er mit jedem Kapitel spannender.

Die Handlung ...

Mit seinem zweiten Roman schafft der Autor erneut einen spannenden Kriminalroman, in welchem es in erster Linie nicht um Ermittlungen geht. Trotzdem wird er mit jedem Kapitel spannender.

Die Handlung rankt sich erneut um Cal McGill, seines Zeichens Meeresforscher, der in zunehmendem Maße von Menschen beauftragt wird, ihre vermissten Angehörigen aufzuspüren. McGill ist aber kein klassische Ermittler, der von Beginn an wie ein Detektiv oder Polizist auf Jagd nach einem Verbrecher ist. Er ist ein charmantes Beiwerk in der Handlung. Die beginnt mit der Verbannung von Mrs. Anderson, genannt Mrs. A., beim Begräbnis ihres Arbeitgebers auf die hintersten Plätze. William Richis Stieftochter konnte die Haushälterin noch nie ausstehen und verstößt die ältere Dame aus dem Haushalt. Doch Mrs. A. kennt die Familie seit Jahrzehnten und lässt sich nicht die Butter vom Brot klauen. Getreu dem Motto "Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt" will sich Mrs. A. das nicht bieten lassen. Kurze Zeit darauf wird Violet, die im Kinderheim aufgewachsen ist, von ihrem Anwalt darüber informiert, in welchen Ort an der schottischen Küste sie etwas über ihre Herkunft erfahren kann. Es ist ein Brief an Violet aufgetaucht, für dessen Weiterleitung an die Empfängerin der Anwalt seinen Job verliert. Violet macht sich auf dem Weg nach Poltown. Dort trifft sie zufällig auf Cal McGill, der wegen eines ozeanografischen Auftrags dort verweilt. Violet erfährt, wer ihre Mutter war und dass diese vor 26 Jahren einen Freitod im Meer suchte. McGill berechnet die Umstände einer Möglichkeit eines solchen Freitodes. So graben beide in der Vergangenheit des Dorfes herum, was vielen Bewohnern ein Dorn im Auge ist. Vergangenheit sollte man besser ruhen lassen.

Der Roman erzählt sich über die Charakter der Figuren. Ihr Verhalten gegeneinander sorgt für Spannung, zumal Stück für Stück das Geschehen von vor 26 Jahren aufgedeckt wird. Violet wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Wurzeln zu entdecken und ihrer Tochter eine Großmutter zu präsentieren. McGill hilft ihr dabei. Der Leser kann Sympathie für viele Figuren entwickeln und auch dort wird er Überraschungen erleben. Humorvoll sind die Szenen mit den Kindern geschildert. Und extrem mysteriös erscheint Mrs. A.

Unbedingt lesen!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Veröffentlicht am 06.11.2019

Dynastien der Kaufmannsfamilie Fugger

Der Fluch der Rose
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Da gibt es zunächst Esmeralda mit ihrem kleinen Sohn Juan. Ihr Mann Don Felipe, dem sie in den Krieg gegen die Türken gefolgt war, ist gefallen. Zu ihrem Schwiegervater kann sie nicht, denn der hatte etwas ...

Da gibt es zunächst Esmeralda mit ihrem kleinen Sohn Juan. Ihr Mann Don Felipe, dem sie in den Krieg gegen die Türken gefolgt war, ist gefallen. Zu ihrem Schwiegervater kann sie nicht, denn der hatte etwas gegen die Heirat seines jüngsten Sohnes mit ihr. Don Felipe war aus der Adelsfamilie verbannt worden. Seine Weggefährten haben Esmeralda und ihren Sohn nach dem Tod ihres Anführers allein gelassen. Schwerkrank und halb verhungert werden Esmeralda und Juan in einem Benediktinerkloster aufgenommen.

