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Veröffentlicht am 16.04.2021

Interessant und lehrreich, aber kein praktischer Helfer

Fühlen lernen
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In dem Buch “Fühlen lernen – Warum wir so oft unsere Emotionen nicht verstehen und wie wir das ändern können” führt uns die Autorin Dr. Carlotta Welding nicht nur die Relevanz von Gefühlen und Emotionen ...

In dem Buch “Fühlen lernen – Warum wir so oft unsere Emotionen nicht verstehen und wie wir das ändern können” führt uns die Autorin Dr. Carlotta Welding nicht nur die Relevanz von Gefühlen und Emotionen vor Augen, sondern argumentiert auch, dass wir gerade in den aktuellen Zeiten besonders Rücksicht darauf nehmen sollten, da wir oftmals die Signale unseres Körpers kaum noch wahrnehmen können, sondern vielfach nur noch Gefühle durch Emojis auf sozialen Plattformen ausdrücken. Ohne echte Gefühle ist aber keine richtige Bindung zu anderen Menschen mehr möglich.
Den Schreibstil des Buches empfinde ich als sehr angenehm und für meinen Geschmack trifft sie auch genau die richtige Mischung aus persönlichen Anekdoten und wissenschaftlich fundierten Grundlagen. Das Buch hat auf vielen Seiten einen Denkprozess bei mir in Gang gesetzt, da ich mich im Umgang mit meinen Gefühlen oft wiederfinden konnte. Aber das war auch einer der Gründe, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Insbesondere der Titel “Fühlen lernen” hat bei mir dementsprechend hohe Erwartungen erfüllt.
Die Erwartungen, die mit dem Titel bei mir geschaffen wurden, wurden allerdings leider nicht erfüllt. Erst das letzte Drittel des Buches beschäftigt sich mit praktischen Tipps und Möglichkeiten, wie man an gewisse Probleme herangehen könnte. Diese bleiben allerdings sehr abstrakt und bietet mir damit kein Tool, dass ich im täglichen Leben einsetzen könnte. Bezüglich des Titels muss ich also sagen, dass das Thema leicht verfehlt ist. Allerdings habe ich viele sinnvolle Informationen erhalten – auch wenn diese zum Teil eher unerwartet kamen. Zum Beispiel erzählt die Autorin sehr viel darüber, wie in der Kindheit überhaupt die Fähigkeit zur Erkennung und Verarbeitung (oder auch Verdrängung) von Gefühlen entstehen. Ich weiß durch dieses Buch auch sehr viel von Alexithymie – Gefühlsblindheit. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass gefühlsblinde Menschen mit Hilfe des Buches wieder lernen könnten, auf ihre Gefühle zu hören. Aber sie bekommen zumindest den Tipp, sich an einen Psychologen zu wenden.
Zusammenfassend ein sehr interessantes Buch, dass ich sehr gern gelesen habe und vermutlich auch noch öfters zur Hand nehmen werde. Allerdings ist es kein Handbuch, um fühlen zu lernen, unterstützt aber den Lesenden ein tieferes Verständnis zu gewinnen und vielleicht auch die Reaktionen mancher Mitmenschen besser einordnen zu können. Also durchaus eine sehr interessante Lektüre!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 13.04.2021

Schwacher Spannungsbogen und zu vorhersehbar

Höllenkind
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Der Thriller “Höllenkind" von Veit Etzold ist der 8. Fall der Thriller-Reihe um die ermittelnde Patho-Psychologin Clara Vidalis. In diesem Teil ermittelt Clara Vidalis in Rom: Bei einer prunkvollen Hochzeit ...

