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Veröffentlicht am 27.09.2019

Die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen der Menschen

Südlichter
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»Freunde sind diejenigen, die am Ende immer noch da sind und sagen: Ach, scheiß drauf. Gehen wir was trinken«, sagt Nina George in diesem Roman, bei dem es um Liebe in all ihren Schattierungen geht. Freundschaft ...

»Freunde sind diejenigen, die am Ende immer noch da sind und sagen: Ach, scheiß drauf. Gehen wir was trinken«, sagt Nina George in diesem Roman, bei dem es um Liebe in all ihren Schattierungen geht. Freundschaft ist eine davon. Für mich ist dies der Schlüsselsatz, ich fühle mich diesem Satz besonders hingezogen.

Als George vor wenigen Jahren den Bestseller »Das Lavendelzimmer« platzierte, hatte sie in dem Roman, bei dem es ebenfalls um Liebe geht, von »Südlicher« gesprochen, als einem Buch, welches das Thema Liebe als essentiellen Grundstein hatte. Was folgte, waren nie aufhörende Anfragen aus aller Welt, wo man das Buch denn kaufen könne und wer es geschrieben hätte. Doch sie musste stets antworten, dass es sich beim »Lavendelzimmer« um einen fiktiver Roman handele und nicht alles darin wirklich existiere. Sie war diese Antwort zu geben überdrüssig und hat Roman »Südlichter« selbst geschrieben und kann fortan jedem Leser des ersten Buches mitteilen, wo er das zweite treffen kann. Damit hat sie ein Versprechen gegenüber ihren Lesern eingelöst.

Der Roman handelt von der Weise Marie-Jeanne, deren Wiege unter einem Olivenbaum stand. Sie wird von liebenden Pflegeeltern gefunden und aufgenommen. Sie wächst wohlbehütet auf, ist enorm wissbegierig und hilft ihrem Vater beim Aufbau einer fahrenden Bibliothek. Und immer hofft sie, eines Tages einen Partner für ihr ruheloses Leben zu finden, wie es bei allen Freunden um sie herum geschieht. George hat wie gewohnt eine sehr sinnliche Sprache gefunden. Dabei kommt das Buch fast wie ein Sachbuch daher. Jedes Kapitel mit der Handlung wird teils auch mehrmals durch einen, wie eine Erklärung wirkenden Einschub unterbrochen. Erzähler der Geschichte sind die wohl ungewöhnlichste Figuren, die in dieser Form kaum vorkommen: die Liebe und das Schicksal. Ja, richtig. Erzählt wird alles von der Liebe und vom Schicksal. Ein Wortspiel, welches besonders anrührt. Wer sollte sich auch besser mit allen Varianten der Liebe auskennen, wenn nicht die Liebe selbst und das Schicksal? Diese Idee rundet das Thema des Romans außergewöhnlich ab.

Handlungsort ist ein kleiner Ort mitten in Frankreich. Die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen der Menschen sind unterhaltsam und machen neugierig. Das Wachsen und Werden der kleinen Marie-Jeanne als Leser mitzuerleben und sie auf ihrer Suche nach der Liebe zu begleiten, ist spannend bis zum Schluss. Nina George hat mich mitgenommen auf eine spannende Reise in Sachen Liebe. Ich wünschte, dass sich viele Leserinnen und Leser meiner Empfehlung anschließen könnten, um die Vielfältigkeit der Liebe ebenso fasziniert zu finden. Danke für das tolle Buch!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 18.09.2019

Die Goldenen Zwanziger mit einem Quäntchen Romantik und einer Portion Verbrechen

Die schwarze Fee
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Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, ...


Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, die nicht viel Hoffnung in eine Zukunft hatten.

Getrennt voneinander werden zwei männliche Leichen aufgefunden. Eine auf einem Ausflugsdampfer, die andere in einem Bus. Beide wirken, als würden sie schlafen oder nachdenken. Der Tod scheint weit entfernt von ihnen. Doch sie rühren sich tatsächlich nicht und geben keinen Mucks von sich.

Kerstin Ehmer entführt mit diesem Roman ähnlich wie Volker Kutscher in das Babylon Berlin, wie es einigen aus der Fernsehserie bekannt sein dürfte. Es ist ein Berlin voller Russen, die vor der Revolution und Lenin geflohen sind und auf eine Rückkehr hoffen. Behutsam führt die Autorin in die Kriminalhandlung ein. Breit gefächert präsentiert sie den Lesern zunächst das Milieu, stellt es mittels ihrer Figuren vor. So lernt man Jugendbanden, Gelehrte, Schriftsteller, Politiker und Architekten kennen. Kommissar Ariel Spiro ermittelt hier zum zweiten Mal (siehe „Der weiße Affe") und muss sich nicht nur mit Verbrechern auseinandersetzen, sondern sich auch gegenüber seinen Kollegen behaupten.