Und dann ist da Elisabeth, die Kaufmannstochter. Ihr Vater will sie mit einem Geschäftsmann verheiraten, der sich als arger Rüpel herausstellt. Elisabeth ist von ihm angewidert und gönnt ihm nicht, der erste Mann zu sein, der sie zur Frau macht. Deshalb bändelt sie mit einem vermögenden Kaufmann an, der aus der Dynastie derer von Fugger stammt. Er ist zwar verheiratet, aber das stört sie nicht. Wenn nur nicht ihr Verlobter der erste wäre. Doch offenbar ist sie zu naiv für das, was dann alles geschehen wird.

Die Geschichte zieht den Leser in ihren Bann. Mit vielen jeden Details ausgeschmückt, begleitet man den Lebensweg zweier Menschen, die nichts über ihre eigene Herkunft wissen. Intrigen stehen an der Tagesordnung und sollen dafür sorgen, dass die beiden hierüber auch erfahren werden.
Die Struktur des Romans sorgt für ein schnelles Lesen. Alle 60 Seiten ein neues Großkapitel mit jeweils zehn bis zwanzig Kapiteln. Die bildreiche Sprache und die schnörkellosen, passenden Dialoge sorgen dafür, dass der Roman wie großes Kino im inneren Auge abläuft.
Gefesselt von den Ereignissen läuft dieser Film viel zu schnell vor mir ab.

Klar herausgestellt wurden von Iny Lorentz die Zusammenhänge innerhalb der Dynastien der Kaufmannsfamilie Fugger, die bekannt dafür waren, selbst Kaisern und Königen Kredite für deren Leben und Kriegsführung geboten zu haben (nicht immer zum eigenen wirtschaftlichen Erfolg).
Sehr angenehm sind auch die letzten Seiten im Nachwort, wo die Schriftsteller auf die Hintergründe der in der Geschichte verarbeiteten Fakten eingehen.

Der Roman bietet beste Unterhaltung, gerade in der bevorstehenden Weihnachts- und düsteren Jahreszeit.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 11.10.2019

Wendungen am laufenden Band

Die Stille vor dem Sturm
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Mit einem unspektakulären, dann aber sehr passenden Cover kommt der Thriller aus dem Pendragon Verlag daher. Ganz klassisch hat die Autorin ihre Figuren auf einem sehr engen Raum eingepfercht, aus dem ...

Mit einem unspektakulären, dann aber sehr passenden Cover kommt der Thriller aus dem Pendragon Verlag daher. Ganz klassisch hat die Autorin ihre Figuren auf einem sehr engen Raum eingepfercht, aus dem es kein Entrinnen gibt. Aus Filmen und Romanen sind ähnliche Konstellationen bekannt, dennoch liest sich dieser Roman erneut sehr spannend und klammert die Leser in seinem Bann.

Was passiert? Eine Gruppe gut bemittelter junger Leute plant auf einer Party einen Segeltörn. Die meisten von ihnen (Brüder) sind von Beruf Sohn. Ihr Vater ist Millionär. Der Segeltörn soll in Las Palmas beginnen und über den Atlantik bis zu den Cayman Islands führen, wo sie der Vater zu einer Geburtstagsparty erwartet. Neben den Söhnen, sind auch Freundinnen und Freunde dabei. Doch schon als es an Bord geht, läuft nicht alles so, wie geplant. Der jüngste Bruder fehlt. Er hat sich mit einer SMS entschuldigt und müsse mit einer Band touren. Seine Freundin, nun allein auf Gran Canaria, wird dann aber trotzdem mit auf den Segeltörn genommen. Keiner mochte sie abstoßen, denn schließlich konnte sie ja nichts für das wegbleiben des Bruders. Dieser Vorfall und das Verhältnis der Brüder untereinander sorgen für Spannungen unter der Crew. Doch es bleibt nicht dabei. Wie es sich für ein Thriller gehört, kommt immer ein neues Ereignis, welches das gedankliche Seil beim Leser zum Zerreißen spannt.