Der Thriller “Höllenkind" von Veit Etzold ist der 8. Fall der Thriller-Reihe um die ermittelnde Patho-Psychologin Clara Vidalis. In diesem Teil ermittelt Clara Vidalis in Rom: Bei einer prunkvollen Hochzeit in der sixtinischen Kapelle bricht die Braut unter großen Schmerzen und blutüberströmt tot zusammen.
Vor allem der Klappentext aber auch die beiden Hauptcharaktere der Serie Clara Vidalis und ihr Mann McDeath versprachen gute Unterhaltung. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und einfach zu lesen. Dementsprechend ist mir auch der Einstieg in das Buch gut gelungen, obwohl der Autor sehr viele Referenzen zum vorhergehenden Teil aufwirft, den ich bisher nicht gelesen habe. Allerdings führt er auch im weiteren Verlauf des Buches Referenzen auf andere Teile der Serie an und kennzeichnet diese sogar mit Fußnoten. Das hat meinen Lesefluss doch etwas gestört. Auch die ständigen etwas belehrend wirkenden Zusatzinformationen zu den unterschiedlichsten Themen wie dem Vatikan, Florenz, Kunst und Religion wirkten etwas ablenkend und ausschweifend. Erst als Clara ihren Urlaub in Florenz antritt wirken die Infos etwas glaubwürdiger, da es in Form touristischer Informationen verpackt sind.
Der Spannungsbogen ist leider etwas Thriller untypisch. Für mich persönlich kommt kaum Spannung auf und mit ca. der Hälfte des Buches wusste ich bereits, wie alles zusammenhängt und wie das Buch ausgehen wird. Es kam dann auch so, aber trotzdem ist das Ende immernoch offen und lässt mich als Leser etwas unbefriedigt zurück.
Zusammenfassend ist es eine leichte Lektüre, die streckenweise auch mal ziemlich brutal ist. Weiterempfehlen würde ich das Buch jetzt nicht unbedingt, es sei denn, man ist ein absoluter Fan der Serie. Ich hoffe einfach, dass die nächsten Teile wieder besser werden, denn die beiden Hauptcharaktere haben wirklich Potential!

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 21.03.2021

Leider zu viel verschenktes Potential

Fürchtet uns, wir sind die Zukunft
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In “Fürchtet uns, wir sind die Zukunft” von Lea-Lina Oppermann trifft der frisch gebackene Klavierstudent Theo auf die Mitstudentin Aida, die ihn sofort fasziniert. Zunächst ist es ihre Erscheinung selbst, ...

In “Fürchtet uns, wir sind die Zukunft” von Lea-Lina Oppermann trifft der frisch gebackene Klavierstudent Theo auf die Mitstudentin Aida, die ihn sofort fasziniert. Zunächst ist es ihre Erscheinung selbst, doch sehr schnell merkt er, dass Aida mit der ZUKUNFT gegen die Machtstrukturen der Akademie kämpft und die dortigen Missstände anprangert. Ihre feurigen Reden rütteln nicht nur wach, sondern motivieren auch zu waghalsigen Aktionen.
Das Buch beginnt wirklich großartig mit einer Klavierstunde bei Herrn Goldstein. Diese Stunde und auch alle weiteren bei Goldstein waren für mich das ganz große Highlight (neben den Szenen mit Panzer :)) des Buches. Das Setting des Buches ist also wirklich gut gewählt. Man bekommt beispielsweise einen sehr gut einen Eindruck von den alltäglichen Problemen von Theo, dem Konkurrenzdruck an der Akademie, etc. Doch leider sind diese Szenen eher der Nebenschauplatz. Das eigentliche Thema sind die Missstände in der Akademie und, dass man sich unabhängig von der Manipulation der Medien und dem Einfluss anderer Menschen machen solle. Diese Themen finde ich sehr gut gewählt und äußerst relevant, aber bei mir bleibt nach dem Lesen leider der Eindruck zurück, dass die Autorin das volle Potential des Themas leider nicht ausgeschöpft hat.
Die Aktionen der Gruppe ZUKUNFT werden meist durch die Reden von Aida motiviert. Allerdings finde ich die Reden nicht sonderlich feurig. Klar, es werden wichtige Themen angesprochen, denen ich auch durchweg zustimme, aber es gibt im Buch sehr viel bessere Stellen, die erahnen lassen, dass die Autorin hier noch viel mehr draus hätte machen können. Die Aktionen selbst wirken leider zudem etwas unreflektiert. Als Leser bekommt man keinen weiteren Eindruck, welche Auswirkungen die Aktionen überhaupt haben, ob die Gruppe etwas erreicht hat, etc.
Das meiste geht mir auch irgendwie viel zu schnell. Ich habe das Gefühl, dass Theo von Tag zu Tag gehetzt wird und ich als Leserin hatte echt das Problem den Überblick zu behalten, wieviele Tage überhaupt vergangen sind. Über die Aktionen der ZUKUNFT leiden leider auch die Klavierstunden… Theo scheint einfach zu fasziniert von Aida. Ob sich das allerdings auch auf ihre Überzeugungen bezieht, bleibt manchmal etwas unklar. Er scheint eher in einer rosaroten Wolke und daher leidet manchmal auch die Rationalität seiner Entscheidungen etwas.
Trotz der negativen Punkte hat mich das Buch wirklich angesprochen. Es war schnell zu lesen und hat mich gefesselt. Mein erster Eindruck als ich es dann beiseite gelegt hatte war, dass es sehr “intensiv” war – im Positiven. Wirklich schade, dass hier nicht das volle Potential ausgenutzt wurde, sonst wäre es wirklich ein großartiges Highlight.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2021