Die Autorin beschreibt das Berlin der damaligen Zeit sehr detailgenau und authentisch. Diese Detailverliebtheit lässt sie weit ausholen und den Kriminalfall in den Hintergrund rücken. Und doch meint man, selbst als Leser das Gekreische und Gegackere an der Panke von der Schönwalder Brücke herunter zu hören. Man ist fasziniert von den Bildern im Kopf, die bei ihren Beschreibung der Straßenzüge und des Alltagslebens entstehen. Obwohl die ersten Toten den Spannungsbogen bis zum Schluss bilden, bleibt es nicht bei diesen Verbrechen als einziges Spannungsmittel. Die Armut treibt die Figuren zu weiteren Untaten an, die gerade erstarkenden Nazis tragen ebenfalls dazu bei. Und die Brunftigkeit einiger männlicher Figuren schafft mit dem Kampf um die attraktiven Frauenfiguren einen spannenden Wettbewerb.

Eine Milieustudie der Goldenen Zwanziger, die mit einem Quäntchen Romantik und einer kräftigen Portion Verbrechen gewürzt ist, empfehle ich sehr gerne! So viel Berlin in einem Buch, dass es einfach nur Spaß machen muss.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 13.09.2019

Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen

Der Panther
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Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen. Im Frankfurter Stadtpark wurde ein Pärchen tot aufgefunden. Die Toten geben Julia Durant und Ihrem Team schwere Rätsel auf. Sie müssen sich die Fragen stellen, ...

Der Vollmond-Mörder hat erneut zugeschlagen. Im Frankfurter Stadtpark wurde ein Pärchen tot aufgefunden. Die Toten geben Julia Durant und Ihrem Team schwere Rätsel auf. Sie müssen sich die Fragen stellen, ob es sich um eine Beziehungstat, ein Sexualdelikt oder einen Raubmord handelt. Die Spuren weisen in alle Richtungen. Welchen sollte zuerst nachgegangen werden? Lyrische Verse weisen auf das Gedicht „Der Panther" von Rilke hin. Von der Presse wird dieser Begriff nur zu gerne als Bezeichnung für den Mörder aufgegriffen.

In diesen Kriminalroman hat mir besonders der spannende Einstieg gefallen. Schnell wird klar, dass hierbei jemand in flagranti erwischt wurde. Doch erst in weiteren Kapiteln wird aufgelöst, um wen es sich in dieser Szene handelt. Ganz Klasse!

Obwohl der Leser mehrfach im Roman auf die Handlungsorte Frankfurt und Offenbach hingewiesen wird, handelt es sich keinesfalls um ein Regionalkrimi im herkömmlichen Sinne. Er kann tatsächlich so oder so ähnlich auch in einer anderen Großstadt spielen, selbst New York und Central Park würden funktionieren. Die Orts- und Straßennamen sind hier Schall und Rauch. Es ist eben der 19. Julia-Durant-Krimi, eine Reihe, die Andreas Franz begonnen und nach dessen bedauerlichen Tode von Daniel Holbe weitergeführt wurde. Aber keinesfalls muss man die vorhergehenden Fälle mit Julia Durant kennen. Man kann mit »Der Panther« einfach loslegen. Die Figuren sind so gut angelegt, dass sie dem Leser sympathisch oder unsympathisch sein können, er lernt sie mit diesem Roman kennen. Obwohl sie offenbar eine Vergangenheit haben. Die spielt im vorliegenden Fall aber nur eine Nebenrolle. Zum Beispiel, dass die Ermittlerin vor Jahren selbst ein Entführungsopfer, gefoltert und vergewaltigt worden war. Diese Szene erinnerte mich lediglich daran, dass ich den Fall vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren gelesen hatte. Im vorliegenden Roman ist es eine Hintergrundinfo, die zum besseren Verständnis von Durants Entscheidungen beiträgt.

Es ist das Können des Autors, die Welt von Julia Durant authentisch und losgelöst von den vorherigen Bänden erscheinen zu lassen. Das dabei auch noch ein spannender Kriminalfall gelöst wird, toppt das Ganze. Höchste Empfehlung von mir!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 07.09.2019

Familie mit allen toten und lebenden Angehörigen

Grabesgrund
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Kennt ihr die Familie Blackstock aus Norfolk? Nein? Dann solltet ihr diese Familie mit allen toten und lebenden Angehörigen unbedingt kennenlernen. Inklusive des Mitglieds aus der Bronzezeit, dessen Überreste ...

Kennt ihr die Familie Blackstock aus Norfolk? Nein? Dann solltet ihr diese Familie mit allen toten und lebenden Angehörigen unbedingt kennenlernen. Inklusive des Mitglieds aus der Bronzezeit, dessen Überreste gerade von den Archäologen ausgegraben wurden.