Die zunehmende Spannung hat mir besonders gut gefallen. Da sich fast alles auf dieser Yacht mitten auf dem Atlantik abspielt, weiß man, dass es kein Entkommen für die einzelnen Mitglieder der Mannschaft gibt. Und auch nach dem Mord können sie noch soviel ermitteln und spekulieren, wie sie wollen. Einer von ihnen muss der Mörder sein. Auch der Leser wird nicht in das Geheimnis eingeweiht. Aus einer Parallelhandlung erfährt der Leser zwar, dass der jüngste Bruder nicht freiwillig auf den Segeltörn verzichtet hat, aber wer dahinter steckt, bleibt ein Rätsel. Sehr gut gemacht. Auch die Atmosphäre auf dem Meer kommt gut an, man spürt die Seeluft, die Sonne, den Wind.

Eine Wendung ist keine Wendung. Deshalb gibt es auch Wendungen am laufenden Band in sonniger Meeresbrise. Spannung und Unterhaltung pur. Ich wünsche diesem Thriller ganz viele Leser. Er lässt sich nicht nur im Urlaub gut lesen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 04.10.2019

Die Waringham-Saga geht weiter.

Teufelskrone
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Die Waringham-Saga geht weiter. Drei Männer kehren in ein Wirtshaus ein. Sie sind auf der Flucht. Doch die findet hier ein Ende, als andere Männer ins Haus stürmen und sie festsetzen. Bei den drei von ...

Die Waringham-Saga geht weiter. Drei Männer kehren in ein Wirtshaus ein. Sie sind auf der Flucht. Doch die findet hier ein Ende, als andere Männer ins Haus stürmen und sie festsetzen. Bei den drei von Herzog Leopold von Österreich Festgenommenen handelt es sich um König Richard Löwenherz, der nach dem Fall der Festung Akkon im Heiligen Land nicht mehr auf See fliehen konnte. Er musste den Landweg beschreiten und wird dabei von zwei seiner treuen Vasallen begleitet. Richard gelangt so in den Kerker eines seiner Erzrivalen. Das ist der Moment für seinen Bruder John Ohneland in England die Krone an sich zu reißen. Er führt einen Aufstand an. Während Guillaume of Woringham einer der beiden Begleiter König Richards ist und als sein treuer Vasall gilt, wird indes sein jüngerer Bruder Ivain an den Hof von Prinz John zur Ausbildung verpflichtet. Der Vater der beiden Jungs will es sich sowohl mit dem noch-König Richard als auch mit dem vielleicht-König John nicht verscherzen und hat für diese unselige Trennung der beiden Söhne gesorgt.

Allein dies ist schon spannend genug, um unbedingt bis ans Ende des Romans lesen zu wollen. Zwischendurch gibt es natürlich immer wieder kleinere Geschichten und Konflikte, die den jungen Ivain du Entscheidungen zwingen, die er nicht möchte. Doch so begleitet der Leser ihn auf seinem Weg zum Erwachsenwerden. Wie nicht anders zu erwarten, liest sich der Roman wie eine Fernsehserie. Wegen des immensen Umfangs an Seiten muss man immer wieder unterbrechen und wartet nur darauf, dass man ihn bald wieder in die Hand nehmen kann.

Die Figuren sind mit so vielen Eigenschaften und Gefühlen ausgearbeitet, dass sie den Lesern sehr nahe kommen. Man meint den Protagonisten Ivain schon bald so gut zu kennen, dass man sich schließlich aber doch über so manche Entscheidung wundert und andere voraussehen konnte.

Die Löcher in den Geschichtsbüchern wurden von der Autorin mit sehr plausibler und authentischer Fiktion gefühlt. So dass man von solch einem Geschehen in der Realität gerne ausgehen möchte. Ihre Beschreibungen der Burgen und Gebäude, aber auch der Kleidung der Figuren, der Handlungsabläufe in deren Alltag sind detailliert wie Fachbücher, aber Gablés Stil lässt diesen Eindruck nie entstehen. Details sind dort gesetzt und durch Vergleiche, Metaphern und andere Bilder dargeboten, wo sie passen und nicht störend wirken. An keiner Stelle hat man den Eindruck eines Lehrbuches. Und dennoch entnimmt man ihm viele Details.

Ich habe mich gefreut, erneut einen Roman von Rebecca Gablé lesen zu dürfen und kann diesen genauso wie alle anderen wärmstens empfehlen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019