Trotz kleinerer Schwächen wird das Essen gut

Essen gut, alles gut
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Das Buch “Essen gut, alles gut" von Dr. Heike Niemeier ist ein moderner Ernährungsratgeber, der auf 368 Seiten im KiWi Verlag erschienen ist. Das Buch umfasst unterschiedlichste Themen von Lebensmitteln ...

Das Buch “Essen gut, alles gut" von Dr. Heike Niemeier ist ein moderner Ernährungsratgeber, der auf 368 Seiten im KiWi Verlag erschienen ist. Das Buch umfasst unterschiedlichste Themen von Lebensmitteln und ihren Makro- und Mikronährstoffen, aber auch zu unterschiedlichen Mythen bis hin zu Achtsamkeit beim Essen. Zur Darstellung der Inhalte fließen sowohl wissenschaftliche Studien, Fallbeispiele aus der Ernährungsberatung sowie persönliche Erfahrungen der Autorin mit ein. Der Text wird aufgelockert durch unterschiedliche Info-Boxen, Experimente und Rezepte.
Grundsätzlich stellt das Buch eine Low Carb Ernährung und die zugrundeliegenden Prozesse im Köper vor, allerdings mit dem Fokus, dass es sich um Low und nicht No Carb handelt. Allerdings setzen die Rezepte und Einkaufslisten im Buch sehr auf tierische Eiweiße. Auch eine Diskussion über alternative Lebensmittel oder beispielsweise den Ersatz durch Hülsenfrüchte wird leider kaum diskutiert. Das ist gerade in der heutigen Zeit natürlich sehr schade, hier sehe ich noch sehr gutes Potential. Besonders gut finde ich aber, dass es bei der Autorin grundsätzlich keine Verbote bzgl. der Lebensmittel gibt.
Die Theorie wird sehr anschaulich verdeutlicht. Ihren Schreibstil finde ich sehr gelungen. Allerdings stören mich die vielen Verweise zu anderen Kapiteln und auch Hinweise im Text über bereits gelesenes – das stört den Lesefluss wirklich ungemein. Auch die Grafik des “Guten Tellers” habe ich 5 Mal im Buch gefunden. Ich weiß, dass Wiederholungen gut sind, um sich Sachen besser zu verinnerlichen, aber das finde ich schon etwas zu häufig ;)
Inhaltlich gibt es leider Kapitel, in denen für meinen Geschmack zu wenig Informationen dargestellt werden, z.B. wird beschrieben, dass die Verfügbarkeit von Proteinen durch die Kombination unterschiedlicher Lebensmittel nicht einfach nur addiert wird, sondern sogar noch gesteigert werden kann. Das war mir so bisher noch nicht bewusst und als Wissenschaftlerin frage ich mich dann natürlich sofort, in welchem Verhältnis kombiniert werden sollte etc. Ich hätte mir außerdem gewünscht, dass beispielhaft eins der Rezepte im Buch genauer untersucht worden wäre auf Basis der enthaltenen Nährstoffe. Die Rezepte selbst sind aber allesamt sehr lecker und leicht umzusetzen. Lediglich die Angabe der benötigten Kochutensilien finde ich etwas seltsam und nicht notwendig. Bei manchen Rezepten fehlt mir allerdings noch die Information, ob es sich um ein vollwertiges Essen oder doch eher nur um eine Beilage handelt.
Ein grundlegender Kritikpunkt ist für mich noch das nicht vorhandene Register. Falls man eins der Rezepte im Buch tatsächlich nachkochen möchte, oder eine spezielle Tabelle sucht, bleibt einem leider nichts anderes übrig, als durch das komplette Buch zu blättern.
Zusammenfassend gibt das Buch einen guten Überblick über Prozesse in unserem Körper und vermittelt mit unterschiedlichen Methoden, wie wir wieder ein besseres Körper- und Essgefühl bekommen. Auch die Rezepte für einen Einstieg sind sehr leicht umzusetzen und lecker – also abgesehen von ein paar Kritikpunkten handelt es sich um einen soliden Ernährungsratgeber, der Spaß macht.