Kurz zum Einstieg. In einem Flugzeug wird bei Baggerarbeiten die Leiche eines Piloten gefunden. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Fred Blackstock handelt, der vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert war und zum Ende des Krieges bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Doch sein Auffinden gibt viele Rätsel auf. Warum ist die Leiche nach über fünfzig Jahren noch so relativ gut erhalten? Warum befindet sie sich in dem Flugzeug, indem er gefunden wurde? Abgestürzt war er in einer anderen Maschine mitten auf dem Meer. Ergo: Was macht seine Leiche hier?

Dieser Roman ist ein seriöser, spannender und sehr gut lesbare Kriminalroman alter britischer Tradition, am ehesten vergleichbar »Vera«. Protagonistin ist die forensische Archäologin Dr. Ruth Galloway, die meist von der Polizei in Norfolk als Beraterin zu den Mordfällen hinzugezogen wird.

In ihren Romanen hat Griffith eine Welt erschaffen, die in ihrer Gänze einfach Spaß macht. Galloways Tochter entstand aus einer Affäre mit dem DC Harry Nelson, der meist der Leiter der Ermittlungen ist. Verheiratet ist Nelson aber mit einer anderen Frau. Galloway selbst fühlt sich jetzt einem Amerikaner hingezogen, mit dem Sie bereits eine Fernsehdokumentation gemacht hat. Im vorliegenden Roman ist die amerikanische Produktionsfirma erneut interessiert, zu den Vorfällen in Norfolk eine Reportage zu historischen Ereignissen zu drehen.

Die Welt rund um Ruth Galloway und das Ermittlerteam zu erkunden, stellt sich als eine überaus angenehme Lektüre dar. Sowohl die Ermittlungen als auch die Konflikte im Privatleben der Protagonisten sind spannend und reizen, der Lösung unbedingt näher kommen zu wollen. Deshalb empfehle ich diesen britischen Kriminalroman, der sich hinter den Büchern von Elizabeth George, Martha Grimes oder Val McDermid nicht verstecken braucht, sehr gerne.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 30.08.2019

Thriller-Element verschwunden, dafür mehr Fantasy

Schattendämmerung
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Der zweite Band der Schatten-Trilogie handelt etwas mehr als zehn Jahre nach dem ersten Band. Er kann aber standalone gelesen werden. Da, wo es notwendig ist, werden die fehlenden Infos aus „Schattenmond" ...

Der zweite Band der Schatten-Trilogie handelt etwas mehr als zehn Jahre nach dem ersten Band. Er kann aber standalone gelesen werden. Da, wo es notwendig ist, werden die fehlenden Infos aus „Schattenmond" nachgereicht. Was die Figuren angeht, gibt es natürlich Überschneidungen. Muss ja auch so sein, denn schließlich wird eine komplette Welt erschaffen, wie das in Fantasy-Romanen üblich ist.

Protagonistin dieses Bandes ist Fallon Swift, die Tochter von den Protagonisten Lana und Max aus dem ersten Band. Sie ist im Teenageralter und wurde bereits mit den Kräften geboren, um die Welt von allem Bösen zu befreien. Sie ist die Eine, die Retterin. Doch obwohl sie schon über alle Kräfte verfügt, muss sie erst noch lernen, wie sie sie richtig einsetzen kann. Dafür wird sie für zwei Jahre in die Lehre geschickt. Sie muss ihre Familie allein lassen. Der Abschied fällt ihr schwer und macht ihr zu schaffen. Doch sie lernt auch viele neue Wesen kennen, die ihr sehr gute Freunde werden. Neben Menschen sind es Hexen, Elfen, Feen und andere zauberhafte Wesen. Bedroht wird Fallon's Welt von dunklen Mächten, die auch schon hinter dem Virus steckten, der die Erde wie sie einmal war zerstört und die Menschen fast ausgerottet hat.

Der Roman bleibt meiner Meinung nach weit hinter dem ersten Band zurück. Es fehlen die Action, die Kämpfe und Schlachten, die Intrigen, mit denen die Geschichte im ersten Band beginnt. Die Welt, wie sie jetzt existiert ist mit der düsteren Welt von „The Walking Dead" vergleichbar, nur ohne Zombies. Andererseits erinnert die Ausbildung der jungen Fallon zur vollwertigen Weltretterin sehr stark an Harry Potter und dessen Spiele in Hogwarts. Es geht zu sehr um die Gefühle von Fallon Swift, das Verlassen der Familie, das Kennenlernen neuer Leute, dass Lernen und Sammeln von Erfahrungen. Die vielbeschworene Bedrohung durch die Raider oder Purity Warriors ist eine stete Bedrohung, scheint aber nicht wirklich gefährlich zu sein. Während ich den ersten Band noch als einen Thriller mit Mystery- und Fantasy-Elementen charakterisierte, ist im zweiten Band das Thriller-Element komplett verschwunden.

Es bleibt ein sehr unterhaltsamer Fantasy-Roman, der den Ansprüchen der Fantasy-Leser genüge tun mag, aber dem es an Kraft und Action fehlt. Unterhaltsam und lesbar ist dabei aber allemal.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019