  • Cover
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Veröffentlicht am 17.01.2021

Aktuelle Erkenntnisse, aber subjektiv geprägt

Der Elternkompass
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“Der Elternkompass – Was ist wirklich gut für mein Kind? Alle wissenschaftlichen Studien ausgewertet" von Nicola Schmidt ist beim GRÄFE UND UNZER Verlag erschnienen und setzt sich mit diesem Titel bereits ...

“Der Elternkompass – Was ist wirklich gut für mein Kind? Alle wissenschaftlichen Studien ausgewertet" von Nicola Schmidt ist beim GRÄFE UND UNZER Verlag erschnienen und setzt sich mit diesem Titel bereits ein hehres Ziel.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt und deckt die Lebensbereiche von Schwangerschaft und Geburt, über Kleinkinder bis hin zu Schulkindern ab. Der Fokus liegt eindeutig auf dem ersten Abschnitt, die letzten beiden sind dagegen eher kurz. Die Gestaltung der Abschnitte ist sehr übersichtlich und auch mit dem Inhaltsverzeichnis lässt sich sehr gut arbeiten, wenn man auf der Suche nach einem speziellen Thema ist.
Den Schreibstil empfinde ich als sehr angenehm und unterhaltsam, aber definitiv nicht als wissenschaftlich. Die Autorin fasst Ergebnisse unterschiedlicher Studien zusammen und schmückt diese mit eigenen Erfahrungen aus. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Auswahl der Studien subjektiv geprägt ist. Auch die Darstellung ist nicht immer neutral, steigert dadurch aber den Unterhaltungsfaktor. Sehr gut finde ich, dass Studien aus unterschiedlichen kulturellen Kreisen berücksichtigt wurden, um sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Für mich ist allerdings unklar, wie das Buch das Ergebnis aus 900 Studien sein kann, wenn nur ca. 500 Quellen benannt werden und diese z.T. auch mehrfach zitiert sind. Aber vllt. wurden Studien innerhalb von Metastudien gezählt.
Zusammenfassend gibt das Buch einen guten Überblick über aktuelle Studien, wird aber dem Ziel der Darstellung aller wissenschaftlichen Studien mit Sicherheit nicht gerecht… Trotz eines wissenschaftlichen Anspruchs ist das Buch allerdings sehr subjektiv geprägt und unterstützt somit die Thesen der Autorin. Was das Buch allerdings nicht liefert, sind praktische Tipps für unterschiedliche Lebenssituationen und Probleme in den unterschiedlichen Lebensabschnitten. Hier ist es eher an dem Lesenden, sich auf Basis der dargestellten Ergebnisse aus der Forschung eine Meinung zu bilden.
Für mich trotzdem eine gelungene und auch sehr lesenswerte Einleitung für werdende Eltern und die, die es noch werden wollen.

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